Hiphop.de Awards 2024 powered by Citroën
Das vergangene Jahr hat gezeigt, dass das Format Album auch im Streaming-Zeitalter weiterhin viel zu bieten hat. Bei den Hiphop.de Awards 2024 powered by Citroën heben wir Werke aus dem Deutschrap-Kosmos besonders hervor. Hier gibt es eine Übersicht zu allen Platten, die den Award für "Bestes Album National" abräumen können.
Hiphop.de Awards 2024 powered by Citroën: Diese Alben können gewinnen
Wie in den letzten Jahren stehen insgesamt 20 Releases für das Album des Jahres zum Voting bereit. Die Reihenfolge hat hinsichtlich der Qualität keine Aussagekraft. Wie die Regeln für die Nominierung aussehen und wie die Auswahl letztlich zustande gekommen ist, könnt ihr hier checken (direkt zum Voting kommt ihr hier).
Pashanim – 2000
Pashanim wird auf seinem Debütalbum nostalgisch. Es geht zurück zur Jahrtausendwende, in sein Geburtsjahr "2000". Die Ästhetik, die Codes, die Gimmicks – der Kreuzberger schöpft aus seiner Kindheit und koppelt das mit gegenwärtiger Ticker-Romantik. Vorwiegend zusammen mit den Produktionen von Stickle und Ambezza gelingt es so, den Charakter Pashanim nahbarer zu gestalten.
Sein Debüt zieht Pasha zum "Mittelmeer". Die drei Fragezeichen laufen, der Wagen wird ohne Führerschein über die Berge gelenkt. Wenn das Sample von "Sonnenbank-Flavour" reinkommt, kicken auch bei der älteren Generation verloren geglaubte Gefühle. Italien steht generell hoch im Kurs: Auch "Florenz" ist so ein Sehnsuchtsort auf "2000". Und als on top eine Nachricht an die Besitzerin eines Nokia3310 rausgeht, muss sogar der Hustle vor den heimischen Hauseingängen kurz hinten anstehen.
OG Keemo – Fieber
Schon 2017 war das beste Rapalbum ein Mixtape. Das könnte ebenso für 2024 gelten. Jedes Projekt von OG Keemo und Funkvater Frank macht schließlich eine eigene Welt auf. Das ist auch bei "Fieber" nicht anders. Das breitet sich Anfang des Jahres so sehr aus, dass das Tape sogar auf Platz eins in den Charts landet. Mit "Bee Gees" samt Levin Liam-Feature gibt es den vielleicht hittigsten Keemo-Song aller Zeiten. Abseits davon: jede Menge straighter Rap aus dem Süden von einem, der wie kaum ein Zweiter sein Handwerk beherrscht. Keemo und Funkvater Frank holen sich den Bag und feiern sich zu Recht dafür.
Apsilon – Haut wie Pelz
Noch ein junger Berliner mit seinem Debütalbum: Apsilons "Haut wie Pelz" erzählt aus einer migrantischen Perspektive von Deutschland und dem Leben in der Großstadt. Nur macht Apsilon keinen klassischen Straßenrap, sondern bringt einen anderen Ansatz mit. Mal in Balladen-Form, mal poppig, mal durchaus aggressiv verarbeitet der Moabiter Rassismuserfahrungen, Traumata und auch ein Gefühl der Ohnmacht. Das ist unbequem. In Apsilons Welt sind Wut, Verletzlichkeit und Zweifel zu Hause. "Haut wie Pelz" wird so zu einem auch immer wieder ergreifenden Zeitdokument. Der 27-Jährige hat es zusammen mit seinem Bruder Amar, Ralph Heidel und Bazzazian auf die Beine gestellt. Ein Album, das auch vor dem Hintergrund der politischen Verhältnisse weit über 2024 hinausragt.
K.I.Z – Görlitzer Park
K.I.Z lassen wie schon zu "Hurra die Welt geht unter"-Zeiten die menschenverachtende Untergrundmusik eher außen vor. Stattdessen leuchten Tarek, Nico und Maxim auf dem Titeltrack das Treiben im "Görlitzer Park" aus. 2024 bietet nicht den Raum für den Krawall eines Durch-Die-Tür-Gehers. Das Trio verarbeitet vielmehr beschissene Sommer, die eigene Hiphop-Sozialisation und lenkt den Blick auf strukturelle gesellschaftliche Probleme. Flankiert wird das Projekt von einer Art Video-Installation. Ein Großprojekt für die großen Themen. Der Spaß kommt aber dennoch nicht zu kurz: Die überdrehten und unvernünftigen Takes laden die K.I.Z-Jungs auf dem Zweitalbum ab.
Bazzazian – 100Angst
"100Angst" merkt man die Liebe für das Albumformat an. Trotz so vieler unterschiedlicher Artists schafft es Producer-OG Bazzazian ein stimmiges Gesamtwerk zu kreieren, auf dem es schier unendlich viel zu entdecken gibt. "100Angst" ist mit all seinen Layers und Nuancen keine Musik, die nebenher läuft, sondern Kunst, der man sich widmen muss. Wer sich darauf einlässt, wird immer wieder aufs Neue belohnt. Bazzazian kitzelt den wohl roughesten Symba ever hervor, fusioniert mit Souly und baut eine brachiale Sound-Rampe für den Brutalismus 3000-Wahnsinn. Und wer ganz genau hinhört, der bemerkt, dass das vermeintlich fehlende Puzzlestück Haftbefehl ja doch auf dem Album vertreten ist.
Ski Aggu – Wilmersdorfs Kind
Ski Aggu ist "Wilmersdorfs Kind". Der Skibrillen-Träger vertritt dabei ein hippes und weltoffenes Berlin. Der junge Atze lässt sich auch 2024 nicht beirren und macht Rave-Sound für alle, die sich in den Pandemie-Jahren nicht austoben durften. Konsequent, dass es hin und wieder auch "Zornig" Richtung Rage geht. So einige der Atzen wollen natzen und zu Produktionen von Barré, Berky und Dauner das Leben spüren. Aber auch der Ernst hält manchmal Einzug in diesen Kosmos. Auf "abgelenkt" schiebt er dem Ganzen gerade noch einen Riegel vor, bevor es neben all den Wortspielen noch "unnötig deep" zu werden droht. Dann ist es Aggu zudem selbst, der fragt, wer ihn eigentlich "Auf Ernst" hört. Die Antwort liegt im nächsten Moshpit.
Paula Hartmann – kleine Feuer
Paula Hartmann legt auf ihrem zweiten Album viele "kleine Feuer". Das Leben in Berlin ist hier noch düsterer als auf ihrem Erstling "Nie verliebt". Es dominieren 808s und der Drang, nichts mehr fühlen zu wollen. Dazu rasen Luciano-like "Schwarze SUVs" durch die Nacht. Ein Abgesang auf die Liebe, der von der 23-Jährigen zusammen mit Biztram ausgetüftelt wurde. Im Liegen hat Paula Hartmann ihr Album laut eigenen Angaben eingesungen. Auch Charlie Browns Hund "Snoopy" liegt meistens allein auf seiner Hütte. Er hat seinen Platz in der Welt gefunden. Der Berlinerin wünscht man, dass sie irgendwann den Weg nach Hause findet.
Bonez MC – Gameboy
Bonez MC spielt das Rapgame auch 2024 mit Spaß. Der 187er hat eigentlich alles erreicht, aber ist durch und durch "Gameboy" geblieben. Das ist seinem vierten Soloprojekt anzuhören. Der Hamburger Deutschrap-Leuchtturm macht, worauf er Lust hat. Ein Liebessong auf Hardcore-Autotune? Kein Problem, keine Hürde für Bonez. Der Road Runner schaut dabei auch schon ein gutes Stück nach vorne und geht sein Ableben an. Alte Weggefährten (Trettmann, Gzuz, LX) finden sich außerdem ein und sorgen dafür, dass man sich direkt heimisch fühlt. Auch Juju kommt noch auf frech vorbei. Vor allem Lucry und Suena sorgen mit ihren Produktionen für den verspielten Vibe der Platte.
Ufo361 – Nur für dich 2
Das Herz von Ufo361 liegt wieder in Trümmern. Das ferne Japan dient dem Berliner ein paar Jahren nach dem ersten Teil nun als Inspiration für "Nur für dich 2". Heartbreak hat sich wohl selten so hittig angehört. Nach dem radikalen "SONY" hat sich der Stay High-Boss für Lo-Fi Beats und deutlich mehr Zugänglichkeit entschieden. Dabei geht es wehmütig und schmerzerfüllt zu. Ufo umarmt die Herbst-Melancholie mit großen (und teilweise bekannten) Melodien. Diese fällt es ähnlich schwer zu vergessen, wie die letzte große Liebe. Ach Ufo, ach.
Souly – Bossbaby Tape
Wenn sogar SodaStream beleidigt wird, dann ist klar: Das f*ckin Bossbaby ist am Start! Und das geht quasi permanent hart ohne Grund. Mal kommt Souly wie A$AP Rocky auf Clams Casino Type Beats ("Sterne nehmen"), mal mit purer Freude an einem durchgezogenen Reim ("Bundeswehr"). Stoopid Lou und Waterboutus liefern auf Producer-Ebene die Grundlage für Soulys wilden Mix, der sich permanent größer als Deutschrap anfühlt. "Freiheit ist ein hohes Gut" – das ist auf dem "Bossbaby Tape" einfach nur ein straighter Fact!
Ein riesengroßes Dankeschön geht an unseren Hauptsponsor Citroën raus! Der ermöglicht es uns, unter allen Teilnehmern ein Auto zu verlosen: den neuen Citroën ë-C3. Wenn ihr ein halbes Jahr und inklusive 10.000 Kilometern zu 100 % elektrisch durch die City gleiten wollt, dann müsst ihr nicht mehr machen, als einfach beim Voting eure Stimme abzugeben. (Teilnahmebedingungen gelten)
Kombinierte Werte gem. WLTP: Citroën ë-C3 (44kWh Batterie) Elektromotor 113 mit 83 kW (113 PS): Energieverbrauch 17,1 - 17,4 kWh/100 km; CO₂-Emission 0 g/km; CO₂-Klasse: A
Luciano – Seductive
Luciano verführt längst eine Hörerschaft, die sich nicht mehr auf den deutschsprachigen Raum begrenzen lässt. Der Loco ballt seit einiger Zeit auf internationalem Level. "Seductive" manifestiert diesen Status samt Features aus allen Herren Länder. Da muss eher darauf hingewiesen werden, wenn hier mal "2 Germans" die Bude auseinandernehmen. Producer DLS hat bei Lucianos siebtem Studioalbum überwiegend seine Finger im Spiel.
Kolja Goldstein – Interpol
Kolja Goldstein hat es in den letzten Jahren geschafft, die Gangsterrap-Schiene in Deutschland noch einmal neu zu bespielen. Wie er Taten, Orte und Namen zu einem technisch hochwertigen und zugleich (schwer-)kriminellen Epos verbindet, sucht seinesgleichen. Die Goldsteinsche Erzählung wirkt derart mächtig, weil die Geschichten in die Realität hineinreichen könnten. Und zwar so sehr, dass man es als Hörer manchmal mit der Angst bekommt. Solche Storys liefert der Rapper inzwischen nicht mehr aus den Niederlanden, sondern von außerhalb der EU. "Interpol" soll es schließlich auf ihn abgesehen haben. Kavo hat eine Vielzahl der Einblicke in die Unterwelt produziert.
Celo & Abdi – Duo Numero Uno
Deutschraps "Duo Numero Uno" fügt seiner Legacy 2024 ein gleichnamiges Album hinzu. Das Zusammenspiel von Ché & A ist seit ihrem Kickstart mit dem "Mietwagentape" (2011) unmatched. Auch weit über ein Jahrzehnt später gibt es "La Haine Rap" für alle, die es fühlen, wenn zwischen Hochhaus-Blocks und Bankgebäuden Schnnapp gemacht wird. Celo & Abdi bereichern den Wortschatz und die Deutschraplandschaft so leichtfüßig wie Lamine Yamal das Offensivspiel des FC Barcelona. Der legendäre M3 hat hier einen Großteil produziert.
Symba – Liebe & Hass
Anders als sein Playboysmafia-Kollege Pashanim legt Symba mit "Liebe & Hass" bereits sein zweites Album vor. Der König mit aufblasbarer Krone schlägt dabei unter anderem sein "Tagebuch" auf. Darin: Zukunftsangst, Trauer um verstorbene Homies und Gebete, dass es irgendwann besser sein wird. Symba behält seinen unverkennbaren Stil bei und lässt auch neue Aspekte zu – Features zum Beispiel. Pashanim und Makko stehen für "Liebe & Hass" parat. Bekannte Namen wie Bazzazian und Stickle haben hier produziert. Sobald es weniger introspektiv ausfällt, rückt dieses etwas andere Trap-Life in den Vordergrund. Die "Wilden Kerle" bekommen einen Spot und Symba passt weiterhin in keine Schablone. Brr.
Kollegah – Still King
Kollegah fährt dieses Jahr zum angeblich letzten Mal groß auf. Das Ende der Rapkarriere soll demzufolge möglichst bosshaft ausfallen. Der Weltmonarch will im Rahmen von "Still King" noch einmal allen vorführen, was auf Deutschrap-Ebene alles über Jahrzehnte hinweg von ihm revolutioniert wurde. Für das "Magnum Opus" schlendert König Felix Martin Andreas Matthias Blume vorrangig über Johnny Illstrument-Produktionen. Selfmade-Herzen schlagen höher, da die Single "Blessed" mit einem überraschend verständlichen Favorite-Part gesegnet wird. Wie final dieser mutmaßliche Schlussstrich wirklich ist? Am Ende wissen die Alphas ja eh: Es ist wie Spiegel ...
Vega – Wieso sie Stürme nach Menschen benennen
Vegas Alben haben immer schon diese epische Note gehabt. "Wieso sie Stürme nach Menschen benennen" steht dem in nichts nach und wirkt wie eine Trauma-Therapie. Der Druck auf der Brust von V entwickelt sich zur fast unüberwindbaren Last. Beim einleitenden Titeltrack weiß man schon gar nicht mehr, wie oft ein Kloß im Hals stecken bleiben kann. Das raue Frankfurt schimmert hier keineswegs nur hindurch, es legt sich bedrohlich wie ein Schatten über die 14 Tracks. Schnell ist die Hörerschaft dort, wo Cracksteine zum Kurs von Trendgetränken den Besitzer wechseln. Den musikalischen Orkan hat hauptsächlich Produzent Efe heraufbeschworen.
Summer Cem – Siki Jackson
Summer Cem hat mit "Endstufe" schon einmal bewiesen, dass er den Hiphop.de Award in der Albumkategorie eintüten kann. Der Killa und Chief hat sich in seiner langen Karriere nie abhängen lassen. Stattdessen zieht der Kopf der Scorpion Gang einfach sein eigenes Atlanta hoch. Unter anderem sein Team um Geenaro und Ghana Beats und lässt Summer auf "Siki Jackson" so fresh wie einen Newcomer erscheinen. Der NRW-Humor, der Flow – alles Top-Level. Die Kontakte im In- und Ausland sind sowieso bestens. Summer flext auch nach Jahren im Game immer noch so hard. Wem muss er eigentlich irgendwas beweisen?
Gzuz – Freitag der 13.
Gzuz bringt ein weiteres Release aus dem Hause 187, das es in die Auswahl zum Album des Jahres geschafft hat. Gazo lässt hier sogar mal ein paar persönliche Zeilen zwischen "Fast Life & Schlagzeilen" zu. Es ist nämlich gar nicht so erstrebenswert, seine Kinder nicht seh'n zu können, weil der Knast es nicht zulässt. Ansonsten kommt der The Cratez-Sound drückend und "Frisch aus der Trap". Auf Gzuz' fünftem Soloalbum "Freitag der 13." scheppert es für alle Feierwütigen aus dem "G Wagon". Und wer es nicht längst beim Hören geahnt hat: "So riecht Freiheit, Baby!" Auch auf der Platte und zuletzt eine absolute Rarität im Deutschrap-Kosmos: SSIO.
GERDA – Believe in Gerda
Noch ein Album, welches das Producing-Game ins Spotlight rückt. Das Kollektiv GERDA kommt Mitte März 2024 aus dem Nichts und gelingt ein Homerun. The Krauts (bekannt vor allem durch die Produktionen für Marteria) sowie drei Musiker von Seeed stehen hinter dem Gespann. Der Albumtitel "Believe in Gerda" wirbt um Vertrauen. Wer sich überzeugen lässt, bekommt eine großartige Rap-Platte voller Beats, die an US-Vorbilder um das Griselda-Camp erinnern. Auch halb Deutschrap sieht diese Vision. Xatar, OG Keemo, Apsilson, Tom Hengst, LIZ, Marteria und viele mehr schauen für das Happening vorbei – sie alle sind im Glauben an GERDA vereint. Fehlt eigentlich nur noch Westside Gunn und ein bisschen Boom boom boom boom boom boom boom boom boom boom.
Boondawg – KULT
Kein Palaver, sondern Klartext: Boondawg geht mit seinem Tape über Grenzen hinaus und erklärt direkt: "[...] das ist keine Musik, das ist keine Kunst, das ist KULT". Das Independent-Projekt glänzt dabei mit Facetten-Reichtum und Liebe für die Kultur. Der Düsseldorfer Newcomer hat Biggie, Missy, Nas und Co. studiert, um letztlich sein ganz eigenes Rap-Ding hochzuziehen. A$AP Rocky-Flavour trifft NRW-Repräsentation. Sowohl angriffslustig als auch mit Bock auf Gesangseinlagen erhöht Boondawg Track für Track den "KULT"-Faktor. Die Waterboutus-Boys liefern vornehmlich die Instrumentals.