Kool Savas und Genetikk zwischen Kuhweiden und Gletschern

Der Festivalsommer hat endlich begonnen. Für dich heißt das: Party, pogen und Pushkin. Für uns heißt das: arbeiten, arbeiten und arbeiten.

Also wurde nach dem grandiosen diesjährigen Out4Fame Festival in Hünxe schnell der Koffer ausgepackt, die Klamotten gewaschen, die Akkus aufgefüllt (allerdings nur die des Equipments, nicht die eigenen), um alles wieder im Auto zu verstauen und in die Schweiz zu reisen. Das Touch The Air erwartete uns bereits.

I gotta testify / come up in the spot lookin extra fly / for the day I die / I'm gon' touch the sky

Legen wir Zeugnis über eine der größten Musik-Veranstaltungen der Schweiz ab. Ein Festival, das sich bemüht, Urban Culture mit der Elektroszene zu verbinden. Eins sei vorweggenommen: es funktioniert!

Aber von vorn! Gletscher gibt es erst ein paar Kilometer weiter, aber ich brauchte ein weiteres Wort mit "G" für die Headline und es passt zur Schweiz. Das Gelände liegt auf einem Berg in einer kleinen Ortschaft außerhalb von Zürich. Es gibt eine Hauptbühne, auf der sich die Rapacts die Mics in die Hand gaben und ein aus Kalifornien stammender DJ mit langen, schwarzen Haaren und asiatischen Wurzeln den Endorphinspiegel im Blut der Besucher mit seinem Pult ans Maximum brachte. Im Electric Ballroom trumpfte man mit Oliver Koletzki, Alle Farben, Lost Frequencies und Format B auf. Als Final Act schaute das Soundsystem der Gorillaz vorbei.

Zugegeben, nach einem nächtlichen Schauer von Freitag auf Samstag hielt selbst das robuste Gras der Kuhweide dem Druck des Regens und der tanzenden Menge nicht mehr atand. Das Ergebnis: Matsch! Überall! 

Wer es allerdings schaffte, die Rutschpartie am Winston Dome, die an Takeshi's Castle erinnerte, zu überwinden, der konnte auf der oberen Etage wohl die Aussicht seines Lebens genießen. Die Galerie dort bot neben der großartigen Bergkulisse und dem Überblick über das komplette, nächtlich beleuchtete Festival auch die Gelegenheit, auf weißen Sitzmöbeln zu chillen - oder man schmiss sich eben ein Stockwerk tiefer einfach in den Moshpit. 

Verzweifelte Singles, die es selbst in diesem Ambiente nicht auf die Reihe bekamen, sich eine Begleitung für den restlichen Abend oder länger zu sichern, hatten die Chance, in einer Live-Tinder-Lounge ihr Glück zu versuchen. Erst, als wir das entdeckt hatten, verstanden wir, warum unser Kameramann ständig von fremden Frauen gegrüßt wurde.

Vergisst man die ganzen Locations, in denen man einfach nur klassisch abfeiern kann, und bewertet die Live-Shows, muss man unseren deutschen Rapacts mal wieder Respekt zollen. Auf die Jungs ist stets Verlass, wenn eine gute Performance gefragt ist. Es war an den ersten beiden Tagen deutlich zu merken, dass die Schweizer eher auf Elektronisches abfahren. 

So standen beim Auftritt der 257ers am Nachmittag eine gefühlte Handvoll Menschen vor der Hauptbühne, was die Jungs absolut nicht störte. Sie zogen ihr Programm durch und schafften es, dass sogar diese Crowd bei den letzten Tracks gesammelt pogte. Wer die Shows der drei von deutschen Festivals kennt, weiß, welche Menschenmassen im Regelfall vor der Stage zu erwarten sind.

Allerdings steigerte sich das Interesse von Act zu Act und so war die Crowd bei den Selfmade-Kollegen Genetikk schon wesentlich größer. Die meisten Leute aus dem Electric Ballroom lockte Kool Savas vor die Hauptbühne. Gemeinsam mit Laas riss KKS, den mehr mit der Schweiz verbindet als Nummer-1-Platzierungen, ordentlich ab.

Zusammengefasst war das Touch The Air wie Urlaub mit Arbeiten. Vor allem wegen der guten Luft in der Schweiz und der Mischung aus Rap und Elektro ist es eine gelungene Abwechslung zu den Festivals, die wir sonst besuchen. Der Ticketpreis liegt vergleichsweise im oberen Drittel und man sollte sich die höheren Lebenshaltungskosten der Schweiz bewusst machen, bevor man die Reise antritt.

Auch, wenn man ein wenig mehr ausgibt als auf anderen Festivals dieser Kategorie, ist das Touch The Air eines, das man besucht haben sollte!