Kollegah reagiert auf Vorwürfe gegen "Alpha Mentoring"-Programm

Kollegah steht momentan so oft in der Kritik, dass er in seiner Instagram-Bio nicht nur "Rappen und Sport" als seine Hobbys angibt, sondern dort auch das Bekämpfen von Shitstorms auftaucht. Aktuell wird diesbezüglich wohl am meisten über eine Undercover-Recherche von Vice-Journalisten gesprochen, in der das "Alpha Mentoring"-Programm des Rappers kritisiert wird.

Undercover-Recherche zu Kollegahs "Alpha Mentoring"-Programm veröffentlicht

Von Aria Nejati am 25.07.2019 - 19:11 Es gibt keine zwei Meinungen. Ich will niemanden überzeugen. Der Sachverhalt braucht keine moralische Einordnung und allein dieser Umstand zeigt, mit welcher Vehemenz die Grenze jeglichen Geschmacks überschritten wurde. "Beef ist, wenn ich deine Mutter fick' und du es siehst", rappte Kollegahs damaliger Labelpartner Favorite 2007 auf dem ersten Selfmade-Sampler.

Kollegah veröffentlicht ein Statement-Video

Kollegah hat auf seinem YouTube-Kanal nun ein Reaktionsvideo hochgeladen, in dem er den Artikel von Vice zunächst als negativ und hetzerisch bezeichnet. Aus diesem Grund möchte der Boss auch Stellung zu den in dem Artikel getroffenen Aussagen beziehen.

UNDERCOVER REPORT - Kollegah vs Medien - 1LIVE Interview UNCUT!! Alpha Mentoring Wahrheit LÜGT VICE?

ALPHA steht für Träume und Ziele und diese ANZUPACKEN. ALPHA steht für Ehrgeiz, Disziplin, physische und geistige Stärke und Gesundheit. ALPHA steht auch für moralische Integrität und Verantwortung gegenüber unserer Familie und Umwelt. ALPHA steht für etwas zurückgeben und Schwächeren helfen. Wir verschwenden unsere Zeit nicht mit Haten, Neid und Lästerei.

Seine bisherigen Erfahrungen mit Interviews beschreibt Kollegah als sehr negativ. Aus einer halben Stunde Interviewsituation würden gerne auch mal zwei oder drei Sätze gemacht.

"So ist es leider in der Medienlandschaft. Objektive Berichterstattung ist eine absolute Seltenheit."

Des Weiteren sei ein Wohlwollen der Presse eine "Illusion". Hier betont der Boss, dass das vor allem ihm gegenüber der Fall sei.

Kollegah möchte seine Aussagen untermauern. Er stellt sein ungeschnittenes 1LIVE-Interview neben die Version, die letztendlich ausgestrahlt wurde.

Kollegah im ungeschnittenen Interview

Das erste Argument, das Kollegah hervorholt, bezieht sich auf die Verfasser des Artikels sowie das Magazin Vice.

"Na ja, grundsätzlich muss man sich erstmal anschauen, von wem kommt der Artikel. Und da ist das Vice-Magazin natürlich auch in der Vergangenheit haben die sich nicht mit Ruhm bekleckert, wenn es darum geht, objektive Berichterstattung zu liefern."

Während die Vice für ihn Begriffe wie "Aluhut-Träger" und "Verschwörungstheoretiker" nutze, sehe er sich mehr als jemand, der eben "out of the Box" denke.

Der Artikel präsentiere die Ergebnisse völlig aus dem Kontext. Der eingeschleuste Marc Konopka sei lediglich zwei Wochen Teil des Mentoring-Programms gewesen und könne sich folglich auch kein Urteil über das dreimonatige Programm erlauben. Letztendlich hätte der Redakteur nur ein Modul freigeschaltet und damit in Bezug auf die Videos nur sieben Prozent des kompletten Angebots absolviert.

Ein weiteres Problem sei die negative Einstellung, mit welcher der Redakteur an die Sache herangegangen sei. Im Gegensatz zu den anderen motivierten Teilnehmern, die etwas in ihrem Leben erreichen wollen, hätten die Vice-Mitarbeiter andere Ziele verfolgt.

Niemand solle wegen des Programms in die Schuldenfalle tappen

Der Interviewer von 1LIVE erkundigt sich bei Kollegah, warum gerade am Anfang des Programms mehr nach den finanziellen Möglichkeiten der Teilnehmer gefragt wird, als nach persönlichen Zielen und weiteren individuellen Faktoren.

Kollegah antwortet, das Team wolle vermeiden, dass sich jemand in eine Schuldenfalle stürze. Die Fragen zu Beginn würden aber nicht nur dem Zweck dienen, etwas über die finanzielle Situation des potentiellen Teilnehmers herauszufinden. Man stelle sich auch die Frage, "was ist das für ein Typ, passt das überhaupt". Es solle niemandem etwas aufgezwungen werden. Es gebe aufgrund der Reichweite des Rappers tausende Bewerber jeden Monat.

Auch über den Preis für sein Programm spricht der Rapper in dem Interview. Für einen Fixpreis von 2000 Euro bekomme man "ein dreimonatiges, intensives, individuelles Coaching".

Kollegah holt aus und erzählt von Teilnehmern, die ihr Investment in zwei Monaten wieder rausgehabt hätten. Auch für Menschen, die finanziell nicht in der Lage sind, so viel Geld aufzubringen, findet der Boss eine Lösung.

"Wenn du keine zwei Mille hast, dann lass es sein. Dann hol dir ein Hörbuch für 20 Euro."

Als Vollblutunternehmer schlägt der Boss hier wenig überraschend sein eigenes Buch vor. Auch sein YouTube-Kanal sei eine Alternative zum Mentoring Programm, wenn das Geld fehle.

Der Interviewer befragt Kollegah zudem zu den Vorwürfen bezüglich des Umgangs mit kranken Menschen.

"Der Junge, um den es da geht, ist so ein lieber Junge. Ein völlig klarer Junge, ein wacher Geist. Es ist leider so, dass Leute, die sich mit spirituellen Themen beschäftigen, in der Gesellschaft, wo es meist wirklich nur um Materielles geht, so ein bisschen aus der Reihe tanzen und vielleicht komisch rüberkommen. Aber der Junge ist ein top Mensch. Der hat keinen an der Klatsche."

Kollegah versucht den Spieß nun umzudrehen und macht den Vice-Redakteuren den Vorwurf, dass der beschriebene Teilnehmer aufgrund ihrer Berichterstattung nun viele Probleme habe. Von außen lässt sich kein Urteil darüber fällen, wie es tatsächlich um seinen gesundheitlichen Zustand steht. Jedoch leugnet Kollegah in dem Interview nicht explizit, was über ihn geschrieben wurde. Viel eher wirkt es so, als würde der Zustand des Teilnehmers lediglich umformuliert.

Der Rapper weist auch den Vorwurf des Predigens von sich, sondern möchte, dass "jeder für sich selbst seine eigene Wahrheit herausfindet."

Kollegahs Video als inhaltslose Selbstinszenierung

Kollegah nutzt das Interview mit dem Reporter geschickt aus, um ein Statement nach seinen Regeln abzugeben. Auf viele Vorwürfe geht er nicht ein. Das Verbreiten der Verschwörungstheorien verharmlost er. Ebenso sieht es mit dem gesundheitlichen Zustand der Teilnehmer aus. Dabei verfällt der Rapper auch in Whataboutism. Anstatt also genau auf die einzelnen Kritikpunkte einzugehen, verweist er auf einen Artikel der Berliner Gazette von 2014, in dem die journalistische Arbeit des Vice-Magazins beleuchtet wird. Auch wenn sich der Journalismus des Magazins manchmal abseits der Norm bewegt, ändert das nichts an den aufgedeckten Methoden des "Alpha Mentoring"-Programms.

Kollegahs Fazit bleibt dennoch und trotz aller nicht entkräfteten Vorwürfe:

"Der Bericht ist der Bericht. Die Wahrheit sieht anders aus."

1LIVE bestätigt Kollegahs Theorie

Das Ziel des Videos von Kollegah bleibt die Gegenüberstellung seines ungeschnittenen Interviews mit dem letztendlich gesendeten Ausschnitten im Radio. Kollegah fragt zu Beginn des Gesprächs auch extra nach, in welcher Form das Interview veröffentlicht werden soll. Der 1LIVE-Mitarbeiter gibt an, O-Töne von dem Rapper aufnehmen zu wollen, um diese dann im Radio nutzen zu können. Kollegah legt einen Mitschnitt aus dem Programm des Senders vor, in dem der Rapper tatsächlich kaum zu Wort kommt. Seine Theorie über die Medien ist für seine Follower nun also bestätigt.

Felix Blume auf YouTube als Werbekanal

Vor diesem ausführlichen Statement auf dem Felix-Blume-Kanal des Rappers erschien nur ein Tag nach der Veröffentlichung des Vice-Artikels ein weiteres Video mit Aussagen von Teilnehmern des "Alpha Mentorings". 

Alphamentoring - Das sagen die Teilnehmer

http://www.alphamentoring.de

Beide Videos wirken wie eine Dauerwerbesendung für das "Alpha Mentoring"-Programm und weitere Produkte von Kollegah. Dabei werden der Erfolg der Teilnehmer und die Qualität der Experten betont. Auch die Aussage, dass das Programm ein Herzensprojekt sei, fällt mehrfach. 

Der Rapper steht nicht nur in einem scheinbar ewigen Konflikt mit den Medien. Er hat auch das Spiel mit ihnen verstanden. Mit jeder Provokation erhält er die mediale Reaktion, die ihn in seiner These bestätigt, nicht objektiv von der Presse behandelt zu werden. Und wie er richtig feststellt, ist jede Berichterstattung kostenlose Werbung für ihn und sein Business. Dennoch können einige Aufdeckungen und Aussagen nicht unkommentiert bleiben, weshalb die Geschichte von Kollegah und den Medien wohl noch lange nicht auserzählt ist.

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Exklusives Statement: Fler über Bushido, das LKA und die Bild

Exklusives Statement: Fler über Bushido, das LKA und die Bild

Von Till Hesterbrink am 07.10.2020 - 12:37

Gestern berichteten wir bereits über den Konflikt zwischen Fler, dem Bild-Reporter Peter Rossberg und den Spiegel-Journalisten Claas Meyer Heuer und Thomas Heise. Wir haben sowohl Fler als auch Peter Rossberg um eine Stellungnahme gebeten. Fler war so freundlich, einige unserer Fragen zu beantworten. Peter Rossberg hat bis jetzt nicht auf unsere Anfrage reagiert.

Fler: "Das sind keine Hirngespinste"

In seinen Tweets erklärt Fler immer wieder, dass es eine Dreiecksbeziehung zwischen Bushido, der Bild und der Staatsanwaltschaft gäbe. Auf die Frage, wie er darauf kommen würde, antwortet Fler, dass ihm diese Information ein Beamter des LKA Rocker-Dezernats gegeben hätte. Tatsächlich gab Bushido zuletzt im Prozess an, er und Peter Rossberg wären gute Freunde.

Peter Rossberg und Spiegel TV-Reporter Claas Meyer Heuer waren bei der Razzia von Arafat Abou-Chakers Wohnräumen am 22. September vor Ort. Die Staatsanwaltschaft leitete aus diesem Grund ein Verfahren ein, wegen "Verrats von Dienstgeheimnissen". Es ist unklar, woher die beiden Reporter von der Razzia wussten.

Fler vermutet, dass es Bushido oder sein Anwalt gewesen sein könnten, die die Infos über die anstehende Razzia an die Presse weitergegeben haben. Rossberg würde angeblich auch mit Bushido eine Doku über den Rapper produzieren. Fler wolle aber gar nicht die ganze Bild verfluchen, es handele sich hier wirklich nur um Peter Rossberg. Dieser würde nicht neutral berichten, da er mit Bushido gemeinsam eben diese Dokumentation produzieren würde und schon lange mit Bushidos Anwalt Steffen Tzschoppe befreundet sei.

"Die machen ja gemeinsam eine Doku mit Peter Rossberg. Die haben selber im Gerichtssaal Aussagen gemacht, wo die gesagt haben: 'Ja, wir sind gut befreundet'. [...] Das heißt, das ist halt eine Interessengemeinschaft, [...] Die spielen sich halt die ganze Zeit Informationen zu."

Für Fler ist klar, dass Peter Rossberg und Spiegel TV eine Agenda gegen Arafat Abou-Chaker fahren. Ihr Ziel sei es, den Prozess durch ihre Berichterstattung so zu beeinflussen, dass Bushido am Ende als Sieger dastehe.

"Im Grunde genommen, möchten Peter Rossberg und Spiegel TV die Öffentlichkeit beeinflussen, dass der Prozess sozusagen für Bushido gut ausgeht."

Auch das LKA würde mit Rossberg und Spiegel TV zusammenarbeiten. Für die neue Doku "Die Macht der Clans", welche passend zum gleichnamigen Buch erschien, hätten die Spiegel TV-Reporter Informationen vom Landeskriminalamt erhalten. Das LKA würde die Journalisten nutzen, um Stimmung gegen Arafat zu machen. Auch Peter Rossberg würde immer wieder Infos erhalten, dies würde besonders deutlich, wenn man seinen Podcast höre.

Fler: "Die hauen auf die Kacke, wo es nur geht"

Außerdem spricht Fler einen interessanten Punkt an, als es um den medialen Wirbel geht, den der Abou-Chaker-Prozess hervorruft. Laut Fler kämen Polizei und Staatsanwaltschaft nicht damit klar, dass Bushido so viel mediale Aufmerksamkeit mitbringen würde. Das wäre der Grund, warum dann Leute wie Peter Rossberg und Spiegel TV die Infos gesteckt bekommen würden. Damit diese dann öffentlichkeitswirksam agieren.

"Die Staatsanwaltschaft, die Polizei und das LKA können einfach mit dieser Öffentlichkeitsarbeit nicht umgehen. Du merkst es halt, die haben jetzt da halt so einen Bushido, das ist eine Riesenberümtheit. Der sagt jetzt da halt aus. Arafat ist auch so was wie eine Berühmtheit. Und die können damit halt nicht umgehen. Die werden dann in die Öffentlichkeit gezogen und müssen sich da sozusagen Gedanken machen, wie sie Öffentlichkeitsarbeit betreiben. Dann entsteht halt so was, wie Spiegel TV und Peter Rossberg. [...] Du merkst ja, dass die Polizei die ganze Zeit damit nicht umgehen kann."

Die angebliche Unfähigkeit des LKAs, mit der gesteigerten Aufmerksamkeit umzugehen, würde man laut Fler auch an deren Maßnahmen erkennen. Es würde zum Teil auf rechtswidrige Mittel zurückgegriffen. Als Fler sich für Arafat eingesetzt habe, sei er kurz darauf wegen Raub angeklagt worden. Normalerweise hätte es sich bei dem Vergehen lediglich um Sachbeschädigung oder Ähnliches gehandelt, ordnet er die Situation uns gegenüber ein.

Auf unsere Nachfrage nach seinem persönlichen Interesse am Prozess erklärt Fler, dass er natürlich gegen Bushido ist. Im Detail erläutert er, warum er bis heute die Motivation in diesem langjährigen Konflikt oben hält:

"Der Typ macht ja keinen Punkt. Der ist ja alleine und will immer noch ein Tyrann sein. Und das mit Unterstützung von LKA, Staatsanwaltschaft und halt Bild und Peter Rossberg. Der probiert ja alle Kanäle zu nutzen, die er hat."

Es ginge bei der ganzen Sache aber auch um die Egos der Polizeibeamten. Die Vorwürfe gegen Arafat Abou-Chaker seien ganz eindeutig aufgebauscht.

"Alles, was du liest, 90% davon ist richtiger Blödsinn. Auch mit diesen Steuern und so was. Der macht da Sachen, die sind voll erlaubt, [...] und die machen daraus einen Hickhack. Die machen ihn zum Al Capone. Man merkt halt, da ist so viel Ego im Spiel, bei den Bullen. Das ist so ein Ego-Ding und jeder der sich irgendwie auf die Seite [von Arafat] stellt, kriegt auf den Deckel."

Arafat steht seit August vor Gericht. Ihm wird unter anderem schwere räuberische Erpressung, Freiheitsberaubung und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Er soll Bushido eingesperrt und dann mit einem Stuhl und einer Wasserflasche attackiert haben.

Zusammenfassend geht Fler also davon aus, dass Peter Rossberg und Spiegel TV sowohl von Bushido und dessen Anwalt als auch vom LKA und der Staatsanwalt genutzt würden, um den Abou-Chaker-Prozess medienwirksam zu beeinflussen. Deutlich würde dies dadurch, dass Rossberg und Bushido laut eigener Aussage "gute Freunde" seien. Daher vermutet Fler, dass Peter Rossberg und Claas Meyer Heuer von Spiegel TV die Informationen über die Razzia in Arafats Wohnräumen am 22. September unrechtmäßiger Weise zugesteckt bekommen hätten.

In der Tat leitete die Staatsanwaltschaft aufgrund der Tatsache, dass die Reporter vor Ort waren, ein Verfahren wegen "Verrats von Dienstgeheimnissen" ein.

Abseits der Freundschaft habe Rossberg auch berufliches Interesse daran, den Prozess zugunsten von Bushido zu beeinflussen. Er drehe angeblich aktuell mit Bushido eine Dokumentation über den Rapper. Die Info, dass Bushido aktuell an einer Dokumentation über sich arbeiten soll, ist keine neue. Bereits Anfang des Jahres berichtete Marcus Staiger in seinem Podcast, er habe in der anstehenden Doku mitgespielt.

Peter Rossberg hat sich uns gegenüber zu diesem Zeitpunkt nicht zu der Angelegenheit geäußert.

Fler & Bild-Reporter im Streit: Worum es geht & was bisher geschah

In den vergangenen Tagen überschlugen sich die Ereignisse, rund um den Prozess gegen Arafat Abou-Chaker, in welchem Bushido Nebenkläger ist. Nach einer Hausdurchsuchung bei Arafat, welcher auch Vertreter der Presse beiwohnten, droht der Prozess nun zu platzen. Währenddessen legt sich Fler auf Twitter mit den anwesend gewesenen Journalisten an.


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