Ahzumjot hat mal eben gratis das Release der Woche abgeliefert

Er skippt seit Jahren den Hype, sagt er selbst. Die Frage, woran das liegen könnte, drängt sich spätestens seit Dienstag wieder auf – da erschien nämlich das Free Release (Album? Mixtape? EP? Juckt!) 16QT02: Tag Drei.

Alan vollzieht auf 14 Songs (6 von der Minus EP, 8 neue) eine ziemlich ehrliche und persönliche Standortbestimmung seiner Karriere im zweiten Quartal 2016. Das Ganze passiert auf Instrumentals, die geradewegs von den aktuell gefragtesten Köpfen aus den Staaten stammen könnten. Dass der Hamburger sich hier und da Inspiration aus Übersee geholt hat, wird nicht zum Geheimnis gemacht. Obendrauf gibt es dann noch so viele ganz individuelle Sounds, radikale Basslines und diffuse Zitat-Fetzen, dass niemand vom stumpfen Ami-Trends-Kopieren sprechen kann, das man anderen Artists hierzulande vielleicht vorwerfen könnte.

Der kleine Trip in Ahzumjots persönliche Sommerzeit '06 namens Minus fühlt sich schon seit dem Erscheinen im letztem Jahr so surreal an wie das, was No I.D. für Vince Staples gebastelt hatte. Die dichte Atmosphäre, die die ersten Songs versprechen, wird dann auch im restlichen Verlauf der Platte aufrecht erhalten.

Den Status Quo seiner Karriere inklusive einiger Abf**ks auf Szene, vergangene Jahre und falsche Leute zerpflückt der Rapper/Produzent besonders in Skits. Der Song enthält auch den einzigen neuen Feature-Part, in dem Mädness mal eben die vielleicht längste und verworrenste Reimkette des Jahres runterrappt. Zum Abschluss des Titels schafft Ahzumjot es dann noch, mit nur dreieinhalb Sounds einen Hauch der Gorillaz durchs Instrumental wehen zu lassen – gibt's auch nicht so oft im deutschen Rap!

Mit Platz/Angst gibt es auch die obligatorische Abrechnung mit dem, was gerade in der Szene Phase ist:

Jetzt ist der Club leider randvoll mit Hype / denn dieser Club ist der ganz neue Scheiß

Zum Thema Comebacks:

"Ich geh da nie mehr rein, ich hab' da nix mehr zu suchen" / sagten die Alten, doch verwarfen's seit es hier wieder cool ist

Und obwohl alle Platz in der Szene haben, steht Ahzumjot ohne Drink in der Ecke und weiß wohl nicht so recht, ob er mittanzen soll. Ist doch in Ordnung. Wer kennt nicht den Moment bei der Party, wenn einem die Ottos auf der Tanzfläche alle zu bekloppt vorkommen?

Alan will nur Frieden, wie er im Outro Montag deutlich macht. Mit dem Sound auf den neusten Releases hat er offenbar seinen Frieden gefunden, aber auch mit sich selbst. Er passt auf, wer in seinem Team ist. Er hat seine Prios im Griff und sein Handwerkzeug unter Kontrolle. Das alles merkt man bei 16Q02: Tag Drei an allen Ecken.

Ist ein richtig schönes Ding mit einem ganz eigenen Sound geworden, den du in Deutschland sonst nirgends findest. Zu allem Überfluss ist das Ding auch noch gratis zu haben ist und ohne jegliche Promo veröffentlicht. Digga, ahnma:

AHZUMJOT - SCHWÖR'S DIR / SCHWÖR'S MIR (2016)

Produziert von AHZUMJOT & LEV Das Album "16QT02: TAG DREI" hier kostenlos laden: ► Soundcloud: ► Youtube: ► Direktlink: ► Zippyshare: ► "MINUS"-EP bestellen:...

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Casper landet mit "XOXO" 10 Jahre nach Release wieder in den Charts

Casper landet mit "XOXO" 10 Jahre nach Release wieder in den Charts

Von Djamila Chastukhina am 17.07.2021 - 13:03

Zehn Jahre ist es nun her, dass Casper (jetzt auf Apple Music streamen) sein zweites Studioalbum veröffentlicht hat. "XOXO" ging seither dreimal Gold und hat auch zehn Jahre später noch Ohrwurmpotenzial. Diese Woche schafft es das legendäre Album des Bielefelders sogar erneut in die Top 10 der Album-Charts und beweist damit, was für einen Impact es bis heute noch auf die Szene hat.

Casper landet mit "XOXO" auf Platz 5 der offiziellen deutschen Album-Charts

Zwischen 2011 und 2013 war "XOXO" sehr häufig in den Charts. Casper hat mit seinem Album nämlich etwas geschaffen, das es so im Deutschrap vorher noch nicht gegeben hat: eine einzigartige Mischung aus verschiedensten Genre-Einflüssen, gepaart mit emotionalen Texten, die Melancholie, Aufbruchsstimmung und Teenage-Angst verbinden. 2019 wurde "XOXO" von der Juice zu einem der "wichtigsten Rap-Alben der Dekade" erklärt. Zum zehnten Jahrestag der Platte wurden scheinbar wieder Erinnerungen bei den Fans geweckt: Aktuell chartet der 38-Jährige nämlich nicht etwa mit seinem jüngsten Release "Schwarz", gemeinsam mit der Sängerin Lea, sondern mit seinem zweiten und wohl beliebtesten Album.


Foto:

Offizielle Deutsche Charts

Casper hat vor Beginn seiner Rapkarriere in einer Hardcore-Band gesungen. Dies färbte auch auf seinen Rap ab: Mit seiner rauen Stimme und düsteren Themen wollte er in "XOXO" "seine musikalische Sozialisation" darlegen. Und diese umfasst neben klassischem Rap eben auch Rock-Bands wie The xx, Explosions in the Sky oder Wolves in the Throne Room.

Der Rapper selbst sah das Album als eine Befreiung von allen Genre-Erwartungen, wie er in einem Interview mit der Juice 2011 erklärte:

"Wir haben eben keine Standard-Rap-Platte gemacht, sondern versucht, alle unsere Einflüsse zusammenzubringen. [...] Vom technischen Anspruch her ist es eine Rap-Platte, aber vom Musikalischen her ist es sehr weit entfernt von einer Rap-Platte. In jedem Fall ist sie ein Ergebnis der letzten zwei Jahre auf meinem iPod."

Ahzumjot und Thees Uhlmann über "XOXO"

Indie-Rock-Künstler Thees Uhlmann, der auf dem Titeltrack des Albums vertreten ist, äußert sich zum zehnten Jahrestag in einem Beitrag von Philipp Kressmann für Deutschlandfunk Kultur zu "XOXO". Er lobt dabei die Verschmelzung von verschiedenen musikalischen Einflüssen. Zudem habe er bereits vor Release gewusst, dass das Album große Wellen schlagen würde:

"Ich so: 'Es ist einfach brilliant. Der deutsche Gymnasialschulhof wird nach dieser Platte nie wieder derselbe Ort sein' und sowas. Es ist toll getextet, aber jeder kann da mitmachen, der sich für 'ne gewisse Tiefe und Schwere in seinem Leben interessiert."

Auch Journalist Philipp Kressmann spricht über den Einfluss, den das Album auf die Deutschrap-Szene hatte. Er hebt dabei hervor, dass das Ansprechen emotionaler Themen im deutschen Hiphop 2011 noch nicht sehr weit verbreitet war. Casper habe den deutschen Hiphop dank seiner Texte emotionaler gemacht und war laut Kressmann außerdem ein Impulsgeber für die Entwicklung hin zum emotionalen Rap, den man heute bei Künstlern wie Sierra Kidd, Sero oder Makko wiederfinden kann.

Auch Rap-Kollege Ahzumjot hat einige Jahre nach Release in einem Interview mit Niko Backspin ein paar Lobende Worte verloren:

"Casper hat, finde ich, [2011] eins der wichtigsten Deutschrap-Alben rausgebracht."

Bis heute ein bedeutendes Release

Für viele seiner Fans wird das Album für immer ein Klassiker bleiben, da es mit seiner Energie und den ehrlichen Texten häufig als sehr prägend empfunden wird. Nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass das Album nach einem Jahrzehnt immer noch große Aufmerksamkeit und Anerkennung genießt, kann "XOXO" wohl zu den Klassikern der Deutschrap-Alben gezählt werden. Mit seiner Platte hat Casper nämlich nicht nur seinen eigenen Stil neu erfunden, sondern auch die deutsche Raplandschaft nachhaltig verändert.


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