Kool Savas über Streaming: "Man muss sich diesem Release-Wahnsinn nicht beugen"

Die Streaming-Dienste wie Spotify oder Apple Music sind in der heutigen Zeit gar nicht mehr wegzudenken. Sie beeinflussen nicht nur das Hörerverhalten, sondern prägen auch die Art und Weise wie Musik produziert und vermarktet wird. Nach GfK Entertainment und dem Bundesverband Musikindustrie (BVMI) ist die Anzahl der User auf Spotify im letzten Jahr um 30% gestiegen. Im Jahr 2019 nutzten 271 Millionen Hörer weltweit den Streaming-Dienst.

Kool Savas und Toxik über das Streaming-Zeitalter

Für den #Businessclass-Podcast des jungen Handelsblatt-Portals Orange sprachen die Moderatoren mit Kool Savas und Toxik über die Entwicklungen im Streaming-Zeitalter. Kool Savas sagt, dass ein Unterschied zu früher darin liegt, dass es sich damals schnell gezeigt hat, ob ein Album kommerziell erfolgreich wird oder nicht. Heute sei das Potential eines Songs, auch nach einiger Zeit noch erfolgreich zu werden, viel höher. Einen Grund sieht er beispielsweise darin, dass ein Song zur richtigen Zeit in der richtigen Playlist landen kann. Außerdem sei es für ein jüngeres Publikum durch die Abonnements bei Streaming-Plattformen heutzutage viel günstiger, neue Musik zu hören.

Doch nicht nur der Erfolg der Musik hängt vom Streaming ab. Auch die Musik habe sich verändert. Die Intros seien kürzer und meist beginnen die Songs mit dem Chorus. Kool Savas sagt:

"Das ist einfach nur, weil die Leute sofort erkennen sollen, um welchen Song es geht, damit sie nicht weiter skippen. Das Konsumverhalten hat sich verändert. Es ist so wie wenn du als Kind nachts alleine in einem Süßigkeitenladen eingesperrt bist und überall mal kosten kannst. Da muss irgendwas so krass bei dir hängen bleiben, dass du sagst, ich esse das jetzt noch mal. Im besten Fall läuft es so, man läuft da durch und nimmt sich von allem etwas."

Auch Toxik erkennt diesen Trend. Insbesondere deutscher Rap habe sich extremst verändert. Er sei viel melodischer und die Strophen kürzer geworden. Außerdem sagt er:

"Wenn man 25 Minuten ins Mikrofon schreit und super anspruchsvoll rappt, war das vielleicht früher cool, um Leute zu beeindrucken, aber der Algorithmus dankt es einem heute vielleicht nicht."

Im Vergleich zu früher sei außerdem erkennbar, dass die Frequenz der veröffentlichten Songs heute viel höher sei. Toxik erklärt sich das dadurch, dass bei Spotify auch die Anzahl der monatlichen Hörer*innen extrem wichtig sei. Diese werde hoch gehalten, wenn konsequent viele Tracks veröffentlicht werden. 

Kool Savas sieht diese Tendenz auch, betont aber, dass sich nicht jeder Künstler danach richten sollte. Er sagt dazu:

"Man muss sich diesem Release-Wahnsinn nicht beugen, das wäre totaler Blödsinn. Es gibt Künstler, zu denen passt das nicht. Das ist einfach eine andere Art und Weise, wie man damit umgeht. Aber für neue Künstler, die wirklich von Medien wie Instagram abhängig sind und damit auch intensiv arbeiten, ist das schon wichtig, dass die auch bei diesem Tempo mithalten. Sonst sind die nicht mehr auffällig genug."

Am Ende des Interviews wird deutlich, dass er die Entwicklung der Streaming-Dienste weder komplett positiv noch negativ einschätzt. Es gebe beide Seiten.

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Azad, Kalim, Olexesh, Azet, reezy & mehr im Deutschrap-Update

Azad, Kalim, Olexesh, Azet, reezy & mehr im Deutschrap-Update

Von Till Hesterbrink am 18.09.2020 - 11:45

So viele Alben an einem Freitag, dass man schnell den Überblick verlieren kann. Zum Glück liefern wir mit dem Deutschrap-Update einen Überblick, was diese Woche neu gekommen ist.

Auf unserem Playlist-Cover sind diese Woche Produzent Endzone und die 65Goonz. Ersterer hat heute sein Album "2020" veröffentlicht und versammelt da einige der heißesten Namen, die der Untergrund aktuell zu bieten hat.

Alben: Capital Bra, reezy, Azet & Albi

Capital Bra bringt sein neustes Werk "CB7" an den Start. Mit dabei: Das Who-Is-Who der deutschen Musiklandschaft. Auf "Früher pleite heute Benz" vereint der Bratan Nimo und Summer Cem. Berlin lebt definitiv!

reezy veröffentlicht "Weisswein & Heartbreaks". Zusammen mit seinem Labelsigning TRIM haut er den absoluten Ohrwurm "Wo Du?" raus. Was er über sein neues Werk zu sagen hat, könnt ihr euch hier anschauen:

Mit "Fast Life 2" bringen Azet und sein Bruder Albi entweder die Fortsetzung zu einer mittlerweile zum Klassiker gewordenen EP von Azet aus dem Jahr 2016 oder seinem gleichnamigen Debütalbum aus 2018. Wie dem auch sei, das Kollaboalbum hat es auf jeden Fall in sich. In der Playlist sind die beiden mit dem Track "Fast Life 2".

Singles: Azad, Kalim & Olexesh

Der frisch tätowierte Olexesh haut mit "Kriminal" ein komplettes Brett raus. Melodische Hook und harte Verses, eben genau, was die Oldschool-Fans sich wünschen. Das zugehörige Video von 100kfilmss ist ein echter Film und ebenfalls absolut sehenswert.

Nächste Woche ist es endlich so weit: Azad bringt sein neues Album "GOAT" raus. Die Wartezeit verkürzt der Krankfurter mit seiner neuen Single "My Eyes". Das Intro kommt von Sylvester Stallone in der ikonischen Rolle des Boxers Rocky Balboa.

Auch am nächsten Freitag releast Kalim seinen frisch angekündigten Longplayer "MVP". Als letzte Single veröffentlicht der Hamburger diese Woche mit "Baby" einen Song, den manch einer vielleicht schon mal gehört hat. Der Track lief als kurzes Snippet am Anfang des Videos zur ersten Single "Skrr".

Außerdem sind diese Woche neu in der "Groove Attack by Hiphop.de"-Playlist: Nizi19, Lucio101, Kool Savas, Sido, Kalazh44, Money Boy, Kilomatik und viele mehr.

Hier kannst du die Playlist abonnieren!


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