Wieso du beim nächsten Konzertbesuch einfach mal kein Foto machen solltest

Als Kendrick Lamar angeblich ein Smartphone-Verbot für seine Konzerte erteilte, um Fotografieren und Filmen zu unterbinden, ließ der Aufschrei seiner Fanbase nicht lange auf sich warten. Entsetzen machte sich breit. Der Rapper ruderte also kurz darauf zurück und erklärte, er habe lediglich professionelle Fotografen von seinen Konzerten verbannt. Aber wäre es wirklich ein Weltuntergang, wenn du auf dem nächsten Konzert kein Foto machen würdest?!

Fotos dienen uns heute als Beweise. Dafür, dass man dabei war. Dass man in der ersten Reihe stand. Dass man den Rapper persönlich getroffen hat. Wir müssen auf Instagram und Snapchat schließlich etwas vorzuweisen haben. Etwas, das die anderen nicht haben. Manchmal nervt es einen selbst, entziehen kann man sich dem aber trotzdem schwer. Gleichzeitig glauben wir, dass wir uns an Ereignisse besser erinnern werden, wenn wir sie digital festhalten. Das Gegenteil ist aber der Fall.

Jay Z Performs Live @ Tidal X Brooklyn Concert | Barclays Center |

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Die Ausmaße zeigen sich bei einem Jay-Z-Konzert 2017 in New York

Einfach ausgedrückt, ist es ziemlich wahrscheinlich, dass du dich an ein Konzert, auf dem du fotografierst und filmst, weniger erinnerst, als an eines, auf dem du dein Handy in der Tasche lässt. Linda Henkel, Professorin für kognitive Psychologie an der US-Universität Fairfield, hat 2014 eine Studie zu ebendiesem Thema veröffentlicht und untersucht, wie das Fotografieren das Erinnerungsvermögen von Menschen beeinträchtigt.

"Mit ihrer Kamera tun die Menschen so, als wären die Fotos ihre Erinnerungen. Aber das stimmt nicht. Ein Foto ist eine Repräsentation eines Erlebnisses, aber nicht das Erlebnis selbst." (Linda Henkel)

Innerhalb der Studie wurden die Teilnehmer dazu aufgefordert, durch ein Museum zu laufen und einige Objekte bloß anzuschauen, andere wiederum zu fotografieren. Einen Tag später sollten die Teilnehmer Details zu den Kunstwerken wiedergeben. Das Ergebnis: Bei den Objekten, die sie nicht fotografiert hatten, erinnerten sich die Personen an weitaus mehr Details als bei den fotografierten Objekten. Henkel nennt das den "photo-taking impairment effect."

Das Phänomen lässt sich leicht erklären: Unser Gehirn nutzt die Kamera als Erinnerungshilfe und löscht deswegen die eigentliche Erinnerung aus unserem Gedächtnis. Wir verlassen uns aufs Foto, damit das Gehirn weniger zu tun hat und mehr Platz für andere Informationen zur Verfügung steht.

"Wenn wir einen externen Speicher verwenden, zählen wir geistig auf die Kamera, dass sie sich für uns erinnert."

Klar, jetzt könnte man sagen: "Es macht doch nichts, wenn ich mich nicht mehr an ein Konzert erinnern kann, wenn ich Fotos und Videos habe, die die Erinnerung wieder aufleben lassen." Das Problem liegt hier aber in der Menge an Daten, die wir sammeln. Um ein wirklich gutes Bild zu erhalten, müssen wir oft mehrere Fotos machen. Laut Henkel machen sich aber die wenigsten Menschen die Mühe, die anderen Bilder zu löschen. "Fotos dienen nicht ihrem Zweck als Hinweise zum Wiederauffinden von Erinnerungen, wenn man sie nie wieder anschaut", warnt sie.

Die amerikanische Schrifstellerin Susan Sontag hat in ihrem Buch "Über Fotografie" bereits 1977 erkannt:

"Fotografieren bedeutet auch eine Form der Verweigerung von Erfahrung."

Jack White Doesn't Want Cell Phones At His Concerts

Jack is tired of the sea of distracting blue screens at his shows, and is urging fans to live in the moment. More CONAN @ http://teamcoco.com/video Team Coco is the official YouTube channel of late night host Conan O'Brien, CONAN on TBS & TeamCoco.com.

Jack White, 2014

Wenn du also sichergehen willst, dass du das nächste Konzerterlebnis nicht vergisst, solltest du vielleicht einfach aufs Fotografieren und Filmen verzichten. Falls du das nicht eh schon tust. Neben dem eigenen Gedächtnis werden es dir vermutlich auch deine Mitmenschen und der Künstler selbst danken. Eventuell wird uns die Entscheidung darüber, ob wir unser Smartphone bei Konzerten benutzen oder nicht, allerdings sowieso bald abgenommen. Apple gewann vor einiger Zeit eine Patentanmeldung für eine Technologie, mit der Kameras per Infrarotsignal ausgeschaltet werden können – speziell entwickelt für Live-Konzerte.

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Kendrick Lamar bricht einen Rekord von "The Eminem Show"

Kendrick Lamar bricht einen Rekord von "The Eminem Show"

Von Clark Senger am 17.09.2019 - 12:47

Es ist ein freundschaftliches Duell mit Eminem, das Kendrick Lamar nun für sich entscheiden kann: Lange war "The Eminem Show" (2002) das am längsten in den amerikanischen Charts vertretene Rap-Studioalbum überhaupt. K-Dots moderner Klassiker "good kid, m.A.A.d city" hat die Platte aber jetzt überholt – mit stolzen 358 Wochen in den Billboard 200.

Kendrick Lamar bricht Rekord von Eminem

Der einzige Rapper, der in dieser Liste noch weiter oben steht, ist Eminem selbst. Sein Best-Of-Album "Curtain Call" von 2006 ist anders als "The Eminem Show" auch heute noch in den Top 200 am Start und steht derzeit bei 461 Wochen. Dabei handelt es sich aber offenkundig nicht um ein Studioalbum.

chart data on Twitter

@kendricklamar's 'good kid, m.A.A.d city' is now the longest charting hip-hop studio album in Billboard 200 history, passing 'The Eminem Show'.

In den aktuellen Charts steht "good kid, m.A.A.d city" auf Platz 138. "Curtain Call" liegt knapp 70 Positionen weiter vorne auf Nummer 65 und damit auch vor einigen aktuellen Releases.

Für Eminem dürfte die Nachricht nicht nur aus diesem Grund leicht zu verkraften sein. Erstens ist überhaupt fraglich, wie sehr er sich für solche Zahlenspiele interessiert, und zweitens ist er bekanntermaßen ein riesiger Fan von Kendrick und erst recht von "GKMC". Auf Genius schrieb er:

"Als ich zum ersten Mal Kendricks Aftermath-Debüt hörte, konnte ich es kaum glauben. Dass es sein erstes richtiges Album war und dass er daraus eine Geschichte machen konnte, die derart mit mit den Skits ineinandergreift, war einfach genial. Das wurde noch nicht wirklich oft gemacht und erst recht nicht beim ersten Mal. Das Level der Wortspiele, der Vortragsweise, der Beats – es ist einfach ein Meisterwerk."

("When I first heard Kendrick’s debut on Aftermath, I couldn’t believe it. The fact that it was his first real album and he was able to make it into a story which intertwines with the skits like that was genius. That hasn’t really been done that many times, let alone on someone’s first time up. The level of wordplay, the deliveries, the beats—it’s just a masterpiece.")

Im Prinzip hat eins der besten Rapalben aller Zeiten eins der besten Rapalben aller Zeiten überholt. Pumpt einfach beides nochmal!

Warum "The Eminem Show" das beste Album von Eminem ist!

Eminem brachte mich dazu, Rap zu feiern und zu lieben für all das, was er ist und sein kann: aggressiv, nachdenklich, verrückt, kontrovers, inspirierend, therapierend, beruhigend, aufrüttelnd.


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