Vor dem großen Hype: 5 Tracks, die du hören solltest

Es vergeht eigentlich keine Chartwoche, die nicht von Rap dominiert ist. Ob es #1-Alben oder Singles sind, gleich eine Rap-Doppelspitze oder die Top-10 der Charts einfach mit Rap-Acts durchsetzt sind: Hiphop ist nicht mehr wegzudenken aus dem (pop-)kulturellen Mainstream.

Aber auch abseits von Bestmarken oder Spitzenpositionen liefern diverse Acts aus dem Untergrund immer wieder qualitativ hochwertigen Output. In unserer Kategorie "Unter 25.000 Klicks" stellen wir euch regelmäßig Tracks vor, die mehr Aufmerksamkeit verdient haben. So gibt es auch diese Woche guten Sound und eine ganze Menge Liebe für Hiphop. 

P.tah - "Wo ich bleib"

P.tah liefert eingängigen Sound und packt seine Lyrics lässig drauf. Den seichten Beat, der gut im Ohr bleibt, hat Deasus produziert. "Wo ich bleib" ist eine Hymne an die Stadt, in der P.tah offenbar sein Glück gefunden hat. Er plant jedenfalls keineswegs, die österreichische Metropole zu verlassen. Klingt gut. 

Elluess - "Zehn"

"Zehn" ist die dritte Auskopplung aus Elluess' EP "Kreis". Ikarus hat den Sound produziert, den Elluess mit Energie bearbeitet. Elluess will nur "Zehn" Stunden vor dem großen Kater. Es ist der Struggle des Lebens, den Elluess wortreich beschreibt. Das ist Sound aus dem Untergrund, der beweist, dass Rap aktuell weit mehr als nur ein Soundbild kennt. Man muss nur danach suchen.

STK - "16er No. 5"

STK kommt aus Aachen und sein auffindbarer Output besteht bisher lediglich aus fünf 16ern, die es zudem nur auf seinem Instagram-Account gibt. Das mag auf den ersten Blick eine ungewöhnliche Strategie des Youngsters sein, doch auf den verschiedenen Snippets überzeugt er mit einem hohen Widererkennungswert in Style und Stimme.

Und wenn Capital Bra Tracks ohne Titel raushauen kann, dann ist es doch der Beweis, dass nicht immer alles nach irgendwelchen Regeln ablaufen muss. STKs Output zeigt, dass der junge Flow hat. Ob dein Lieblingsrapper auch zuhört und zittert?

Young Carlos - "Helium"

Young Carlos' "Helium" ist Laidbacksound für entspannte Stunden mit ein paar verdammt witzigen Lines. Selbstbeschreibung des Künstlers: "Zeckenrap mit Swag". Klingt gut. Die entspannten Vibes hat Yaya erzeugt, der den Beat gebaut hat. Der Track ist Teil der "Trip"-EP, die Young Carlos Ende des vergangenen Jahres droppte.

Blacc Hippie ft. Doccta - "Niemals"

Blacc Hippie hat bereits den Hiphop.de-Award in der Kategorie "Upcoming Artist" mitgenommen. Für den Track "Niemals" hat er sich Doccta an seine Seite geholt. Die beiden ergänzen sich durch ihre verschiedenen Styles optimal. Der Tracks ist auf Blacc Hippies EP "1995" zu finden, die im vergangenen Dezember droppte. Den Sound für "Niemals" hat D.O.B. produziert. 

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Ungehypt & Dope: 5 Deutschrap-Tipps unter 25.000 Klicks

Ungehypt & Dope: 5 Deutschrap-Tipps unter 25.000 Klicks

Von Jesse Schumacher am 29.10.2019 - 18:08

Wer sich vom aktuellen Hiphop-Mainstream ermüdet fühlt, sollte das Genre nicht aufgeben, sondern da suchen, wo sich Rap am wohlsten fühlt: Im Untergrund.

In dieser Reihe präsentieren wir euch regelmäßig eine kleine Anzahl an Untergrund-Künstler*innen, die aufgrund unterschiedlicher Faktoren einen gewissen Reiz ausüben und mehr Aufmerksamkeit verdient haben. Deswegen konzentrieren wir uns auf Musiker*innen, die mit ihren Videos noch unter 25.000 Klicks liegen.

Ind1go & Tym – Bean (prod. Alecto)

Während sich einerseits Leute die Köpfe einschlagen, weil sie sich uneinig sind, ob Animus der richtige Partner für Bushidos CCN4 ist, scheint andererseits die Harmonie eines anderen Duos wesentlich offensichtlicher.

Ind1go (@ind1go089) und Tym (@tym.btm) passen gleich auf mehreren Ebenen perfekt zueinander. Die beiden Herzensbrecher teilen eine Ästhetik, die sich in ihrem Sound, ihren Videos und in ihren Cover-Artworks widerspiegelt. Dabei fangen sie den aktuellen Zeitgeist eines Stils ein, der vor vier Jahren wahrscheinlich noch Cloud-Rap genannt worden wäre.  

So auch auf "Bean", eine Videoauskopplung aus ihrer gemeinsamen EP "Azur", die bereits im März dieses Jahr erschien. Der Track beweist die Stilsicherheit der beiden Künstler und fängt eine sphärische und leicht melancholische Stimmung ein.

"Herzen, sie brechen wie iPhone Displays/ Leben so süß und sie will einen Taste/ Ich drück' Record und ihr drückt Copy-Paste/ No Love für euch, get the f*ck out my Face"

Alecto (@alectobeats) hat den Beat gebaut und produzierte auch schon Tracks für US-Superstars wie Lil Baby. Als Teil der Saucier Squad (@sauciersquad) gehört er zu einem der aktuell aufstrebendsten Producer-Kollektiven in Deutschland.

Auch solo haben Ind1go und Tym schon einige Hits releast. Während Ind1go sich in letzter Zeit auf mystische Weise zurückhält und seine Fans auf Instagram immer wieder mit Snippets zu neuer Musik heiß macht, kündigte Tym seine kommende "Me"-EP für den 1.11 dieses Jahr an.

Blokkboy$ ft. Blanco Panther – BBB (prod. déjà vu)

Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass die kölschen Jungs von Blokkboy$ (@blokkboys0221) ihre Stadt im Moment so hart representen wie niemand anderes. Zur Crew gehören die Künstler Cgoon (@cgoon0221), Bada Dinero (@bada_dinero) und Leon Lucci (@lucci0221).

Auf ihrer letzten Single "BBB" mit Blanco Panther (@blancopantherofficial) rappen sie auf einem modernen Trap-Beat über ihren Grind, ihre Verbundenheit zu ihren Brudis und natürlich über ihre Hometown. Produziert ist der Track von déjà vu.

"Ich bin Kölner, das ist 'min jung' und nicht 'mein dicker'"

Ihr letztes Full-Length-Project "Blokkworld" bildet einen Sound, der die Hustler-Mentalität der Straße mit der symphatischen kölschen Grundstimmung auf knallenden Trap-Beats verbindet. Diese Kombination macht die Jungs aktuell einzigartig und spannend.

Allgemein bietet die Kölner Rapszene zur Zeit einen sehr abwechslungsreichen Sound, der von einigen aufstrebenden Künstler*innen getragen wird. Darunter zum Beispiel die Rapper Lugatti & 9ine oder Dennis Dies Das, die auch im Video zu "BBB" zu sehen sind.

Hugo Nameless - Paradies (prod. btgrin)

Hugo Nameless (@hugonameless030) als Newcomer darzustellen, würde auf einer falschen Annahme beruhen. Der Rapper schlug spätestens 2016 Wellen und prägte damals gemeinsam mit Fruchtmax das Sprachbild vieler Kids auf "WKMSNSHG" (Wie kann man sich nur so hart gönnen).

Was viele anscheinend nicht mitbekommen haben: Hugo Nameless ist immer noch am Start und hat sich in den letzten Jahren fest im Berliner Untergrund etabliert. Dabei hat er sich als Rapper weiterentwickelt und auf unterschiedlichen Projekten eine Vielzahl an musikalischen Brettern geliefert. So zum Beispiel auf seinem Kollabo-Mixtape mit $oho Bani "Nase voll, Taschen leer" auf dem viele grimey Banger schlummern, die euch eure Boxen zerscheppern können.

Mit "Paradies" veröffentlichte Hugo Nameless eine Liebeserklärung an das grüne Gold auf einem Beat mit bouncigen Swing, produziert von btgrin. Der Track ist von seinem letzten Album "Frank", das im Juli dieses Jahr erschien. Hier greift er unterschiedliche Stimmungen auf und beweist, dass er seinen Sinn für Humor nicht verloren hat. Insbesondere auf seinem Instagram-Account postet er häufig Content, der regelmäßig ein breites Grinsen hervorruft – Zumindest wenn man auf die Gags steht.

"Meine Mama macht sich Sorgen wegen Weed/ Nur mein Shawty sieht mich gerne, wenn ich zieh'/ Rauche Gorilla Glue, die Augen hängen tief/ Zünd' den Joint an und ich bin direkt im Paradies"

Die P – Alle Reden (prod. Big Roo)

Die P (@mach.platz) hält die Golden-Era-Fahne hoch und zelebriert die Kunst, Boombap-Beats zu zerlegen, wie zurzeit keine andere Rapperin. Auf "Alle Reden" belebt sie den Spirit der 90er mit ihrer woken Einstellung wieder und zweifelt unter anderem die Realness von anderen Rappern an. Das klassische Hiphop-Instrumental ist produziert von Big Roo.

"So viel harte Kerle, doch es fehlen die Beweise/ Fake-Support ist schädlich also mach ich es alleine"

Mit "Alle reden" meldet sie sich nach ihrer 2017 erschienen EP "Bonnität" zurück und wir dürfen auf weiteren kommenden Output der Rapperin hoffen.

Iloveakim – Fenster stehen (prod. Iloveakim)

Iloveakim (@iloveakim) kehrt auf "Fenster stehen" seinen Hiphop-Roots fürs Erste den Rücken zu und bezeichnet den Track selbst als "Bedroom Pop". Auf dem funkigen und tanzbaren Beat, produziert von ihm selbst, rappt und singt der junge Österreicher über einen unerreichbaren Schwarm und spielt mit alten Clichés aus Liebesfilmen der 80er.

"Ich bleib' am Fenster stehen, ich trau mich nicht zu dir/Ich schau von draußen zu wie du dich amüsierst/Du bist so wunderschön, wie du dich bewegst/Dein Schatten tanzt mit mir, doch etwas trennt uns hier"

Während er auf dem Song scheinbar eine neue musikalische Ausrichtung findet, waren seine vorherigen Veröffentlichungen vom trappigen US-Sound inspiriert. So auch sein Album "Freak", auf dem er sich aber auch experimentell zeigt und in großen Teilen an die frühen Songs von Tyler, the Creator erinnert. Die Tracks lebten vor allem aus dem Spaß an der Sache, den er auch in Videos mit seiner Dumbkoif-Crew authentisch rüberbringen konnte.

In einem Interview mit der Juice bezeichnet er diese Songs mittlerweile allerdings als trashy. So wie sein größtes Vorbild Tyler, the Creator wolle er sich regelmäßig weiterentwickeln und neue Stile ausprobieren.

Das Video produzierte unter anderem der talentierte Videograf Chefboicani, der Teil der Dumbkoif-Crew ist und den wir vor Kurzem in einem exklusivem Interview vorgestellt haben.

Kunst statt Kommerz: Chefboicani über sein Video für Yung Hurn, US-Connections & die Faszination für Tyler, the Creator

Rap ist allerspätestens dieses Jahr endgültig im Mainstream angekommen. Anfang des Jahres überholte Capital Bra einen Rekord der Beatles, Hiphop gehört zu den meist gestreamten Genres in Deutschland und in den aktuellen Top 10 der deutschen Single-Charts sind neun Hiphop-Tracks platziert. Wer im musikalischen Mainstream unterwegs ist, will meistens vor allem eines: ordentlich Scheine kassieren.


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