Mit eurem Album seid ihr jetzt auf Platz 21 eingestiegen, wie heute verkündet wurde. Wie überraschend kam das für euch?

Damit hat keiner gerechnet! Wir sind gerade überwältigt vom Feedback der Fans und dem Charteinstieg. Wir machen seit zehn Jahren Musik, die bisher nie als chartkompatibel galt. Mit Ruffnecks haben wir zusammen mit den Fans das Unmögliche geschafft und ein Ruffiction-Album in die deutschen Albumcharts gebracht. Wir danken jedem ehrlichen Käufer, der Ruffiction-Armee für die Unterstützung, Distri für die hervorragende Vertriebsarbeit und das Vertrauen in uns, Dresscode-Shop für das Vertrauen und die gute Zusammenarbeit, SureShot Promotions für die Unterstützung und großartige Pressearbeit, Till vom Make your Way Studio und allen Gästen, Produzenten und jedem, der an diesem Projekt mitgearbeitet hat! Ruffamilia!

Vor geraumer Zeit fielen einige eurer Veröffentlichungen und auch eure Homepage der BPjM zum Opfer. Wie seid ihr damit umgegangen und besteht diese Gefahr bei diesem Album wieder?

Ach, man fühlt sich in solchen Situationen einfach ein Stück weit unverstanden. In dem Brief, den wir von dieser Prüfstelle erhalten hatten, stand sinngemäß drin, dass Raphörer häufig aus bildungsfernen Schichten stammen und man deshalb nicht erwarten könne, dass diese die Überzeichnungen in unserer Musik verstehen können. Diese seien deshalb für diese Menschen gefährlich. Die schreiben also quasi, dass Rap von dummen Menschen gehört wird und deshalb eher verboten werden sollte, als andere Musikrichtungen. Das ist halt einfach traurig. Sie schätzen die Hörer von Rapmusik völlig fasch ein. Das von Rappern häufig angeführte Film-Beispiel ist in diesem Bezug gar nicht so treffend. Viel interessanter ist, mal Bücher zu betrachten. Dort stehen teilweise die widerlichsten Dinge drin und ich habe noch nie mitbekommen, dass ein Buch verboten wurde. Crystal F übernimmt teilweise Szenarien eins zu eins aus Büchern, die völlig frei verkäuflich sind. Die Musikstücke werden indiziert, die Bücher nicht. Das merkwürdige im Fall der Ruffiction-Homepage war, dass die Seite gesperrt wurde wegen den Youtubevideos, die wir eingebunden hatten. Videos, die völlig legal auf Youtube stehen. Als wir die Videos entfernt hatten, war die Seite wieder frei. Das war eigentlich eher Werbung, da für einige Jugendliche Inhalte in dem Moment interessanter werden, in dem sie verboten werden. Die BPjM ist in dieser Form eigentlich überholt.

Sollte man im Umkehrschluss alles ungefiltert freigeben?

Das ist natürlich schwer zu sagen. Es ist aber schwierig, in einer solchen Frage gleiche Maßstäbe zu definieren, die es aber auf jeden Fall geben sollte. So existieren in den Lyrics einiger Deathmetal-Bands deutlich blutigere und krassere Texte als in unseren. Die versteht man allerdings nicht und was nicht verstanden wird, wird scheinbar nicht indiziert. Dennoch sollte natürlich nicht alles freigegeben werden. Insbesondere rechtsradikale Musik, die dazu genutzt wird, Jugendliche in eine falsche Richtung zu drängen und sie zu manipulieren, ist natürlich gefährlich. Wobei sich dort ja in aktuellen Beispielen die Frage stellt, ab wann Texte als rechtsradikal einzustufen sind. Wir haben also wieder ein Problem, Maßstäbe zu finden. In solchen Indizierungsfragen sollte man generell zwischen politischer und unpolitischer Musik unterscheiden, da von politisch motivierter Musik, insbesondere in diesem radikalen Sektor, eine große Gefahr ausgehen kann. Wir beziehen immer Stellung und sind ganz klar gegen Rassismus und Gewalt gegen Minderheiten. Solche Denkweisen sind einfach nicht zeitgemäß. Wir sind alle gleich, haben alle dasselbe Blut in den Venen. Und uns werfen dann Jugendschützer vor, wir würden Gewalt gegen Frauen unterstützen und fördern. Wir haben auch sehr, sehr viele weibliche Fans bei den Konzerten, die dann einfach auch intelligenter sind als diese, die solche Vorwürfe erheben. Die wissen unsere Musik einzuschätzen und wie man mit den Inhalten umzugehen hat. Uns wurde auch vorgeworfen, wir seien schwulenfeindlich, weil wir was gegen den Sänger von Rosenstolz gesagt haben. Da wird einfach direkt unterstellt, wir hätten etwas gegen den Typen, weil er schwul ist, was einfach nicht stimmt. Und mit solchen Begründungen wird dann Musik verboten und Internetseiten gesperrt. Das ist einfach überholt und die Geschädigten sind unter anderem kleine Indie-Labels, wie wir.

Wann und wie kamt ihr das erste Mal mit der BPjM in Kontakt?

Das war 2009 als, aus den genannten Gründen, alle unsere Freealben indiziert wurden. Uns wurde damals auch vorgeworfen, wir würden in unseren Texten Alltagsgegenstände zum Morden verwenden. Diese haben sie uns dann sogar aufgezählt. Ein Stock, ein Messer und so weiter (lacht). Aus diesem Grund würde von den Texten eine zusätzliche Gefahr ausgehen.

Abschließend berichten Crystal F, Arbok 48 und Crack Claus von speziellen Fans. Als weiteren Einblick in das musikalische Schaffen der drei Künstler kannst du dir hier den Track Ruff anhören.


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Kollegah & Asche – Suicide [Video]

Kollegah & Asche – Suicide [Video]

Von Michael Rubach am 22.01.2021 - 08:58

Relativ unbeeindruckt von dem Rummel um Asches Herkunft ziehen Kollegah und sein verbliebenes Alpha Music-Signing musikalisch durch. Der Clip zum Track "Suicide" ist voller Action und steht ganz im Motto des heute erschienenen Kollaboalbums "Natural Born Killas". Mostafa Elgarhy hat bei dem Video Regie geführt. Der Beat, auf dem reichlich Doubletime-Passagen ausgepackt werden, wurde von Asche und Johnny Illstrument produziert.


ASCHE x KOLLEGAH - SUICIDE (prod by Asche & Johnny Illstrument) - OFFICIAL VIDEO

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