Haken dran!: Danny [Interview]
Danny zeigt zwei Mittelfinger

Für die zweite Ausgabe unserer Reihe "Haken dran!" haben wir mit YouTuber Danny darüber gesprochen, wie der Kontakt mit t-low zustande kam, was seine Eltern von seiner Karriere als Vlogger halten und ob er bald auch mit Musikvideos anfängt.

Manch einer würde behaupten, "Blaue Haken" sind in der Rap-Szene die wichtigste Währung. Die gibt es aber natürlich nicht einfach so: Um an einen ranzukommen, muss man erst mal mediale Berichterstattung vorweisen – sprich, Interviews und Artikel, die über den Künstler geschrieben wurden. Wir wollen Artists dabei helfen, endlich einen "Haken dran!" zu machen und setzen uns deshalb ab sofort mit Menschen aus der Szene für ein Interview zusammen, bei denen das blaue Logo hinter dem Instagram-Handle längst überfällig ist.

Zu Beginn: Stell dich doch gerne für die Leute, die dich noch nicht kennen, vor und erzähl, was du so machst?

Moin ich bin Danny, 21 Jahre alt und mache YouTube. Ich begleite sehr oft, beziehungsweise eigentlich fast immer, t-low bei jeglichen Dingen. Seien es Liveshows, Studiosessions oder Ähnliches.

"Danny" als Name macht es auf jeden Fall nicht so einfach, nach dir zu suchen. Wieso hast du dich gegen einen "ausgefallenen" Künstlernamen/Alias entschieden?

Dazu gibt es sogar 'ne Story. Also ich bin seit knapp 2008 auf YouTube und ich heiße ja bürgerlich Daniel. Eigentlich nennen mich alle Dani, aber es gab einen Menschen, der Dani nicht wirklich sagen konnte und mich dann deshalb Danny genannt hat. Seitdem dachte ich mir 'Ja man Danny klingt cooler als Dani oder Daniel' und deswegen nenne ich mich jetzt so.

Auf deinem YouTube-Kanal gab es vor knapp sechs Monaten einen relativ radikalen Cut. Statt Stream-Highlights und "Among Us"-Videos auf einmal Vlogs mit Rappern. Wie kam es zu diesem Wandel?

Ich habe von 2015 bis 2021 gestreamt, fast jeden Tag. Klar gab es Tage, an denen man krank war oder kein Bock hatte. Aber irgendwann war ich gar nicht mehr zufrieden mit dem, was ich mache. Ich hatte weniger Spaß am streamen, weil es sehr wenig Spiele gibt oder gab, die Spaß gemacht haben. Dann irgendwann hatte ich mir eine Vlogging-Cam geholt und dachte mir, 'Ja man, ich versuch es mal mit Vloggen. Ich hab das zwar noch nie gemacht und hab auch kein Plan wie das funktioniert', aber so kam es dann zu den Vlogs.

Viele Rapfans dürften dich vor allem über deine Vlogs mit t-low kennen, wie kam da der Kontakt zustande?

Also t-low und ich kennen uns seit 2012. Wir hatten uns damals in einem Teamspeak kennengelernt und dann gemeinsam Minecraft gespielt. Da hatten wir auch nur eine kurze Zeit Kontakt und dann ist irgendwie der Teamspeak auseinandergebrochen. Es war kaum wer online. Dann so ab Ende 2020 hab ich so langsam t-lows Musik für mich entdeckt. Ich hatte seine Songs auch im Stream laufen lassen und Ähnliches. Dadurch ist er dann irgendwie aufmerksam geworden, dass ich seine Songs höre und auch geteilt habe. Dann haben wir Kontakt aufgenommen und danach erst gerafft, dass wir damals gemeinsam Minecraft gespielt hatten. Dann im September, als ich zum 030 Festival mitgenommen wurde von dusy, hab ich das erste mal t-low getroffen. Wir haben direkt harmoniert und auch gut gevibed und so. Seitdem bin ich eigentlich in dauerhaftem Kontakt mit ihm.

Zusammen mit t-low hast du kürzlich auch mit Ufo361 im Studio gechillt. Was konntest du aus der Zeit mit dem Berliner mitnehmen?

Es war für mich auch ein surrealer Moment, irgendwie. Alle, die mich auf Twitch und YouTube verfolgen, wissen, dass ich sehr gerne Ufos Musik höre. Er hat sehr schnell gearbeitet. Innerhalb von Sekunden hat er Sachen getan, von denen ich kein Plan hatte. Er an sich ist auch einfach eine inspirierende Person.

Früher wurden Youtuber, die gerappt haben, gehatet. Heute finden immer mehr Rapper im YouTube- und Twitch-Kosmos statt. Wie würdest du diese Entwicklung bewerten?

Ich finde diese Entwicklung schon cool. Ich fand es schon immer schade, dass YouTuber gehatet wurden, wenn sie aus Spaß Songs gemacht haben. Ich hatte nie was dagegen. Klar sind viele Songs mittlerweile ein Meme geworden (siehe ApoReds Songs). Aber ja, ich finde es auch cool zu sehen, dass sich mehr Rapper in diese YouTube- und Twitch-Schiene reintrauen. Man kriegt als Zuschauer einfach auch Mal einen Einblick von diesen Menschen "persönlich" außerhalb der Songs. Es gibt ja auch viele, die ihr Leben nirgendwo teilen. Im Livestream oder in Highlight-Videos erzählen viele Rapper dann ja privateren Stuff, den man jetzt nicht direkt auf Instagram oder sonst wo mitbekommt. Man baut auch so als Rapper eine coolere Bindung mit den eigenen Zuhörern auf.

Wird es dich nach "Daytona Noflex" in naher Zukunft noch öfter auf Tracks zu hören geben?

Das eine sehr gute Frage. Ich war letztens wieder in Berlin mit Papaplatte, haben da auch ein Song gemacht, weil wir beide Bock haben, wieder einen rauszubringen. Aber mal gucken. Das wird eher eine spontan Entscheidung sein.

Und wie sieht es mit Ambitionen aus, mal ein Musikvideo für jemanden zu drehen?

Von Musikvideos hab ich keinen Plan. Hab auch dafür nicht die Hand, glaube ich. Ich erkenne auch sehr schwer, welche Locations jetzt geil sein könnten für den und den Shoot, you know?

Die meisten Künstler setzen auf Selbstdarstellung in Insta-Storys usw. die wenigsten lassen sich noch von einer Kamera begleiten. Bei dir sieht man aber, wie gut das eigentlich ankommt. Warum werden Behind-The-Scenes-Vlogs so unterschätzt?

Glaube viele Rapper wollen auch ihr Privatleben nicht so preisgeben, wie t-low es tut. Es gibt auch viele Hörer von Rappern, die gerne mehr Einblicke in deren Leben hätten. Was sie machen, wenn sie mal keine Musik machen oder Musikvideos drehen. Bei mir sieht man ja, dass wir auch mal random Trampolin springen gehen oder einfach irgendwas lustiges gemeinsam unternehmen, weil wir Bock drauf haben. Dann nehm ich natürlich immer die Kamera mit, weil man kann immer schöne und lustige Momente festhalten. Ich versteh aber auch, wenn Rapper nichts davon halten. Ist natürlich jedem das seine. Ich glaube auch gerade im Rapgame will man manchmal bisschen spezieller sein und sein Privatleben low keepen. Dass man häufig einfach das wenigste mitbekommt, sollte man keinem Rapper übel nehmen!

Deine Videos sind aktuell YT-typisch relativ kurz gehalten, könntest du dir auch mal vorstellen, etwas Längeres zu droppen? Und wenn ja, was?

Meine Vlogs gehen ja so im Durchschnitt immer 10 Minuten. Ich hab vor, mit Jan Rode [Manager] mal so etwas wie ein Interview zu machen, wo wir einfach unterwegs sind und ich ihm ein paar Fragen stelle. Weil viele aus den Kommentaren wundern sich, wie er vom damaligen YouTube Netzwerk TubeOne bis hin zu Künstlermanagement kam. Gibt natürlich auch Menschen, die keinen Plan haben, wer Jan ist und auch gerne mehr über ihn erfahren wollen. Das wäre ein längeres Video, das ich mir vorstellen könnte. Ansonsten nicht.

Streamer, etc. ist jetzt nicht der klassische Berufsweg. Wie macht man seinen Eltern klar, dass man Vlogger werden will?

Es ist immer schwer, seinen Eltern zu erzählen, dass man lieber etwas anderes machen würde, als den normalen Weg zu gehen. Am Anfang haben meine Eltern sehr an dem, was ich mache, gezweifelt. Weil es schon für die meisten Eltern komisch ist, wenn das Geld durch das Internet kommt. So ab circa 2019 hat sich meine Mama dann ein bisschen mit YouTube und Twitch auseinandergesetzt und hat angefangen, mein Freundeskreis und mich auf YouTube zu verfolgen. Seitdem ist meine Mama sehr cool damit und feiert es auch sehr. Mein Vater hat davon nicht viel Ahnung, er war auch nie überzeugt. So richtig ist er das immer noch nicht, aber er freut sich trotzdem irgendwo für mich, meinte er.

Dein Insta ist auf jeden Fall mehr Foto-Dump als professionelle Bilder von Shootings. Was kannst du Influencern oder auch Rappern über Authentizität mitgeben?

Der wichtigste Punkt ist da einfach immer man selbst zu sein. Man sollte sich meiner Meinung nach nicht verstellen. Jeder soll machen, wie er meint, sag ich einfach mal. Man muss jetzt nicht als Influencer extra familyfriendly sein. Klar gibt es viele, die das machen, weil dann halt das Geld ordentlich reinballert. Und bei Rappern kann ich wenig zu sagen.

Du scheinst auf jeden Fall einfach das zu machen, worauf du Bock hast. Was würdest du Leuten raten, die auch kreativ arbeiten wollen, sich aber noch nicht trauen?

Wenn ihr Bock habt zum Beispiel Musikvideos oder Ähnliches zu machen: Just do it! Lasst euch von keinem aufhalten. Klar, man ist nicht von Anfang an direkt der Beste, das kostet alles seine Zeit und seinen Nerv. Am Ball bleiben, irgendwann klappt es immer!

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