Wir verleihen Xatar den Ehrenpreis der Hiphop.de Awards 2025

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Am 07. Mai 2025 ist mit Xatar einer der größten deutschen Rapper aller Zeiten tragischerweise im Alter von 43 Jahren von uns gegangen. Besonders in seinem Todesjahr wollten wir den Baba aller Babas bei unseren Awards ehren. Allerdings haben wir den Goldmann schon im Jahr 2022, als gerade "Rheingold" die Kinoleinwände der Bundesrepublik bespielte, mit einem Preis für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Da wir den Preis für das Lebenswerk aber nur einmal pro Preisträger vergeben, haben wir uns dazu entschieden, Xatar in diesem Jahr mit einem einmaligen Ehrenpreis auszuzeichnen.

Ein Leben lang "Alles oder Nix": Ein Rückblick auf Xatar

Wenn der normale Deutschrapfan an den Namen Xatar denkt, kommen einem unzählige Szenen und Schlagwörter in den Kopf. Aber beginnen wir von vorn: Giwar Hajabi aka Xatar kommt am 24. Dezember 1981 als Sohn einer Lehrerin und eines Komponisten in der iranischen Provinz Kurdistan zur Welt. Nach der Flucht und einer anschließenden Gefangenschaft im Irak landet die Familie 1985 in Deutschland. Xatars neue Heimat wird dort eine Hochhaussiedlung im Stadtteil Brüser Berg der damaligen Bundeshauptstadt Bonn.

Während seiner Kindheit in Deutschland wird Xatar dann mit Armut, Rassismus, Diskriminierung und einem brüchigen Elternhaus konfrontiert. Diese Erfahrungen haben seine Persönlichkeit und sein Handeln im späteren Leben stark geprägt, wie er 2017 im Interview mit dem Stern verrät:

"Meine Mutter ging putzen, mein Vater ist abgehauen. Es war nicht schön mitanzusehen, wie sich meine Mutter Tag für Tag abmühte. Dazu kam, dass ich auf dem Gymnasium wie ein Außenseiter behandelt wurde. Die Deutschen nannten mich einen Asi. Zu den Geburtstagen wurden alle eingeladen. Außer mir. Ich wurde dann der Asi, den sie wollten."

Dadurch sind Gewalt und Kriminalität schon früh ein Teil von Xatars Alltag. Schon als Schüler bezieht Xatar eine eigene Wohnung, die aber nebenbei als Versteck für zum Verkauf stehende Drogen fungiert. Durch seine Tätigkeit als Dealer erhält Xatar die "Anerkennung", die er immer haben wollte. Doch die Kriminalität zeigt schnell ihre Schattenseiten: Weil sein Drogengeschäft auffliegt und ein Haftbefehl gegen ihn vorliegt, setzt sich Xatar in London ab. Die Idee, ein eigenes Label zu gründen, wird in der britischen Hauptstadt geboren: Xatar studiert dort zwei Jahre International Business und Music Business.

Xatar baut Alles oder Nix Records auf

Nachdem der Haftbefehl aufgrund von Beweismangel aufgehoben wird, kehrt Xatar 2007 mit einer klaren Vision nach Deutschland zurück: Alles oder Nix Records, benannt nach einer Floskel, die ihm seine Mutter mit auf den Weg gegeben hat, als er ihr von seinen Plänen erzählt. Neben ihm selbst hat er zu dieser Zeit auch Samy und SSIO bei dem Label unter Vertrag genommen. Ende 2008 erscheint schließlich sein gleichnamiges erstes Album "Alles oder Nix". Dort berichtet Xatar auf Songs wie "Die Welt gehört dir" mit SSIO, "§ 31" und "Baba aller Babas" mit Azad aus erster Hand von seinem Leben als Gangster.

Nach einem kurzen Auftritt als Coach bei der RTL II-Show "Der Bluff" und einem abenteuerlichen Gefängnisaufenthalt in den USA merkt Xatar jedoch, dass es finanziell hinten und vorne nicht reicht. "Zu dieser Zeit brauchte ich übertrieben Geld", so Xatar im Jahr 2015 in einem Interview mit der Welt. Die Kaution aus dem kurzen Knastbesuch in den USA kostet ihn 50.000 Euro. Und sein Album "Alles oder Nix" hat sich zwar mit 70.000 Einheiten für damalige Newcomer-Verhältnisse gut verkauft, die Einnahmen daraus sind jedoch geringer als seine Verdienste im Drogengeschäft. Als dann noch ein missratener Koksdeal dazu kommt, entscheidet sich Xatar zu einem radikalen Schritt: dem legendären Goldraub.

Vom Goldraub zum Knast und zurück

Die berüchtigte "Rheingold"-Geschichte muss an dieser Stelle nicht zum x-ten Mal durchgekaut werden – zumindest nicht komplett. Fakt ist: Xatar und seine Komplizen erbeuten im Dezember 2009 bei einem Überfall auf einen Transporter Gold im Wert von etwa 1,7 Millionen Euro. Im Anschluss flieht der Alles oder Nix-Chef über Russland in den Irak, wo er wegen seiner Beute gefoltert wird. Erst im Mai des darauffolgenden Jahres wird Xatar nach Deutschland zurückgewiesen und kommt hierzulande vor Gericht. Das Urteil: Eine Haftstrafe von bis zu acht Jahren. Vom Gold fehlt bis heute immer noch jede Spur. Der Personenkult rund um den Baba aller Babas nimmt aufgrund dieser berüchtigten Geschichte erst so richtig Fahrt auf.

Der Goldmann lässt sich aber nicht so einfach aufhalten und weiß den Trubel um seine Person für sein Geschäft zu nutzen. Trotz des Knastaufenthalts arbeitet Xatar still und heimlich an seiner eigenen Rap-Karriere weiter. Mit einem geschmuggelten alten Nokia-Handy hört er sich Beats von Maestro an und nimmt heimlich Tracks auf einem Diktiergerät auf. Daraus entsteht 2012 dann sein legendäres, komplett im Knast aufgenommenes Album "Nr. 415", benannt nach seiner Gefangenennummer. Mit Tracks wie "Ein Dieb kann kein Dieb beklauen", "Führ mich auf den geraden Weg" oder "Konnekt" mit Celo, Abdi, Haftbefehl und Capo macht sich Xatar endgültig in Deutschland als Gangsterrap-Poet einen Namen.

Wie sehr man ihn damals schon innerhalb der Deutschrap-Szene gefeiert hat, zeigt das Musikvideo zu "Interpol.com". Da Xatar nicht selbst im Video auftreten kann, hat sich stattdessen gefühlt die ganze Deutschrap-Szene zusammengefunden, um den Clip dennoch zu realisieren. Dadurch wird das Cideo zu einem der berühmtesten Deutschrap-Momente überhaupt. Mit dabei sind unter anderem Summer Cem, K.I.Z, Fard, Farid Bang, Celo & Abdi, Massiv, Capo, KC Rebell, Eko Fresh sowie sämtliche Signings von Alles oder Nix-Records. Mittlerweile hat das Musikvideo zu "Interpol.com" allein auf YouTube über 17 Millionen Aufrufe:

Der "Baba aller Babas" macht sein Label groß

Während Xatars Zeit in Haft bleibt sein Label aber nicht auf der Stelle stehen, ganz im Gegenteil. Seine langjährige Weggefährtin Schwesta Ewa und Kalim stoßen damals zum Labelroster hinzu. Mit dem besagten Nokia handel er aus seiner Gefängniszelle heraus Deals mit Major Labels und Verlagen für sich und seine Künstler aus und sorgt mit dafür, dass Alles oder Nix Records zu einem der prominentesten Labels der Szene wird.

"Klar war das komisch. Du telefonierst mit Vertriebspartnern, und die denken sich: 'Warum flüstert der Idiot die ganze Zeit?' Ich kann denen ja nicht erklären, dass ich in der hintersten Ecke meiner Zelle stehe und auf keinen Fall riskieren kann, erwischt zu werden."

Zu dieser Zeit erscheinen unter anderem "Spezial Material" und "BB.U.M.SS.N" von SSIO, "Sechs Kronen" von Kalim und "Realität" von Schwesta Ewa, die Debüt-Tapes von fast allen seiner damaligen Signings. Bis zu dem großen Comeback von Xatar dauert es dann aber noch etwas: Im Dezember 2014 kpmmt der Bonner vorzeitig aus der Haft raus. Ob er nach seiner Freilassung als allererstes einen Köftespieß mit einem frischen Ayran auf der Kölner Keupstraße gegessen hat, wissen wohl nur einige wenige.

Aber wie schon vor und während seiner Haft sind nach der Freilassung alle Augen der Szene auf Xatar gerichtet. Nur die Größenordnung hat sich aber im Vergleich zu vorher deutlich verändert: Xatar und seine Signings sind zu Stars geworden. Mit "Original" feiert er den Start des Promobeginns für sein drittes Album "Baba aller Babas". Dass Xatar nach fast sechs Jahren Abstinenz kein Deut an Präsenz verloren hat, beweist er mit dem zugehörigen Musikvideo zum Track:

Neben den typischen Gangsterrap-Themen wird in Xatars Musik der Einfluss seines Aufwachsens als iranischer Kurde deutlich. Immer wieder setzt sich Xatar Zeit seines Lebens öffentlich für die Menschen im Iran und Kurdistan ein. 2016 baut er mithilfe von Spenden eines Benefizkonzerts dort sogar ein eigenes Waisenhaus.

Der Hype bleibt stark und nach den weiteren Singles "Iz Da" und "Mein Mantel" wird "Baba aller Babas" nach dem Release am 1. Mai 2015 das erste Nummer Eins-Album aus dem Hause Alles oder Nix Records. Einige Monate später veröffentlicht Xatar außerdem seine Autobiografie "Alles oder Nix: Bei uns sagt man, die Welt gehört dir". Der Birra ist nicht nur offiziell zurück, sondern direkt im Zentrum der Aufmerksamkeit angekommen. 

Das zeigt auch seine Internetpräsenz. Xatar findet sich trotz seines langjährigen Knastaufenthalts direkt in der Social Media-Welt der 2010er-Jahre zurecht. 2015 sorgt der Birra mit dem "Gib kein Hand"-Moment oder dem "Ich trage Mantel"-Video schon für seine ersten viralen Auftritte, die ihn bis heute in vielen Erinnerungen von Deutschrap-Fans unsterblich machen. Und es sollen nicht seine einzigen bleiben.

Nur knapp ein Jahr später sorgte Xatar erneut für den größten Moment der Deutschrap-Szene des Jahres, dieses Mal aber nicht allein. Als das Duo Coup veröffentlichten er und Azzlackz-Chef Haftbefehl das gemeinsame Album "Der Holland Job". Nicht nur die Songs, sondern auch der dreiteilige, begleitende Kurzfilm zeigen, dass Xatar und Haftbefehl hier auf einer Wellenlänge waren. Bis heute kommt kaum ein Kollabo-Album an die Tragweite von "Der Holland Job" ran:

Nach "Der Holland Job" und "Baba aller Babas" konzentriert sich Xatar wieder mehr auf seine Rolle als Geschäftsmann und Labelchef. Im Juli 2015 gründet er mit Kopfticker Records gleich ein zweites Label neben Alles oder Nix Records. Dort landen "Rapper, die gut sind, die man pushen muss, die nicht unbedingt zu AoN passen, zu supporten", wie Xatar damals die Funktion des Labels beschreibt. In dem knapp zweijährigen Bestehen waren unter anderem Plusmacher, Sylabil Spill, Yonii und Eno bei Kopfticker gesignt.

Bei Alles oder Nix Records sorgen weiterhin SSIO, der 2016 mit "0,9" das zweite von drei Nummer Eins-Alben des Labels beisteuert, sowie Kalim, Samy und Schwesta Ewa für Furore. Ohne den Einfluss von Xatar ist jedoch nichts abgelaufen, sei es nur in beratender Rolle oder sogar als Ideengeber und Cameoauftritt für Musikvideos. Bei dem Musikvideo zu SSIOs "SIM-Karte" hat der AoN-Chef nicht nur am Drehbuch mitgeschrieben, sondern auch Regie geführt:

Groove Attac TraX, Mero & Kai: Die Ambitionen werden größer 

2018 verändert sich zum ersten Mal seit langem etwas im Hause AoN: Das Bonner Label hat Kalim verabschiedet und im selben Atemzug den im Jahr zuvor geschlossenen Label Kopfticker gesignten Eno Zuwachs gesignt. Xatar meldet sich nach drei Jahren Solo-Abstinenz ebenfalls musikalisch zurück, "Alles oder Nix II" erscheint im September 2018. Bei seinem vierten Studioalbum erobert der damals 36-Jährige zum dritten Mal die Album-Chartspitze und bringt mit "Schwesterherz" einen der rührendsten Geschwister-Songs aller Zeiten raus. Gleichzeitig beweist Xatar dank Features mit damaligen Shootingstars wie Azet und Capital Bra, dass er weiterhin nicht die Zukunft des Genres scheut, sondern diese mit offenen Armen empfängt.

Gleichzeitig verstärken sich die Business-Ambitionen des Birras. Zusammen mit dem Kölner Musikvertrieb Groove Attack gründet Xatar das Label Groove Attack TraX und präsentiert mit Mero im November 2018 das erste Signing. Es sieht so aus, als würde Xatar wie aus dem Nichts den nächsten deutschen Rap-Star aus dem Hut zaubern. Denn Mero chartet mit seinem Debüt "Baller Los" sowie den beiden darauffolgenden Songs auf Platz Eins der Single-Charts.

Der noch nie dagewesene plötzliche Erfolg von Mero sorgt in der breiten Deutschrap-Fangemeinschaft jedoch für einige Fragezeichen. Im Mai 2019 macht schließlich das Y-Kollektiv in einer Reportage auf Methoden des Klickkaufs und der Chartmanipulation anhand von Labelkollege Sero El Meros "Ohne Sinn" in der deutschen Rap-Szene aufmerksam. Xatar und Groove Attack weisen die Vorwürfe, die Streamingzahlen ihrer Künstler nach oben manipuliert zu haben, stets strikt von sich. Die Tätigkeiten des ominösen Hackers Kai sollen aber seitdem trotzdem immer ein Thema bleiben, wenn es um die Künstler von Groove Attack TraX geht.

"Rheingold" & das Business-Imperium: Aus Xatar wird der Goldmann

Der sowieso schon als Geschäftsmann bekannte Xatar fokussiert sich in den folgenden Jahren darauf, sein Business zu diversifizieren. Als 2020 Xatar-Meme-Compilations und allen voran der legendäre "Köftespieß"-Clip ihren zweiten Frühling erleben, nutzt der Alles oder Nix-Chef das als Business-Opportunity. Xatar launcht mal eben die Marke "Haval Grill" – erst als Franchise-Buden und schließlich auch als Produkt in den deutschen Supermärkten.

Auch in seinem bisher letzten zu Lebzeiten veröffentlichten Album "Hrrr" aus 2021 nimmt Xatar sehr viel Bezug auf den popkulturellen Rummel um seine Person. Nicht umsonst trägt die Platte den Titel eines von ihm selbst gestarteten Meme aus 2018. Auf dem Track "Ohne Reden" geht es beispielsweise direkt um sein Köftespieß-Business: "Aus 'nem Meme wird 'n Franchise-Imperium". Der Track "Gib kein Hand" referenziert außerdem die berühmte Szene aus dem Interview mit BullshitTV. Musikalisch hat Xatar zusammen mit SSIO ebenfalls versucht, virale Momente zu erzeugen. Der Song "Antar" war beispielsweise der Teil einer Wette, die die beiden untereinander abgehalten haben.

Währenddessen arbeitet Xatar im Hintergrund weiter an einem Business-Imperium und macht wieder eine neue Firma auf. Mit dem Unternehmen Goldmann will Xatar den ersten Schritt zu einem deutschen Hiphop-Mogul machen und international gehen. Die Rede ist von bis zu 100 Signings, Büros in England, Nigeria und Brasilien, 30 Studios und sogar einer eigenen Produktionsfirma. Hauptsitz ist der inzwischen berüchtigte Goldmann Tower in Köln. Das selbsternannte Ziel: alles tun können, was ein Major Label macht. Um die neue Ära einzuleiten, benennt Xatar seinen persönlichen Instagram-Account in "Goldmann" um und stellt dort das Unternehmen in den Vordergrund. Und parallel dazu steht mit "Rheingold" ein waschechter Spielfilm von Fatih Akin über das Leben von Xatar in den Startlöchern.

Gesundheitliche Probleme & Insolvenz: Das Ende von Goldmann

Auf dem Papier wirkt es so, als würde sich Xatar ab sofort in Sphären begeben, die zuvor nie ein Deutschrap-Akteur betreten hat. Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt: Im Hintergrund läuft das Geschäft nämlich anders als geplant. 2021 plagen Xatar gesundheitliche Probleme. Wie er uns später in einem Interview verraten sollte, hat es sich dabei um einen Schlaganfall gehandelt. 

"Ich glaube, das war das erste Mal, dass ich diesen kranken Hustle, den ich hatte, körperlich gespürt habe."

Infolgedessen ändert der Bonner seinen Lebensstil, nimmt ganze 50 Kilo ab und will sich "mehr Pausen" gönnen. Seelisch hätte ihm diese Zwangspausen aber trotzdem zugesetzt, so Xatar damals im Gespräch mit Toxik. Zu lernen, wie man sich selbst zurücknimmt, sei nicht einfach für ihn gewesen.

Da Xatar aber als Geschäftsführer mehrerer Firmen eine zentrale Rolle in dem ganzen Goldmann-Komplex einnimmt, geraten seine Unternehmen daraufhin im Hintergrund zunehmend außer Kontrolle. Das Business sei "zu groß" geworden und vor allem während der Entwicklungszeit von "Rheingold" hätten einige Akteure Xatars Abwesenheit "für ihre eigenen Interessen" genutzt. Einzelne Sparten kommen ins Schwanken, Profite gehen zurück, Eskapaden im Goldmann-Tower sorgen für Ärger, ehemalige Artists berichten im Nachhinein von fehlenden Zahlungen und das AoN-Festival wird ersatzlos abgesagt. Trotzdem nimmt Xatar die Schuld auf sich und gibt zu, dass er schlicht nicht mehr geschafft hat, seine Firmen alleine "ordentlich zu Ende zu bringen". 

Die Folge: Im September 2023 nehmen Insolvenzverwalter die Arbeit auf, Xatar, Goldmann und Alles oder Nix Records gelten offiziell als pleite. Selbst der Baba aller Babas wird von so einer Ereigniskette schließlich aus der Bahn geworfen. Er nimmt sich eine Auszeit und kapselt sich für mehrere Monate sogar von seinen engsten Vertrauten und der eigenen Frau und den Kindern ab, um einen persönlichen "Reset" zu machen. 

"Ich hab mich am Ende isolieren müssen, auch für mich selbst so. Drei, vier Monate bin ich in Klausur gegangen und hab einfach nichts getan und nichts gesehen [...] Ich bin komplett weggegangen von meiner Familie."

Doch selbst in dieser Situation gibt der Birra nicht auf: Die Auflösung seiner leitenden Pflichten hat dafür gesorgt, dass sich Xatar wieder mehr auf sich selbst als Artist fokussieren kann. Er geht gemeinsam mit den Heavytones auf Tour und arbeitet wieder an eigener Musik, in der er die schwierige Zeit verarbeiten will. Die Insolvenzen haben ihn auch weiterhin nicht davon abgehalten, neuen Business-Ideen nachzueifern: In unserem Interview spricht er von weiteren Filmen mit Fatih Akin, Pläne für ein K.I.-Musik-Unternehmen und steigt mit einem eigenen Business in die Cannabis-Teillegalisierung ein.

Viele dieser Pläne kann Xatar leider vor seinem Tod im Mai 2025 nicht mehr realisieren. Aber wie es das Schicksal so wollte, schafft es der Baba aller Babas selbst nach seinem eigenen Ableben, einen weiteren Fußstapfen in der Deutschrap-Szene zu hinterlassen. In seinem wahrscheinlich letzten öffentlichen Auftritt wirkt er aktiv an dem Musikvideo für den SSIO-Song "Alles oder Nix" mit. AoN-typisch natürlich mit einer großen Portion Humor und Selbstironie. So wie früher, so wie immer.

Xatar hinterlässt ein besonderes Vermächtnis. In seiner rund 15-jährigen Karriere hat Xatar nicht nur sich selbst und Alles oder Nix Records auf die Karte gebracht, sondern deutschen Hiphop nachhaltig geprägt. Kaum jemand in der Deutschrap-Szene hat so viele verschiedene Rollen auf so einem hohen Level ausgeführt. Bei seiner eigenen Musik war der Bonner stets darauf bedacht, sein eigenes Ding durchzuziehen: harter Gangsterrap mit einer guten Prise Humor, der sich aber trotzdem immer ernst genug nimmt – allen damaligen Genretrends zum Trotz. Als Labelchef hatte er sein Auge immer am Zahn der Zeit und hat diverse Karrieren an den Start gebracht, die ebenfalls bis heute anhalten. Als Entrepreneur hat er Trends gesetzt, denen einige Deutschrap-Artists bis heute folgen und sich immer aktiv für wohltätige Zwecke und soziale Gerechtigkeit eingesetzt. Ohne Xatar wäre die deutsche Rap-Kultur vermutlich nicht so, wie wir sie heute kennen.

An dieser Stelle kann man nur erneut sagen: Rest in Power, Giwar. Das Abschiedskonzert für Xatar findet am 07. Mai 2026 in der Kölner Lanxess Arena statt.

Neben seiner Rolle als Rapstar und Mogul war Xatar vor allem auch ein Mensch – mit echten menschlichen Beziehungen. Unser Herausgeber Toxik hat kurz nach Xatars Tod einen sehr persönlichen Nachruf auf den Goldmann verfasst:

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