Nach wie vor ist es in Rapdeutschland in Mode, angeblich politischen Protest in hohle allgemeingehaltene Phrasen zu verpacken, die inhaltlich die Aussagekraft eines Youtube-Kommentars besitzen, um bloß keine potentiellen Käufer zu verschrecken und der breiten Masse die Möglichkeit zu geben, sich selbst in diesen Phrasen wiederzufinden. Swiss hingegen spricht diese Themen schonungslos an und schreit seine politischen Ansichten ungeschminkt auf dröhnende, brachiale Instrumentals in die Welt. Grund genug, sich einmal intensiver mit den politischen Ansichten des Hamburgers zu beschäftigen.

Alle Infos zu seiner EP Schwarz Rot Braun findest du auf Amazon:

In deiner Biographie ist zu lesen, dass du der wohl interessanteste und bekannteste Newcomer auf Hamburgs Straßen bist. Mittlerweile bist du allerdings seit neun Jahren öffentlich wirksam Teil der Rap-Szene. Betrachtest du dich wirklich nach all den Jahren noch als Newcomer?

(lacht) Ich will mir nicht anmaßen, der interessanteste Newcomer aus Hamburg zu sein. Das müssen zum Glück immer noch andere beurteilen. Ich halte nicht viel von gehypten Sachen. Sowas kommt und geht dann auch ganz schnell wieder. Mir persönlich gefällt die Musik, die ich zusammen mit meiner Band Die Andern mache, besser, als der restliche Kram. Aber das ist Geschmackssache. Was das betrifft, sehe ich uns schon als Newcomer, auch wenn man mich natürlich schon lange kennt. Die neue Schwarz Rot Braun-EP und das Album, das bald kommt, sind eine Neuerfindung deutscher Punkmusik, wie ich finde. Schön viel Schmutz und laut!

Diese Punk-Attitüde, die unter anderem von der Ablehnung aller Autoritäten gespeist wird, ohne dass du dabei zu konkret wirst, zeichnet dich seit jeher aus. Für was steht der Rapper Swiss politisch und gegen was rebellierst du in deiner Musik?

Ach, ich will jetzt hier nicht meine komplette politische Gesinnung ausbreiten. Da sitzen wir noch morgen hier. Dass ich am linken Rand stehe, ist eh klar und Rebellion bezieht sich in meiner Musik nicht nur auf die Obrigkeit, sondern auf alles, was uns davon abhält, Mensch zu sein. Da gibt es tausende Beispiele, wie zum Beispiel, dass Leute wie ich aus den Vierteln vertrieben werden, in denen sie aufgewachsen sind. Oder dass zwei Drittel der Welt vor die Hunde gehen und wir so tun, als wär das nicht unser Problem. Ein großes Thema bei mir ist auf jeden Fall der Verlust der Freiheit im Konsumkapitalismus.

Unter anderem thematisierst du auf deiner Schwarz Rot Braun-EP nationalistisches Gedankengut, das Einzug in die Köpfe der breiten Öffentlichkeit gefunden hat. Welche politischen Ansichten der Masse stören dich konkret und siehst du eine Möglichkeit hier etwas zu unternehmen?

Naja, wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft. Auf jeden Fall sollte das so sein. Aber ich registriere immer öfter, dass Leute davon reden, dass wir "endlich wieder jemand sind". Was für eine ******e, was soll das bedeuten? Ich verstehe diese Denke nicht, aber du findest sie in allen Medien, besonders in Springers heißem Blatt. Dann wird außerdem so getan, als wenn das ach so gute und barmherzige Deutschland für die Armut und Inkompetenz der dritten Welt oder Griechenlands blechen muss. Aber das stimmt so nicht. Die sind so arm, weil wir so reich sind! Mir fehlt einfach ein reflektierter Umgang mit uns selber. Ich glaube, die einzige Möglichkeit, das zu ändern, besteht darin, eine Gegenwarheit rauszubrüllen, mit allen Mitteln, ohne Schminke und ohne Eitelkeiten.

Wie hast du als Hamburger die Krawalle rund um die Rote Flora wahrgenommen und wie beurteilst du den aus diesen Unruhen resultierenden Polizeieinsatz?

Meinst du die alljährlichen Krawalle zum Schanzenfest oder von welchen redest du genau? Da muss man unterscheiden, es gibt verschiedene Anlässe. Grundsätzlich möchte ich nicht so gerne erzählen, wie ich das wahrnehme, besonders in Bezug auf den Polizeieinsatz. Jedoch muss man auch sagen, dass viele der Leute, die da aufschlagen, besonders nach dem Schanzenfest nichts mit echtem politischen Protest am Hut haben. Da geht es nur darum, mal dabei gewesen zu sein. Das finden die vielleicht hip oder was weiß ich was. Aber die haben nichts mit der Sache zu tun, um die es eigentlich mal ging.

Lassen dich solche Ereignisse von einer "Missglückten Welt" sprechen oder liegen die Wurzeln dieser Formulierung anders begründet?

Alles ist die "Missglückte Welt". Die "Missglückte Welt" ist die ungeschminkte Wahrheit hinter der Glitzerfassade und hinter deinem Facebook-Profil. Die "Missglückte Welt" ist das Wissen, dass wir alle eigentlich kaputte Wesen sind, die ihre menschliche Bestimmung verloren haben und irgendwelchen Konsumwahrheiten hinterher ********n. Die "Missglückte Welt"  ist aber auch der erfolgreiche Geschäftsmann, der sich nach der Arbeit im SM-Club Dinge auspeitschen lässt, weil auch sein Erfolg ihn nicht vor der inneren Leere in sich bewahren kann. Alle diese Fehler im scheinbar perfekten System sind die "Missglückte Welt".

Welche politischen Ereignisse beschäftigen dich derzeit?

Mich beschäftigt vieles, aber nicht unbedingt immer die Sachen, die grade in den Medien gewälzt werden, sondern vielmehr die Zusammenhänge, die dahinterstecken. Alle heulen, dass die bösen Saudi-Scheichs die IS-Brigaden finanzieren. Ist ja auch ok, aber dann guckt mal bitte auch, welche deutschen Politiker genau diesen Scheichs die Hände schütteln und welche deutschen Firmen mit ihnen Geschäfte machen. Auf einmal wird alles relativ. Ich würde mir außerdem wünschen, dass es wieder ***y wird auf Demos zu gehen. Viele Leute haben so etwas noch nie gemacht, dabei ist es total wichtig, die da oben wissen zu lassen, dass wir noch da sind!

Lass uns nun spezifisch über deine Schwarz Rot Braun-EP sprechen. Hier sticht dem Hörer direkt der recht rockige, E-Gitarren-lastige Sound ins Auge. Weshalb hast du dich entschlossen, ein solches Klang-Gewand zu verwenden und wer waren hier deine musikalischen Vorbilder?

Ich hab mich nicht bewusst dazu entschieden. Ich wollte Musik machen, die laut ist, stinkt und richtig viel Schmutz macht. Da landest Du automatisch bei Gitarren, Bass und Drums. Das war für uns auf jeden Fall ein komplett neuer Film, was den Sound betrifft. Auf einmal vergleichst du deine Mixe mit Bands wie System of a Down oder Rage Against the Machine. Das ist der Maßstab, an dem wir uns orientieren! Man muss sagen, dass Sleepwalker, der für all das verantwortlich ist, was nach der Aufnahme passiert, sich unfassbar in die Geschichte reingefuchst hat. Ich glaube, das hört man auch. Das Album wird im Gegensatz zu der EP noch einmal eine Schippe drauflegen und noch mehr brettern. Sagt er zumindest (lacht).

Thematisch hingegen stellt sich die EP trotz der recht kurzen Spieldauer breit auf. Siehst du dennoch einen roten Faden und wenn ja, wie lautet dieser?

Nein, die EP hat keinen thematischen Faden. Ich finde, dass das auch nicht immer sein muss. Der rote Faden ist doch sowieso durch den Sound gegeben, denke ich. Der brettert unfassbar und außerdem sind die Songs ziemlich gut, wie ich finde (lacht). Ich wollte eine EP machen, die die Leute auf das vorbereitet, was sie in Zukunft von uns zu erwarten haben. Sie ist auf der einen Seite hart, aber auch rotzig, lustig und auch melancholisch. So bin ich auch und deswegen fand ich die Mischung perfekt.

Kannst du vielleicht sogar die Grundattitüde der EP im Rahmen einer exemplarischen Zeile zusammenfassen?

(Überlegt lange) Da gibt es einige. Eine ist auf jeden Fall: "Egal, was die Leute so sagen/ An keinem Tag vor meinem Tod werd' ich einen meiner Träume verraten/" Die Zeile passt zu den letzten Jahren. Ich musste durch so viel ***** stiefeln und jetzt bin ich wieder da und folge immer noch meinem Stern. Das macht mich schon ein bisschen stolz.

Welche Ziele hast du dir mit Schwarz Rot Braun gesetzt und was möchtest du in Zukunft unter anderem mit deinem kommenden Solo-Album erreichen?

Ich hab mir ehrlich keine Verkaufszahlen als Ziel gesetzt. Das kann ich auch gar nicht, da mein letztes Album sechs Jahre her ist. Ich weiß aber, dass wir erst einmal kleine Brötchen backen sollten, bevor wir uns irgendwelche Verkaufsziele setzen. Aber ich krieg' natürlich die Euphorie um mich herum mit und freue mich, dass es allen so gefällt. Ich habe mich mit Soulfood bewusst für eine Truppe entschieden, die genau so an uns glaubt, wie ich das tue, und die Geschichte seriös und langfristig angehen will. Es fühlt sich einfach gut an, wenn man Menschen um sich hat, die nicht nur Platten verkaufen wollen, sondern auch die Musik lieben, die du machst. Besser geht's nicht und ich glaube schon, dass in den nächsten Jahren kein Weg an uns vorbeiführen wird.

Lass uns das Interview anstelle von klischeebehafteten letzten Worten mit der deiner Meinung nach missglücktesten Person der hiesigen Rap-Szene beenden. Warum fällt deine Wahl genau auf diese Person?

Die missglückteste Person ist auf jeden Fall Money Boy! Ich glaube immer noch an den Tag, an dem er uns sagen wird, dass er uns alle nur verarscht hat!

Eine kurze Umfrage zum Schluss

Wir würden uns riesig freuen, wenn du uns ein paar Fragen beantworten könntest. Die Umfrage kann in 2 Minuten ausgefüllt werden und all deine Angaben werden uns anonym übertragen. Vielen Dank im Voraus!

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Hiphop in Russland – Was du über die russische Rapszene wissen solltest

Hiphop in Russland – Was du über die russische Rapszene wissen solltest

Von Djamila Chastukhina am 18.05.2021 - 17:05

Popmusik war in Russland lange Zeit das wichtigste und beliebteste Genre. Heute dominiert Hiphop die Musikszene des Landes. Rap aus Russland kriegt man in Deutschland aber nur begrenzt mit. Viele Deutschrapper mit russischen Wurzeln wie zum Beispiel Capital Bra, verwenden ab und zu ihre Muttersprache in Songs. Rapper wie Kontra K oder Kool Savas machen auch gerne mal ein Feature mit russischen Artists wie Jah Khalib und Oxxxymiron. Mois will sogar Deutschrap den Rücken kehren, um sich der russischen Szene zu widmen. Aber wie sieht die Geschichte und Lage des russischen Hiphops überhaupt aus? Hier erfährst du alles, was du wissen musst.

Russischer Rap: Beginn einer neuen Ära

Seine Anfänge hat russischer Rap Ende der 80er, richtig aufgeblüht ist er jedoch Anfang der 90er Jahre. Die Auflösung der Sowjetunion brachte kulturelle Veränderung mit sich: Einflüsse aus anderen Ländern wie Klamotten, Magazine, Fernsehen und Musik wurden immer populärer. Vor allem Hiphop hatte einen besonderen Reiz, da er all das verkörpert, was in der Sowjetunion unerwünscht war: unter anderem Alkohol, Sex und Reichtum.

Die Mitglieder der Rapgruppe Malchishnik (deutsch: „Junggesellenabschied“) werden als Pioniere des russischen Hiphops bezeichnet: Sie begannen Anfang der 90er Jahre in ihrer Musik Tabuthemen wie Sex anzusprechen. Dies kam bei der jüngeren Generation zwar gut an, löste bei den älteren Generationen jedoch Empörung aus und führte dazu, dass die Gruppe nicht im Radio oder Fernsehen gespielt werden durfte. Trotz ihres Rufs als skandalöses Hiphop-Trio“ schafften sie es aber, sich in der Szene einen Namen zu machen und dennoch Gesprächsthema im Mainstream zu sein. Ihr Erfolg spricht für sich: Mehr als zehn Jahre nach ihrer Trennung im Jahr 2006 traten sie immer noch gemeinsam auf und spielten die Lieder, die sie einst berühmt gemacht haben.


In den 2000ern war Straßenrap beliebt bei der Masse. Gruppen wie Kasta oder Krovostok, die bis heute noch gefeiert werden, haben sehr früh mit Themen wie Gesellschafts- oder Kapitalismuskritik Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Inspiration kam oftmals aus Amerika. Bis heute bedienen sich russische Künstler*innen an amerikanischen Vorbildern. So war in den letzten Jahren, wie auch in vielen anderen Ländern, besonders das Soundcloud-Rap-Movement prägend: Der Stil wurde punkiger, der Sound vielfältiger, die Lyrics emotionaler.

Lange Zeit war Hiphop in Russland dennoch nur ein Nischen-Genre. Zwar gab es bereits erfolgreiche Künstler*innen, die zahlreich auf Tour gingen und im ganzen Land bekannt waren. Nennenswerte Durchbrüche in den Mainstream sind jedoch noch lange Mangelware geblieben. Das lag vor allem daran, dass beispielsweise Fernsehauftritte nur möglich gewesen wären, wenn die Texte keine Drogen, sexuellen Inhalte oder Kraftausdrücke als Inhalt gehabt hätten.

Heute ist Hiphop das wichtigste Musikgenre Russlands

Die Wende kam etwa 2015, als immer mehr Rapper wie Oxxxymiron, Pharaoh oder Gone.FLUDD größere Aufmerksamkeit erlangten. Grund dafür war vor allem die steigende Beliebtheit staatsunabhängiger Plattformen wie YouTube, Soundcloud, VKontakte oder Yandex, was dazu führte, dass der Fame der Artists bis heute nicht mehr von Fernseh- oder Radiopräsenz abhängig ist.

Ein gutes Beispiel dafür ist Big Baby Tape (jetzt auf Apple Music streamen). Der 21-jährige Rapper und Producer aus Moskau war bis 2018 eher im russischen Untergrund bekannt. Dies änderte sich schlagartig, als er Ende desselben Jahres sein erstes Studioalbum „Dragonborn“ releaste, welches bereits nach drei Tagen Platin ging – und das ohne große Promo, Musikvideos im Fernsehen oder Radioauftritte.


Russischer Rap ist vor allem politisch

Junge Menschen in Russland werden zunehmend kritischer gegenüber der Regierung von Vladimir Putin – und Rap ist es auch. Bereits seit einigen Jahren werden Konzerte einiger Rapper*innen, die sich in ihren Texten gesellschafts- oder regierungskritisch äußern, spontan von der Regierung abgesagt. Den Artists wird so im wahrsten Sinne des Wortes die Bühne genommen.

Einer dieser Rapper ist der 28-jährige Dmitry Kuznetsov, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Husky. Seine Texte behandeln häufig Themen wie Armut, Korruption und Polizeigewalt. Husky wurde bei dem Versuch, eines seiner Konzerte trotz Absage außerhalb der Halle stattfinden zu lassen, sogar verhaftet.


Diese und viele weitere Situationen spannen das Verhältnis zwischen Staat und Hiphop immer weiter an. Präsident Putin hat eine klare Meinung: Rap stütze sich auf drei Säulen: Sex, Drogen und Protest. Wenn man Rap nicht stoppen kann, dann müsse man ihn laut Putin zumindest kontrollieren und in die richtige Richtung lenken.

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Präsident Vladimir Putin vertritt eine eindeutige Position zu Rap: Er möchte die Musik offensichtlich staatlich kontrollieren lassen. In St. Petersburg äußerte er sich nun zu diesen Plänen ...

Aber nicht alle müssen „gelenkt“ werden, denn viele staatsnahe Rapper stehen bereits auf der Seite ihres Präsidenten. Einer der bekanntesten und einflussreichsten davon ist Timati: Der 37-jährige Entrepreneur ist seit fast zwei Jahrzehnten ein bekanntes Gesicht im Mainstream. Seine Liebe zu Putin äußert er gerne in seiner Musik. Sein 2015 releaster Track „Bester Freund“ (original: „Лучший друг“), welcher auf YouTube mehr Dislikes als Likes hat, handelt natürlich von seinem „besten Freund“ Vladimir Putin, der als Superheld und Vorbild portraitiert wird.


Sehr gut kommen solche Songs bei der Masse jedoch nicht an: Ein von ihm und Rapper Guf veröffentlichter Song namens „Moskva“, der sich unter anderem über regierungskritische Protestbewegungen lustig macht, wurde in nur wenigen Tagen zum meist dislikten russischen YouTube-Videos, bevor es dann aufgrund der negativen Reaktionen gelöscht wurde.

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Diese Artists solltest du auf dem Schirm haben

Die OGs

Bad Balance

Im Jahr 1989 gründeten Vlad „SHEFF“ Valov und Gleb LA“ Matveyev die russisch-sowjetische Rapgruppe Bad Balance, welche zu den ersten Rapgruppen der UdSSR zählt. Ursprünglich war Bad Balance eine Breakdance-Gruppe, jedoch entdeckten die Mitglieder schnell ihre Leidenschaft für Rap.

Als bestes Abum ihrer Karriere gilt Город джунглей“ (deutsch: Stadt der Dschungel), welches 1999 einen Hit nach dem anderen hervorbrachte. Das Genre der Band umfasst Oldschool, Funk, Reggae und Rapcore. Trotz steigender Popularität waren die Artists in den 90ern jedoch nur im Untergrund bekannt.

SHEFF, Gründer und Hauptmitglied der Gruppe, wird von vielen als ursprünglicher Schöpfer der Hiphop-Kultur in Russland angesehen und war lange Zeit der Anführer des russischen Oldschool-Hiphops.


Mister Maloy

Als Mister Maloys Debüt Single Буду пАгибать мАлодым“ (deutsch: Ich werde jung sterben) 1992 ein Hit wurde, war er gerade einmal 13 Jahre alt. In seinem Song erzählt er von den Gefahren von Zigaretten, Alkohol und anderen Drogen, die plötzlich überall und ohne Altersbeschränkung erhältlich sind. Maloy zählt zu den ersten Rappern Russlands und gehörte zu der Zeit auch zu den jüngsten.

Sein Ziel war es damals, die russische Ein-Mann-Version des amerikansichen Rap-Duos Kriss Kross zu werden. Zwar konnte er seinen Erfolg nach Mitte der 90er Jahre nicht mehr aufrechterhalten, jedoch ging er als womöglich jüngster Artist in die russische Rapgeschichte ein.

Kasta

Anfang der 2000er Jahre sind vier neue Sterne am russischen Raphimmel aufgetaucht, die ein großes Publikum erreichten. Die Rapgruppe Kasta, bestehend aus Vladi, Shim, Hamil und Zmey, überzeugte vor allem mit ihren Texten: Sie kritisierten den Kapitalismus und Konsumerismus der damaligen Zeit. Der Sound von Kasta ist hauptsächlich von Ney-Yorker-Raptraditionen beeinflusst und insbesondere von der East-Coast inspiriert – in ihrer Musik kann man unter anderem Einflüsse von Wu-Tang-Clan und G-Unit erkennen.

Bis heute genießt die Gruppe Ansehen und macht weiterhin Musik im gewohnten Oldschool-Sound.

Seryoga

Wer mit russischer Musik aufgewachsen ist, sollte den Klassiker Чёрный Бумер“ (deutsch: Schwarzer BMW) von Seryoga mindestens 100 Mal gehört haben. Genau der Track aus dem Debüt-Album Мой двор“ (deutsch: Mein Hof) war es, der den belarussischen Rapper berühmt gemacht hat. Im Jahr 2004 veröffentlicht, schlug das Album in Russland, Belarus und der Ukraine große Wellen und wurde vor allem für seine einzigartige Kombination aus russischer Volksmusik und modernen Beats gefeiert.

In Belarus geboren und aufgewachsen, verschlug es Seryoga zum Studieren für einige Jahre in Deutschland. In dieser Zeit konnte er zahlreiche Kontakte in der Musikszene knüpfen: 2006 veröffentlichte er gemeinsam mit Frankfurter Rapper Azad die Single 2Kaiser“ und landete ein Jahr später zusammen mit B-Tight im Remix von Sidos "Ein Teil von mir". Nun lebt er zwischen der Ukraine und Russland und macht auch heute noch Musik.

Seine Entwicklung als Rapper ist bemerkenswert: Seryoga ist immer mit der Zeit gegangen. Entweder er hat Trends erfunden oder sich von ihnen inspirieren lassen. Heute hat der 44-Jährige sogar einen TikTok-Account mit 2,2 Millionen Followern und ist seit einiger Zeit im Trap-Game unterwegs.

Rap von heute

Face

Mit nur 22 Jahren ist Face bereits einer der kontroversesten und provokantesten Rapper Russlands.

„Spätestens wenn ich 30 bin, schreibe ich bessere Texte als Kendrick Lamar.“

Dieses Zitat stammt aus einem Interview von Arte Tracks mit Face. Ob die Aussage so stimmt, darüber lässt sich streiten. Was man ihm aber definitiv lassen muss, ist, dass er sich aus eigener Kraft in nur drei Jahren vom kriminellen Jugendlichen zum berühmten Rapstar hochgearbeitet hat und seinen Platz an der Spitze sowas von verdient hat.


Kristina Si

Kristina Si gewann erstmals 2013 an Popularität, als sie als erste weibliche Künstlerin bei Russlands berühmtester Plattenfirma gesignt wurde. Die junge Rapperin nutzte den Mangel an weiblicher Konkurrenz bei Black Star Inc., gegründet von Timati, für sich und konnte schnell an die Spitze der Charts klettern. Im Jahr 2017 war sie bereits eine der gefragtesten Musiker*innen ihres Labels und überzeugt weiterhin mit Rap und Gesang.


Oxxxymiron

Oxxxymiron, der mit echtem Namen Miron Fyodorov heißt, dürfte für Battlerap-Kenner kein Unbekannter sein. Der gebürtige Russe hat viele Jahre in Deutschland und England verbracht und ist international in der Battlerap-Szene aufgrund seiner komplexen und harten Punchlines gefürchtet.

Von vielen wird er sogar als größter Battlerapper der Welt bezeichnet, da er mehr Klicks vorweisen kann als jeder andere. Doch auch außerhalb des Battle-Umfelds haben seine Texte es in sich und seine Inhalte schlagen Wellen. Bis heute ist er, auch politisch, einer der wichtigsten Rapper des Landes.


Allj

Natürlich ist nicht jeder russische Rapper politisch, und das ist auch gut so. Alljs Mucke darf in keinem Club und auf keiner Party fehlen. Bekannt wurde er vor allem durch den 2017 releasten Song „Розовое вино“ (deutsch: Rosé), der mittlerweile über 300 Millionen Klicks auf YouTube hat. In Deutschland hat man eventuell schon von seinem Bausa-Cover gehört. Allj und die kosovarische Rapperin Era Istrefi haben aus „Was du Liebe nennst“ ihre eigene Version unter dem Namen „Sayonara Detka“ (deutsch: Sayonara Baby) gemacht.

Instasamka

Die 21-jährige Darya Zoteeva, heute bekannt unter dem Künstlernamen Instasamka, war bereits vor ihrer Rapkarriere online präsent. Als Bloggerin konnte sie sich bereits 2017 eine eigene Fanbase auf Instagram aufbauen, die heute auf 4,1 Millionen Follower gestiegen ist. Sie begann ihre Rapkarriere im Jahr 2019 und lässt sich gerne von Rapperinnen aus den USA, wie Cardi B oder Bigklit, inspirieren. Ihre Musik ist laut, aggressiv, voller Slang und so fällt Instasamka auch häufig durch empörendes Verhalten im Internet auf.

MiyaGi & Andy Panda

Die beiden Rapper aus Vladikavkaz haben bereits vor ihrer gemeinsamen Karriere unabhängig voneinander Musik gemacht. Heute bilden sie zusammen eines der bekanntesten Rap-Duos Russlands. MiyaGi und Andy Panda, welcher bis 2019 noch als „Endspiel“ bekannt war, entschlossen sich 2015 dazu, gemeinsam Musik aufzunehmen. Sie machen sowohl düsteren Rap, entspannte Raggaemusik, als auch Straßenrap. Nach einiger Zeit ohne viele Releases kündigte Andy Panda wieder neue Musik an – haltet die Augen und Ohren offen!


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