Wir haben nun viel über die politischen Ideale von anderen gesprochen. Wo liegen denn eure persönlichen?

Hiob: Ich glaube tatsächlich, dass meine politischen Ideale sich eher bei mir selbst und meinem näheren Umfeld zeigen. Was kann ich an mir ändern, wie kann ich mich richtig verhalten und wie kann ich das Leben meines Umfelds erleichtern. Prinzipientreue ist in dieser Hinsicht sehr wichtig.

Morlockk: Ja, bei mir ist das ähnlich. Es ist einfach super schwierig, diese Frage zu beantworten, da ich das mittlerweile gar nicht mehr an Parteien festmachen kann. Es gibt ganz viele Punkte, die sich bei einigen Parteien einfach nicht decken würden. Ich bleibe da deshalb eher in meinem Mikrokosmos. Natürlich habe ich aber auch eine Meinung zum Thema Krieg, natürlich habe ich eine Meinung zu Bürger- und Frauenrechten und denen versuche ich dann eben in meinem Alltag gerecht zu werden. Ich will eben keinen Krieg beginnen (lacht).

Hiob: Oft ist ein politisches Ideal auch einfach ein Bauchgefühl oder ein Gerechtigkeitsempfinden, das man in einer bestimmten Situation hat. Wenn man Dinge sieht, die eben ungerecht ablaufen, dann möchte man einschreiten. Das tut man zwar leider nicht immer, aber hier sollte man sich eben mit sich selbst beschäftigen. Ich wohne in einem sehr armen Viertel in Berlin und könnte mich hier natürlich in der Nachbarschaftshilfe organisieren. Man hat aber nicht immer die Möglichkeiten, das zu tun.

Morlockk: Das ist auch einfach ein Luxus, den man sich leisten können muss. Ich hab' letztes Jahr einen Rap-Workshop in der JVA Berlin gemacht und mir wurde die Frage gestellt, ob ich das umsonst gemacht habe. Ich musste mit "Nein" antworten. Wenn ich in einem Monat genug Geld und Zeit hätte, dann würde ich so ehrenamtliche Dinge eben gerne umsonst machen. Die Umstände lassen das allerdings oft nicht zu. Man muss arbeiten, um den Kühlschrank voll bekommen.

Was habt ihr dieses Jahr musikalisch noch geplant, um diesen voll zu bekommen?

Morlockk: Wir sind auf jeden Fall fleißig. Kannibalismus Jetzt ist ja erst einen Monat draußen. Als nächstes wird eine neue Edition von Apokalypse Jetzt kommen. Die wird auf Vinyl erscheinen und auch die Songs von Postapokalypse Jetzt enhalten. Ich sitze jetzt außerdem gerade in den letzten Zügen von Der eiserne Besen 2, der im September kommen wird. Das wird ein reines Battlerap-Album mit ganz vielen Features und das wird sehr lustig. (grinst)Hiob sitzt an einer Platte mit Pierre Sonality.

Hiob: Genau, auch wenn hier noch nicht sicher ist, welches Format das haben wird. Außerdem sitze ich an einem Produzenten-Mixtape und im Laufe des nächsten Jahres ist wieder ein Hiob-Soloalbum geplant.

Könnt ihr abschließend euer persönliches Kapitalismus-Bild anhand einer exemplarischen Zeile zusammenfassen, um so das Interview auf einen Punkt zu bringen?

Morlockk: (Überlegt lange) Puh, das ist schwer.

Hiob: So sehr sich tausend Professoren ihren Kopf zerbrechen, bleibt Humanisten nur das Jammern in die Stoff-Servietten. Auch wenn wir kistenweise Kaviar nach Simbabwe schiffen, hungern Bitches weiterhin für neue Plastiktitten.

Marc Schleichert

Autoreninfo

Marc Schleichert ist seit Anfang 2014 ein Teil von Hiphop.de und leitet hier den Textinterview-Bereich. In dieser Funktion spricht er regelmäßig sowohl mit hungrigen Newcomern als auch mit alteingesessenen Künstlern.

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Fard – Zappzarapp [Video]

Fard – Zappzarapp [Video]

Von Robin Schmidt am 01.11.2019 - 12:35

Fard lebt nach dem Motto "Zappzarapp". Seinen ausschweifenden Lifestyle präsentiert der gebürtige Gladbecker in seinem neuen Video – mit jeder Menge Party. Für den Beat verantwortlich zeichnen B-Case, Chryziz und Kiarash. 


FARD - "ZAPPZARAPP" (Official Video)

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