Mit Currywurst & Tomaten beworfen: Sido über sein wohl schlimmstes Konzert ever

Sido und Deutschlands Hiphop-Festival Numero Uno haben eine sehr spezielle gemeinsame Geschichte. Anlässlich seiner Rückkehr zum Splash! in diesem Jahr hat der Berliner sich mit Visa Vie für das Splash! Mag getroffen und sich an seine Erlebnisse – insbesondere einen der schlimmsten Auftritte seines Lebens – auf dem Festival erinnert.

Wir schreiben das Jahr 2005. In den letzten 18 Monaten hat Sido deutschen Rap von der Straße mit Songs wie Mein Block oder Fuffies im Club und seinem Debütalbum Maske auf ein neues Level gebracht. Wenn zurzeit jemand einen Hype hat, dann sind es Sido, Bushido (bereits solo) und Aggro Berlin. Vielleicht ein bisschen zu viel Hype, wie sich herausstellen soll.

Sido tritt mit Harris auf – Deine Lieblingsrapper, eine riesige Show, die schon vor dem Gig ein Minusgeschäft für die beiden ist, weil ein beliebter Kräuterlikörhersteller kurz zuvor als Sponsor abgesprungen ist:

"Wir kommen da im Kostüm raus, haben uns wirklich riesig was ausgedacht und dann irgendwann fangen da Dinge an zu fliegen mitten während der Show."

Die Jungs kennen das schon. Ab und zu fliegen halt Dinge auf die Bühne – "pack's zur Seite, rap weiter!" – aber es hört nicht auf. Irgendwann wird Sido getroffen und etwas muss getan werden:

"Stop! Macht bitte alles Licht aus, Spot auf mich. Alles, was ihr habt, werft das jetzt! Lasst es uns hinter uns bringen, werft!"

Er kassiert Würste, Tomaten, Katroffeln, Grillkram und mehr. Ein paar Jahre vorher wäre er vielleicht einer von den Leute da unten gewesen, die ihn gerade bewerfen. Er kann es daher irgendwie verstehen, aber es ist trotzdem ziemlich verletzend. Sein Resümee ist, dass er zu viele Platten für das Festival oder seine Besucher verkauft – das Verhältnis von Hiphop und Kommerz ist ein anderes als zwölf Jahre später.

Zurück in die Gegenwart. Als einer der größten deutschen Rapper kehrt er dieses Jahr auf das größte deutsche Rap-Festival zurück. Es ist eine andere Zeit und Siggi kündigt sogar an, extra fürs schon lange ausverkaufte Splash! 20 eine andere Show auf die Beine zu stellen als für andere Festivals – mit Gästen und einer guten Portion Nostalgie. Verständlich bei der Historie. Ende gut, alles gut.

Im Interview spricht Sido detailliert über seine anderen Splash!-Erinnerungen und erinnert sich an ein aus seiner Sicht ähnlich desaströses Konzert, als die ersten 40 Reihen bei einem Seeed-Openair ihm den Rücken zugewendet haben. Ums Splash! 2005 geht es nach etwa 9:30 Minuten:

splash! History #03 ► Visa Vie trifft Sido: "Ich wollte da nie wieder hin"

In der heutigen splash! History folge leiden wir gemeinsam mit Sido und Visa Vie regelrecht an Geschichts-Overdose. Denn nicht nur über das splash! kann man stundenlang Anekdoten erzählen, sondern auch über die Beziehung zwischen Visa Vie und Sido. So war Sido z. B. Visas erster und letzter Interviewpartner während ihrer langen Zeit als 16bars-Moderatorin.

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Kommentare

Würste, Tomaten, Katroffeln, Grillkram

sido das ist alles nützliches zeugs !

Herr eko fresh u.a bekamen leere bierflaschen etc

du armer

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Sido bringt Def Jam Germany zurück

Sido bringt Def Jam Germany zurück

Von Michael Rubach am 21.05.2020 - 11:40

Bereits im letzten Jahr offenbarte Sido bei uns im Interview, dass er Bozza auf einem neuen Label gesignt habe. Es komme "noch 'ne Bombe, die platzen wird."

Der Teaser zur Bozza-Single "Schon wieder" legt nun offen, was Sido damals noch unter Verschluss gehalten hat. Er bringt tatsächlich Def Jam Germany zurück – ein Label, das für viele als eines der größten Missverständnisse in der Deutschraphistorie im Gedächtnis geblieben ist.

Sido präsentiert Bozza als erstes Signing bei Def Jam Germany

Sowohl Sido als auch DJ Desue sind aktuell mit dem Logo von Def Jam Germany bei Instagram unterwegs. Für die Wiederbelebung des Labels hat sich Sido einen Künstler ausgesucht, der kürzlich bereits für seine Mitarbeit an Shirin Davids Single "90-60-111" einen Nummer-1-Award in die Kamera halten konnte. Auch reezy spricht in höchsten Tönen von dem Hamburger. Bozzas Zeit bei Def Jam Germany beginnt also mit einer ordentlichen Portion Rückenwind.

Ableger von Def Jam scheitert in Deutschland

Das New Yorker Label Def Jam, das 1984 von Rick Rubin und Russel Simmons gegründet wurde, steht eigentlich für Erfolg. Ob Kanye West, Rihanna, die Beastie Boys oder Run DMC – mit seinen Signings ist Def Jam, zu einer der ikonischsten Labelmarken überhaupt avanciert. Der deutsche Ableger konnte sich auch nie ansatzweise diesen Status erarbeiten. Hier installierte man im Mai 2000 den Manager der Fantastischen Vier als Mann an der Spitze. Andreas 'Bär' Läsker sollte dafür sorgen, dass der Laden auch hierzulande läuft.

Deutschrap feierte um die Jahrtausendwende mit Acts wie den (damals noch Absoluten) Beginnern, Freundeskreis oder den Massiven Tönen enorme kommerzielle Erfolge. Es herrschte Goldgräberstimmung. Def Jam Germany bekam allerdings kaum einen Nugget zu Gesicht. Solche Aussagen in Branchenblättern verdeutlichen sehr gut, warum es zwischen Andreas Läsker und der Deutschrapwelt nicht so wirklich funken wollte.

"Der deutsche HipHop steckt in einer Krise. Das hat meiner Meinung nach zwei Gründe: Rein inhaltlich interessiert es hunderttausende potenzielle Konsumenten nicht, was irgendwelche inzestuösen, auf Sofas kiffende Spastiker sich gegenseitig zu erzählen haben. Trotz der vielen Silben ist ihr Zeug leider sehr einsilbig. Zum zweiten ist es für HipHop-Fans extrem cool, keine CDs zu kaufen, sondern sie zu klauen oder zu brennen."

Mit in Vergessenheit geratenen Acts wie Phillie MC oder Glanz FX wurde das Label relativ flott an die Wand gefahren. Auch aussichtsreichere Künstler wie Konkret Finn, die Spezializtz oder Pyranja konnten den Untergang von Def Jam Germany nicht stoppen. Im Sommer 2002 war der Spuk schon wieder vorbei. Die deutsche Division von Def Jam stellte den Betrieb ein.

Def Jam Germany ist Geschichte

Gerüchte darüber, dass die deutsche Division von Def Jam keinen Erfolg hätte kursieren schon länger. Nun ist auch dieses Gerücht keines mehr. V.a. die mittelmäßig bis schlechten Releases (einige wenige wie z.B. Pyranja ausgenommen) sorgten für extrem schlechten Ruf von DefJam Germany innerhalb der Szene.

Knapp 18 Jahre später nimmt sich Sido offenbar vor, die Geschichte des Labels auf positive Weise fortzuschreiben. Für einen besseren Ausgang der neuen Phase von Def Jam Germany spricht, dass Sido mit einem ganz anderen Rapverständnis an das Projekt herangehen dürfte, als es 'Bär' Läsker seinerzeit tat. Es wird spannend zu beobachten sein, ob es dem Berliner Urgestein gelingt, das vormals gescheiterte Label in eine erfolgreiche Zukunft zu führen.

Sido über sein Bozza-Signing auf dem neuen Label Def Jam Germany

Von Michael Rubach am 21.05.2020 - 11:40 Bereits im letzten Jahr offenbarte Sido bei uns im Interview, dass er Bozza auf einem neuen Label gesignt habe. Es komme "noch 'ne Bombe, die platzen wird." Der Teaser zur Bozza-Single "Schon wieder" legt nun offen, was Sido damals noch unter Verschluss gehalten hat.


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