Der zweite Tag eures Lieblingsfestivals begann für alle Festivalbesucher erstmal mit einer bösen Überraschung. So wurde jeder Besucher am Eingang des Geländes gewarnt, dieses zu betreten, da es für die Ferropolis eine Sturmwarnung gegeben hatte. Mit einem leicht flauem Gefühl im Magen betraten wir das Gelände und begaben uns als erstes direkt zum Kid of Rap, Sierra Kidd, der vor einem beachtlichen Publikum bewies, dass emotionale, selbstreflexive Songs durchaus Festival tauglich sein können. So zog der Indipendenza-Künstler, der mit Live-Band und Joshimizu an den Start ging, die Besucher binnen kürzester Zeit in seinen Bann und spittete selbst die technisch anspruchsvollen Stellen äußerst souverän.

Direkt im Anschluss gab uns Olson einen umfassenden Einblick in sein kommendes Soloalbum Ballonherz. Dieses wird, unserem ersten Eindruck nach, deutlich melodischer als die vorrangegangen Werke des Neu-Berliners. Auch der Gesangsanteil scheint gestiegen zu sein. Inwiefern sich dieser Eindruck auf dem endgültig fertigen Produkt bestätigt, bleibt allerdings abzuwarten. Direkt danach erreichte uns die freudige Botschaft, dass der angekündigte Sturm an der Ferropolis vorbeigezogen war und so konnte auch der zweite Tag des Festivals unter besten Bedingungen stattfinden.

Gemeinsam mit gefühlt einer Milliarde feierwütiger Rapheads bewegten wir uns als nächstes zur idyllischen Samoa Stage, auf der sich SSIO die Ehre gab. Diese direkt am See gelegene Bühne und die nähere Umgebung platze vor Zuschauern aus allen Nähten, sodass das komplette umliegende Gelände unter den Füßen springender Festivalbesucher verschwand. Als Überraschungsgast hatte SSIO Schwesta Ewa im Gepäck die, die Samoa Stage aufs heftigste rasierte und das gesamte Publikum zum ausrasten brachte. Ein wahnsinnig krasser Auftritt der AON-Crew.

Für ein weiteres Highlight des Tages sorgte M.I.A., die mit Paperplanes genreübergreifend einen enormen Bekanntheitsgrad erlangt hatte, als sie völlig überraschend im Rahmen ihrer Show rund ein Dutzend Mädchen aus dem Publikum auf die Bühne holte und dort mit ihnen gemeinsam tanzte. Sicher ein Moment, den diese nie wieder vergessen werden. Man wird ja schließlich nicht jeden Tag vor tausenden von Menschen in die Show eines US-Stars eingebunden.

 

Was beim wohl beeindrucktesten splash!-Auftritt dieses Jahr abging, erfährst du auf der nächsten Seite.

Dann war es endlich soweit: Die Kannibalen in Zivil gaben sich die Ehre. Zuvor hatten schon tausende Menschen während des Auftritts von M.I.A. die Jungs mit Sprechchören gefordert und sich schon mal "warm gepogt".  Dass dieser splash!-Auftritt für die Klosterschüler im Zöllibat alles andere als ein weiterer Gig war, zeigten sie direkt in der Ouvertüre des selbigen. So inszenierten sie sich auf turmhohen Podesten neben, beziehungsweise vor der Bühne, als gottgleiche Geschöpfe, die von den untenstehenden Menschen angewidert zu sein schienen. Den passenden Track hatten sie scheinbar extra für diesen Moment unter Verschluss gehalten. Gewohnt kompromisslos wurde hier der dritte Weltkrieg gefordert, Maxim zum weißen Jesus erklärt und die in Schubladen denkenden Journalisten durch den Kakao gezogen. Anschließend erschien DJ Craft auf der Bühne, der sich ein riesiges leuchtendes Auge an den Kopf geschnallt hatte, während die Leinwand im Hintergrund eine Pyramide zeigt. So inszenierte sich der DJ als Symbol der Illuminaten. Was für ein bombastischer Auftakt.

Was nach diesem folgte, war Abriss vom Allerfeinsten. Im Publikum brachen währenddessen kriegsähnliche Zustände aus, da hier von der ersten bis zur letzten Minute exzessiv gepogt wurde. Immer wieder schwappten tausende Menschen wie Wellen ineinander während K.I.Z. sämtliche Klassiker ihrer umfangreichen Diskographie zum Besten gaben und sich auch einen kleinen Seitenhieb in Richtung ihres Entdeckers Marcus Staiger nicht verkneifen konnten. Auch Rauchbomben und bengalische Fackeln trugen zu einer einzigartigen Atmosphäre bei. Dass sowohl Pogen als auch das Abrennen von Feuerwerkskörpern eigentlich per AGB des Veranstalters untersagt waren, juckte eigentlich niemanden so richtig.

Das Highlight der Show, hatten sich die Jungs für den Schluss aufgespart. So nutzen sie den splash!-Auftritt um gemeinsam mit ihren Fans das zehnjährige Jubiläum des Songs Hurensohn zu feiern. Extra dafür holte sich die Band einen Gospelchor auf die Bühne, welcher im Stile eines Lobgesanges die zum Tode führende Penetration der Mutter des fiktiven Gegenübers besang. Auch Tarek zeigt hier nochmal, dass er nicht nur ein großartiger Rapper sondern auch ein begnadeter Sänger ist.

Dieser splash!-Moment bezeichnete das Ende des zweiten Tages und wir sind gespannt, welche Überraschungen uns der morgige Tag bereit hält.

 

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Haftbefehl, RIN, Sierra Kidd, Kelvyn Colt, Rola & mehr im Deutschrap-Update

Haftbefehl, RIN, Sierra Kidd, Kelvyn Colt, Rola & mehr im Deutschrap-Update

Von HHRedaktion am 05.06.2020 - 17:34

Bevor der Sommer so richtig losgeht, liefert Deutschrap an diesem Freitag einen ziemlich diversen Soundtrack fürs Wochenende. Neben hartem Straßensound von einem Offenbacher Cho, der sein Album letztendlich zu einer eher ungewöhnlichen Jahreszeit droppt, stehen tief emotionale Nummern und auch der eine oder andere humorige Track parat.

Zuna ist diese Woche das Cover vergönnt. Der KMN-Member holt für seine Comeback-Single als Solokünstler einen Starstürmer von Real Madrid als Referenz heran. "Benzema" heißt der Track, der deutlich macht, dass der Dresdner nach poppigen Ausflügen mit Loredana weiterhin kompromisslosen Straßenrap beherrscht.

RIN, Haftbefehl, Kelvyn Colt, Sierra Kidd & mehr mit neuen Songs

Mit "Das Weisse Album" hat Haftbefehl wohl eines der sehnlichst erwarteten Releases der letzten Jahre veröffentlicht. Wer derart lange auf sich warten lässt, wandert gleich doppelt in die Playlist. Wir haben Baba Hafts neue Kollabo mit Shindy ("KMDF") sowie "Trapking" mit Ufo361 in die Rotation aufgenommen. Die "Hollywood-Tony-Montanas" bekommen dabei die eine oder andere Breitseite verpasst.

RIN "kam rein ohne Bändchen" und fährt an diesem Freitag "Das Rennen". Für den Roadtrip hat der King of Ljubav wieder einen bunten Blumenstrauß an popkulturellen Anspielungen mitgenommen. Ebenfalls auf der neuen Wave surft Data Luv. Der Schüler aus Berlin dürfte langsam einen Legendenstatus auf dem Pausenhof annehmen. Für seinen neuen Song hat er sich nämlich niemand geringeren als Trippie Redd geklärt. Auf "Louboutin" cruisen beide entspannt über den Beat.

Hörbar Spaß hatten auch Summer Cem, KC Rebell und Luciano beim Song "Valla nein!". Der Hörerschaft erzählen sie auf amüsante Weise, auf was sie so alles keinen Bock haben. Kelvyn Colt ist nicht mehr beim Major und spielt auf seinem Song "4 Am | Mein Block" befreit auf. Für ihn gehört ein ständiger Wechsel zwischen der englischen und deutschen Sprache dazu – also liefert er auf seiner Single genau diesen Mix. Grüße gehen dabei an einen gut bekannten ehemaligen Bewohner des Märkischen Viertels raus.

Ernstere Töne schlägt Sierra Kidd an. Als weiteren Vorgeschmack auf sein Album "600 Tage" schickt er die Single "Gott" ins Rennen. Kidd macht sich emotional nackt und beschreibt seine vergangenen Lebensjahre, in denen er mit Ängsten und psychischen Problemen zu kämpfen hatte. Rola verzichtet genauso auf eine Humorebene und liefert gefühlvollen RnB. Die Sängerin führt auf "Ich mach alles" an, was sie in Bewegung setzt, wenn sie verliebt ist.

Ebenfalls frisch in der Groove Attack dabei: Snipe, Lafa, Abija, Omar, Marvin Game, Erabi, Kuchenmann und viele mehr. Hier kannst du die Playlist abonnieren!


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