Drogenabhängig, gehypt und im Kampf gegen Xanax: Wer ist Lil Xan?

Rockbands wie die Arctic Monkeys oder Queens Of The Stone Age insprierten ihn, er wollte eigentlich Fotograf werden und kam nur zum Rap, weil er Opfer eines Diebstahls wurde. Lil Xans Karriere ist keine 0815-Laufbahn eines Rappers. Zu einem der heißesten Künstler der US-Rapszene hat er es dennoch geschafft. Obwohl auf Spotify neben einigen Singles nur eine drei Tracks starke EP zu finden ist, ziehen einzelne Hits des jungen Mannes auf YouTube bereits Klickzahlen, die deutschsprachige Hits wie "Kokaina" übertreffen. Deswegen stellen wir euch den jungen Mann vor, dessen Sound anderen Künstlern des Subgenres Emorap wie den Suicideboys ähnelt, der seine Heimat "Deadlands" nennt und dessen Debütalbum "Total Xanarchy" am 16. März erscheint.

Lil Xans bürgerlicher Name lautet Diego Leanos. Der 21-Jährige wurde im kalifornischen Redlands geboren - einer 70.000 Einwohnerstadt, in der laut Lil Xan "Träume sterben" und der er deswegen den Spitznamen "Deadlands" verpasst hat. Xans Jugend war eine von Drogen geprägte Zeit. In seinem Künstlernamen Lil Xan hat er ein verschreibungspflichtiges Mittel gegen Angst- und Panikstörungen untergebracht. Deswegen ist es zunächst etwas befremdlich, dass es nun ausgerechnet der junge Rapper ist, der gegen ein Mittel ankämpft, das neben einer amerikanischen Gesellschaftsdebatte um Opiate ebenfalls Teil der Diskussion werden könnte. 

2014 dachte Lil Xan noch nicht an die große Rapkarriere. Er hatte grade einen engen Freund verloren. Die besten Freunde des damals 18 Jahre alten Diego waren auf dem Rückweg aus Las Vegas auf der Autobahn verunglückt. Durch Aquaplaning verloren sie die Kontrolle über das Fahrzeug. Als sie realisiert hatten, dass niemandem etwas passiert war und sie auf dem Standstreifen auf die Polizei warteten, bemerkte einer der Jungs, dass sein Rucksack, in dem wohl auch diverse Drogen waren, auf der Straße lag. Ob es nun die Angst davor war, vor der Polizei aufzufliegen oder die Befürchtung, die Drogen zu verlieren, ist unklar. Jedenfalls rannte der Junge auf die Fahrbahn, um die Tasche samt Inhalt zu retten. Dabei wurde er von einem Auto erfasst und starb. Lil Xan erzählt diese Geschichte, ohne sich etwas anmerken zu lassen. Er beschreibt jedoch zeitgleich, dass er zur Verarbeitung dieses Dramas noch stärker auf etwas zurückgriff, das er zu diesem Zeitpunkt schon für sich entdeckt hatte: Xanax. Ein Präparat, nachdem hierzulande beispielsweise Sierra Kidd einen Track benannte, der prompt zu seinem größten Hit auf YouTube wurde. Das Mittel, das Im Fachjargon Alprazolam genannt wird, scheint also auch bei deutschsprachigen und vom US-Sound beeinflussten Artists wie Kidd eine Rolle zu spielen. Es ist eine Droge, gegen die Lil Xan heute kämpft, zu dessen Konsum er sich in früheren Tracks aber munter bekannte:

Lil Xan - BEEN BOUT IT (Official Music Video)

ELEVATOR - Going up daily. " Twitter: https://twitter.com/elevator_ " Website: http://elevatormag.com " Soundcloud: http://soundcloud.com/lvtrmag " http://elevatormag.com/submissions Lil Xan - BEEN BOUT IT (Official Music Video) Shot in by: Tyler Turtle Lil Xan " Twitter: https://twitter.com/DefuegoYola " Soundcloud: https://soundcloud.com/lil_xan Tyler Turtle " Twitter: https://twitter.com/tylertheturtle3

Es wirkt auf Außenstehende mitunter befremdlich, wie Lil Xan in Interviews über den Tod spricht. Er stellt ihn ihn manchmal als etwas dar, nach dem wir alle streben und das dann wie eine Art Erlösung über uns kommt. Der Tod als Erlösung? Das ist eine Sichtweise, die aus dem Mund eines Jungen Anfang 20 mindestens überrascht. Die meisten schockiert sie sogar eher. Insbesondere dann, wenn Xan im selben Interview zu einer Dose greift, aus der er Pillen herausholt, die unter dem Namen Norcos bekannt sind. Norcos ist ein Opiat, das als Schmerzmittel verwendet wird und von dem Lil Xan - laut eigener Aussage - aktuell nicht loskommt. Diese Moves überraschen die breite Masse. Wer sich aber mit dem Emorap-Movement und artverwandten Künstlern des Kaliforniers bereits befasst hat, der wird die Attitude bereits kennen. Die Offenbarung der eigenen Verletzlichkeit gehört gewissermaßen zum Markenkern dieser Künstler. Viele Straßen- oder Gangsterrapper würden einen Teufel tun, öffentlich zu solchen Schwächen zu stehen und sich in solchen Momenten sogar filem zu lassen.

Es sind Szenen, in denen der Rapper psychische Instabilität offenbart. Aus der Sicht eines Laien ist das von einem Menschen, der sein Hobby zum Beruf macht, Hypes auslöst und vor tausenden Fans abgefeiert wird, nicht zu erwarten. In solchen Augenblicken wird deutlich, was klar sein sollte: Geld, Fame und ein Leben auf Rausch machen weder per se glücklich, noch eignen sie sich dazu, seelische Schäden ungeschehen zu machen, die (junge) Menschen durch traumatische Erlebnisse erleiden. In Lil Xans Fall war es der Tod eines engen Freundes, der ihn in einen psychischen Zustand versetzte, der ihn anfällig für den Missbrauch von Drogen machte. Dieses einschneidende Erlebnis und der folgende Lebensweg sind aber möglicherweise - und darin liegt ein Stück Tragik - auch ein Grund dafür, dass viele Fans des Kaliforniers seine Musik derart fühlen. Straßenrapper reden immer von Realness, während Lil Xan sie einfach lebt. Und die Realität ist eben auch tragisch.

Doch zur Zeit des Unglücks eines seiner besten Homies dachte Lil Xan noch nicht an die eigene musikalische Karriere. Der Junge aus Redlands wollte Fotograf werden. Vielmehr war er es bereits, bevor er über einen kuriosen Umweg zur Musik kam. Großer Fan des Rappers Steven Cannon sei er gewesen, so berichtet Lil Xan es. Nach einem seiner Konzerte sei er zu seinem Idol hin, habe gefragt, ob er einige Fotos machen dürfe. Als er daraufhin immer wieder bei Konzerten auftauchte, habe die Crew des Künstlers ihn angesprochen und zum Tour-Fotografen gemacht.

Das ging so lange gut, bis Lil Xan sich 2015 bei einem Konzert dafür entschied, die Kamera kurz hinter dem DJ-Pult abzulegen, um sich in den Turn-Up zu stürzen. Als Lil Xan anschließend bemerkte, dass seine Kamera - die ein Geschenk seiner Eltern gewesen war - gestohlen wurde, war er am Boden zerstört. Doch es musste weitergehen. Also entschied er sich für eine pragmatische Lösung: Eine neue Kamera hätte um die 1200 US-Dollar gekostet. Ein wenig Studiozeit gab es für 200 US-Dollar, sodass unter monetären Gesichtspunkten klar war, dass er es als Rapper probieren würde. 2016 erschien dann der erste Track "Montana Doe":

LIL XAN - MONTANA DOE (PROD. OOHDEM BEATZ) by OOHDEM BEATZ

NEW TRACK BY @LIL_XAN PRODUCED BY OOHDEM BEATZ

Wie ernst dieser scheinbar aus der Verzweiflung gemachte Move gemeint war, zeigte Xan noch 2016 mit fünf weiteren Tracks. Der große Durchbruch sollte allerdings erst 2017 gelingen. Mit dem Track "Slingshot" erreichte er bereits etwas größere Aufmerksamkeit. So richtig ins Rollen kam die Soundcloud-Lawine dann allerdings mit dem Hit "Betrayed", in dessen Hook er sich dann auch ganz offensiv gegen den Konsum des Mittels, das im allgemeinen Sprachgebrauch Xanax genannt wird, ausspricht:

Xans don't make you / Xans gon' take you / Xans gon' fake you / Xans gon' betray you / Xans don't make you / Xans gon' take you / Xans gon' fake you / Xans gon' betray you

Lil Xan - Betrayed (Dir. by @_ColeBennett_)

Lil Xan - Betrayed (Prod. Bobby Johnson) https://soundcloud.com/lil_xan/betrayed http://www.instagram.com/xanxiety http://www.twitter.com/lilxanfuhyobih http://Facebook.com/lilxanfuhyobih Shot + Edited by Cole Bennett -- Official Channel of Cole Bennett / Lyrical Lemonade Subscribe for updates on music videos, interviews, performance videos, etc. Cole Bennett http://www.twitter.com/_colebennett_ http://www.instagram.com/_colebennett_ Lyrical Lemonade http://www.twitter.com/lyricalemonade http://www.instagram.com/lyricalemonade http://www.lyricallemonade.com

Weit über 120 Millionen Klicks hat die langsame und maßgeblich von der Hook beeinflusste Hymne des Xanarchy-Movements auf YouTube bereits gesammelt. Doch wie genau kam es zu dem radikalen Wandel weg vom Konsum des Mittels hin zur Ablehnung, die jetzt sogar im offenen Kampf dagegen mündet?

Zunächst einmal reifte bei ihm selbst die Erkenntnis, dass Xanax als Mittel keine Probleme löst, sondern bestenfalls die Illusion erzeugt, die Probleme seien durch den Konsum gelöst. Tatsächlich treibt ein solches Mittel allerdings in eine Abhängigkeit, von der Menschen schwer loskommen. Von einer weiteren Abhängigkeit versucht Xan - wie oben beschrieben - noch immer loszukommen. Es ist die Sucht nach dem Schmerzmittel Norcos. Als er dann vom tragischen Tod Lil Peeps erfuhr und vor allem davon, dass er an einer Überdosis eines Mixes aus Xanax und Fentanyl starb, wurde ihm nach eigener Aussage erneut bewusst, wie real das Problem auch im Rap ist.

Lil Xan und sein Xanarchy-Movement stehen für Freiheit, tragen Anarchie im Namen und kämpfen gegen den Missbrauch von Xanax, während sie andere Mittel mehr oder weniger offen konsumieren und auf Beats glorifizieren. Der Track "Wake Up" ist ein Beispiel:

Lil Xan - Wake Up (Dir. by @_ColeBennett_)

Lil Xan - Wake Up Song Produced by Danny Wolf x Dilip Directed + Edited by Cole Bennett Director of Photography: Cole Schwartz http://instagram.com/xanxiety http://instagram.com/dannyhoodrich http://instagram.com/lildilip http://instagram.com/_colebennett_ http://instagram.com/coleschwartz Filmed at Midnight Cinema (Chicago, IL) http://instagram.com/midnightcinema -- Official Channel of Cole Bennett / Lyrical Lemonade Subscribe for updates on music videos, interviews, performance videos, etc.

Sie stehen damit sinnbildlich für eine Gesellschaft, die sich beim Thema Drogen immer wieder in Widersprüchen und fadenscheinigen Diskussionen verstrickt. Drogenkonsum wird nicht nur im Rap allzu oft verherrlicht, ohne über Ursachen oder Folgen des Konsums zu sprechen. Dafür bietet Musik auch nicht immer die richtige Plattform. Lil Xan versucht es trotzdem. Auch wenn seine Anti-Xan-Kampagne keine allumfassende Kampagne gegen Drogenmissbrauch ist, so bietet Xan gesamtes Werk, sein Weg und seine Texte doch einen Ausgangspunkt, um über den Umgang mit Drogen zu reden.

Dabei geht es nie darum, Konsum oder Konsumentinnen und Konsumenten zu kriminalisieren oder in eine Ecke zu drängen, sondern es sollte das Ziel sein, zu verstehen, welche (gesellschaftlichen) Umstände Menschen zu Drogen greifen lassen. Kunst kann Menschen dazu bringen, eigene Gewohnheiten zu prüfen. Das ist es, was Lil Xan vermutlich erreichen möchte. Er weiß, wie schwer es ist, von diversen Substanzen herunterzukommen. Den Kampf gegen Xanax hat er gewonnen, andere Kämpfe bestreitet er noch. Diese und andere Erfahrungen teilt er mit seinen Fans und möchte ihnen die Illusion nehmen, dass Drogen irgendwas an den Problemen ändern, die möglicherweise der Grund für den Konsum sind. Damit geht er mit Rap ein gesamtgesellschaftliches Problem an, das uns alle intessieren sollte, ohne Betroffene zu diskriminieren oder zu kriminalisieren. Inwiefern Lil Xan das auf Albumlänge gelingt, werden wir am 16. März erfahren. Da erscheint Lil Xans Debütalbum. 

Ob er dann allerdings noch Lil Xan heißt, ist noch unklar. Denn obwohl er sich einst dauerhaft zu dem Namen bekannte, gibt es immer wieder Gerüchte, dass er bald unter seinem bürgerlichen Namen als Diego rappen könnte. Wir werden sehen. Denn wenn die Vergangenheit eines gezeigt hat, dann dass Xan seine besten Entscheidungen immer spontan getroffen hat.

 

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Kommentare

Noch einer von denen.... Klar, wird sich jetzt bestimmt ne krasse gesellschaftliche Debatte über Drogenm*ssbrauch auftun. Und danach nehmen dann weniger Leute Drugs. Gleich mal nachschauen auf welchen amerikanischen Artikel wieder zurückgegriffen wurde, damit der Autor hier so tun kann, als seien das seine eigenen Gedanken.

habs nicht gelesen, aber die antwort ist: 1 huansohn mit gesichtstattoos.. alle löschen

Was hat so ein übler Schrott mit Guter Musik zu tun...absolut"nichts"!!!

Den Zähnen nach zu urteilen könnts auch Frauenarzt sein :-D

Da kommt das nächste Opfer. Gibt´s noch normale Künstler oder nur noch diese EmoAffen?
Häng dich weg.

Wer liest sich bitte einen *****nroman zu so einem Spast durch?

Musik von Opfer für Opfer

toxic und rooz sind echt so geldgeil geworden seit youtube zensur.

"Jede Woche kommt ein brandneuer Rapper raus
Lil Dies, Lil Das, such dir einen aus"

Sorry NJ, aber Rapper sind die mit Sicherheit nicht

Wenn ihr nir halb soviel zeit für richtige interviews mit rapern aus deutschland nutzen würdet gäbe es nicht jeden tag so viel kritik an hiphop.de

Stabile seite nur müsst ihr nix aus den staaten berichten ( die kennt eh kaum wer von hier) nur weil gerade nix los ist bei uns in deutschland

Immer diese "Mimimi das ist doch kein echter Rap"-Leute, traurig diese Engstirnigkeit wo doch gerade der HipHop offen für alles sein sollte.

Mir hat der Artikel gefallen. Höre ihn nicht, aber mich interessiert Rap aus USA.

Ganz ehrlich...du kennst ihn nicht mal persönlich und beleidigst ihn als *********...der ********* von euch beiden ist dann ganz sicher nicht er!Du kannst doch gar nicht wissen wie er privat so ist und ihn dann zu beleidigen pff das sagt so einiges über dich aus und sowas wie dich nennt Man abschaum

Deine Meinung dazu?

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"Schlimmster Absturz!": Capital Bra reflektiert Tilidin-Sucht

"Schlimmster Absturz!": Capital Bra reflektiert Tilidin-Sucht

Von Till Hesterbrink am 09.09.2020 - 12:39

Vor ein paar Tagen erschien eine "Strg_F"-Doku über die "Rapdroge Tilidin", in welcher der Einfluss von Deutschrap auf den Drogenkonsum jugendlicher Menschen thematisiert wurde. Einer der Hauptangeklagten war Capital Bra, der vor allem durch seinen Song "Tilidin" zu einer Explosion des Marktes beigetragen haben soll. Nun äußerte er sich gegenüber "Strg_F" zum Thema Tilidin.

Capital Bra: "Das erste Mal? Schlimmster Absturz!"

Im Interview beschreibt Capital, wie er zu Tilidin gekommen ist. Seine Bekanntschaft mit dem Schmerzmittel habe er bereits lange vor der Rapkarriere gemacht. Als Jugendlicher habe er nichts als Unsinn im Kopf gehabt und hätte den Tag ohne Geld in den Taschen rumkriegen müssen. Da sei dann einer Gras holen gegangen und der andere habe Tilidin geholt und so hätte man die Tage erträglich gemacht.

"Jeder hat ein bisschen Kleingeld in der Tasche. Du musst den Tag aber irgendwie überbringen. [...] Du gehst nicht Schaukeln mit 15, weißt du, wie ich meine? Dann, einer holt Gras, einer holt Tilidin. Dann chillst du halt den ganzen Tag, weil du den ganzen Tag so ein Kopf hast und dann gehst du nach Hause. Und jeden Tag von vorne."

Als Capi das erste Mal Tilidin probiert habe, war er nach eigenen Angaben zwei Tage nur am Kotzen und am Zittern.

Seinen Tilidin-Konsum als Rapper begründet der Bratan mit dem einhergehenden Stress, der untrennbar mit Ruhm verbunden sei – Volle Taschen, Leute, die ihn beeinflussen wollen und Fans, die keine Grenzen kennen, um ihrem Idol nahe zu sein. Er berichtet, wie Hörer ihm teilweise Tilidin-Flaschen durchs offene Fenster ins Auto geworfen hätten.

Aber auch die Trennungen von seinen Labels Team Kuku und Ersguterjunge stellt Capital als sehr kräftezehrend dar. Das Tilidin habe ihn in dieser Zeit einfach beruhigt. Das sei trotzdem keine Entschuldigung, mittlerweile würde er sehen, wie schlechte der Konsum von Tilidin für ihn sei.

"Tilidin macht ja jedem einen anderen Kopf, [...] Bei mir war es zum Beispiel so, ich konnte vergessen bisschen, so chillen. Anderen Kopf haben so, keine Probleme gerade. Aber halt irgendwann bist du gef*ckt davon. Weil wenn du aufstehst und das nicht hast... Das ist körperlicher Entzug, nicht psychischer."

Tilidin habe laut Capital eine ganz andere Suchtgefahr als andere Drogen. Bei ihm selbst sei es so weit gekommen, dass er wie ein "vercrackter Junkie" gewesen sei.

"Stell dir vor, du gehst in den Urlaub. Du nimmst Kokain mit, du nimmst Gras mit und Tilidin mit. [...] Wenn das Koka alle ist, ist dir egal. Gras, ist egal. Aber wenn du nur noch 'ne halbe Flasche Tilidin hast, fährst du sofort nach Hause."

Capital Bra: "Sieht man, dass ich mich schäme?"

Um vom Tilidin loszukommen, habe Capi mehrer Anläufe gebraucht. Der Entzug würde mit der Zeit immer schwerer werden und erst nach einem Monat Abstinenz könne man sagen, dass man es geschafft hätte. Für den Bra sei die größte Motivation, clean zu werden, der Wunsch gewesen, seine Kinder nüchtern zu erleben.

"Ich wollte meine Kinder auch so vom Kindergarten abholen. Ich wollte nicht mehr irgendwie benebelt sein, oder was auch immer. Da hab ich mir gedacht, okay reicht jetzt. Du musst jetzt klarkommen, musst erwachsen werden. Auch wegen Familie und so. Ich muss ja auch Rapper und Familienpapa sein. Irgendwas dazwischen."

Die "Strg_F"-Reportage hätte ihn sehr bewegt. Sein Gesicht dort zu sehen, wäre schon ein Schock für ihn gewesen. Dem Dealer, der in der Doku behauptet, nach dem Song "Tilidin" hätte es einen rasanten Anstieg in der Nachfrage gegeben, wünscht er die Festnahme. Tilidin sei schließlich eine der schlimmsten Drogen überhaupt und er könne sich nicht vorstellen, wie ein Jugendlicher den körperlichen Entzug bewältigen solle.

Tilidin sei laut Capi aber keine "Rap-Droge". Das Schmerzmittel hätte mit Rap eigentlich nichts zutun, sie hätten lediglich darüber gerappt, weil es Teil ihrer Lebensrealität gewesen sei. Ziel sei es nie gewesen, das Ganze als cool darzustellen. Dass Fans auch Tilidin nehmen würden, um sich ihrem Lieblingskünstler näher zu fühlen, hält er für eine äußerst schlechte Idee. Niemand würde ihm oder Samra so näher kommen.

Für die Zukunft verspricht der Bratan, seinen Tilidin-Konsum nicht mehr in Texten zu verarbeiten. Drogen sollen weniger häufig das Thema seiner Songs sein.

Das ganze Interview könnt ihr hier schauen:

Tilidin x Deutschrap: Reportage spürt der Modedroge nach

Die Droge Tilidin ist in den letzten Jahren aus dem Deutschrap-Kosmos kaum wegzudenken. Von Capital Bra über Samra bis kürzlich Bonez MC (" Tilidin weg") - das verschreibungspflichtige Schmerzmittel ist bei denjenigen vorne dabei, die auch die Charts anführen. Tilidin hat Einzug in den Mainstream gefunden. Das bleibt nicht unbemerkt.


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