Abgefuckt & underrated? Argonautiks im Interview über "Paroli Pop" und das Leben

Es gibt immer wieder diese Acts, bei denen man sich fragt: Wieso sind die nicht bekannter?! Eine Option ist, dass du einen bekackteren Musikgeschmack hast, als du denkst. Oder es ist Liebhaber-Shit, der für die breite Masse zu raw, anspruchsvoll und nischig ist. Die Argonautiks zählen zur zweiten Kategorie – ohne jeden Zweifel.

Seit 2017 habe ich die Jungs – Rapper Timmy und Paul sowie Stamm-Producer Donnie Bombay – aufmerksam verfolgt. Damals erscheint das Album "Aus dem Leben" (jetzt auf Apple Music hören), das Elemente von New Yorker Boombap und Berliner Battle-Attitude aufgreift, wobei sich auch hier schon ungreifbare Industrial-Einflüsse heraushören lassen. Der Flow ist punktgenau und organisch, die Lyrics intelligent und gleichzeitig desillusioniert. Timmy und Paul haben keinen Bock auf dich, Gold witternde Rapper aus der Kreidezeit sowie die Nachbarin mit unterirdischem Kochtalent.

Seitdem sind mit "Gaffa" (2018) und "Trauben über Gold" (2020) zwei hervorragende Alben erschienen, jetzt steht "Paroli Pop" (VÖ 25. Juni) vor der Tür. "Immer noch keine Kalkulation aufgrund von gut trainiertem Instinkt", dafür verfeinerter Sound, noch stärkere Rapskills und konsequenterweise nach wie vor Texte aus dem Leben.

Was hat sich in all der Zeit verändert für die Jungs? Was sind ihre Einflüsse? Wie abgefuckt sind sie wirklich? Wie releast es sich independent mit 'nem Beigeschmack vom Major-Deal? Wie riecht Freiheit und am aller wichtigsten: Wie geht's Timmys Katze? Das und vieles mehr haben wir in einem entspannten Zoom Call mit Piwo und Vino geklärt ...

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Clark: Klassischer Interview Einstieg: Was sind eure Top-3-Gerüche of all time?

Timmy: Gerüche?

Paul: (leichtes Lachen) Beste Frage, die ich bis jetzt bekommen habe zu dem Album. Ich würde sagen Tankstelle, safe. Dann würde ich noch sagen: alte Bäder. Nicht so stinkend, sondern einfach richtig alte Bäder mit richtig alten Armaturen. Ich mag den Geruch davon, wenn die frisch geputzt sind.

Timmy: Ich mag den Geruch von meiner Katze.

Paul: Lack riecht auch geil auf jeden Fall.

Jetzt wird's direkt deeper. Wie riecht Freiheit für euch?

Timmy: Wie meine Katze riecht Freiheit.

Paul: Auch wenn ich Flugangst habe, gibt mir der Geruch von Flughäfen ein Gefühl von Freiheit.

Ich starte so rein, weil Gerüche ja starke Verknüpfungen mit Erinnerungen haben können. Eure beiden Solotracks "25 (Meine Welt)" fangen eure Um- und Innenwelt von etwa 2006 bis 2010 ein. Welchen Duft verbindet ihr mit dieser Zeit? V+ Energy?

Paul: Ne, nicht V+, aber der Geruch von Energydrinks. Wir haben damals so Sixpacks von den 1,5L-Flaschen gekauft und uns damit im Keller eingeschlossen.

Timmy: Ich hab das immer im Frühling. Wenn die ersten Frühlingsnächte kommen, in denen es warm wird.

Nächste Frage auch komplett random erstmal: Fühlt ihr euch ausgeglichen?

Paul: Ne.

Timmy: Ne, Mann.

Aber hilft Musik da ein bisschen?

Paul: Musik machen, ja.

Musik veröffentlichen weniger.

Timmy: Genau. Das ganze Drumherum – jetzt gar nicht gegen dich – aber auch Interviews, Promovideos, das ist alles nicht unsers irgendwie. Also man hat schon seinen Spaß dabei, aber dann wird's schnell Arbeit, auch wenn es immer noch Hobby ist. Aber du willst und musst ja auch irgendwo abliefern und so wird es dann zum Job und nimmt ein bisschen die Ausgeglichenheit wieder raus. Man ist gezwungen, kreativ zu sein.

Paul: Wir wollten das natürlich auch alles mit Vertrag und so. Aber ab dem Punkt, wo Deadlines in Spiel kommen, kann man halt nicht mehr nur machen, wie man Bock hat.

Das war eher eine Schattenseite der Kunst in eurem Leben. Was hat Rap positiv für euch verändert? Vielleicht betrachten wir das einmal aufs komplette letzte Jahrzehnt und einmal auf die letzten vier Jahre, seit es 2017 mit "Aus dem Leben" losgegangen ist.

Timmy: Bei mir ist tatsächlich 2010 genau wie 2017. Beide Male habe ich exzessiv Musik gemacht. Als es mit Argonautiks losging, wurde es sehr intensiv und zu einem Teil des Lebens. Beschäftigung, Ablenkung vom Alltag, das Musikmachen an sich macht ja immer noch riesig Spaß – früher wie heute.

Paul: Das klingt jetzt ein bisschen pathetisch, aber seit 2017 ist es auch eine gewisse Erfüllung. Hätte ich das heute nicht, dann würde mir krass etwas fehlen. Ich fühle mich vollkommener.

Timmy: Es ist 'ne Berufung. Für uns ist es auch krass zu sehen, wie viele Leute unsere Musik schon seit ihrer Jugend hören und teilweise seit 2010 am Start sind. Fast schon gruselig, wie viele das sind.

Wie viel vom Hass und der Desillusion aus euren Lyrics begleitet euch im Alltag?

Timmy: 100 Prozent.

Paul: Ich würde sagen, in meinem Alltag ist vielleicht sogar noch schlimmer. 

Oha. Was sind denn die schönen Dinge, die euch Freude geben – außer Rap und Katzen?

Timmy: (halb lachend) Ok, wieso nimmst du uns das jetzt weg?!

Ihr habt gesagt, ihr wolltet persönlicher werden mit dem Album, jetzt müsst ihr auch liefern.

Paul: Positive Vibes, wo bekomme ich die her?

Timmy: Vielleicht von der Partnerin?

Paul: Ja.

Timmy: (jetzt mit Grinsen übers komplette Gesicht) Von der Katze. Sorry, ich muss die Katze einfach nennen, die gehört dazu! Ich mag aber auch meine Arbeitskollegen extrem. Die habe ich echt ins Herz geschlossen über die letzten Monate und teilweise Jahre. Ich gehe zum ersten Mal in meinem Leben gerne zum Job. Da sind Leute die einen verstehen, die mitfühlen.

Paul: Du fühlst dich wirklich verstanden auf Arbeit?

Timmy: Im Arbeitskontext auf jeden Fall.

Paul: Aber redet ihr auch so über persönliche Sachen?

Timmy: Eher weniger. Aber auch, ja. Wer Musik macht, kennt das: Wenn du einmal gesagt hast, dass du Musik machst, dann wirst du alle paar Tage danach gefragt, wie der Dreh war, wie das Album läuft. Oft geht's auch um Musik generell. Dann fragt zum Beispiel ein Mitte 50-Jähriger AC/DC-Fan, wie das ist mit dem Sachen klauen. Er meint halt sampeln. Wenn du ihm aber erklärst, was für Arbeit dahinter steckt, dann ist ab dem Moment auch ok für ihn.

Apropos Sampling. Geht euer Producer Donnie Bombay noch richtig diggin' in the crates?

Timmy: Vinyl, CD, MP3, alles eigentlich. Am liebsten aber tatsächlich CD. Oft wird auch einfach ein geiles oder ein richtig hässliches Cover ausgewählt. In den Beats wurde schon teilweise der abgef**kteste Scheiß gesampelt, aber am Ende klingt's dann einfach wie ein cooler Ton.

Kommen wir zum Sound des neuen Albums "Paroli Pop". Ich hatte das Bild von einer verlassenen Fabrikhalle vor Augen, Rost läuft von der Decke über Jahre alte Pieces an den Wänden. Irgendwie industrial. Wie habt ihr den Sound gefunden, den wir jetzt hören?

Timmy: Das entwickelt sich meistens während der Entstehung.

Paul: "Jenseits" war der erste Song, aber auch noch in einer anderen Version. Das klang noch wie ein Bonustrack für "Tauben über Gold", das war nichts Neues. 

Welche Weiterentwicklung hat es dann gegeben?

Paul: Ich kann nur für mich sprechen, aber ich habe zum ersten Mal überhaupt auf Beats mit der Geschwindigkeit wie "Gossip" gerappt.

Timmy: Es ist theatralischer geworden und melancholischer. Das hat sich so entwickelt, weil wir bei der Hälfte vom Album gemerkt haben, dass das alles sehr deep geworden ist. 

Paul: Es ist so eine drückende Atmosphäre. 

Timmy: Fröhliche Musik haben wir ohnehin noch nie gemacht. Weil wir das beide gar nicht feiern – wir würden es halt beide nicht machen. Feiern kann man das bestimmt, wenn man was Cooles findet. Gerne Info an mich, wer sowas kennt.

Ich kann aus eigener Erfahrung bestätigen: Es gibt auch gute, fröhliche Musik. Alter Funk, Soul, sowas zum Beispiel.

Timmy: Ich meine halt Hiphop. Also fröhlichen, coolen Hiphop.

Paul: (lacht) Fröhlicher, cooler Hiphop – das klingt schon scheiße.

Timmy: Es gibt lustige Sachen, aber die sind halt nicht fröhlich. 

Paul: Kwam.E hat in letzter Zeit so ein paar Sachen, ich nenne es mal leichtfüßig. Zum Beispiel "Baywatch" mit Gerald Ghettobass [G.G.B]. Der hat einen positiven Vibe und ist trotzdem geil.

Timmy: Aber auf jeden Fall hast du Recht. Dieser Industrial Vibe schwingt da schon irgendwie mit, weil es so kühl klingt, vielleicht mechanischer als "Trauben über Gold". Mehr Hall, mehr Piano.

Weniger industrial kommt eine Argonautiks-Tradition daher. Wie kommt es, dass Rosa und Lila schon immer so eine große Rolle in eurer Ästhetik spielen? 

Paul: Wir mögen halt einfach die Farbe. Wir haben ja grade schon über die drückende Atmosphäre gesprochen. Uns war es immer wichtig, dass man versucht, das Ganze zumindest visuell ein bisschen aufzulockern. Stell dir vor, wir machen diese Musik und würden noch ein Heavy Metal Cover dazu haben. Das wäre einfach zu viel. Wir versuchen schon bewusst, da einen Kontrast hinzukriegen.

Im Albumtitel "Paroli Pop" steckt schon ein gewisser Widerspruch. Was habt ihr euch dabei gedacht?

Paul: Eigentlich gar nicht so viel, wie man vielleicht denkt. Wir hören beide gerne Popmusik – also gute Popmusik. Finden wir beide geil, aber machen das komplette Gegenteil. Wir hatten bei dem Album ursprünglich Bock gehabt, in eine poppigere Richtung zu gehen. Hat aber nicht geklappt. Dann wurde es "Paroli Pop", das klingt einfach nice.

Ist dreckiger Rap von ganz unten vielleicht der Pop des Widerstands?

Paul: Oah, Dicka, die Aussage hätte von mir sein müssen eigentlich. Ja, doch, auf jeden Fall.

Rap ist halt Pop im Sinne von populärer Musik. Der Gedanke kam mir letztens beim Disarstar-Album "Deutscher Oktober" – auch populäre Musik, aber sie gibt Paroli zum Status Quo, zur Musik da draußen, zur Einstellung vieler Rapper

Paul: So weit haben wir beim Titel gar nicht gedacht, aber da würde ich dir schon Recht geben.

Von welchem Rapper habt ihr am meisten gelernt für euer Handwerk?

Paul: Bei mir war es definitiv Savas. Der 2000er-Savas. "Euer bester Freund" oder so hieß das Ding, das war eine CD mit allen seinen Parts aus der Zeit. Einfach seine Parts hintereinandergeballert, keine Hooks. Das war für mich anfangs der größte Einfluss, was Rap und Schreiben angeht.

Timmy: Ich hab da so Stufen. Das erste war auf jeden Fall Aggro, Savas. Dann kam die Zeit, in der Paul angefangen hat, Musik zu machen – da hat Paul mich beeinflusst und Jungs aus Potsdam, die heute so mit meine besten Freunde sind. Dann kamen Hiob und Morlockk, ganz großer Einfluss gewesen. (mit eine Grinsen:) Viel zu großer Einfluss auch, dann klang ich wie so ein Wannabe-Hiob. Als die erste Argonautiks-Zeit zu Ende war, habe ich jede Menge Down South gehört und das tue ich bis heute. Three 6 Mafia, UGK, SpaceGhostPurrp.

SpaceGhostPurrp sagt mir tatsächlich gar nichts, Schande auf mein Haupt.

Timmy: Krass. Das ist so ziemlich der größte Einfluss für unsere Beats. Es klingt nicht wie unsere Beats, aber wir haben viel davon gelernt. Du kennst bestimmt Sachen von dem, ohne zu wissen, dass es von ihm ist. Hast du "Live.Love.A$AP" gehört damals? Das hat ja eine riesige Welle losgetreten, dass New Yorker Artists jetzt auch Südstaaten-Sound machen und auf einmal Three 6 Mafia Chops in ihren Hooks haben. Das hat alles SpaceGhostPurrp ins Leben gerufen. Der ist auch für diese ganzen gehypten Künstler der letzten Jahre wie XXXTentacion, Lil Pump und Co mit Abstand der größte Einfluss. Das sagen die auch in ihren Interviews, obwohl die den alle hassen. Der Typ ist ein absoluter Psychopath, der auch ganz viel Scheiße redet.

Paul (kommt nach kurzen Verbindungsproblemen zurück in den Call): Ihr redet über SpaceGhostPurrp, ne? 

Timmy: Genau, er kennt SpaceGhostPurrp nicht.

Paul: Was?!

Ich check's nicht. Bei dem Einfluss ist es schon hart, dass der Name in 6 Jahren Hiphop.de nie bei mir hängengeblieben ist.

Timmy: Ich stelle jetzt eine Riesenthese auf, die ist vielleicht auch ein bisschen übertrieben. Ich behaupte, Hiphop würde heute ganz anders klingen, wenn SpaceGhostPurrp nicht da gewesen wäre. Die Leute, die er zum Rappen gebracht hat, die er beeinflusst hat, die er produziert hat, das sind heute mit die größten Leute, die es gibt.

Er hat die Leute geprägt, die jetzt die Leute prägen?

Timmy: Die ganze Soundcloud-Ära. Das sind seine Kinder quasi. Aber der Typ ist trotzdem ein Psychopath und macht mittlerweile fürchterliche Musik. Der hatte so eine Ära Anfang der 2010er-Jahre, da er eine Handvoll Mixtapes gemacht mit so LoFi-Südstaaten-Sound, 192-Bit-Qualität und alles übersteuert, alles voll mit komischen Samples und Stöhngeräuschen und runtergepitchter Stimme. Das hat Rocky dann alles übernommen, die waren auch best Friends, bis die sich fast erschossen hätten. Super interessante Person, aber ich verstehe auch jeden, der mit der Musik nichts anfangen kann. Paul, wie kann man die beschreiben? Einschläfernd?

Paul: Ich finde die einfach nur geil. Wie heißt das Album, das ich so mag?

Timmy: "Mysterious Phonk".

Paul: Hör dir mal "Suck A D*ck 2012" an, das ist schon krass. Da wirst du vielleicht auch Parallelen zu unserer Musik finden.

Ihr seid auf der einen Seite Untergrund aus Leidenschaft, auf der anderen Seite wollt ihr jetzt auch langsam euer Stück vom berüchtigten Kuchen. Findet ihr das widersprüchlich?

Paul: Hängt vom Rahmen ab. Dass wir uns jetzt nicht die "Modus Mio"-Listings wollen, ist ja klar. Auch wenn da noch bisschen mehr geht, bin ich komplett zufrieden, wie es für uns läuft.

Timmy: Ich seh das auch so. Wenn jemand in ein paar Wochen 100.000 Streams macht, der sonst auf 1 geht in den Charts, dann denkt er sich: Ich hab verkackt. Ich denke mir: Da haben Leute 100.000-mal unser Lied gehört. Hunderttausendmal!

Paul: Ich bin froh, dass die Musik Anklang findet, wo sie Anklang findet. Leute, die sich mit Musik auseinandersetzen oder deren Musik ich feiere oder die eine korrekt Botschaft nach außen tragen, die fühlen unsere Sachen. Das ist mir verdammt wichtig. Ein paar mehr dürfen aber gerne noch dazu kommen.

Rein zahlentechnisch ist das ja schon gut gewachsen bei euch in den letzten Jahren. Richtig los ging es ja mit "Aus dem Leben". Das war 2017, als Deutschrap mit etlichen Hits komplett in den Mainstream explodiert ist. Glaubt ihr an einen gewissen Trickle-Down-Effekt, bei dem der Untergrund von den Mainstream-Erfolgen profitiert?

Paul: Ich kann's mir schon vorstellen, dass neue Hörerinnen und Hörer sich dann auch irgendwann in den Untergrund reinnerden und auf Argonautiks stoßen. 

Timmy: Ich glaube, dass das tatsächlich verschwindend gering ist. Die Leute, die uns hören, sind im Regelfall entweder ältere Leute mit einem Faible für Boombap, Fans von Rappern wie Keemo, Lugatti & 9ine, Kuchenmann oder verfolgen uns schon seit 2010. Aber natürlich wird das seinen Teil dazu beigetragen haben. Man kann es halt nicht zurückverfolgen und den Deutschrap-Hype aus der Rechnung nehmen.

Fühlt ihr euch underrated?

Paul: Die Leute, die unsere Musik kennen und hören, die underraten uns definitiv nicht. Die sagen aber, dass wir underrated sind.

Timmy: Für mich ist das ein bisschen eine Fehlinterpretation von dem Wort. Wenn ich mich richtig entsinne, habe ich noch nie schlechtes Feedback für unsere Musik bekommen.

Also gibt es keine Leute, die euch wirklich wack finden, sondern eher welche, die es nicht schaffen, euch zu finden.

Timmy: Ja, das ist unser größtes Problem, wenn man es so nennen will.

Einige Kollegen, mit denen ihr auch schon auf die eine oder andere Weise zu tun hattet, zeigen ja bereits, dass man auch ohne viel Gesang und Mainstream-Tauglichkeit noch etwas größer werden kann. Ein vermeintlich einfacher Weg, neue Hörer zu erschließen, wären Features. Sind da Dinge geplant?

Paul: Bock haben wir definitiv. Bei "Paroli Pop" waren wir auch an ein paar Leuten dran, aber da ist leider nichts zustande gekommen. Das gehen wir vielleicht nach dem Album etwas mehr an. So ein bisschen sind wir in unserer kleinen Bubble und gucken wenig nach draußen. Das nächste Projekt wird auch eher kein Album sein, nachdem wir jetzt viermal nacheinander nur Alben gemacht haben. Jetzt muss mal etwas anderes passieren. Sei es ein Mixtape, auf das man ein paar Leute einlädt. Es gibt auf jeden Fall genug, die Bock haben.

Nach dem klassischen Einstieg ins Gespräch würde ich auch gerne ganz klassisch rausgehen: Wie geht's euch?

Paul: Aktuell brauche ich auf jeden Fall mehr Schlaf. Ich bin müde – nicht nur, weil das heute so ist, sondern allgemein als Zustand.

Timmy: (Geräusch der Zustimmung)

Paul: Ich brauche auf jeden Fall Urlaub und einen Monat ohne Musik. Dann geht's mir wieder besser.

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Rhein, Main, Berlin: 5 Tipps aus dem Untergrund unter 25.000 Klicks

Rhein, Main, Berlin: 5 Tipps aus dem Untergrund unter 25.000 Klicks

Von Clark Senger am 15.04.2021 - 13:26

 

Es ist eine Weile her, dass wir in einem 5er-Pack einige unserer persönlichen Favorites vorgestellt haben, die nicht in Deutschraps Großraumdisko das Tanzbein schwingen. Während der Mainstream von Erfolg zu Erfolg sprintet und viele langweilt, tummelt sich im Untergrund nach wie vor eine ganze Reihe talentierter Menschen, deren Musik mehr Aufmerksamkeit verdient. Fünf Beispiele bringen wir euch hier näher. Die einzige Regel: Unter 25.000 Klicks bleiben!

 

Binho x Lukees x Jakepot – Beyblade (prod. Jakepot)

Wir starten unsere kleine Reise in Mannheim am Rhein, wo ein gewisser Zonkeymobb behandelt wird, als wär'n sie allesamt Apostel. Dort liefern Binho und Lukees schon seit geraumer Zeit Rap, der gute Technik, Humor und Echtheit unter einen Hut bringt. Frische Punchlines, wilde Reimstrukturen – teils kreuz und quer über komplette Parts verteilt – und ein Ohr für interessante Produzenten.

Ende März erschien die EP "Southside" mit Producer Jakepot, der zuletzt immer wieder mit seiner guten Arbeit im Rhein-Main-Gebiet auf sich aufmerksam machen konnte (Gianni Suave, Para Yok Mob, Rafiki PZK und mehr). Der Gute knallt einem in "Beyblade" direkt ein paar üble Bässe vor den Latz, die gleich zum Einstieg ein vielversprechender Vorbote auf die Boshaftigkeit des Beats sind.

Auf "Southside" geht es soundtechnisch generell eher düster zu, während Luke und Binho sich die Bälle zuspielen und sich gegenseitig mit ihren ganz eigenen Styles ergänzen. In die knackige 8-Minuten-EP sollte man definitiv mal reinhören.

 

Kulturerbe Achim x CGN Untergrund – Oh nää (prod. Priesemut & Jorry)

Wenn wir dem Rhein über Mainz und Koblenz von der "Southside" in Nordwest-Richtung folgen, sehen wir irgendwann zur linken die zwei imposanten Türme des Kölner Doms. Die Stadt am Rhing hat es nicht nur den Lokalpatrioten aus der Südkurve angetan, sondern offenbar auch dem Berliner Kulturerbe Achim. Der fühlt sich nämlich sichtlich wohl zwischen den CGN-Untergrund-Allstars Fresse, Benni Bandito, Lugatti sowie Benyo und Fly von Schälsick.

Auf einem Beat von Priesemut und Jorry mit leckeren UK-Vibes gibt's in Form von "Oh nää" einen abwechslungsreichen, kleinen Possetrack, bei dem die Pumpe ordentlich auf Action kommt. Während Fresse und Benni mit rasanten Flow-Passagen das Tempo anziehen, sorgen beispielsweise Gatti und Fly für andere Akzente. Das Ding ist rough, wuchtig und macht einfach Bock. 

 

Gianni Suave x Jakepot – Newcomer Forever (prod. Jakepot)

Dass Jakepot auch in FFM seine Beats parkt, hatte ich schon bei Lukees und Binho erwähnt. Das kann gleichzeitig modern und ein Kopfnicker sein, wie ihr etwa bei "Newcomer Forever" von Gianni Suave hört – das Verschmelzen unterschiedlicher Ären gehört auch zu den Stärken des Rappers. Der macht dem zweiten Teil seines Künstlernamens ("suave" span. = sanft, geschmeidig) übrigens alle Ehre, wenn er scheinbar maximal zurückgelehnt die Schwächen der schillernden Rapwelt aufzeigt:

"2 Millionen Follows, bist auf Insta bisschen witzig / was machst du mit Power, flexen mit Chayas und Jibbits / meine Vision anders, uns're Vision different / währenddessen zwanzig-zwanzig, halbe Welt ist noch rassistisch"

Nur scheinbar zurückgelehnt? Sí. Was beim Frankfurter allzu leichtfüßig klingt, offenbart dem geübten Ohr eine reimtechnische und lyrische Komplexität, die im sehr runden Vibe fast untergehen könnte. Nach dem Beatswitch bei 1:20 Minuten zeigen sowohl Gianni als auch Jake dann noch eine andere Facette, es wird spürbar aggressiver. Auch das sitzt wie angegossen.

 

Argonautiks – 25 [Meine Welt] (prod. Donnie Bombay)

Part 1

Part 2

 

Die Argonautiks waren schon 2018/2019 Stammgäste in unserer Artikelreihe unter 25.000 Aufrufen. Erfreulich für die Jungs und für deutschsprachigen Rap: Die meisten Videos auf YouTube knacken mittlerweile die 100K oder gehen grade auf diese Marke zu. Erfreulich für diesen Artikel: Zwei der aktuellen Auskopplungen aus dem kommenden Album "Paroli Pop" liegen derzeit bei knapp 3.000 (Part 2) beziehungsweise 11.000 Klicks (Part 1).

Paul Uschta und Timmy Tales blicken in ihren Solotracks "25 (Meine Welt)" – der Titel bezieht sich auf die Linie 25, die die Berliner Innenstadt mit Zehlendorf und Teltow verbindet – unabhängig voneinander auf die Jugendzeit zwischen 2006 und 2010 zurück. Gegelte Frisur und kitschiger Duft. Liebeskummer. Mama schiebt Hass. Breitgeboxte Nasen. Mit Fünfern und Cans in den Taschen irgendwo zwischen S-Bahnhof und Block. Inhaltlich schon mal einer sehr spannende Geschichte.

Auch was den Sound angeht: Argonautiks-Stammproduzent Donnie Bombay liefert den beiden für ihre verschiedenen Perspektiven auf eine ähnliche Zeit die wie immer passenden Beats. Man kann die Liebe zu Detail an allen Ecken raushören. Und was hier raptechnisch passiert, lässt sich schwer in Worte fassen. Ich habe es in unserem Podcast schon einige Male versucht, aber für hier und jetzt müsst ihr nur wissen: Das ist unbeschreiblich dope!

 

Die P – Ein Schritt (prod. TVL)

Und am Ende landen wir doch wieder am Rhein bei Die P. In ihrer Hood 53 werden Realness und ein gewisses Faible für den zeitlosen Vibe der 90er seit jeher groß geschrieben – SSIO und Xatar lassen grüßen. Wo die AON-Jungs eher Richtung Westcoast und G-Funk tendieren, meint man bei der Rapperin eher den Flair des Big Apple herauszuhören. Darauf reduzieren lässt sie sich aber ohnehin nicht.

"Dieses Leben schenkt dir nix, komm erzähl mir nix von Glück / ein Schritt nach vorn', aber zwei Schritte zurück" 

Ihr Debütalbum "3,14" erschien im März und unterstreicht die starke Entwicklung der vielleicht roughsten Rapperin in DE. Anders als der Hustle, den Die P in "Ein Schritt" beschreibt, gab es da zuletzt nur Schritte nach vorne. Es ist gleichzeitig das erste Album, das über das all-female Label 365XX erschienen ist.


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