Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr treffe ich mich mit der Deutschrap-Legende Olli Banjo zum Interview, um bei dieser Gelegenheit über sein jüngst erschienenes Best Of Hits & Raritäten zu sprechen. So war zumindest der Plan. Entstanden ist bei dieser Gelegenheit ein interessantes Gespräch über Banjos Rock-Projekt Wunderkynd, sein Selbstverständnis und seine Gründe dafür, nun ein Best Of zu veröffentlichen.

Hits & Raritäten kannst du übrigens hier gewinnen. Alternativ gibt's bei einem Sieg einen von drei Monster DNA In-Ear Kopfhörern!

Alle Infos zu Hits & Raritäten findest du im Übrigen auf Amazon:

Greifen wir zunächst ein wenig zurück: Mit deinem letzten Album Dynamit konntest du Platz 17 der Charts erobern. Wie zufrieden warst du mit dieser Ausbeute?

Olli Banjo: Sehr!

Du hattest dir also im Vorfeld nicht mehr ausgerechnet?

Olli Banjo: Naja, ich hätte mir eine bessere Woche aussuchen können. Ich kam ja zusammen mit Kollegah, Anastacia, Michael Jackson und mit gefühlt allen anderen! (lacht) Das war die perverseste Woche, was ich natürlich nicht so cool fand. Ansonsten bin ich allerdings sehr zufrieden.

Generell ist es überraschend, dass wir uns nach so kurzer Zeit erneut begegnen, da du beim letzten Mal angekündigt hattest, erstmal zwei Jahre kein Rap-Album rausbringen zu wollen, da spätestens im Herbst diesen Jahres ein erstes Lebenszeichen deiner Wunderkynd-Platte erscheinen würde.

Olli Banjo: Das hängt auf jeden Fall mit dem Film Interstellar zusammen, den ich gestern geschaut habe, und der uns gezeigt hat, dass Zeit etwas Relatives ist. Dementsprechend hat sich alles nun etwas nach hinten verschoben. Der Plan sieht nun so aus, dass im Frühjahr eine Wunderkynd-EP erscheinen wird und das Album dann im Spätsommer danach. Der Grund für unser heutiges Treffen ist ein Best Of-Album, da ich mit Dynamit viele neue Fans dazugewonnen habe und ich mir dachte, für die sei es ganz cool, die alten Sachen, die sie noch nicht auf dem Schirm haben, einfach mal nachzuholen. Auch für die alten Fans ist das eine schöne Sache. Wir sprechen hier schließlich sozusagen von meinem Lebenswerk. Krasse Features, krasse Songs, und krasse Tracks, die zum Teil leider untergangen sind, plus eben vier Bonustracks. Einfach ein kleiner Katalog meiner Musik.

Das Wunderkynd-Album war zu Beginn des Jahres quasi fertig. Was ist in diesem Zeitraum passiert, das eine Veröffentlichung des Albums verhindert hat?

Olli Banjo: Das ist echt schwer zu beschreiben. Man quatscht einfach mit der Plattenfirma, die dann Dinge sagt wie: "Wir brauchen noch zwei Nummern", oder Änderungswünsche an uns richtet. Da die Wunderkynd-Musik aufwendige Live-Musik ist, brauchen solche Änderungen eben ihre Zeit. Ich kann nicht einfach meinen Mac anmachen, Logic öffnen und auf eigene Faust Änderungen durchführen. Das sind alles echte Instrumente und deshalb brauche ich Musiker, ein riesiges Studio, Produzenten vor Ort und und und. Das kostet eben alles mehr Zeit als Hiphop-Tracks. Jeder neue Song ist eben keine Arbeit von zwei Wochen, sondern von zwei Monaten.

Du bist dennoch optimistisch, Anfang nächsten Jahres mit ersten Ergebnissen an den Start zu gehen?

Olli Banjo: (lacht) So ist der Plan. Ein bisschen bin ich selbst noch gespannt. Nun kommt erstmal mein Best Of.

Warum aber die Entscheidung, dieses Best of so kurz nach Dynamit zu veröffentlichen?

Olli Banjo: Der Zeitpunkt ist super! Ich bin im Gespräch, die Leute reden und es gibt viele aktuelle Videos von mir. Ich schieße den Leuten, die mich jetzt erst entdeckt haben, quasi direkt etwas hinterher. Ich als Fan würde das auf jeden Fall super finden.

Einige Fans unterstellen dir im Zusammenhang mit Hits & Raritäten stumpfe Geldmache, da du hier versuchen würdest, dich mit möglichst geringem Aufwand an alten Songs zu bereichern. Wie stehst du dazu?

Olli Banjo: Ja gut, ein Stück weit stimmt das ja auch, aber was ist den bitte falsch daran, Geld verdienen zu wollen? Falsch wäre es, das Album rauszubringen, nur um Geld zu verdienen. Das tue ich aber nicht. Ich will den Leuten eine Chance geben, meine persönlichen Lieblingssongs in einem Paket zu bekommen. Da ist auch zum Beispiel ein alter Freestyle von Sparring 2 drauf, den leider nicht viele kennen. Ich find das einfach geil. In der Kritik-Gesellschaft heutzutage wirst du eh gehatet, egal was du tust. Du kannst beispielsweise rausgehen und einem ****** 1000 Euro schenken. Die Leute würden dann kritisieren, dass der ****** sich eh nur Alkohol kaufen würde oder ich nur gespendet hätte, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Ich teile mich ja auch übers Internet mit und kann mich hier demnach nicht ausnehmen.

Der eben angesprochene Freestyle zählt zu den Raritäten deiner Karriere. Hits im klassischen Sinne sucht man allerdings vergebens.

Olli Banjo: Ja, die suche ich auch (lacht).

Welche Songs würdest du ganz persönlich als deine Hits bezeichnen?

Olli Banjo: (Singt Atemlos von Helene Fischer, alle lachen) Ey, vielleicht sollte ich das einfach mal covern. Olli-Banjo-Hits sind meistens Songs aus dem Inneren, die eben eine persönliche Note haben. Mädchen aus den Slums ist beispielsweise ein Straßen-Hit geworden. Ich mache Mucke wie kein anderer in Deutschland und fahre komplett meinen eigenen Style. Der klassische Gassenhauer ist mir bis jetzt nicht gelungen. Oder ich hatte ihn und habe ihn nicht rausgebracht. Ich hatte zum Beispiel mal einen Song mit dem Namen Base*****chläger, von dem viele gesagt hatten, es sei ein Hit. Davor hatte ich dann etwas Angst und habe ihn nicht rausgebracht. (singt Base*****chläger) Ich habe es allerdings auch noch nie auf große Hits angelegt. Mit Wunderkynd würde ich allerdings gerne mal einen Hit schreiben, da ich auf dieser Platte nicht an Hiphop-Regeln gebunden bin und komplette Autonomie genieße.

Könnte dir das bis jetzt schon gelungen sein?

Olli Banjo: Ja, ich denke schon. Man weiß das natürlich vorher nie, aber ich bin mir fast sicher!

Auch als Olli Banjo warst du schon immer der Liebling aller Kritiker. Dennoch blieb der ganz große Durchbruch hier aus. Stehst du in deiner Karriere dort, wo du dich selbst aufgrund deiner musikalischen Qualitäten einordnen würdest?

Olli Banjo: (Überlegt lange) Nein, eigentlich nicht, aber ich hab es den Leuten auch nie einfach gemacht. Ich hab' schon immer schräge Mucke gemacht und die Single-Auswahl war früher von meiner Seite aus quasi darauf ausgelegt, kommerziellen Erfolg zu verhindern. Das war damals eben die Attitüde. Heute haben die Leute auch keine Angst mehr davor, Schweine-Singles zu machen. Ich würde nie meinen Arsch verkaufen. Ich mache mir aber keine Vorwürfe und bin glücklich, da ich den besten Beruf der Welt habe. Zu sagen:"Die Welt ist schlimm, denn Bushido ist Platin und ich nicht" , ist doch kompletter Schwachsinn. In dem, was man macht, muss man sich erfolgreich fühlen und der Rest ist einfach egal.

Lass uns das Interview mit den deiner Meinung nach bedeutendsten Songs deiner Karriere abschließen.

Olli Banjo: An dieser Stelle nenne ich eigentlich immer Lichtplanet, weil ich den einfach textlich und musikalisch als sehr gehaltvoll betrachte. Ich mag die Bilder in dem Song und die Poetik, die er in sich trägt. Da bin ich einfach sehr stolz drauf. Man sieht in ihm ganz deutlich, meine eigene Art Texte zu schreiben und auf diese Art Bilder zu erzeugen, kann so nur ich. In dem Song ist mir das sehr sehr gut gelungen. So arrogant wie das klingt meine ich das jetzt nicht. Schrei nach Liebe und Deine Sprache sind ebenso super. Das finde ich persönlich geil. Echte Straßenhits eben.

___________________________________________________

Interview: Marc Schleichert
Foto: Pascal Buenning

Groove Attack powered by Hiphop.de

Groove Attack powered by Hiphop.de

Deine Deutschrap-Playlist powered by Hiphop.de, immer mit den aktuellsten Tracks der deutschen Hip-Hop Szene! Cover: ERRDEKA

Groove Attack ist Streaming Partner von Hiphop.de

Deine Meinung dazu?

Weiter ...

Bushidos "Leben und Tod des Kenneth Glöckler": 5 Lines, die heute ganz anders klingen

Bushidos "Leben und Tod des Kenneth Glöckler": 5 Lines, die heute ganz anders klingen

Von Paul Kruppa am 22.11.2020 - 16:14

Wer, wenn nicht Bushido weiß: "Zeiten ändern dich" – und so wirkt der vermeintliche Realtalk auf früheren Disstracks einige Jahre später gar nicht mehr so real. Mit "Leben und Tod des Kenneth Glöckler" zog Bushido 2013 gefühlt die komplette Szene auf seine Seite. Zu hart und zu brachial ging Bushido mit Kay und seinem Abgang aus Berlin ins Gericht. Den Einfluss von Arafat Abou-Chaker hob Bushido damals noch lobend hervor. Er sei eine Art "Vater" für Kay One gewesen.

Ziemlich genau sieben Jahre später treffen sich Bushido und Arafat Abou-Chaker regelmäßig vor einem Richter. Nur sehr hartgesottene Sonny Black-Jünger dürften weiterhin bedenkenlos hinter der legendären "Ehrenmann"-Line stehen, mit der Bushido seinen Kay-Diss beendete. Auch an einer Reihe anderer Aussagen hat der Zahn der Zeit genagt.

Das Leben mit LKA-Beamten

"Früher war es 'F*ck die Polizei' oder Louis V / Heute sind es LKA-Beamte und Security"

2013 tat Bushido einiges dafür, Kay Ones Widersprüche aufzuzeigen. So lässt sich Kay One auf einem Track wie "Bis die Polizei kommt" (2010 von den Ordnungshüter*innen nicht wirklich irritierten – selbst auf der Polizeistation will er durchziehen und sagt: "Wir saufen weiter". Nach dem Bruch mit ersguterjunge nahm Kay jedoch Polizeischutz in Anspruch. Auch beim Dreh zu "Deutschland sucht den Superstar" wurde er damals von Personenschützern des Landeskriminalamtes begleitet, wie der Tagesspiegel berichtete.

Spätestens seit Bushido als Nebenkläger vorm Berliner Landgericht aussagt, ist gut dokumentiert, dass auch der 42-jährige Rapstar öffentliche Termine nicht mehr alleine wahrnehmen kann. Im Gerichtssaal sind Beamte anwesend, die für seine Sicherheit sorgen sollen. Dieser Personenschutz ist inzwischen derart zur Routine geworden, dass Bushido laut Spiegel vor Gericht lachen muss, wenn er rückblickend davon erzählt, dass Arafat Abou-Chaker ihn einst vor dem LKA beschützen sollte.

Der angebliche Sklave

"Ich bin angeblich Sklave der Familie Abou-Chaker / Schäm dich – Arafat war so was wie dein Vater"

Kay One hatte seinerzeit in Interviews mehrfach dargelegt, dass Bushido von Arafat Abou-Chaker wie ein Sklave oder Schoßhündchen behandelt worden sei. Für solche Äußerungen sollte Kay sich nach dem Geschmack von Bushido ausdrücklich schämen. Er forderte stattdessen Respekt für Arafat Abou-Chaker ein.

Inzwischen hat sich die Situation vollends ins Gegenteil verkehrt. Bushido beschreibt vor Gericht umfangreich, wie sehr Arafat Abou-Chaker von ihm finanziell profitiert habe. Er schildert ein Abhängigkeitsverhältnis und zieht als Vergleich eine "Zwangsheirat" heran. Schon 2018 auf dem Track "Mephisto" vermittelte Bushido den Eindruck, dass Kay mit seiner damaligen Einschätzung nicht so weit daneben gelegen haben könnte. Unter anderem ist dort von einem "Teufel und Diktator" die Rede, der "keinen Einwand" akzeptieren würde.

Bushido - Mephisto [Video]

Hund oder einer von uns?

"Er sagte nur: 'Der Junge ist jetzt einer von uns.' / 'Und einen von uns behandelt keiner wie 'nen Hund.' – yeah"

Um zu untermauen, wie sehr sich Arafat Abou-Chaker im Berliner Umfeld für Kay One eingesetzt habe, kramte Bushido auf "Leben und Tod des Kenneth Glöckler" eine kurze Anekdote hervor. Sein ehemaliger Geschäftspartner soll mit einer Ansage dafür gesorgt haben, dass sich keiner mehr über Kay lustig macht. Wer als Teil des EGJ-Teams gilt, werde respektiert und geachtet.

Schenkt man Bushidos Aussagen in einem Stern-Interview von vor zwei Jahren glauben, ließ Arafat Abou-Chaker ausgerechnet seinen Geschäftspartner Bushido jedoch sehr wohl spüren, wenn er mit Entscheidungen nicht einverstanden war. Dieser sei damals zu seiner Ehefrau zurückgekehrt. Laut Bushido beleidigte ihn Arafat daraufhin: "Er nannte mich einen Hund".

Schwindende Freiheit

"Wenn ich will, geh' ich spazieren am Alexanderplatz / Eine Freiheit, die du als ein Informant nicht hast"

In "LuTdKG" schaute Bushido auch auf die möglichen Konsequenzen, die Kay Ones Verhalten im Alltag mit sich bringen könnte. So sei ein einfacher Spaziergang nicht mehr drin. Schließlich habe Kay mit der Polizei zusammengearbeitet. Als Informant sei die Freiheit eingeschränkt.

In diesem Jahr agiert Bushido selbst wie eine Art Kronzeuge. Er sagte bereits an etlichen Prozesstagen gegen Mitglieder der Familie Abou-Chaker aus – zusätzliche Gerichtstermine werden folgen. Vom einstigen Gangstermythos ist nichts mehr übrig. Dass sich Bushido im Herbst 2020 allein und ohne Weiteres über den Alexanderplatz bewegen kann, ist ziemlich schwer vorstellbar.

Der "31er" kommt ins Spiel

"31er, hör zu, eine Line macht dich nicht cool / Deine Techno-Junkie-Fans seh'n so scheiße aus wie du"

Bushido trat mit seinem Kay One-Diss wohl das gesamte 31er-Ding los. Die Bezeichnung "31er" ist seither gleichbedeutend mit Verräter*in. Dabei geht es in dem entsprechenden Paragraphen eigentlich um die Möglichkeit von Strafminderung, insofern gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen wurde. Und das eint Bushido und Kay One: Es ist nicht bekannt, dass sie wegen solcher Delikte je strafrechtlich aufgefallen wären. Das juckt jedoch kaum jemanden und so begegnen wir einem "31er" immer wieder in Deutschraptracks.

Der sogenannte "Judas-Paragraf" flog Bushido im Januar 2019 musikalisch um die Ohren. Capital Bra und Samra machten mit "F*ck 31er" deutlich, dass sie sich nicht mehr als Teil des EGJ-Camps begreifen und Kooperationen mit der Polizei ablehnen. Das Blatt hat sich gewendet. Was Bushido einst an Kay One verachtete, wirft die Szene ihm nun vor.

Joker Bra ft. Samra - fick 31er [Video]


Sag uns deine Meinung zu diesem Artikel! (0 Kommentare)