RAF Camoras Liebe für die 90er: 7 Hit-Songs, die er gesampelt hat

Nach langer Corona-Pause geht das öffentliche Leben langsam aber sicher wieder los. Mittlerweile dürfen sogar die ersten Clubs in Deutschland wieder öffnen. Und wo Cluböffnungen im Raum stehen, da sind die ersten 90er-Partys in der Regel nicht weit entfernt. Das Jahrzehnt ist nicht nur aufgrund der schrillen Weirdness äußerst beliebt für Mottofeiern, sondern auch aufgrund diverser Song-Klassiker mit unbestreitbarer Tanzbarkeit.

Dieses Potenzial hat West-Wiener Hitmaschine RAF Camora (jetzt auf Apple Music streamen) schon längst für sich entdeckt. Wer in den letzten Jahren seine Musik verfolgt hat, dem ist mit Sicherheit die eine oder andere bekannte Melodie entgegengesprungen. Die Neunziger bieten nun mal eine sehr passende musikalische Grundlage für RAFs tanzbaren Dancehall-Sound. Und das nehmen wir als Anlass, um dich auf eine nostalgische Reise zu schicken: Nachfolgend findest du eine Auswahl von Hit-Songs der 90er-Jahre, die sich mindestens einmal in RAF Camoras Diskographie eingeschlichen haben.

1. Bomfunk MC's - Freestyler (1999)

Etwas über zwanzig Jahre ist es bereits her, dass die Bomfunk MC's Finnlands größte Electro-Hiphop-Exportschlager waren – zumindest für einen Song. "Freestyler" wurde im Herbst 1999 in Finnland veröffentlicht, ein internationales Release erhielt der Song jedoch erst nach der Jahrtausendwende. Das Lied der Bomfunk MC's konnte sich ganze 23 Wochen lang in den deutschen Charts halten, weitere Releases konnten außerhalb der finnischen Grenzen jedoch nicht an den Erfolg anknüpfen.

Für ihr Kollaboalbum "Palmen aus Plastik 2" haben RAF Camora und Bonez MC den Song jedoch nochmal zurück in unsere Erinnerung gebracht. Das "Freestyler"-Sample wurde für den Song "500 PS" in Sachen Tonhöhe und Geschwindigkeit ordentlich heruntergeschraubt, um mit einem klassischen Dancehall-Beat unterlegt zu werden. 

2. La Bouche - Be My Lover (1995)

Wer auf der Suche nach typischer Neunziger-Ästhetik ist, der wird bei La Bouche schnell fündig. Das Duo steht für feinsten Eurodance und versorgte uns mit gleich zwei Evergreens, die man auch heute noch immer mal wieder hört: "Sweet Dreams" (nein, nicht "Sweet Dreams (Are Made Of This)" – das ist aus den Achtzigern) und "Be My Lover".

Letzterer enthält das prägnante "La da dee da da da da"-Vocal Sample, das RAF und Bonez für ihren gemeinsamen Song "Kokain" benutzt haben. Der Track befindet sich ebenfalls auf "Palmen aus Plastik 2". Im Gegensatz zu "Freestyler" wurde das Sample der Sängerin Melanie Thornton jedoch nicht runter-, sondern hochgepitcht und unter den Beat mit Marschrhythmus gelegt.

3. Eiffel 65 - Blue (Da Ba Dee) (1998)

Kinder der Neunziger dürften noch neblige, dezent verstörte Erinnerungen an den absoluten Fiebertraum des Musikvideos haben, das damals für die italienische Musikgruppe Eiffel 65 produziert wurde. "Blue (Da Ba Dee)" ist ein Song, der in keinem anderen Jahrzehnt so gut funktioniert hätte wie in den Nineties.

Wieder mal war es das Power-Duo bestehend aus RAF und Bonez, das einen 90er-Klassiker in die Moderne gebracht hat. Mit ihrem Track "Blaues Licht", der vor wenigen Wochen als erste Singleauskopplung für "Zukunft 2" gedroppt wurde, kommen sie sogar der azurnen Thematik des Originals nach. Und ja: Der Song birgt tatsächlich das gleiche ansteckende Ohrwurmpotential wie die OG-Version von Eiffel 65.

4. Culture Beat - Mr. Vain (1993)

Weiter geht's mit den Eurodance-Samples. Wer hätte gedacht, dass "Mr. Vain" von Culture Beat 23 Jahre nach Release den Grundstein für eines der erfolgreichsten Duos im Deutschrap setzen wird? Mit der Single "Palmen aus Plastik" stimmten RAF und Bonez im Sommer 2016 auf ihr erstes, gleichnamiges Kollaboalbum ein. Die Hauptmelodie des Songs stammt aus dieser Perle der Neunziger, auch wenn es beim ersten Hören vielleicht gar nicht aufgefallen ist. Streng genommen handelt es sich hierbei nämlich nicht um ein Sample, sondern um eine Interpolation der Originalmelodie. Das bedeutet, dass die Melodie nicht 1:1 aus dem Original übernommen wurde, sondern nachgebaut wurde, um die Komposition der Vorlage zu repräsentieren.

Aber genug mit den Fachbegriffen, zum Vergleich kannst du dir hier "Palmen aus Plastik" anhören:

5. Robert Miles - Children (Dream Version) (1995)

Widmen wir uns nun den Stücken, die gleich auf mehreren RAF-Songs zu hören sind. Den Anfang macht "Children (Dream Version)" von Robert Miles. Der verträumte Track ist am ehesten dem Genre des Dreampops zuzuordnen. Die Piano-Melodie ist zwar simpel gehalten, brennt sich jedoch schnell ins akustische Gedächtnis ein und ist das Markenzeichen des Songs.

Viele werden hier wahrscheinlich direkt an "Verändert" gedacht haben. Ein Song, der auf RAFs (ursprünglich karrierebeendendem) Album "Zenit" zu hören war. Doch mehr als drei Jahre zuvor nutzte RAF das Sample schon auf dem Remix seines Tracks "Dämonen", der damals auf "Ghost" vertreten war. Der Remix ist nicht auf den Streamingplattformen, sondern nur in der Videoversion auf YouTube zu finden. Dort holte er sich außerdem Unterstützung von Immer Ready-Member Morten.

6. HIM - Join Me (In Death) (1999)

Ähnlich wie "Freestyler" handelt es sich bei "Join Me (In Death)" um einen finnischen Song, der nur knapp vor der Jahrtausendwende veröffentlicht wurde und somit fast nicht mehr als 90er-Song durchgehen würde.

Natürlich dürfte den meisten das Sample noch ganz frisch im Kopf sein, schließlich hat RAF es gerade erst für seinen neuesten Song "2CB" mit Luciano genutzt. Fans, die schon länger dabei sind, wissen aber: Das war nicht das erste Mal, dass er sich an diesem Song bedient hat. Auf dem ersten RAF 3.0-Album im Jahre 2012 befand sich der Song "Fallen". Zusammen mit Featuregast Nazar bediente er sich hier an der selben Vorlage. Interessant, wie der gleiche Song vom gleichen Künstler zweimal neu interpretiert wird und trotzdem zwei grundverschiedene Produkte zur Folge hat.

7. Sting - Shape of my Heart (1993)

Die Sample-Krone geht mit weitem Abstand an "Shape of My Heart" der britischen Musiklegende Sting. Der Song wurde weltweit schon unzählige Male gesampelt, man hörte ihn zuletzt unter anderem auf Juice WRLDs "Lucid Dreams". Auch RAF Camora zeigt sich sehr angetan von dem Lied. So angetan, dass er nicht einmal, nicht zweimal, auch nicht dreimal, sondern gleich viermal auf Songs mit dem Sample zu hören ist.

Das erste Mal war "Shape of My Heart" auf dem Song "Uns" zu hören, den er 2016 als RAF 3.0 zusammen mit Niklas Budinsky produzierte. Der Track befand sich auf "Schwarze Marterie", ein Bonusalbum, das der Deluxe-Version von "Ghost" beilag.

Ein Jahr später hörte man eine leicht abgeänderte Form der Melodie dann auf "Augenblick", eine weitere Raf-Bonez-Kollaboration.

Wieder ein Jahr später stimmte das Duo mit der Single "Risiko" auf den Release von "Palmen aus Plastik 2" ein – hier haben es die beiden tatsächlich geschafft, der Originalmelodie einen positiveren, fröhlicheren Touch zu verpassen.

Und - sag es mit mir - wiederum ein Jahr später war RAF Camora auf dem KC Rebell-Song "Neptun" zu hören, der ebenfalls besagtes Sample nutzte.

Kleiner Gedankenanstoß zum Schluss: Wie wild wäre es, eine gesamte EP ausschließlich auf Basis dieses einen Sting-Samples zu produzieren? 

Bonus: Rockwell - Somebody's Watching Me (1984)

Ja, ich weiß: Bei "Somebody's Watching Me" handelt es sich natürlich um einen Song aus den Achtzigern. Trotzdem ist der Song auch nach beinahe 40 Jahren immer noch ein Hit. Ein Hit, der erst kürzlich ein zeitgenössisches Update erhalten hat: Auf RAFs letztem Album "Zukunft" wurde die eingängige Melodie des Refrains nämlich für den Song "Vergesse nie die Street" neu interpretiert. Und damit hat RAF einen weiteren Hit auf Basis eines Hits produziert. Wie diese Liste eindrucksvoll beweist, ist und bleibt RAF Camora der unangefochtene König in dieser Disziplin.

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Deutschrap-Update: RAF Camora, Apache 207 & mehr mit neuer Musik

Deutschrap-Update: RAF Camora, Apache 207 & mehr mit neuer Musik

Von Paul Kruppa am 01.10.2021 - 13:29

Neuer Monat, neues Glück. Das Release-Karussell dreht sich auch am 1. Oktober fleißig weiter und spült eine ganze Flut frischer Musik auf die Streaming-Dienste. Auf unserem Cover findet ihr diese Woche die Kölner Crew OK Kid (hier auf Apple Music streamen), die in ihrer neuen Single "Mr. Mary Poppins" mit intelligenten Lyrics und dramatischem Sound zu überzeugen weiß. Hier könnt ihr wie gehabt reinhören:

Neue Tracks von RAF Camora, Apache 207, Rua & mehr

Aber auch deutlich größere Namen haben heute Frisches auf dem Herd. Da wäre unter anderem RAF Camora, der seinem Workaholic-Film der letzten Alben treu bleibt und nur kurz nach dem Release von "Zukunft" den zweiten Teil direkt hinterherschießt. Auf den neun neuen Songs gibt es prominente Features und Talente, denen der Westwiener Spotlight schenkt.

In einer von RAFs Paradedisziplinen glänzt heute aber jemand anders. Apache 207 macht auf dem Drum Loop des zeitlosen 90er-Hits "Black or White" von Michael Jackson, neu in Szene gesetzt von Miksu und Macloud, die Nacht zum Tag und kippt den Voddi an der Theke. Insgesamt gibt es heute drei neue Songs vom Mann mit dem legendären Tanzbein, der das 2. Kapitel seines ausgedehnten Projekts gedroppt hat,  das vor einigen Wochen mit "2sad2disco" begann. "Lamborghini Doors" finden wir neben "Vodka" im Splitvideo auf YouTube, "An der Uhr gedreht" gibt's nur bei den Streaming-Anbietern. Im Video gibt es dann auch schon den Hinweis auf das dritte Kapitel, das wohl "Thunfisch & Weinbrand" heißen wird.

Wen man heute außerdem im Blick haben sollte, ist Rua. Die Life Is Pain-Künstlerin veröffentlicht nach vielversprechenden Kostproben ihr Debütalbum "Welcome 2 Agrabah". Darauf geht es mal melodischer zu, aber fast immer stellt Rua auch ihre starken Rap-Skills unter Beweis.

Und im Untergrund?

Zu den spannendsten und traditionell am sträflichsten unterklickten Artists der Szene zählt auch diese Woche wieder Dissy. Musikalisch, textlich und insbesondere videotechnisch passieren bei "Tunichtgut/Muss los" Dinge, die gar nicht erst mit ausgetretenen Pfaden liebäugeln, sondern einfach ihren eigenen Film finden. Wer grade nicht allzu heiß auf harten Straßenrap und Erzählungen von unermesslichem Reichtum ist, sollte dem Mann definitiv mal beiden Augen und Ohren leihen für etwas mehr als vier Minuten:

Ansonsten haben Keanu und Lugatti mit "Bhadie" eine chillige Nummer veröffentlicht, Nate57 reizt mit "Hängematte" die Nackenmuskulatur, Lio kämpft auf einem brachialen Trap-Beat mit seinen "Nightmares" und es gibt noch einiges mehr zu entdecken. Abonniert unsere Playlist auf allen wichtigen Plattformen und schaut, was heute für euch dabei ist!


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