Lumaraa über Frauen in der Rapszene, ihren gewalttätigen Ex-Freund und "Ladies First" (Interview)

Mit Ladies First steht nun der Nachfolger deines erfolgreichen Albums Gib mir mehr an. Ganz im Sinne des Titels beschäftigst du dich in der gleichnamigen ersten Single damit, Frauen Selbstbewusstsein einzuhauchen. Warum lag dir dieses Thema am Herzen?

LUMARAA: Weil wir in einer Welt leben, in der nichts echt ist. Die Messlatte wird mit Haarverlängerungen, Fettabsaugungen, Silikonbrüsten, Po-Implantate, massig Make-up und Filtern ziemlich hochgesetzt. Das entspricht nicht der Realität und ich möchte, dass sich Frauen in ihrer Haut wohlfühlen, denn das würden sie, wenn es nicht diese tausend Fake-Instagram-Bilder und Mager-Models gäbe. Ich spreche aus Erfahrung. Nicht, dass wir alle fake wären, aber ein Fünkchen Wahrheit ist schon dabei. Ich glaube, dass es vielen Frauen bessergehen würde, wenn sie verinnerlichen könnten, dass sie wunderschön sind. Nur leider sind alle auf das Mediending reingefallen und passen sich an. Sie kaufen tonnenweise Make-up, Klamotten und Taschen, um mithalten zu können. Aber das ist nicht der richtige Weg. Natürlich ist das nicht der einzige Grund. Ich finde es auch schrecklich, wie manche Frauen sich unterdrücken lassen. Finde es schrecklich, dass es Menschen gibt, die unterdrücken müssen, um ihr Selbstbewusstsein zu stärken und ich denke, dass ein Leben auf Augenhöhe, egal mit wem auch immer, nötig ist, um ein Gleichgewicht herzustellen, mit dem jeder leben und in den Spiegel blicken kann. 

Das Durchsetzungsvermögen, das du jungen Frauen in diesem Song vermitteln möchtest, benötigst du sicher auch selbst, um deinen Platz innerhalb der Rapszene zu behaupten. So steht in deinem Pressetext, dass Frauen in dieser doppelte Leistung abliefern müssen, um sich durchsetzen zu können. Welche negativen Erfahrungen hast du in dieser Hinsicht gemacht?

LUMARAA: Ich denke, dass mich viele Männer nicht ernst nehmen können, weil sie zu viel mit dem Schwanz denken oder mit dem Strom schwimmen. Negative Erfahrungen habe ich nicht wirklich gemacht, aber ich merke natürlich, dass ich eine Frau bin, wenn mir ein Typ zweimal mehr auf die Brüste glotzt. Ob das schlecht ist, weiß ich nicht, aber wenn die Männer meinen, sie müssen mich reduzieren, weil ich eine Frau bin, dann sollen sie das tun. Das tut mir dann eher leid für die. Dass ich gut bin, weiß ich. Ich habe so viel erreicht mit der Musik, ich habe so viel probiert, so viele Facetten gezeigt und ja, ich habe doppelte Leistung gebracht, musste mir blöde Sprüche anhören, aber das alles hat mich zu dem gemacht, was ich bin, und in meinem Herzen mache ich keinen Unterschied zwischen mir und anderen Musikern. 

Gleichzeitig setzen sich beispielsweise mit Haiyti, Eunique, SXTN, Ewa und Namika gerade immer mehr weibliche Künstlerinnen in der deutschen Rapszene durch. Wie zufrieden bist du in dieser Hinsicht mit der aktuellen Szene und wo siehst du noch Luft nach oben?

LUMARAA: Ganz toll finde ich das und ich hoffe, es kommen noch mehr. Das Tolle ist, dass jede Rapperin einzigartig ist. Jeder macht was anderes. Der Sound unterscheidet sich krass und das macht die ganze Sache schon wieder so interessant. Die Leute werden das schon noch peilen. Chefboss hast du vergessen. 

Was hältst du musikalisch von den genannten Kolleginnen?

LUMARAA: Ich finde wie gesagt alles gut, da es so facettenreich ist. Die SXTN-Girls hör ich mir auch ab und zu privat an. Nicht nur, weil sie mega lieb sind, sondern weil sie auch einen coolen Sound haben, der mich persönlich anspricht. 

Bevor Lumaraa auf der nächsten Seite über das Frauenbild innerhalb der Rapszene und ihren gewalttätigen Ex-Freund spricht, kannst du hier die Single Ladies First abchecken.

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Ist Juju die beste Rapperin Deutschlands? Wer ihr Konkurrenz macht

Ist Juju die beste Rapperin Deutschlands? Wer ihr Konkurrenz macht

Von David Molke am 06.11.2017 - 22:55

Prinz Pi erklärt Juju von SXTN auf Twitter zur "besten deutschen Rapperin". Dabei bekräftigt er noch einmal, dass er das auch wirklich ernst meint. Damit sorgt er natürlich für Diskussionen unter den Fans: Wer ist denn nun die beste Rapperin Deutschlands?

Prinz Pi on Twitter

@pas_xoxo Und die beste deutsche rapperin ist @jujuviervier realtalk no joke

Leider gibt es gar nicht so viele Rapperinnen hierzulande – oder wir kennen sie (noch) nicht. Darum wollen wir hier einfach mal ein bisschen sammeln. Dabei erheben wir natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit und freuen uns auch über Empfehlungen und Hinweise auf neue, uns bisher noch nicht aufgefallene Rapperinnen.

Juju von SXTN muss sich nach Prinz Pis Ansage zumindest den Vergleich mit anderen Rapperinnen gefallen lassen. Da fällt uns natürlich sofort ihre Partnerin Nura ein. Was Prinz Pi von deren Skills am Mic hält, hat er nicht verraten, aber anscheinend spricht er Juju mehr Rapperinnen-Qualitäten zu. Interessant wäre auch, wie das die beiden SXTN-Frauen selbst sehen.

Auch Haiyti fällt uns unweigerlich ein, wenn wir über Rapperinen nachdenken, die aktuell in Deutschland Welle machen. Immerhin erscheint bald ihr Album Montenegro Zero und wenn wir uns so anschauen, was bisher von der Trap Queen kam, dürfte das Album groß werden. Sehr groß.

Schwesta Ewa bastelt ebenfalls gerade an einer musikalischen Bombe. Ihr letztes Album besticht zwar nicht unbedingt durch ausgefeilte Reim- oder Songstrukturen – aber dafür erzählt wirklich niemand sonst solche Storys. Noch dazu auf derartige Art und Weise, mit so viel, so dichter Atmosphäre und so ungeschönten Einblicken ins Rotlichtmilieu.

Schon sehr viel länger dabei ist zum Beispiel Pyranja, die nach zehn Jahren Funkstille im März 2017 mit Overkill plötzlich wieder zurück auf der Bildfläche erschien. Die Single wurde über Springstoff veröffentlicht, mehr kam danach aber noch nicht. Die Veteranin dürfte jedenfalls eventuell auch ein Wörtchen mitreden wollen, wenn es um die beste Rapperin Deutschlands geht. Dann gibt es da natürlich auch noch Tice:

Tice

Wie gefällt euch meine "Baklava" EP? Baklava streamen und laden: www.tice-rap.de Danke an Alexander Majewski für das Video www.majewski.tv

Fiva ist ähnlich lange dabei wie Pyranja oder Tice und erfreut sich einer ziemlich großen, stabilen und treuen Fanbase. Die Musikerin tourt beinahe unentwegt durch Deutschland und spielt ausverkaufte Shows (aktuell wieder mit der Jazzrausch Bigband JRBB), moderiert aber auch im Radio sowie im Fernsehen (Kulturpalast auf zdf.kultur) und betätigt sich als Autorin.

Die Rapperinnen Pilz, VistEsmaticx und Antifuchs stammen allesamt aus einem Battle-Kontext. Die Damen sollten also eigentlich nicht nur in der Lage, sondern auch gewillt sein, um den Titel der besten deutschen Rapperin zu kämpfen. Dasselbe dürfte wohl auch für Kitty Kat gelten.

Pilz hat auf ihrer letzten Tour eine Remix-EP namens Hack unters Volk gebracht. Um Vist war es im letzten Jahr sehr still, ähnlich wie bei Esmaticx. Letztere hat Ende August allerdings angekündigt, wieder motiviert zu sein und Musik machen zu wollen. Auch von Antifuchs kam kürzlich ein neues, musikalische Lebenszeichen:

Es gibt eine ganze Reihe an jungen, aufstrebenden Rapperinnen, von denen wir in Zukunft wohl noch eine ganze Menge hören werden: Eunique, Ace Tee, Lumaraa und Leila Akinyi solltest du zumindest auf dem Schirm haben, wenn es um deutschsprachige Rapperinnen geht.

Last, but definitely not least: Sowohl Sookee als auch Jennifer Gegenläufer machen in erster Linie intelligenten, queerfeministischen und mehr oder weniger politischen Rap. Inhaltlich muss das erstmal getoppt werden.

Jetzt bist du dran: Wer ist deiner Meinung nach die beste, deutschsprachige Rapperin? Wen sollten wir dringend noch im Auge behalten?


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