Rappende Postboten, ein Trettman-Homie & mehr: Das sind die Schweizer Acts des Openair Frauenfeld 2018

Eminem, die Migos, Haftbefehl, J. Cole, Lil Uzi Vert, Skepta, Bausa oder Wiz Khalifa sind nur einige der Stars, die ab dem 5. Juli beim Openair Frauenfeld abreißen werden. Doch Eruopas größtes Hiphop-Festival hat natürlich auch einige Locals zu bieten. Acht Acts aus der Schweiz werden am Start sein. Wir stellen sie dir kurz vor.

Danitsa

Obwohl Danitsa erst 23 Jahre alt ist, gilt sie vielen als Hoffnung des Hiphops in der Schweiz. Auf ihrem Debütalbum "Ego", das Ende des vergangenen Jahres erschien, verbindet sie Hiphop-, Electro- und Soul-Klänge. Ihre aktuellste Videosingle gibt dir eine Kostprobe des Sounds, den es am Samstag ab 12:45 Uhr auf der Soul City Stage zu hören gibt.

EffE 

Als der Rapper aus Luzern vor Jahren merkte, dass seine Kunst nicht genug abwirft, suchte er sich einen weitaus bürgerlicheren Beruf: Postbote. Und nun ist er rappender Postbote - oder wie man in der Schweiz sagt: rappender Pöstler. Anfang des Jahres veröffentlichte er seine neue Platte "KPTN Hook Vol. 2". Auf der Single "Universum/Benzin" flowt EffE gemeinsam mit Pronto. Donnerstag 12:45 auf der Soul City Stage gibt es den Jungen live on stage.

Ali

Sein ersten Solo-Album "Erol" chartete auf Platz 5 der Schweizer Charts. In der Schweizer Rapszene hat der in Chur geborene Artist seit seiner 2013 erschienenen EP "Gokus letschti Willa" einen Namen. Der bekennende Manga-Fan spielt am Freitag um 12:45 auf der Soul City Stage. Vermutlich wird es dort auch den Titeltrack seiner aktuellen Platte zu hören geben. 

Knackeboul

"Asimetrie" heißt das neue Album des Multitalents aus Langenthal. Denn neben seiner Karriere als Rapper ist David Lukas Kohler - so heißt Knackeboul im richtigen Leben - wahlweise Beatboxer, Moderator, Entertainer oder YouTuber. Er war schon als TV-Moderator bei joiz tätig und ist aktuell Redakteur beim Nachrichtenportal watson.ch. Doch am 7. Juli ist er einfach nur Rapper und spielt direkt nach Kelvyn Colt auf der Soul City Stage. Um 15:15 Uhr solltest du am Start sein, um unter anderem seine neue Single "Embryonaustellig" zu hören.

Stereo Luchs

Trettmann-Fans werden den Namen ohnehin schon kennen, denn er war an der Produktion von "DIY" beteiligt. Den Track "Dumplin & Callaloo" produzierte der Züricher höchstselbst. Sogar einen Tretti x Stereo Luchs-Track gibt es. "Alles OK" ist bereits 2014 erschienen. Stereo Luchs Ende 2017 erschienene Platte heißt "Lince" und ist von ihm und KitschKrieg produziert. Wer KitschKrieg Sounds mit freshen Schweizer Lyrics hören möchte, der sollte Donnerstags um 15:15 Uhr an der Soul City Stage am Start sein.

Tommy x DEZ x CBN

Tommy Vercetti, Dezmond Dez und CBN bezeichnen viele als die Champions League des Schweizer Raps. "Kaspar Melchior Balthasar" heißt die im April erschienene Platte, auf der es gerappten Wortwitz in teily kryptischen Lyrics gibt. Ein Beispiel ist die Single "Nachschattegwächs" ist ein Beispiel. Freitag 14:00 Uhr Soul City Stage. Beim Entschlüsseln der Lyrics hilft genius.com.

Physical Shock

Physical Shock das sind die Rapper Xen, EAZ und Liba und ihr Produzent Lii. Im März 2017 gab es den Labelsampler der vier Jungs, der in der Schweizer Rapszene für ordentlich Furore sorgte. "Mozart" ist eine Videosingle des Samplers, die die vier Jungs sicher auch am Freitag ab 14:30 Uhr auf der North Stage des Openair Frauenfelds 2018 performen werden.

Lo & Leduc

Das Duo aus Bern macht seit 2009 - damals erschien ihr ersten Abum "Update 1.0" - in dieser Konstellation Musik. Der Durchbruch gelang so richtig 2014, als die beiden mit ihrem Album "Zucker fürs Volk" auf Platz 3 der Charts einstiegen. Im Februar folgte mit "Update 4.0" der vierte Teil ihrer 2009 begonnenen Serie. Der Track "Maradona" ist eine Auskoppkug der Platte. Die Jungs aus Bern sind am Samstag ab 15:35 Uhr auf der South Stage am Start.   

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Ein kleiner Moment Openair Frauenfeld 2020 trotz Corona

Ein kleiner Moment Openair Frauenfeld 2020 trotz Corona

Von Clark Senger am 15.07.2020 - 16:42

Die einen haben Rock Am Ring, die anderen das Summerjam, Wacken, Hurricane oder was auch immer. Für manchen Leser*innen dürfte es das Splash! sein. Für die Hiphop.de-Crew ist das Openair Frauenfeld jedes Jahr das Highlight der Festival-Saison. Im Summer of Coroni ist aber alles anders.

Es ist Donnerstag Nachmittag. Eigentlich würde grade Jamule oder ein ähnliches Kaliber die ersten Gäste auf das Gelände vor der riesigen Skyline Stage locken. Bei 29° und praller Sonne spielen ein paar unfair gut trainierte Dudes vorm SNIPES Store Basketball. Leute stehen Schlange für frisches Bier, das diesjährige Frauenfeld-Merch und kaltes Wasser aus den Zapfstationen, die überall über das Gelände verteilt sind. Endlich geht's wieder los!

Ich schlendere vorbei an Gruppen, die auf dem Boden sitzen und Joints durch die Runde wandern lassen. Ein Kerl sieht für diesen frühen Zeitpunkt des Tages und Festivals schon eindeutig zu rot aus. Ein anderer ext das zweite 0,5er Piwo in Folge. Für beide wird es morgen ein böses Erwachen geben.

Während meine Kollegen entweder ausgeschwärmt sind, um Interviews mit Fans für unsere Insta Story zu machen oder ihre Laptops aufbauen, um News und Artikel übers Festival zu schreiben, bilde ich mir ein, mein Eröffnungsspaziergang sei Vorbereitung auf "Release Friday". Dann erschüttern aus den Boxen eines Standes diese gefährlichen 808 Slides den Boden, die man aktuell jeden Freitag bei einem neuen Rapper hört.

"She like the way that I dance, she like the way that I move" – 2018 stand XXXTentacion wenige Wochen nach seinem Tod im Fokus vieler DJs und Artists beim Frauenfeld, dieses Jahr werden Pop Smokes und Juice WRLDs Geister über vielen Sets und Moshpits schweben. Pop Smoke wäre sogar leibhaftig hier gewesen, sein Slot war für Freitag geplant und wie gemacht für einen dieser legendären Abrisse in der La Fabrik Area.

Ein Blick in die OAF App: Vor A$AP Rocky und seinem Homie Ferg sind gleich noch DaBaby, Royce Da 5'9'' und Saint JHN am Start, die ich aus unterschiedlichen Gründen sehen möchte. Generell hat das wie gewohnt prominente Lineup 2020 einige Volltreffer für mich parat. Kendrick Lamar, Meek Mill, Apache 207, die Earthgang, Ski Mask The Slump God, Rico Nasty, IDK und Maxo Kream – alle kenne ich mehr oder weniger gut von Spotify, aber noch nicht in natura. Das will korrigiert werden.

Besonders gespannt dürfte nicht nur ich auf das Konzert von PNL sein. Die französischen Gebrüder Andrieu schaffen es, dass selbst fünf Jahre nach ihrem Debütalbum "Le Monde Chico" noch ein mysteriöser Schleier über ihrem Schaffen hängt. "Deux frères" war 2019 eins der besten Alben, auch wenn ich kein Wort verstanden habe.

Ihr legendäres Bühnenbild, das RAF und Bonez inspiriert haben dürfte, werden sie wohl kaum mitgebracht haben. Ich frage mich trotzdem, wie die riesige Bühne bei den beiden Perfektionisten aussehen wird. Und wie geben sie sich im Backstage? Kommen sie mit einer Armee an Securitys oder ist die Devise eher Understatement? Vermutlich werden sie – wie Busta Rhymes damals beim Out4Fame in Hünxe – mit dem Auto direkt an die Bühne gebracht und sind dann so schnell wieder weg, wie sie gekommen sind.

Dass außerdem die Kölner Homeboys Lugatti & 9ine dieses Wochenende auf Europas größtem Rapfestival auftreten, fühlt sich fast wie ein persönlicher Sieg an. Der Weg von wilden Gigs im Kölner AZ oder im Grüngürtel bei Yelms Bday Bash bis hin zum millimetergenau geplanten Openair hier in der Schweiz war lang, der heutige Spot der beiden ist mehr als verdient.

Als ich mir grade im Kopf ein paar Smalltalk-Fragen zurechtlege, mit denen man in ein Festival-Interview einsteigen könnte, reißt mich ein Anruf aus den Gedanken. Toxik. Aria soll einen Ami interviewen und unserem Backstage-Team fehlt jemand für den Ton. Jetzt!

Erst widerwillig trabend, dann immer schneller manövriere ich mich an sehr vielen sehr schönen Menschen vorbei und fühle mich wie Ezio Auditore. Ohne die Waffen, versteht sich. Ausweichen, beschleunigen, abbremsen, Kopftuch nass machen, wieder beschleunigen, Backstage-Pass für die Securitys aus dem Hemd friemeln, freundlich lächeln, aber nicht anhalten.

Diese sportlichen Einlagen gehören genauso zum Frauenfeld wie die Suche nach jemandem, der die Rückfahrt zum Hotel übernehmen kann. Für andere Leute gibt es andere Momente, in denen die monatelange Vorfreude zur Gewissheit wird, endlich wieder angekommen zu sein: Zum Beispiel das erste Bier nach dem Zeltaufbau.

Für die Besucher bedeutet so ein Festival: Drei Tage Urlaub, die vor einem liegen und sowohl schnell vergessene als auch unvergessliche Momente mit sich bringen werden. Neue Menschen, die man kennenlernt. Neue Künstler, die man entdeckt. Diese Vorfreude auf den beginnenden Trip in eine andere Welt – und da lasse ich gerne mit mir diskutieren – ist der beste Moment auf so einem Festival.

Am portablen Nachbau des Tischs aus unserem Büro sitzt Aria neben einem Kerl, der mit (vermutlich teurer) Sonnenbrille auf der Nase und Dior-Seidentuch auf dem Kopf in sein Handy guckt. Zwei Securitys, die breiter als hoch sind, lassen die Umgebung ihres Schützlings nicht aus den Augen.

"You're the audio guy, right?", sagt die unverwechselbare Stimme unter dem Seidentuch, die ich grade noch irgendwo gehört habe. Seinem mäßig überzeugenden "Let's go" lässt er schnell ein aufrichtiges "Woo!" folgen, mit dem er sich motiviert und mich aus meinem Gedankekonstrukt reißt.

Das passt nicht. Der Mann ist eigentlich tot und eigentlich sollten die Leute auf dem Gelände auch gar nicht so eng aneinander stehen.

Diesen Sommer versuchen wir vergeblich, etwas zu ersetzen, das man sich nicht so einfach mit einem Artikel herbeischreiben kann. Uns fehlen die Festivals, den Festivals fehlen die Einnahmen, den Künstlern fehlen ebenfalls die Festivals. Ja, für die meisten von uns hat Corona größere Probleme mit sich gebracht als den Verzicht auf einen Kurzurlaub mit Musik und Exzess. Wer sich aber irgendwo in diesen Zeilen wiedergefunden hat, wird unterschreiben: Die Festivals sind vielleicht die Highlights jeden Sommer. Sie fehlen!

(Wer von Covid-19 getroffenen Unternehmen der Kulturbranche helfen will, behält bestenfalls seine Tickets. Auch große Festivals wie das Openair Frauenfeld sehen sich in dieser Krise existenziellen Gefahren ausgesetzt. Wie du in dieser Situation aktiv werden und supporten kannst, haben wir in diesem Artikel erklärt. Das Openair Frauenfeld beispielsweise geht 2021 einen Tag länger – mit dem #OAForever-Upgrade kann man ein bestehendes Ticket auf diese Dauer erweitern und den Veranstaltern des Festivals (finanzielle) Planungssicherheit geben.)


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