Unfassbares Talent - Das Wunderkind der schweizer Rapszene im Interview

Ersten Ruhm als Rapper erlangtest du dann im Alter von 16 Jahren, als du bei der SRF Virus Bounce Cypher deutlich erfahrenere Rapper wie Anfänger hast aussehen lassen. Dabei warst du zunächst gar nicht mit der Leistung zufrieden, oder? 

Ja, man kritisiert sich natürlich immer selbst und möchte sich immer weiter verbessern. Ich habe eine Line ein bisschen verkackt und fand das natürlich nicht so toll. Ich habe mir da gar nicht so viel dabei gedacht. Ich habe an dieser Cypher teilgenommen, die Rapper haben mich dort gesehen und ich bin wieder gegangen. Am nächsten Tag kam dann das Medienecho.

Und über 100.000 Klicks.

Ja, aber einen solchen Hype nimmt man gar nicht richtig wahr. Ich habe gesehen, dass viele Leute meinen Part gehört haben, aber ich saß immer noch zuhause und habe dieselbe Musik gemacht, Beats produziert und so weiter. Ich werde nicht jeden Tag auf der Straße erkannt, sondern ich bekomme halt Nachrichten. Auf mein tägliches Leben hatte dieser Hype wenig Einfluss. Zu dieser Zeit war der Plattenvertrag, den ich schließlich unterschrieben habe, auch bereits in Verhandlung.

Vom Straßenmusiker, der vor der eigenen Haustür sein Taschengeld aufbessert, über die Musical-Rolle und den gefeierten Cypher-Part bist du nun auf der größten Hiphop-Festival-Bühne Europas gelandet. Was geht in einem solchen Moment in dir vor?

Ich war ja nur sehr kurz dort, da das nur ein Gastauftritt war. Man hat gar keine Zeit, sich richtig zu freuen, denn es geht so schnell vorbei und die Freude setzt erst im Nachhinein ein. Die direkten Reaktionen vom Publikum hast du auch nicht, da die Leute weiter weg sind, als sie es im Club sind. Im Club bekommt man die unmittelbaren Reaktionen mit. Auf einem Festival ist das anders. Mir ist die ganze Zeit nur im Kopf rumgegangen, dass ich bloß nicht versagen darf. Hier sind einfach so viele Leute und ich war extrem nervös. Ich habe meine Lines dann gebracht und ich denke, dass das ein guter Auftritt war.

Vielen Leuten in Deutschland bist du trotz deinen Hypes in der Schweiz noch kein Begriff. Wenn du dich selbst anhand einer exemplarischen Zeile von dir beschreiben müsstest, welche Zeile wäre das?

(Überlegt lange) Das ist schwierig. Natürlich wäre die Zeile in Schweizer-Deutsch (Rappt Zeile in Schweizer-Deutsch).

Tut mir leid, aber das musst du mir übersetzen.

Sinngemäß heißt das: "Ich mach mein Ding und renne weiter." Danke für das Interview.

Marc Schleichert

Autoreninfo

Marc Schleichert ist seit Anfang 2014 ein Teil von Hiphop.de und leitet hier den Textinterview-Bereich. In dieser Funktion spricht er regelmäßig sowohl mit hungrigen Newcomern als auch mit alteingesessenen Künstlern.

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Kommentare

BiTTE!!! Wenn Ihr über die schweizer szene berichtet und talentierte rapper, dann bitte sich besser informieren und lieber leute aus der szene reden lassen als euren radiomoderator am frauenfeld!!!

Dachte Ferris MC hat die Krone der Erbschäden aber der löst ihn problemlos ab!!!

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Von Michael Rubach am 24.08.2019 - 16:01

Serious Klein gilt als eines der größten Rapversprechen der Zukunft. Der gebürtige Hannoveraner klingt wie ein frisches TDE-Signing – seine Rapsozialisation könnte locker auch in einer amerikanischen Metropole stattgefunden haben. So fand sich Serious bei den Hiphop.de Awards 2018 mit seiner Platte "You Should've Known" bereits neben Travis Scott oder Kanye West in der Kategorie "Bestes Album International" wieder. Die Connection in die Staaten ist darüber hinaus ziemlich ausgeprägt, wie der Mittzwanziger im ausführlichen Gespräch auf dem Openair Frauenfeld 2019 erzählt. Außerdem erklärt der bekennende Cardi B-Fan, warum er sich weiterhin lieber independent durchs Business dribbelt und welcher Gedanke ihn dabei antreibt.


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