Der wandelnde Skandal: Kodak Blacks Kampf mit der Realness

Wenn jemand mehrfacher Gold- und Platin-Rapper ist und trotzdem fast niemand über die Musik spricht, läuft irgendetwas schief. Nicht nur hierzulande fallen Rapper häufig auch durch Taten auf, die nichts mit ihrer Kunst zu tun haben. Kodak Black steckt alle deutschen Künstler jedoch mühelos in die Tasche – und das ist weniger ein Kompliment als eine bloße Diagnose.

Ob Respektlosigkeiten gegenüber der trauernden Witwe von Nipsey Hussle, Streit mit Lil Waynes Familie, der seit jeher gewagte Vergleich mit Biggie und 2Pac oder der permanent brodelnde Konflikt mit dem Gesetz – Kodak Black füllt die amerikanischen Hiphop-Portale mit Leichtigkeit. Der 21-Jährige lieferte allein in den letzten Monaten mehr Erzählstoff, als in einer mehrteiligen Biografie Platz hätte.

Kodak Blacks Tour mit Hindernissen

Das Rolling Loud Festival musste kürzlich ohne Kodak stattfinden, obwohl er als Act gebucht war. Der Grund: Die Polizei nahm ihn fest. Um Handfeuer-Waffen kaufen zu können, soll Kodak die Anklage wegen einer angeblichen Vergewaltigung verschwiegen haben. Nach einer Zahlung von 550.000 Dollar wurde Kodak nach einem Bericht der Associated Press auf Kaution entlassen und unter Hausarrest gestellt. Inzwischen hat die Justiz ihn erneut hinter Gitter geschickt – wieder geht es um Waffen. Eine erneute Freilassung auf Kaution stuften Bundesanwälte gegenüber dem Portal TMZ als zu risikobehaftet ein.

Strike At Me‼️

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Schon im Vorfeld des Rolling Loud Festivals lief das Tourleben von Kodak Black nicht gerade reibungslos ab. Drei Gigs in Kanada mussten abgesagt werden. Kurz zuvor verhafteten Beamte Kodak an der kanadisch-amerikanischen Grenze wegen Waffen- und Marihuana-Besitzes. Dies geschah, nachdem das Team von Kodak den Rapper als vermisst gemeldet hatte. Er tauchte nämlich nicht zu seiner Show in Boston auf. Im Nachhinein erklärte Kodak sein Fehlen auch damit, dass sein Navi ihn auf eine falsche Route geschickt habe und es nur deswegen zu der Verhaftung an der Grenze gekommen wäre.

Auch der Tourbus von Kodak ist schon in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Polizei durchsuchte das Fahrzeug, während er in Washington auf der Bühne stand. Laut eines Reports von The Blast stellten die Beamten wiederum Waffen sicher. Kodak konnte jedoch keine zugeordnet werden.

Kodak Black & seine Reaktion auf Nipsey Hussles Tod

Der Mord an Nipsey Hussle war ein schwerer Schicksalsschlag für die gesamte US-Szene. Selbst dem ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama war es ein Anliegen, persönliche seine Anteilnahme auszudrücken. Nur Kodak Black sah den Tod von Nipsey Hussle aus einer ganz anderen und sehr eigenen Perspektive. Er äußerte sich in einer Instagram-Live-Session nicht sonderlich feinfühlig zum Witwen-Status von Nipsey Hussles Frau Laurel London. Viele legten ihm diese Kommentare als makabren Flirt aus. Ein Shitstorm folgte.

T.I., der als einer der ersten Rappromis auf diese Äußerungen von Kodak reagierte, entfernte seinen jüngeren Kollegen aus seinem "Museum of Trap Music". Kodak scherte sich wenig um diese Degradierung und antwortete, dass T.I. nur sauer sei, weil er nicht zuerst solche Moves bei Nipsey Hussles Witwe unternommen habe. Daraufhin lieferte T.I. eine Preview zu einem Disstrack. Woraufhin wiederum Kodak mit dem vollständigen Track "Expeditiously" konterte.

Doch nicht nur T.I., sondern auch The Game und Radiolegende Big Boy bewerteten Kodak Blacks Verhalten als massive Respektlosigkeit. Letzterer verbannte die Musik von Kodak aus dem Radioprogramm. Die in Los Angeles ansässige Station Power 106 entfernte die Songs von Kodak Black ebenfalls aus der Rotation.

Justin Credible on Twitter

We stand with the family of Nipsey Hussle and are appalled by the disrespectful and poor comments made by Kodak Black. With that, Power 106 will not support Kodak Black's music. #LongLiveNip

Vergleich mit Biggie & 2Pac: Kodak Black sucht das Rampenlicht

Relativ leicht in den Fokus der Medien gerät ein Rapper, wenn er sich mit Legenden wie 2Pac und Biggie vergleicht. Kodak Black hat diesen Kniff angewandt und betonte in seiner Rapkarriere mehrfach, dass er besser als 2Pac und Biggie sei. Auch ein Tape mit dem Titel "Lil B.I.G. Pac" brachte Kodak 2016 auf den Markt. Er erklärte im März 2019 nochmal, warum er davon überzeugt ist, über den verstorbenen Raplegenden zu stehen:

"Tatsächlich bin ich besser als diese N**ga [2Pac und Biggie]. Wisst ihr warum? Weil ich lebe, was ich rappe. Diese N**ga waren auf einmal nur Legenden, weil sie gestorben sind."

Lebende US-Koryphäen wie Sticky Fingaz hatten ebenso schon das wenig schmeichelhafte Vergnügen, mit Kodak in Streit zu geraten. Kodak behauptete, er habe den Onyx-Member geschlagen und versucht auf ihn zu schießen – die Energie von Sticky habe ihm nicht gefallen. Namen wie 50 Cent oder Young M.A. tauchten fast beiläufig in Kodaks Beef-Historie der letzten Monate auf. Wer nicht tagtäglich US-Seiten checkt, kommt da schnell nicht mehr hinterher.

Auch auf anderen Ebenen setzte Kodak in letzter Zeit Akzente. Eine sowieso schon ziemlich auffällige Frisur noch zusätzlich extravagant einzufärben, spricht dafür, dass es jemand liebt, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Man muss nicht viel herumraten, um darauf zu kommen, wer zu diesem Mittel gegriffen hat.

Sick I Came Buffs

299.1k Likes, 4,279 Comments - The Big Stepper (@kodakblack) on Instagram: "Sick I Came Buffs "

Wer denkt, Kodak würde irgendwann mal einen Gang runterschalten, der irrt. Er zelebriert seine öffentlichen Auftritte ohne Rücksicht auf seine Außenwirkung. Vor, nach und während eines Gerichtsprozesses hat man schon öfter Angeklagte gesehen, die ihr Gesicht abschirmen. Wo oftmals Hefter, Ordner oder Zeitungen zum Einsatz kommen, nutzte Kodak einfach bündelweise Scheine, als er mal wieder eine Polizeistation verließ.

7 Eyewitness News on Twitter

UPDATE: Kodak Black has posted bail. He used a fan of cash to hide his face from our camera. https://t.co/AlCrhYZAor https://t.co/NaRGHNG9Em

Kodak Blacks Story mit Lil Wayne

Selbst vor Artists, mit denen er schon gemeinsam Musik veröffentlichte, machte Kodak in den letzten Monaten nicht halt. So disste er Lil Wayne, mit dem er für den Track "Codeine Dreaming" zusammenarbeitete, offenbar bei einer Club-Show. Auf US-Portalen war zu lesen, dass er Lil Wayne dort unter anderem als "Made" bezeichnet habe. Auch Folgendes soll adressiert an Lil Wayne aus Kodaks Mund gekommen sein: "Du hättest sterben sollen, als du noch ein Baby warst."

Das rief Lil Waynes Tochter Reginae Carter auf den Plan. Diese verteidigte ihren Vater und forderte Respekt ein. Kodaks Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Zwar ruderte er in Sachen Lil Wayne einen Schritt zurück, aber ging in puncto Beleidigungen auch wieder mehrere Schritte nach vorne. Lil Waynes "kahlköpfige" Tochter solle sich nicht einmischen. Nach dieser Entgleisung schaltete sich die Mutter von Reginae Carter ein. Sie schleuderte Kodak über Social Media ein beherztes "Boy F*ck You" entgegen.

Drake und J. Cole als Fans: Kodak Blacks andere Seite

Zu all den Kuriositäten im Leben des Kodak Black mischt sich regelmäßig der Versuch, das eigene Image positiv aufzuladen. So plante er offenbar, die Gage seines zwangsläufig verpassten Rolling Loud Auftritts zu spenden. Auch bot Kodak Medienberichten zufolge an, die Kosten für die Beerdigung eines jungen Mannes zu übernehmen, der sich einem Schulattentäter in den Weg stellte. Außerdem fällt der junge Rapstar auch immer wieder dadurch auf, dass er sich für Bildungsprojekte und im Chartity-Bereich engagiert.

Musikalisch hat Kodak diesen ganzen Wahnsinn um seine Person sowieso kaum nötig. Drake hielt sein Album "Dying To Live" für eines der besten der letzten fünf Jahre. Trotz des zarten Alters von 21 ist Kodak schon seit einem halben Jahrzehnt eine feste Größe des US-Raps. Seine Doppelplatin Single "No Flockin" erschien im Jahr 2014 und diente außerdem als Flow-Blaupause für Cardi Bs "Bodak Yellow". Der Hit "Tunnel Vision" samt dem Album "Painting Pictures" sowie das folgende "Project Baby 2" bescherten ihm den endgültigen kommerziellen Durchbruch. 

Das aktuelle Album "Dying To Live" hat mit "Zeze" eine Dreifach-Platin-Single vorzuweisen. An künstlerischen Ausrufezeichen mangelt es Kodak wahrlich nicht. Selbst wenn Kodak auch den Erfolg seines letzten Albums wieder in ein eigenartiges Licht rückte. Die Features mit Lil Pump und Juice WRLD seien ausschließlich für das Streaming-Geschäft entstanden, wie Kodak im Interview bei 103.5 TheBeat einräumte. Auf rein künstlerischer Ebene haben ihn diese Kollabos nicht sonderlich begeistert.

Eventuell bringt ein Auszug von J. Coles Track "Middle Child" das Kodak-Problem recht treffend auf den Punkt. Es ist ein Problem, da es nicht in Kodaks Interesse sein kann, ständig zwischen Knast und Karriere zu pendeln. Doch das Gegensteuern scheint schwierig. Da ist einfach jemand, der mit Haut und Haar er selbst ist und wohl nie gelernt hat, innerhalb der gesellschaftlichen Normen zu funktionieren. Einfach ein Junge aus den Projects, der ständig mit den Konsequenzen seiner geradezu überschäumenden Realness umgehen muss:

"Had a long talk with the young n***a Kodak / Reminded me of young n***as from 'Ville / Straight out the projects, no fakin', just honest / I wish that he had more guidance, for real"

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Sinan-G wendet sich an Animus & bietet Asche Oktagon-Kampf an

Sinan-G wendet sich an Animus & bietet Asche Oktagon-Kampf an

Von Clark Senger am 14.01.2021 - 13:07

Das Jahr 2021 ist wild losgegangen für Freunde von Deutschrap-Gossip. Während die Tschetschenien-Akte täglich erweitert wird, ist kürzlich Animus auf Bushidos YouTube-Kanal ins lyrische Oktagon gesteppt, um in diverse Richtungen auszuteilen und so in bester EGJ-Manier sein neues Album anzukündigen. Lines gingen unter anderem gegen uns, Fler und Rooz – und an dieser Stelle hakt Sinan-G ein.

Sinan-G verteidigt Rooz gegen Animus' Line

In seinem Statement-Video geht er später auch auf die Asche-Thematik ein, die ihn als Teil von Mois' Keller-Crew ebenfalls betrifft. Zunächst dreht es sich aber um Animus. Dessen Behauptung, Rooz wäre eine "Marionette von den Großfamilien und Rockern", lässt Sinan nicht so stehen.

"Nur weil sich Rooz eventuell mit Arafat vertragen hat? Ja, die verstehen sich. Die sind jetzt nicht die besten Freunde, aber die haben sich ausgesprochen. Was man macht nach 'nem Streit. Hat Bushido sich einmal ausgesprochen mit uns? Mit mir, mit Rooz und so? Nein, er hatte gar kein Interesse. Weil er braucht uns für seine Promo." 

Er erinnert an den Ursprung des Streits mit Bushido, der Rooz-Interviews mit Manuellsen, Fler, Kay One und Co verhindern wollte. Wer die Story noch nicht kennt, kann das hier in knapp 13 Minuten nachholen. Außerdem rollt der Essener die lange gemeinsame Geschichte mit Animus auf, in der Rooz und Sinan immer ein freundschaftliches und hilfsbereites Verhältnis zum Heidelberger pflegten. 

"Nach dieser Sache mit Manuellsen warst du am Boden. Viele haben sich eingemischt, viele haben dich schlecht gemacht. Aber wir haben dich angerufen, 100-mal. Du bist nicht drangegangen. Irgendwann warst du plötzlich bei Bushido, obwohl wir Streit mit dem haben. Aber wir sind die Letzten, die gesagt hätten: 'Geh nicht zu dem!', obwohl wir wissen, was Bushido für ein Mensch ist."

Dann macht Sinan einen kleinen Exkurs zum Thema Bushido und erklärt, wie dieser Loredana "für die Promo" ins Messer laufen lassen habe, nachdem sie sich eigentlich gut verstanden hatten. Ihr erinnert euch vielleicht: Als die Betrugsvorwürfe gegen Loredana schon viele Monate im Raum standen, entbrannte nach einem neuen Interview des Opfers Petra Z. ein großer Shitstorm gegen die Rapperin, da Petra Z. nicht die finanziellen Mittel für die Beerdigung ihrer Mutter gehabt haben soll. Bushido wollte mit einer Spende aushelfen.

"Wie kann ich über Nacht zum Ehrenmann werden? Xalaz, ich sage, ich bezahle eure Beerdigung. Aber Loredana hat mehr Eier als Bushido. Loredana hat ihren Mund gehalten, die hat im [Hintergrund] alles geklärt, ihre Probleme, und erst als es geklärt war, hat sie ihren Mund aufgemacht."

Mit diesem Reminder leitet Sinan zur rhetorischen Frage über, ob Bushido nicht auch Animus irgendwann fallen lassen würde. Niemand hätte ihm angesichts der Lage nach der Trennung von Azad und dem Konflikt mit Manuellsen Steine in den Weg gelegt. Aber:

"Hättest du uns das gesagt. Aber du warst einfach da und hast Texte geschrieben für den, wo der uns disst. Ist das korrekt? Ist das fair? [...] Das ist charakterlich sehr, sehr schwach."

Sinan-G bietet Asche Kampf im Oktagon an

Danach geht Sinan auf den Konflikt zwischen seinem Homie Mois und Asche ein. Die Nationalität des Alpha-Signings spielt für ihn keine Rolle, wie er gleich klarstellt. Allerdings stört er sich an den Formulierungen aus dem Song "HIStory" (hier die Zusammenfassung), dass es nur "Ratten im Keller" gebe und dass er die "Hundesöhne" jagen wolle auf dem kommenden Album.

"Wenn du mich meinst, dann schreib mir gerne privat. Ich meine dich. Dann gehen wir gerne in das Oktagon. Ich biete dir das an, ich habe keinen Bock, 20-Minuten-Disstrack zu schreiben."

Wenn er gar nicht Sinan mit den Formulierungen gemeint hätte, dann könnte man die Sache auch easy mit einer Privatnachricht zu machen. Generell bleibt Sinan über das gesamte Statement sehr respekt- und (in Anbetracht der Situation) verständnisvoll für seine "Gegner". Hier könnt ihr euch das Statement in voller Länge ansehen:


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