Sound Matching – Kann bald jeder Beats produzieren?

Auf der diesjährigen Beatcon stellten nicht nur zahlreiche namhafte Producer und Mixing Engineers ihre Fähigkeiten zur Schau. Es waren auch viele große Musik-Software-Entwickler und Audio-Hardware-Hersteller vor Ort, um ihre neuesten Produkte vorzustellen. Neben Vertretern von großen Firmen wie Genelec, Izotope und Universal Audio mischten sich auch kleinere Gewerbetreibende unter das Produzentenvolk.

Einer dieser Unternehmer ist Karim Bhorania. Seine Vision: die Demokratisierung der Musikproduktion. Mit seiner Idee will er die Produktion von Musik von Grund auf revolutionieren. Er richtet sich damit nicht nur an etablierte Producer, Sound Engineers, DJs und Artists, die verzweifelt das letzte fehlende Element für ihren Beat, Mix oder Track suchen. Auch Musikinteressierte und Hobbyproduzenten sollen zukünftig in der Lage sein, spielend einfach stabile Musik zu produzieren. Nur wie soll das funktionieren?

Jamahook – Find, match, compose sounds

Die Lösung ist ein Sound-Matching-Algorithmus. Sobald der Algorithmus eine hochgeladene Audiodatei erfasst, spuckt er dazu passende Sounds und Loops aus – seien es fette Drum Loops, ein paar Synth Chords für den Hintergrund oder die Lead-Stimme, die dem Track den finalen Schliff verpasst. Da der Algorithmus sogar Tempo, Tonart und Harmonien erkennt, sind für das Sound Matching keine Metadaten vonnöten.

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Das Projekt wurde bereits 2013 ins Leben gerufen und firmiert seit 2015 unter dem Namen Jamahook. Mit seinem Tech-Partner Fraunhofer IDMT bringt das Schweizer Unternehmen in naher Zukunft nicht nur einen Algorithmus zur Sound-Abgleichung auf den Markt, sondern will eine ganze Plattform für Content Creation, Promotion, Austausch und Verkauf bieten. Jamahook soll bald für jeden Musikliebhaber bequem als Web-Plattform und App verfügbar sein, Profis können es als VST Plug-in direkt in ihrer DAW (Digital Audio Workstation) nutzen. Wie das in etwa aussehen wird, seht ihr anhand des Prototypen im Video:

Jamahook Sound Assistant Test Video

This is "Jamahook Sound Assistant Test Video" by DeinHiphop on Vimeo, the home for high quality videos and the people who love them.

Aktuell stehen die Entwickler des Dienstes in Kontakt mit Software-Firmen und Loop-Herstellern, um das Angebot zu erweitern. Bisher stammen die Sound Matches von Loopmasters und Puremagnetik, bald werden aber auch private Nutzer und Content Partner Sounds besteuern. In Kürze wird Jamahook bereits als Plug-in auf Plugin Boutique verfügbar sein. Wer nun Blut geleckt hat, kann sich Nutzung von Jamahook aus der Sicht eines Profis und aus der eines Neulings hier genauer zu Gemüte führen:

Jamahook - How to create a jam in 2 minutes

Sound finds Sounds ! Jamahook - The Sound Playground is the smartest loop library in the world. In this example jam Karim chooses an arpeggio synth loop as a reference track and creates a hot jam in 2 minutes with a brass and drum sound.

Jamahook - How to complete your music production

Sound finds Sounds - Welcome to Jamahook, The Sound Playground ! In this example, Karim shows you how to find the perfect matching sound to your ongoing music productions in 2 minutes. Sign up now: https://www.jamahook.com For questions or inquiries please contact us at support@jamahook.com

Kritik

Was jedoch bedeutet das für die Ästhetik unseres geliebten Hiphop? Ist die Zukunft wirklich ein vom Algorithmus errechneter Sound, an dem nicht mehr das Blut, der Schweiß und die Tränen eines hartarbeitenden Produzenten haften? An dem stundenlang getüftelt wurde und von dem es zig Versionen gibt, weil Ideen an einem Tag legendär klangen und am nächsten verworfen wurden? Mein Gefühl sagt mir, dass eine Maschine und ihre Rechenprozesse das geübte Ohr und die Intuition eines passionierten Musikers nicht ersetzen können. Und das werden sie auch sicher nicht. Es wird mit Sicherheit nicht jeder aus dem Nichts amtliche Tracks auf die Beine stellen können, auch nicht mit einer solchen Software. Dennoch klingt das Projekt nach einer sinnvollen und hilfreichen Ergänzung, wenn der letzte Feinschliff sich einfach nicht einstellen will. Auch für eine erste Orientierung als Neuling dürfte der Service nützlich sein. Im Mixing und Mastering ist der algorithmische Abgleich – wie zum Beispiel durch Izotope Ozone – übrigens schon länger gang und gäbe.

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Wie Dieter Bohlen Jumpas "Cherry Lady"-Remake "eiskalt" nachgebaut hat

Wie Dieter Bohlen Jumpas "Cherry Lady"-Remake "eiskalt" nachgebaut hat

Von Michael Rubach am 19.05.2021 - 13:41

Producer Special bei Apple Musics HYPED Radio: Aria Nejati begrüßt Jumpa zum Interview. Der in Berlin ansässige Produzent droppte allein in den letzten Wochen Singles mit Artists wie Samra, Zuna oder badmómzjay. Im Talk (hier anhören) spricht er nun über seine ersten musikalischen Gehversuche, den Auslöser für seine Deutschrap-Faszination und über Dieter Bohlens wilde Moves im Nachgang von Capital Bras Cover-Version von "Cherry Lady".

Remake vom Cover: Dieter Bohlen baut "Cherry Lady" im Jumpa-Style

Obwohl Jumpa erst 25 ist, produziert er seit zehn Jahren für Künstler*innen im Deutschrapkosmos. So hat er auf Fards Album "Invictus" 2011 bereits zwei Beats platzieren können. Jumpa-Produktionen finden bundesweit in der Szene Anklang. Vom "Outro" auf Farid Bangs "Asphalt Massaker 3" bis zu "High Life" auf dem "Sampler 4" der 187 Strassenbande – Jumpa, make it jump. Kein Wunder, dass sich auf seiner kommenden EP "Make It Jump" unter anderem Zuna, Samra, badmómzjay und Vega tummeln. Der Beat zur Auftaktsingle von badmómzjays Debütalbum "badmómz." geht ebenfalls auf das Konto von Jumpa.

Auch mit Capital Bra hat er schon für verschiedene Songs zusammengearbeitet. Das von Jumpa produzierte Cover von "Cherry Lady" ist inzwischen Platin gegangen. Davon dürfte jedoch vor allem Dieter Bohlen profitieren. Der Pop-Titan hält laut Jumpa die gesamten GEMA-Rechte. Ebenso hat der Modern Talking-Gründer offenbar ganz genau hingeschaut, wie heutzutage Musik entsteht. Die Inspiration für ein weiteres Dieter Bohlen-Remake des Songs liegt für Jumpa auf der Hand.

"Ich hab auch mal mit ihm telefoniert. Ich hab, glaube ich, ein zwölftel Aufführungsrecht. Es ist ein Witz einfach. Viel krasser ist aber, dass Dieter dann irgendwann noch einmal eine eigene 'Cherry Lady'-Version releast hat und meinen Beat eins zu eins nachgebaut hat. Und ich da auch nix machen konnte, weil er die GEMA hat. Er hat eins zu eins meine Chord Progression nachgebaut. Eiskalt."

Jumpa über seine Anfänge als Producer & den Weg zum musikalischen Gehör

Wie ist Jumpa überhaupt dorthin gelangt, dass er es mit Kalibern wie Dieter Bohlen zu tun bekommt? Er hat früher zur Übung mit dem Nachbauen von Instrumentals begonnen. Als er mit dem Beatmaking anfing, sei er noch "komplett unmusikalisch" gewesen. Seine persönliche Deutschrapinitialzündung fand bei ihm mit Sido und "Fuffies im Club" statt. Dann folgte ein Ratschlag seiner Mutter und YouTube-Tutorials.

"Dann habe ich irgendwann Beats nachgebaut, weil meine Mom ist eine Sängerin gewesen früher [...]. Die hat ein sehr gutes Gehör. Die hat dann irgendwann einmal den simplen Satz zu mir gesagt, der mir sehr viel gebracht. Und zwar einfach so: 'Versuch nicht nur, die Musik zu konsumieren, sondern versuch mal den Song in deinem Kopf auseinanderzunehmen. Welche Instrumente sind in dem Song drin, wie bewegen die sich, wie spielen die und so weiter?' Seit dem kann ich auch nicht mehr normal Musik, hören. [...] Ich guck immer so: Wie spielt er Synthy? Welche Noten sind das ungefähr? Wie hat er das gemacht? Wie hat er den Sound hinbekommen? Dadurch hab ich am Anfang immer bei YouTube-Tutorials, die Beats, die da gebaut haben, einfach nachgebaut – als ich zwölf, dreizehn war. [...] Da hab ich die Noten nachgeklickt und dann hab ich irgendwann ein Verständnis bekommen. [...] Dadurch hab ich bin bisschen autodidaktisch mein musikalisches Gehör bekommen."

Die komplette Folge HYPED Radio kannst du hier hören:

Producer Special: JUMPA auf Apple Music

Geh mit Musik auf Entdeckungsreise. Hör dir Producer Special: JUMPA - einen Streaming-Radiosender - auf Apple Music an.


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