Wie Favorite Lakmann eine CD zuwarf und so seinen Deal bei Selfmade Records bekam - Jason im Interview

 

Knapp zehn Jahre ist es mittlerweile her, dass Favorite und Jason auf ihrem gemeinsamen Album Rappen kann tödlich sein wichtige Fragen der Menschheit, wie beispielsweise der fachgerechte Umgang mit Stalkersluts und die Definition von Needful Things, beantworteten. Anlässlich des zehnten Geburtstags von Deutschlands erfolgreichstem Hiphop-Label Selfmade Records habe ich mich mit Jason unterhalten, um mit ihm unter anderem über eine mögliche Fortsetzung dieses Klassikers zu sprechen.

Viele kennen dich von deinem gemeinsamen Album mit Favorite, wissen aber nicht, dass du bereits auf dem ersten Selfmade-Release Schwarzes Gold, einer Art Ruhrpott-Sampler, vertreten warst. Wie kam dies zustande?

Jason: Gut, der Kontakt zu Selfmade war ja durch die CD, die Favorite zu Lakmann auf die Bühne geschmissen hat, sowieso da. Die Geschichte kennt man, oder?

Vermutlich nicht alle Leser.

Jason: Puh, ich versuche sie komplett zusammenzukriegen. Wenn ich mich nicht irre, ist das alles in Bochum passiert. Favorite hatte eine CD mit Songs von sich und natürlich auch mit mir gebrannt, auf denen wir zum Teil sogar auf eJay-Beats gerappt hatten. Das war auf jeden Fall eine ziemlich geile Nummer! (lacht) Die hat er dann zu Lakmann auf die Bühne geworfen, der hat sie aufgehoben und sich dann scheinbar auch gegeben. Da Flipstar und Elvir zu der Zeit schon an Selfmade gearbeitet haben, hat er die CD dann denen gegeben. Die Telefonnummer von Favorite stand auf der CD und so hat Elvir bei ihm angerufen und auch den Kontakt für Schwarzes Gold hergestellt. Wir haben uns dann mit denen getroffen, Elvir hat uns erklärt, was genau er vorhat und wir haben natürlich nicht nein gesagt. Da waren schließlich auch Leute wie Lakmann drauf, die für uns das Nonplusultra waren. Wir sind ja mit dem ganzen Zeug aufgewachsen. 

Welchen Eindruck haben die damaligen Selfmade-Verantwortlichen auf dich gemacht und hast du Perspektive für dieses Projekt gesehen?

Jason: Elvir war auf jeden Fall angsteinflößend. (lacht) Ach, man muss dazusagen, Fave und ich hatten ja auch keine Ahnung zu dem Zeitpunkt. Von daher konnten wir die ganze Sache in Bezug auf Seriosität und so weiter gar nicht einschätzen. Elvir war ein lockerer Typ, aber trotzdem sehr bestimmt, in dem was er wollte und er hat auch alles ganz konkret und durchdacht schon vor Augen gehabt. Er hat von Anfang an eine Vision gehabt und hat diese mit Köpfchen verfolgt. Dadurch, dass auch Flipstar schon dabei war, hatte die Sache für uns auch auf den ersten Blick direkt Hand und Fuß. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass Elvir sich damals erträumt hat, wie das alles durch die Decke gegangen ist. 

Kurze Zeit später wurde Favorite gesignt, mit dem gemeinsam du dann Rappen kann tödlich sein veröffentlicht hast. Weißt du, ob du selbst damals auch ein Thema für Selfmade warst?

Jason: Das kann ich dir nicht sagen. Direkt nach Schwarzes Gold war die Ansage von Slick in unsere Richtung, dass wir beide einfach zu gleich klingen und es keinen Sinn machen würde, zweimal den gleichen Typen zu signen. Das hat man bei dem Album Rappen kann tödlich sein dann auch gemerkt. Wir waren ja quasi eher eine Nummer, als zwei völlig unterschiedliche Solokünstler, die zusammen ein Album machen. Vom Stil her war das komplett gleich. 

Weißt du, weshalb sich Selfmade eher für Favorite als für dich interessiert hat? Wie du schon sagtest, wart ihr vom Stil her recht ähnlich.

Jason: Weil er eine große Schnauze hatte. (lacht) Man darf nicht vergessen, dass es das, was wir gemacht haben, in dieser Form noch nicht gab. Es gab zwar Punchlinerap und Battlerap mit lustigen Sprüchen, aber die Leute, die das gemacht haben, waren immer relativ ernst. Wir kamen dann mit 18 oder 19 Jahren um die Ecke und uns war alles scheißegal. Uns war einfach gar nichts heilig. Favorite hatte da im Vergleich zu mir noch einen draufgesetzt und war somit auch ein interessanter Charakter. Diesen Anarcho-Rap, den er etabliert hat, den gab es so einfach noch nicht.

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Unter welchen chaotischen Bedingungen Rappen kann tödlich sein entstanden ist und wie es aussieht, wenn Elvir auf den Tisch haut, erfährst du auf der nächsten Seite.

Diesen Anarcho-Stil bekam der Hörer dann auch auf dem zweiten Selfmade-Release Rappen kann tödlich sein von Favorite und dir zu hören. Unter welchen Bedingungen ist dieses Album damals entstanden?

Jason: Wir hatten schon immer die Arbeitsmoral, die der Fave noch heute hat. (lacht) Heute bekommen das allerdings mehr Leute mit, da mittlerweile Leute auf neues Zeug von ihm warten. Das Problem war, dass wir uns damals gegenseitig unterstützt haben und uns immer eingeredet haben, dass das ja ok ist, was wir da machen. Wenn wir uns im Studio getroffen haben, um dort am Album zu arbeiten, hat das eigentlich immer darin gemündet, dass wir fünf Zeilen hatten und besoffen waren. (lacht) Das Album an sich sind wir struktur- und planlos angegangen, bis Elvir dann mal auf den Tisch gehauen hat.

Wie sieht das aus, wenn Elvir auf den Tisch haut?

Jason: Der macht einfach ganz klare Ansagen und da das ein großer, starker Mensch ist, haben wir uns davon natürlich beeindrucken lassen. Er wird dann auch ein bisschen lauter und sperrt Leute, wie im Falle von Fav, auch gerne mal ein, bis ein Album fertig ist.

Mit Selfmade ging es dann auch zur Battle-Veranstaltung Feuer über Deutschland, in deren Rahmen ihr auf "Team Schalke" um den Gelsenkirchener Pillath traft. Gerappt hast du dort nicht, obwohl du schon bereitgestanden hattest. Woran lag das?

Jason: (lacht) Ja, das lag daran, dass ich ganz dezent meinen Part verkackt habe. Wir hatten eigentlich genug Vorlaufzeit, aber wir haben eben alles vor uns hingeschoben und dann im Endeffekt zwei Tage vor dem Battle geschrieben. Dann sind wir saufen gewesen und haben versucht, verkatert unseren Part auswendig zu lernen. Dort habe ich dann gemerkt, dass mir das nicht liegt. Eigentlich sollten wir dort, wenn ich mich richtig erinnere, gegen Snaga, Pillath und Illmatic battlen, die als Team 3P am Start sein sollten. Am Ende war von den Genannten allerdings nur Pillath da und mein Part war für die anderen ausgelegt. Dementsprechend war es vielleicht gar nicht so schlimm, dass ich verkackt habe. (lacht) 

Nach und nach nahm dann die musikalische Verbindung zu Selfmade ab und man hörte immer weniger von dir. Welche Ursachen hatte das?

Jason: Ich glaube, das lag hauptsächlich daran, dass ich angefangen habe zu arbeiten. Ich habe versucht, was Sicheres zu machen und dadurch ist das ganze Musikding ein wenig in den Hintergrund gerückt. Ich hatte auch noch so einen richtigen Drecksjob, bei dem ich bis in die Nacht arbeiten musste. Irgendwann ist das Musikding dann leider ein bisschen im Sande verlaufen. Jetzt habe ich mehr Zeit und kann somit auch wieder mehr Musik machen. 

Ist man da manchmal neidisch auf das, was die Kollegen, mit denen man gestartet hat, erreicht haben?

Jason: Nein, neidisch bin ich auf gar keinen Fall und ich gönne den Jungs wirklich all ihre Erfolge. Es ist einfach unfassbar krass, was die da erreicht haben. Wenn ich das weiter voll durchgezogen hätte, alles in die Musik gesteckt hätte und dann alle außer mir erfolgreich geworden wären, dann hätte durchaus sein können, dass ich etwas neidisch geworden wäre. Ich habe aber einfach einen anderen Weg gewählt und verstehe mich noch immer gut mit allen und habe auch immer wieder Kontakt.

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Auf der letzten Seite erfährst du, warum Rappen kann tödlich sein 2 noch nicht längst erschienen ist.

Im Vorfeld zu Neues von Gott berichtete Favorite von zahlreichen privaten Problemen inklusive übermäßigem Drogenmissbrauch und einem kurzen Gefängnisaufenthalt. Wie eng war euer Kontakt zu dieser Zeit? 

Jason: Na gut, wann war denn Drogenmissbrauch mal kein Thema in seinem Leben. (lacht) Wir hatten natürlich Kontakt, aber er hat mich jetzt nicht aus dem Gefängnis angerufen und gesagt: "J, hol mich bitte raus." Ich wusste, dass Favorite wieder an seinem Album arbeitet, da wir da auch drüber gesprochen hatten. Wir hören oft länger nichts voneinander, aber der Kontakt reißt nie ganz ab.

Nach deinem Beitrag auf Neues von Gott habt ihr damit begonnen, an Rappen kann tödlich sein 2 zu arbeiten. Wie kommt es, dass das noch nicht erschienen ist?

Jason: Das liegt an den bereits zuvor angesprochenen Problemen, die wir mit Zeitplänen haben. Mittlerweile ist auch Elvir nicht mehr auf dem Film, dass er einem das durchgehen lässt. Wir hatten zwar schon echt viel gemacht, aber dann kam viel Kram dazwischen, der nicht so geil war. So hat sich das alles hingezogen und wir haben irgendwann auch mal wieder wochenlang nichts gemacht. Irgendwann hat Elvir dann gesagt, dass das so nicht weitergehe.

Das heißt, ihr hattet ein Abgabedatum und habt das verpasst?

Jason: So ungefähr war das. 

Wie weit waren die Arbeiten denn bereits vorrangeschritten?

Jason: Puh, also ein halbes Album hatten wir sicher fertig. Das ruht jetzt auf irgendeinem Rechner. Es ist auch nicht so, dass wir nie etwas machen, wenn wir uns treffen. Wir machen manchmal wirklich richtig viel, aber dann lassen wir es eben wieder lange schleifen und ruhen uns darauf aus, dass wir ja schon etwas gemacht haben. Das ist unser Hauptproblem. 

Interessiert sich Selfmade denn jetzt noch für das Projekt?

Jason: Das weiß ich nicht und ich habe den Elvir auch schon länger nicht mehr gesprochen. Die sind aber auch gerade viel mit anderen Releases beschäftigt. 

Zum Abschluss des Interviews darfst du uns deine Lieblings-Selfmade-Anekdote mitteilen. 

Jason: Zur Zeit von Rappen kann tödlich sein haben immer alle einen richtigen Hass geschoben, die mehr als fünf Minuten mit Fav und mir in einem Raum waren. Als wir alle zusammen zum splash! gefahren sind, haben wir im Auto mit Kollegah zusammen die ganze Fahrt über nur Scheiße gelabert und irgendwann ist der Elvir wütend auf einen Rastplatz gefahren und hat uns in verschiedene Autos gesetzt, damit die anderen sich erholen konnten. (lacht) Das muss ich immer drüber lachen, wenn ich dran denke.

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Falls du mehr sehen möchtest vom jungen Favorite, dann check unser Interview von 2011!

Marc Schleichert

Autoreninfo

Marc Schleichert ist seit Anfang 2014 ein Teil von Hiphop.de und leitet hier den Textinterview-Bereich. In dieser Funktion spricht er regelmäßig sowohl mit hungrigen Newcomern als auch mit alteingesessenen Künstlern.

Wiedersehen nach langer Zeit...

Posted by Jason on Monday, May 4, 2015

Hab mit Jason einen fetten Track für "Neues von Gott" recordet! Wer kennt noch "Rappen kann tödlich sein"???"Neues von Gott" vorbestellen:iTunes: http://bit.ly/nvg-itunesAmazon: http://bit.ly/nvg-box

Posted by Favorite on Thursday, November 20, 2014