Sukini, Deine Freunde & Giraffenaffen: Rap, den du mit deinen Kindern hören kannst

Das sechste Album von Sookee sollte das erste Album von Sukini sein. Denn seit dem 27. September dürfen vor allem junge Hörer*innen zwölf Tracks auf dem Album "Schmetterlingskacke" um die Themen Herzensmenschen, Phantasie, Kindheit und viele mehr hören. Die Rapperin Sookee nennt sich dafür Sukini und betrachtet so einige kindliche Gedanken unter einem weltoffenen und feministischen Blickwinkel.

Prinzessin Peach, Glitzer, Phantasie & mehr: Darum geht’s bei Sukinis "Schmetterlingskacke"

In dem Track "Im Herzchen" macht Sukini ihren Herzensmenschen eine Liebeserklärung. Schon dieser erste Track macht klar, dass das Album nicht nur für die ganz junge Zuhörerschaft gedacht ist. Wenn so unglaublich liebevoll von Kindheitserinnerungen wie Schneeengel, Kissenschlachten und die Lieblingssüßigkeiten erzählt wird, kann auch das erwachsene Herzchen ein bisschen schneller schlagen.

Prinzessin Peach ist der zweite Track auf dem Album und gleichzeitig die erste Singleauskopplung.

Sukini - Prinzessin Peach

Dass Prinzessin Peach selbst voller Abenteuerlust ist und nicht darauf wartet von Mario gerettet zu werden, verrät uns Sukini auf ihrer ersten Single „Prinzessin Peach" aus dem Debüt-Album „Schmetterlingskacke".

Hier wird der feministische Anspruch des Albums deutlich. Denn warum geht es den Mario-Spielen eigentlich nie um die Prinzessin? Sukini schreibt die Geschichte von Peach weiter und gibt ihr den Lebenslauf, den eine Prinzessin verdient hat. Sie darf Hockey und Fußball spielen, trainiert Marios Gegner, programmiert Computerspiele und backt Einhornkekse.

"In echt hat sie es faustdick hinter den Ohren / Um gerettet zu werden, ist eine Prinzessin nicht geboren"

Auf "Meine Mamas" geht es um eine Familienform, die in der Öffentlichkeit bisher leider nur wenig Beachtung findet. Es ist zu hoffen, dass die Rapperin mit ihrem Song das Leben mit zwei Mamas oder auch Papas mehr in den öffentlichen Fokus rücken kann und dadurch Akzeptanz schafft. Die im Rap sonst vorherrschende patriarchalische Weltanschauung wird hier außer Kraft gesetzt. Das geht ohne Aggression, Wut und Hass. Sukini erzählt uns einfach voller Liebe von einem glücklichen Kind mit zwei Mamas.

"Phantasie" gehört zu den Lieblingssongs von Sookee auf dem Album. Phantasie wird als kindliches Phänomen dargestellt, von dem sich Erwachsene aber eine Scheibe abschneiden sollten.

"Wir gehen nicht zum Bus. Wir tanzen zum Bus / Wir schreiben der Geschichte einen spannenderen Schluss"

Für "Glitzer" hat Sukini sich von der Antilopen Gang inspirieren lassen. Mit der offiziellen Erlaubnis der Jungs wurde hier aus der Pizza, die die Welt retten kann, einfach "Glitzer" gemacht. Dabei stand sie nicht alleine im Studio, sondern bekam Unterstützung von Saskia Lavaux, die sonst mit ihrer Band Schrottgrenze unterwegs ist.

Sukini, Saskia Lavaux - Glitzer [Music Video]

Sukini und Saskia Lavaux glauben fest daran, dass uns Glitzer retten kann - in Sukinis zweiter Single ausdem Debut-Album "Schmetterlingskacke". Mehr dazu: http://umgt.de/sukini Text & Vocals: Sookee/Sukini Additional Vocals: Saskia Lavaux Drums by: Shaban Guitar by: Mathias Jechlitschka Bass by: Boris Niels Produced by: Shaban Mixed by: Shaban & Jens Gütters Master: Zino Mikorey Video: Arvid Wünsch Original Track: "Pizza" by Antilopen Gang.

Die beiden sprechen das Klischee rund um Farben an. Die Welt zufalle in zwei Farben: Blau für Jungs und rosa für Mädchen.

"Grün, Blau, Rot, Gelb, Schwarz, Lila, Türkis / Warum tragen nicht alle Kinder alle Farben, die es gibt?"

Die beiden sind sich sicher: Dieses Problem der Eintönigkeit kann nur durch Glitzer gelöst werden. Dabei gehen sie sogar darauf ein, dass es neben Mädchen und Jungen auch noch eine "dritte Option" gibt und verbannen ein zweigeschlechtliches Weltbild kurzerhand aus den Kinderzimmern.

"Hier bin ich" handelt von (Selbst)liebe und Akzeptanz. Kinder heitern gemeinsam einen kleinen Mann auf, der sonst ständig geärgert wird.

"Die müssen doch wissen, dass das doof ist. Wenn die einem ständig sagen, dass man doof ist."

Die Problematik in "Fragen fragen" kennt wohl wahrscheinlich jedes Kind. Die Neugier von Kindern als Geschenk zu begreifen, ist nicht immer einfach. Oft reagieren Erwachsene genervt und überfordert auf die vielen Fragen ihrer Kinder. Sukini macht hier einige Vorschläge, der Neugier zu begegnen.

Auf dem Song "Popel" reiht Sukini einige kindgerechte Schimpfwörter aneinander. Es geht um Konfliktlösungen und Momente, in denen Kinder einfach mal richtig wütend sind. Wahrscheinlich ist das nicht unbedingt der Lieblingstrack von Erwachsenen. Bei Kindern wird er vermutlich umso besser ankommen.

Daran schließt der Song "Quatsch" an. Ähnlich wie bei "Prinzessin Peach" denkt Sukini eine bestehende Geschichte ein bisschen weiter und macht aus Annika von Pippi Langstrumpf einen lauten, lustigen und freien Quatschkopf. Pippi fragt ihre Freundin daraufhin, warum sie nicht immer so sei:

"Warum hast du dich all' diese Dinge bisher nicht getraut? / Astrid hat uns so geschrieben. Ich war leise. Du warst laut"

In "Alle Menschen" spricht Sukini auch Rassismus an und hat ein naives, kindliches Unverständnis für dieses Phänomen.

"Scheint die Sonne denn nicht für alle? / Bäume spenden Schatten in jedem Falle / Spüren wir doch in jeder Brust ein weiches Herz / Alle Menschen haben den gleichen Wert"

Dazu passt auch der Song "Miteinander". Endlich wird in einem deutschen Lied für Kinder nicht nur von Weihnachten gesprochen. Nein, manche Menschen feiern auch das Zuckerfest. Sukini mag es auch politisch, spricht sich gegen ein zu starkes Konkurrenzdenken und für ein liebevolles Miteinander aus.

"Wer hat den höchsten Zaun, wer hat die dickste Mauer? / Grenzen zwischen Ländern machen uns kein bisschen schlauer"

Das Album wird abschlossen mit "Gute Nacht mein Kind". Eine aufgeregte Verabschiedung von dem Tag schließt dieses bewegende und wichtige Album.

Giraffenaffen & Deine Freunde: Rap für Kinder

Rap für Kinder ist natürlich erstmal nichts Neues. Viele Künstler*innen haben sich bereits daran versucht und das Angebot füllt ganze Playlisten auf Spotify. Dabei gibt es beispielsweise von "Deine Freunde" auch qualitativ hochwertigen Rap, der die Ohren der Erwachsenen nicht zwangsläufig strapazieren muss.

Für "Deine Freunde" haben sich Florian Sump, der ehemalige Schlagzeuger der Popband Echt, Markus Pauli, der Musikproduzent und Live-DJ von Fettes Brot, sowie Lukas Nimscheck, der einmal Moderator des Tigerentenclubs war, zusammengefunden. Die Band hat seit 2012 bereits vier Alben veröffentlicht.

Die Reihe "Giraffenaffen", die Kinderlieder mit deutschsprachigen Sänger*innen neu interpretieren, hat ebenfalls einen raplastigen Ableger mit dem Namen "Giraffenaffen Gang“ herausgebracht. Hier rappen MC Mike, Karo Klaro und Boris Beat. Von den fünf veröffentlichten Alben der Giraffenaffen erschien 2016 das Album "Nö mit Ö!", das ausschließlich aus Songs dieses fiktiven Rap-Trios besteht. Anders als es das Konzept im Normalfall vorsieht, waren hier keine anderen Stars aus der Musikszene beteiligt.

Giraffenaffen Gang - Nö mit Ö (offizielles Video)

Hallo da draußen, wir sind MC Mike, Karo Klaro und Boris Beat. Zusammen sind wir die Giraffenaffen Gang! Amazon: http://amzn.to/29567eY iTunes: http://apple.co/29zrRDV Eine Insel in der Süßsee - Januar 2016. Der Süßsee-Kurier meldet sensationelle Nachrichten: Nach den riesigen Erfolgen mit den Giraffenaffen-Alben Vol.

Auf den anderen Alben der Giraffenaffen waren allerdings auch immer wieder Gäste aus der Rapwelt zu hören. So standen beispielsweise bereits Flo Mega, Thomas D, Dendemann und auch Blumentopf mit den Giraffenaffen im Studio.

"Kinder sollen frei sein in ihren Köpfen": Was "Schmetterlingskacke" so besonders macht

Wenn nun aber qualitativ hochwertiger Rap für Kinder auch nichts Neues ist, was macht dann Sukini so besonders? Die Idee der Rapperin lässt sich wohl am ehesten mit diesem Satz zusammenfassen:

"Ich mag Kinder. Ich mag die Idee, dass Kinder frei sind in ihren Köpfen."

Hier wird der gesellschaftlichen Vorstellung einer Kindheit nicht nach dem Mund gerappt. Es geht nicht nur um Themen wie Schokolade, Tanzen oder Tiere, mit denen man erstmal in keinem Kinderzimmer etwas falsch machen kann.

Sukini rappt entgegen der Klischees und spricht Themen an, an die sich vor allem in der Rapszene noch nicht herangetraut wurde. Durch dieses natürliche Ansprechen von gleichgeschlechtlichen Eltern, einem dritten Geschlecht und dem Fakt, dass Farben kein Geschlecht kennen, können diese Themen ganz natürlich in die Kinderzimmer transportiert werden. Dabei können auch Erwachsene noch viel lernen, denn gerade durch sie werden diese Themen tabuisiert und es wird spektakulär gemacht, was eigentlich ganz normal ist.

Kinder, Erwachsene, Lehrer*innen, Sozialarbeiter*innen, Pädagog*innen, Rapper*innen: Einfach mal Sukini hören. Es gibt noch viel zu lernen, erleben und zu verbessern.

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Gute Features, böse Features: Deutschrap in der Zwickmühle

Gute Features, böse Features: Deutschrap in der Zwickmühle

Von Anna Siegmund am 25.11.2019 - 14:42

"Stellt euch vor: Über einen alten Freund kommt raus, er hat eine Frau geschlagen, die Mutter seiner Kinder. Er und seine Freunde haben sich nachher noch online drüber lustig gemacht. Er hat sich mehrfach missbräuchlich gegenüber Frauen verhalten. Würdet ihr mit ihm chillen? Frage für Rapper."

Mit diesem Tweet kritisierte 3Plusss das Feature "Du weißt" von Trettmann mit Gzuz. Und man muss aktuell nicht weit in die Rapgeschichte zurückblicken, um zahlreiche weitere Beispiele für Diskussionen um fragwürdige Features zu finden.

Dabei geraten Künstler*innen immer wieder in die Kritik. Dieser Artikel zeigt nicht nur die vergangenen Debatten um die Feature-Frage, sondern wirft auch generelle Fragen auf und versucht Antworten auf diese zu finden. Wie entscheidet sich, wen man featuren darf? Welche Auswirkungen kann die Kooperation mit anderen Künstler*innen haben und welche Rolle spielt dabei die so oft genannte Reichweite? Kann sich ein Mensch mit homofeindlichen und sexistischen Aussagen für immer "unfeaturebar" machen?

Xavier Naidoo als Feature: Nicht alle sind "Hin und weg"

In letzter Zeit standen beispielsweise die Künstler in der Kritik, die auf Xavier Naidoos Album "Hin und weg" zu hören waren. Die Vorwürfe richteten sich in diesem Fall durchaus an große Namen der Szene. Für "Hin und weg" gingen unter anderem MoTrip, Kontra K sowie Chefket mit dem Sänger ins Studio. Für ihr Album "Bling Bling" arbeitete auch Juju mit Xavier Naidoo zusammen.

Doch warum wird ein Feature mit dem Mannheimer von vielen Seiten kritisch gesehen? Seit Jahren bringen viele Medien Xavier Naidoo mit der rechten Szene in Verbindung. Ein Auftritt vor einer rechtspopulistischen Gruppe, die sich "Reichsbürger" nennt, sorgte für erste Spekulationen. So verbreitet er die Theorie, dass Deutschland kein freies Land sei, da es nie einen Friedensvertrag unterschrieben habe. Die Vorwürfe, rechtspopulistisch oder auch homophob zu sein, weist der Sänger stets von sich.

MoTrip, Kontra K, Chefket: 3Plusss kritisiert Xavier Naidoos Feature-Gäste

3Plusss ist für seine gesellschaftskritischen Aussagen bekannt und legt im Deutschrapkosmos gerne mal den Finger in die Wunde.

Shirin David beweist häufiger kein gutes Händchen in Sachen Features

Wenig später stand Shirin David im Fokus der Kritik. Auch in diesem Fall war es 3Plusss, der seine Zweifel auf Twitter äußerte.

Aber tatsächlich musste sich die erfolgreiche Rapperin schon häufig Kritik für die Auswahl ihrer Kooperationspartner anhören. Für ein YouTube-Video arbeitete sie beispielsweise mit Mert zusammen. Dieser fiel leider in der Vergangenheit durch homofeindliche Aussagen in seinen Videos auf. Auf Kritik reagierte er mit weiteren Angriffen auf homosexuelle Menschen. Shirin Davids Unterstützung für Mert löste einen großen Sh*tstorm aus. Mit mehr Abstand zu der Situation erklärte sie auf dem YouTube-Kanal World Wide Wohnzimmer, nichts von der homofeindlichen Einstellung des ehemaligen YouTubers gewusst zu haben. Merts Ansicht sei ihr nicht bekannt gewesen, sonst wäre der Videodreh mit ihm nicht zustande gekommen.

"Warum sollte ich dem Ganzen Reichweite schenken?"

Schuld sei Unwissenheit gewesen. Sie habe im Vorfeld keinen Kanalcheck durchgeführt. In dem Interview bei World Wide Wohnzimmer zeigt sie sich der Folgen einer solchen Kooperation durchaus bewusst:

"Okay, das kann ich nicht verantworten. Es geht darum, wem du deine Reichweite schenkst und wem du sie gibst. Und da haben die Leute natürlich recht. Ich kann das nicht machen. Wir haben so viele junge Zuschauer."

Sowohl Mert als auch Shirin David nahmen die gemeinsamen Videos auch von ihren Kanälen. Die frischgekürte Bambi-Gewinnerin entschuldigte sich bei allen Menschen, die sich durch die Kooperation der beiden verletzt fühlten.

Für den Track "On Off" stand Shirin leider erneut mit jemandem im Studio, der für homofeindliche Aussagen zweifelhaften Ruhm erlangte. Gims veröffentlichte in der Vergangenheit mit dem Text "On t’a humilié" ein unmissverständliches, homofeindliches Statement. Die Ernsthaftigkeit der folgenden Stellungnahmen und "Entschuldigungskampagnen" lässt sich nach solchen eindeutigen Aussagen anzweifeln.

Auch ein Feature mit Xavier Naidoo war auf dem Album "Supersize" zu hören. In einem Kommentar unter seiner Kritik macht 3Plusss deutlich, dass es ihm vor allem um die homofeindlichen Aussagen ihrer Features geht:

Shirin David antwortet in einer Instagramstory auf die Kritik an ihrem Feature mit Xavier Naidoo:

"Ich mache Musik und mein Song mit ihm gemeinsam handelt von Liebe und Zusammenhalt. Nicht mehr und nicht weniger."

Shirin bricht ihre Zusammenarbeit mit dem Mannheimer Sänger also ausschließlich auf ihren gemeinsamen Track runter. Und inhaltlich ist der Track "Nur mit dir" tatsächlich eine typische Liebeserklärung. Nichts, was musikalische Horizonte sprengen würde. Nichts, was nicht auch mit einem anderen, weniger polarisierenden Musiker an der Seite von Shirin David funktioniert hätte.

Auch "Shirinbae" von Fler bewies entweder, dass Shirin David ein wirklich schlechtes Händchen für ihre Kooperationspartner hat oder schlichtweg, dass sie sich herzlich wenig für mögliche Kritik an ihrer Feature-Auswahl interessiert. Die Rapperin steuerte für den Track ihren Namen und ein Cover bei. In einem Interview mit 16Bars erklärte sie dazu:

"Keiner hat mich so supportet wie Fler. Und wer soll ich jetzt sein, dass wenn er sagt, er macht einen Song… Ich soll ihm kein Cover geben?"

In dem Interview beschreibt Shirin David die Wortwahl Flers als "süß". Andere leiteten aus ihr eher ein sexistisches und homofeindliches Weltbild des Rappers ab. Shirins Aussage aus dem Gespräch mit 16Bars "Wer Liebe gibt und Respekt, der kriegt Liebe und Respekt zurück", macht in diesem Zusammenhang, in dem Fler Frauen und homosexuellen Menschen nur sehr wenig Liebe und Respekt entgegenbringt, kaum Sinn. Also ja, vermutlich hätte man Fler für diesen Track kein Cover geben müssen. Damit soll die Homofeindlichkeit des Rappers nicht auf eine Stufe mit der von Mert und Gims gestellt werden. Jedoch bedeutet eben auch die homos*xuelle Gesinnung eines Menschen als Beleidigung zu nutzen, eine homophobe Grundeinstellung, über die man im 21. Jahrhundert hinweg sein sollte.

Trettmann & Gzuz sorgen für Diskussionen

Auch Sookee traf auf Instagram vor Kurzem auf viel Kritik. Sie rief dazu auf, das Album von Trettmann zu streamen und zu kaufen, um es am Ende der Woche auf der Pole Position der Charts stehen zu sehen. Sie reflektierte dabei zwar die Kritik um das Feature mit Gzuz auf "Du weißt", erklärte aber auch, dass ihr in diesem Fall die Beteiligung von Keke und Alli Neumann an dem Album wichtiger sei.

Als Reaktion auf dieses Statement musste sich die engagierte Rapperin unter anderem das Feministinsein absprechen und einen regelrechten Sh*tstorm über sich ergehen lassen. Das Internet konnte nicht verstehen, warum eine Feministin über das Feature mit Gzuz hinwegsehen kann. Das Internet konnte ebenso nicht verstehen, dass Feminismus nicht funktioniert, solange Frauen für das Äußern einer Meinung derart angegriffen werden.

Trettmann äußerte sich selbst zu der Kritik an seinem Feature mit Gzuz. Dabei gab er an, die Vorwürfe gegen den Rapper der 187 Strassenbande privat mit ihm besprochen zu haben. Auf die musikalische Zusammenarbeit mit seinem Freund möchte er nicht verzichten.

Trettmann äußert sich zur Kritik am Gzuz-Feature auf "Du weißt"

Aktuell wird im Rapkosmos viel über die Wahl von Feature-Gästen diskutiert. Zuletzt stand dabei das neue Album des Soulsängers Xavier Naidoo im Fokus. 3Plusss kritisierte die Rapper, die auf dem Album vertreten waren, aufgrund der politischen Gesinnung des Mannheimers. Auch Trettmann musste sich zuletzt Kritik gefallen lassen, denn auf seinem neuem Album "Trettmann", das ab dem 13.

Was bedeutet ein Feature?

Die hier angeführten Diskussionen wurden meist durch Ignoranz, blinde Verteidigungshaltung der Fans, schlichte Ablenkung oder stumpfes Aussitzen bis zu einem anderen Sh*tstorm erstickt. Was wir dabei oft vergessen haben, ist die tatsächliche Auseinandersetzung mit dem Kern des Vorwurfs. Wen darf man featuren? Und was darf wann gesagt worden sein, um noch als "akzeptables" Feature zu gelten? Gibt es "unverzeihliche" Ansichten, die ein Feature für alle Zeit unmöglich machen?

Was bedeutet ein Feature denn überhaupt? Für Shirin David bedeutete das Feature mit Xavier Naidoo in erster Linie wahrscheinlich die Erfüllung eines Jugendtraums. Die Videos mit Mert waren vielleicht eine vielversprechende Kooperation mit einem anderen YouTuber. Für Trettmann war das Feature mit Gzuz vielleicht einfach ein Freundschaftsdienst.

Was aber bedeutet so eine Kooperation auch? Sie bedeutet, der Öffentlichkeit zu zeigen, dass du cool damit bist, wenn jemand homofeindliche Statements in die Welt schickt. Sie bedeutet, dass du dich mit Menschen umgibst, die mit den sogenannten "Reichsbürgern" in Verbindung gebracht werden und die Deutschlands Souveränität in Frage stellen. Sie bedeutet, dass du Menschen, die sich über Gewalt gegenüber Frauen lustig machen, deine Reichweite zur Verfügung stellst.

Es ist egal, was du persönlich in das Feature hineininterpretierst und was es für dich bedeutet. Du musst dir vorher die Frage stellen, ob du die genannten Folgen für die Erfüllung eines Kindheitstraums, für mehr Reichweite auf YouTube oder für einen Freundschaftsdienst in Kauf nehmen möchtest.

Rap ist kein Nischen-Genre mehr und muss nicht vor Kritik geschützt werden

Rap kann sich nicht mehr dahinter verstecken, ein kleines Subgenre zu sein. Die Feature-Frage ist mittlerweile auch bei Menschen angekommen, die sonst weniger in der Materie stecken. Ein positives Beispiel, das sich ernsthaft mit Rap beschäftigt, die richtigen Fragen stellt und dabei nicht auf die bloße Verurteilung des Genres aus ist, bietet die Podcastfolge "Darf ich das noch hören?" von der YouTuberin und Feministin Mirella Precek (YouTube: Mirellativegal) und ihrem Kollegen Florian Gregorzyk (YouTube: Flo). In ihrem Podcast "Muss das sein?" sprechen die beiden sonst wenig über Rap, auch wenn Flo sich in dieser Folge als Fan von Aggro Berlin sowie Haftbefehl outet. Die beiden nehmen sich einer ewigen Frage an:

"Kann man Künstler und Kunst trennen? Sollte man bestimmte Künstler überhaupt noch unterstützen?"

Mirella spricht dabei eine Frage an, die auch in Bezug auf das Feature von Shirin David und Gims interessant sein könnte. Ihr geht es in ihrer Aussage aber um die Musik von Chris Brown, der seine Freundin Rihanna 2009 verprügelte.

"Gerade wenn du eine Reichweite hast, dann willst du die ja auch gut nutzen und nicht um Frauenschläger zu promoten. Ich weiß aber nicht, das ist jetzt auch schon so lange her, dass er das gemacht hat. Sagt man irgendwann, das ist jetzt okay oder verzeiht man da? Ich weiß es nicht"

Diese Frage hat einen hohen Stellenwert. Wer kann schon völlig zufrieden auf alle seine Handlungen, Gedanken und Ansichten der letzten Jahre zurückblicken? Manchmal hatte man vielleicht auch einfach Glück, nicht in der Öffentlichkeit zu stehen. Oder so alt zu sein, dass es das Internet, das ja bekanntlich nie vergisst, in seiner heutigen Form noch nicht gab. Vielleicht können einige Vergehen oder Ausrutscher also schon vergeben werden, solange ein sichtbares Umdenken stattgefunden hat, es eine Entschuldigung gab und der*die Künstler*in nicht mehr hinter den alten Aussagen und Taten steht. Ob das Verprügeln eines anderen, offenbar wehrlosen Menschen verziehen werden kann, ist eine andere Frage.

Beim Gzuz-Feature gehen die Meinungen der beiden auseinander. Flo ist ein großer Fan von Trettmann, "#DIY" und dem sonstigen politischen Engagement des Rappers. Dennoch verändert das Gzuz-Feature seine Meinung zu Tretti:

"Aber mir, als sozusagen Fan, mich hat das einfach enttäuscht und ich habe zum Beispiel das neue Album von Trettmann auch noch nicht gehört."

Mirella hingegen ist etwas kritisch dieser Einstellung gegenüber und hinterfragt die Fairness dieser Entscheidung. Mit einem endgültigen Statement hält sie sich allerdings zurück, da sie die Schlagzeilen zu Gzuz nicht verfolgt hat.

Feature oder lieber nicht? Eine persönliche Entscheidung

Am Ende muss jede*r selbst entscheiden, wo die Grenzen des guten Features für ihn oder sie liegen. Hier steht und fällt die Moral auch oft mit dem persönlichen Musikgeschmack. Natürlich ist es einfacher, eine*n Künstler*in von der Playlist zu verbannen, wenn man sowieso gut und gerne auf die Musik verzichten kann. Mirella geht es beispielsweise so mit Xavier Naidoo. Shirin David scheint es, vielleicht auch durch ihre Liebe zu seiner Musik, nicht so leicht zu fallen, Xavier Naidoo für seine Aussagen zu verurteilen. Hier entscheidet sie sich klar für eine Trennung von Kunst und Künstler. So eine Unterscheidung gelingt ihr bei Mert offenbar deutlich schwerer, was in diesem Fall natürlich auch dem Umfeld YouTube geschuldet sein kann, das von der Authentizität der handelnden Figuren lebt.

Aber stellt euch vor, über den Freund eurer Tochter kommt raus, dass er ihr gegenüber zu Gewaltausbrüchen neigt. Stellt euch vor, es wird sich über euch lustig gemacht, weil ihr eure Freundin angezeigt habt, die euch misshandelt hat. Stellt euch vor, eurer Schwester wurde Gewalt angetan und es wird sich darüber im Internet lustig gemacht.

Vielleicht ist es wichtig, sich diese Fragen zu beantworten, bevor man ein moralisches Urteil über diskussionswürdige Features fällt. Wahrscheinlich würden wir viel weniger akzeptieren, wenn wir nicht immer daran glauben würden, dass solche Dinge nur den anderen passieren.


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