Eine Studie zeigt, wie es tatsächlich um Frauen im Musikgeschäft steht

Heute ist Weltfrauentag. Das gilt auch fürs Musik-Business. Gefühlt war das Jahr 2017 ein unglaublich Erfolgreiches für Musikerinnen. Dass der Weg zur Gleichberechtigung aber noch lang ist, zeigt sich in einer Studie aus dem Januar, die von der US-amerikanischen Annenberg Inclusion Initiative veröffentlicht wurde. Wie ist das eigentlich mit der Verteilung von Männern und Frauen vor und hinter den Kulissen? Die Studie liefert dazu eindeutige Zahlen.

Dabei wird vor allem deutlich: Die positiven Entwicklungen aus den Jahren 2015 und 2016 für Frauen im Musik-Business konnten 2017 leider nicht fortgesetzt werden. Im Gegenteil. 600 der erfolgreichsten Songs, die jedes Jahr in den Billboard Hot 100-Jahrescharts gelistet werden, hat die Studie für die Jahre 2012 bis 2017 auf Beteiligung von Männern und Frauen untersucht. Während die Frauen 2016 einen Anteil von 28,1 Prozent ausmachten, waren es 2017 nur noch 16,8 Prozent.

Was man wohl eher nicht vermutet hätte: 2017 weist den niedrigsten Anteil von erfolgreichen Künstlerinnen seit mindestens 2012 auf. 

Auch hinter den Kulissen sind Frauen extrem unterrepräsentiert. In der Songwriting-Branche machten Frauen 2017 einen Anteil von 11,4 Prozent aus. Im Bereich Producing sind die Zahlen noch gravierender: Nur 2,0 Prozent aller Producer (bezogen auf die untersuchten Songs) waren im Jahr 2017 Frauen. Darüber hinaus gehörten übrigens gerade mal zwei von 651 Produzentinnen einer unterrepräsentierten ethnischen Minderheit an.

Wieso das so ist? Die Sängerin Grimes äußerte 2016 gegenüber dem Rolling Stone:

"Ich glaube nicht, dass es wenige Produzentinnen gibt, weil Frauen kein Interesse hätten. Es ist einfach schwer für Frauen, darein zu kommen. Es ist ein sehr feindseliges Umfeld."

Die deutsche Produzentin Melbeatz machte zudem 2016 bei Broadly vor allem auf die Schwierigkeiten für Frauen im Hiphop aufmerksam:

„Musik machen kannst du ja auch einfach so als Frau. Aber wenn du zur Hiphop-Szene dazugehören willst, dann ist das, als ob du KFZ-Mechanikern werden willst – da musst du schon ein bestimmter Schlag Frau sein, die keine Angst haben darf, sich einen Nagel abzubrechen. Das ist nicht so harten Mädchen gegenüber natürlich gemein, aber daran kannst du eh nichts ändern, nur machen, machen, machen."

Ein Blick auf die Billboard Jahresendcharts von 2017 bestätigt das Ergebnis der Studie. Die erste Frau, die in den Charts auftaucht, ist die Sängerin Halsey auf Platz #7 – allerdings nur als Feature-Gast auf einem Song von The Chainsmokers. Cardi B ist mit "Bodak Yellow" die höchstplatzierte Solo-Künstlerin. Auf Platz #24. 

Die Frage ist: Wie reagiert man auf diese Zahlen? Was macht man mit ihnen? Dr. Stacy Smith, die die Annenberg Inclusion Initiative ins Leben rief, meint dazu:

"Die Industrie muss über Schritte nachdenken, die auf der Business-Ebene zu mehr Inklusion und Gleichberechtigung führen. Es muss sichergestellt werden, dass jemand, der talentiert ist, die Chance bekommt, gehört und gesehen zu werden, unabhängig von Geschlecht oder ethnischer Identität. Wir hoffen, dass wir diese Daten als Grundlage für eine Reihe von qualitativen Folgeuntersuchungen verwenden können. Dabei wollen wir mit Führungskräften, Producern und Songwritern über die Hindernisse sprechen, die verschiedenen Gruppen begegnen."

Ein erster Schritt dürfte sein, überhaupt erstmal wahrzunehmen, wie unausgeglichen das Verhältnis von Männern und Frauen in der Musikbranche ist. Dabei kann die Studie helfen. 

Anlässlich des Weltfrauentages wollen wir dir die Spotify Playlist "Women of Hip-Hop" nicht vorenthalten:

Alle Bilder: http://assets.uscannenberg.org/docs/inclusion-in-the-recording-studio.pdf

Groove Attack powered by Hiphop.de

Groove Attack powered by Hiphop.de

Deine Deutschrap-Playlist powered by Hiphop.de, immer mit den aktuellsten Tracks der deutschen Hip-Hop Szene! Cover: ERRDEKA

Groove Attack ist Streaming Partner von Hiphop.de

Kommentare

Und jetzt? Frauenquote für die Charts oder was? Hängengeblieben! Fast so wie die Idiotin, die die Nationalhymne ändern will...

Deine Meinung dazu?

Weiter ...

Manuellsen im XXL-Interview: Helene Fischer, Samra, Fazit zum EGJ-Beef, Rap x Pop & Spießer-Nachbarn
MB4

Manuellsen im XXL-Interview: Helene Fischer, Samra, Fazit zum EGJ-Beef, Rap x Pop & Spießer-Nachbarn

Von Clark Senger am 21.11.2018 - 17:02

Manuellsen hat wieder alles geliefert, was man für ein potenzielles Interview des Jahres braucht: Es werden Statements gedroppt und – viel wichtiger! – Stories ausgepackt in bewährter Manier. Ob er nun davon erzählt, wie er seiner neuen spießigen Nachbarschaft den Krieg erklärt hat oder wie er es sich mit dem Splash! Festival verscherzt hat. Unterhaltung ist garantiert.

Neben seinen Geschichten finden auch Diskussionen über die deutsche Musiklandschaft, deren Verhältnis zur Rapszene, das neue Album "MB4", gute Sänger und Manus Traum-Feature Sarah Connor ihren Platz im Gespräch mit Aria und Toxik. Immer mit der Leidenschaft und Authentizität, die Fans so sehr an Manu lieben. Dis' is' der Grind!


Sag uns deine Meinung zu diesem Artikel! (0 Kommentare)

Register Now!