Auf seinem neuen Album Enzo gewährt der Dortmunder Rapper Donato seinen Fans zum dritten Mal einen Einblick in sein Seelenleben. Die häufig melancholischen Songs auf diesem handeln von Ausbruch aus dem Alltag, Abgrenzung von der stereotypischen Gesellschaft und dem Umgang mit dem täglichen Leistungsdruck. Über all diese Punkte haben wir uns mit Donato im Interview unterhalten und uns hierbei auch intensiv mit dessen neuen Album beschäftigt.

Wie würdest du einem potentiellen Zuhörer beschreiben, was den Künstler Donato musikalisch und inhaltlich ausmacht?

Am besten in ein paar Schlagworten: wortgewaltig, bildhaft, authentisch. Vor allem aber auch musikalisch, weil wir speziell mit dem neuen Album versucht haben, die Produktionen nochmal auf ein neues, musikalischeres Level zu hieven. Und das ist uns gelungen, denke ich.

Mit Enzo veröffentlichst du nach Damals wie heute und Angst dein nun drittes Soloalbum. Kannst du uns vielleicht die Entwicklung vom ersten über das zweite zum nunmehr dritten Soloalbum aufzeigen und dabei sowohl auf den Sound als auch auf die thematische Ausrichtung der Alben eingehen?

Zwischen den Alben liegen jeweils knapp vier Jahre, deshalb steht jede Platte für eine Epoche in meinem Leben. Die erste ist eher gechillter, die zweite dramatischer. Bei der Dritten erfinde ich mich ein Stück weit neu, nachdem ich in einer kleinen Sackgasse gesteckt habe. Deshalb sind die Alben schwer vergleichbar. Von Album zu Album habe ich mich weiterentwickelt – vor allem textlich. Ich bin heute deutlich pointierter als früher.

Auf dem Song Ich bin nicht normal zeichnest du auf einem elektronisch angehauchten Instrumental das Bild einer Person, die von der Gesellschaft nicht akzeptiert wird, da sie sich von dieser unterscheidet. Ist der Song selbstreflexiv und wenn ja, in welchen Situationen fühlst du dich von der Gesellschaft abgelehnt?

Naja, in jedem Song spiegelt sich oft auch ein Teil von mir wider. Aber es gibt jetzt keine konkreten Situationen, in denen ich mich abgelehnt fühle. Es ist eher das Grundgefühl, dass ein eigener Kopf mit eigenen Meinungen, Wünschen und Vorstellungen nicht so gern gesehen ist, dass man eben eher angepasst sein muss, um voll anerkannt zu werden. Das finde ich ein Stück weit beunruhigend. Deshalb der Song.

Auf der kommenden Seite schildert Donato seine Sicht auf die gegenwärtige Leistungsgesellschaft. Das Video zu Ich bin nicht normal kannst du dir hier anschauen.

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Auf STRG-Z kritisierst du den Druck der Leistungsgesellschaft anhand von Personen, die an selbiger zugrunde gehen. Was stört dich an dieser Gesellschaftsform und wo siehst du Ansätze, diese individuumfreundlicher zu gestalten?

Ein Patentrezept habe ich leider auch nicht, aber ich stelle immer wieder fest, dass einige von uns in einem Hamsterrad stecken. Dass wir Leistung bringen müssen, ist selbstverständlich. Das ist auch wichtig, dafür werden wir bezahlt. Aber in manchen Bereichen wird quasi Selbstaufgabe gefordert, ohne Rücksicht auf Verluste, ohne das Individuum dahinter zu betrachten und zu schützen. Wer den Druck nicht mitgehen kann, wird mi*****r eiskalt aussortiert. Das prangere ich an.

Hast du vielleicht für jungen Menschen, die sich in einer solchen Gesellschaft wiederfinden, Vorschläge, mit dem herrschenden Druck umzugehen? Wie könnten diese sich grundsätzlich im Prozess des Zurechtfindens in dieser Welt verhalten?

Ich weiß nicht, ob ich dafür der richtige Ansprechpartner bin. Ich bin ja selbst noch auf der Suche nach der Lösung (lacht). Sie werden sich in jedem Fall ein Stück weit anpassen müssen. Wichtig ist aber, dass sie sich dabei selbst nicht verleugnen. Man muss die richtige Balance finden. Das ist ein sehr schwieriger Prozess, wie ich finde, den man vor allem allein bewältigen muss. Ein gutes soziales Netz ist vielleicht ganz hilfreich, um sich ein Stück weit resistent zu machen gegen den Druck. Oder ihn zumindest etwas abzufedern.

Grundsätzlich schwingt bei den meistens Songs ein gewisser Ich-muss-raus-Charakter mit. Es scheint, als würdest du die Absicht haben, aus deinem Alltag auszubrechen. Was an diesem bringt dich dazu, flüchten zu wollen und wie konkret sind deine Pläne, deine gerappten Absichten in die Tat umzusetzen?

Im Grunde beschreibe ich in den Songs bereits den Ausbruch selbst. Ich bin 650 Kilometer weit weggezogen, habe den Arbeitgeber gewechselt, neue Leute kennengelernt. Mich einfach neu erfunden. Das war einfach notwendig, weil ich an einem Punkt war, wo ich nicht mehr so richtig weiterkam.

Auf der kommenden Seite spricht Donato über die Features und Produzenten auf Enzo. Einen weiteren Einblick in das Album bekommst du hier mit Winterschlaf.

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Neben dem 58er-Signing Jinx sind die Hiphop-Veteranen Tatwaffe und Moses Pelham auf Enzo vertreten. Wie kamen die Zusammenarbeiten zustande und weshalb hast du dich für diese Featuregäste entschieden?

Die Features sind sehr bewusst ausgewählt. Mir ging es vor allem darum, den Songs noch eine gewisse Note zu verleihen. Tatwaffe beispielsweise gibt dem Track Feuer etwas Dramatisierendes, gleichzeitig aber auch eine Portion Gelassenheit. Moses richtet sich im Chorus von Qual mit seiner ganzen Erfahrung und seiner Weisheit an den verzweifelten Protagonisten. Und Jinx ist ein enorm talentierter Rapper, Sänger und Produzent, der die Songs super abrundet mit seinen Hooks. Es passt perfekt.

Für die Produktionen zeigen sich DJ s.R., Profound, Elia Vens und Jay Baez verantwortlich, wobei auch du dieses Mal stärker in den Produktionsprozess eingebunden warst. Wie lief die Zusammenarbeit mit den Beatproduzenten ab und was kannst du zum Sound des Albums sagen?

Wir wollten Donato wie eingangs angedeutet musikalisch weiterentwickeln, instrumenteller, orchestraler werden. Dafür habe ich mit s.R. den perfekten Produzenten gefunden, der sehr viele Instrumente selbst spielen kann. Profound, Elia Vens und Jay Baez haben von ihrer Art zu produzieren sehr gut reingepasst. Mir war wichtig, dass man auch in den Instrumentalen einen roten Faden spürt, der sich durch das Album zieht.

Deine Musik lebt wahnsinnig von den Emotionen, die die meisten deiner Musikstücke transportieren. Gibt es einen Song, zu dem du eine besondere, emotionale Bindung hast? Weshalb fällt deine Wahl auf diesen Song?

Enzo ist so ein Song. Das ist vielleicht der emotionalste Song, den ich je geschrieben habe, weil er viele Erinnerungen ins Gedächtnis ruft. Deshalb ist das auch ein absolut würdiger Titelsong, der das Album quasi auch beendet.

Möchtest du den Lesern dieses Interviews noch etwas mit auf den Weg geben?

Vor allem eines: Viel Spaß mit Enzo! Hört einfach mal rein und lasst euch von der Atmosphäre eine Stunde aus dem Alltag reißen. Ich freu mich auf euch.

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