Aus der Banlieue in die ganze Welt: Wie der 22-jährige MHD mit Afro Trap die internationale Rapszene erobert hat

...tourte MHD über drei Kontiente durch Frankreich, einige andere Länder Europas (auch Deutschland), die USA und Afrika. Bald will er auch in Asien auftreten. Besonders die afrikanischen Gigs in Kamerun, Benin, der Elfenbeinküste und Guinea gaben dem Rapper nach eigener Aussage sehr viel. Mit seiner Familie stattete er seinen Verwandten jenseits des Mittelmeers seit seiner Kindheit so oft wie möglich Besuche ab. Er fühlt sich nach wie vor sehr verbunden zu den Menschen dort.

Grosse force aux Aigles du Mali @baky_sako je veut mon but !! #MaliPuissanci #LaPuissance #AfricaPower #Can2017

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Für viele Afrikaner ist MHD so etwas wie ein Sprachrohr, ein wahrer Volksheld. Das Konzert in Conakry, der Hauptstadt Guineas, musste abgebrochen werden, da aus 50.000 zugelassenen Zuschauern plötzlich 200.000 wurden. Die Bühne drohte vor lauter Menschenmassen einfach einzustürzen. Auch den in Frankreich lebenden Afrikanern leiht MHD seine Stimme. Mit Black M drehte er das Video zu A l'ouest (= Im Westen) in seiner guineeischen Heimat.

Seine Texte erzählen vom Leben im Viertel. Sie spenden Hoffnung durch Zeilen über den Zusammenhalt unter Freunden und innerhalb der Familie. In seinen Videos sieht man ihn mit einer ganzen Entourage fröhlich und stolz durch die Straßen des 19. Arrondissement laufen. MHD macht Mut mit seiner Erfolgsgeschichte. MHD vermittelt Botschaften.

Seul la mort peut m'séparer d'mes parents

//Nur der Tod kann mich von meinen Eltern trennen

[MHD – Wanyinyin (aus "MHD")]

Mittlerweile wird er in Talkshows eingeladen, um seine Sichtweise auf die Welt und seine Lebensumstände einer breiten Öffentlichkeit zu erklären. Er sagt, er verstelle sich im Fernsehen nicht, er spiele keine Rolle, er lasse sich keinen Stempel aufdrücken. Trotz allem sei er in erster Linie Künstler und wolle in seinen Songs keine politischen Botschaften vermitteln. Dafür kenne er sich zu wenig aus.

J'prends du recul, tout va trop vite

//Ich nehme Abstand, alles ging zu schnell

[MHD – Wanyinyin (aus "MHD")]

In Interviews wirkt Sylla nach wie vor eher zurückhaltend und bodenständig. Er scheint vollkommen fokussiert auf seine Musik zu sein. Er will damit Geld verdienen, um seiner Familie und seinen Freunden etwas zurückgeben zu können. Und so scheint der Weg nach oben auch 2017 weiterzugehen.

Mon père veut la villa et le Range Rover

//Mein Vater will die Villa und den Range Rover

[MHD – Wanyinyin (aus "MHD")]

Derzeit läuft die Abstimmung zu den Victoires de la musique, einer Art französischem Grammy-Äquivalent. MHD ist mit A Kele N'ta in der Kategorie Chanson Originale (= Bester Song) nominiert. Am 10. Februar werden die Ergebnisse in einer großen Gala im Zénith in Paris bekanntgegeben.

Bald soll Afro Trap Part 8 an den Start gehen. Einen Ausschnitt kann man bereits auf Instagram hören. Der achte Teil der Erfolgsserie wird im Zuge einer Adidas-Kampagne veröffentlicht. Mit im Video ist der französische Fußball-Star Paul Pogba. Allzu lange muss Papa angesichts solcher Projekte wohl nicht mehr auf sein neues Auto warten.

@adidasfootball x @paulpogba Capsule Collection saison 1. #LimitedCollection Afro Trap Part 8 Coming soon

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Außerdem wird MHD auf dem diesjährigen Openair Frauenfeld spielen. Weitere Gigs im deutschsprachigen Raum sind sicher nicht ausgeschlossen. 2017 sollte man den Afro Trap-Prinzen und seinen noch jungen Rap-Stil also sowas von auf dem Schirm haben.

Paw Paw Paw!

[MHD – Jeder Song, immer]

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Kommentare

yooow, gerne mehr solcher Artikel mit bissl mehr Inhalt und weniger von der Clickbait*****

PNL - aus electro ghetto wird auto tune ghetto/ghetto romantik

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Fußballverein Olympique Marseille gründet Rap-Label

Fußballverein Olympique Marseille gründet Rap-Label

Von Clark Senger am 26.09.2020 - 14:45

Der französische Fußballverein Olympique Marseille geht einen möglicherweise zukunftsweisenden Schritt ins Musikgeschäft. Gemeinsam mit BMG gründet der neunmalige Ligue-1-Meister das Label OM Records, dessen Fokus auf Rap und R&B liegen soll.

Olympique Marseille & BMG gründen OM Records

Was diese Kombination wichtiger Player aus der Kultur an Vorteilen für alle Beteiligten mitbringen könnte, kann man sich bereits ausmalen. Spieler*innen sowie Musiker*innen haben eine enorme Reichweite in den sozialen Medien und die Verbindung zwischen Fußball und Rap oder R&B ist ohnehin sehr eng, wie man immer wieder auf beiden Seiten beobachten kann. Sylvain Gazaignes, General Manager Frankreich von BMG, sagt zu dieser Connection:

"Die kulturelle Verbindung zwischen Hiphop und Fußball ist sehr stark, ganz besonders in einer Stadt wie Marseille mit einer so lebhaften und kreativen Musikszene. Die Partnerschaft mit OM bietet neue Möglichkeiten für etablierte Acts, aufstrebende Talente und Künstler*innenkollektive aus Marseille, Südfrankreich und Afrika."

Neben dem Großraum Paris ist Marseille Frankreichs wichtigster Hotspot für Hiphop. Mit IAM kommt eine der legendärsten französischsprachigen Rapformationen aus der Metropole an der Côte d'Azur. Einige der aktuell erfolgreichsten Acts wie Jul, SCH, Naps oder Alonzo stammen ebenfalls von dort und representen ihre Stadt häufig mit Leidenschaft.

Mitte August erschien der von Jul ins Leben gerufene Marseille-Possetrack "Bande organisée", der mit 36 Millionen Plays auf Spotify und über 80 Millionen Views bei YouTube schon jetzt einer der größten französischen Songs des Jahres ist. Jul, SCH, Naps, Kofs, Elams, Solda, Houari sowie Soso Maness tragen im Video das klassische Hellblau, das Verein und Stadt im jeweiligen Wappen zeigen. Dabei performt die "organisierte Bande" auf Bolzplätzen sowie im Stade Vélodrome, der Heimat von Olympique Marseille:

Was die Partnerschaft bedeutet

Der Deal macht BMG zum Exklusivpartner für musikalische Projekte und Aktivitäten von Olympique, wie die Musikwoche berichtet. Der Vereinspräsident Jacques-Henri Eyraud beschwört den Spirit der Stadt:

"Olympique de Marseille ist in erster Linie ein Fußballclub, aber seine Wirkung geht weit über die Spielfelder hinaus, insbesondere bei den jungen Menschen in Marseille. L'OM ist ein starker Hebel, um das große künstlerische Potenzial der Bevölkerung freizusetzen. Marseille ist seit der Gruppe IAM eine Wiege des französischen Rap und HipHop, und die Verbindungen zwischen OM und den lokalen Künstler*innen sind seit Jahren stark. Die Gründung von OM Records stärkt diese Verbindung und symbolisiert den Wunsch des Clubs, die einzigartige Energie, die von Marseille und seinen Leuten ausgeht, in der ganzen Welt voranzubringen."

Konkret dürfte das bedeuten, dass der Verein mit seinem Einfluss und seinen Möglichkeiten so gut wie möglich Künstler*innen des Labels unterstützt. OM bekennt sich mit dem Move ganz eindeutig zur Kraft, der Attitude und der Ästhetik des einflussreichsten Genres der Gegenwart.

Haaland, Alaba & Co: 7 Fußball-Stars, die rappen

Der weltweite Fußball-Zirkus sollte sich eigentlich in der verdienten Sommerpause befinden. Doch Corona macht es möglich: Der Ball rollt die nächsten Wochen in nahezu leeren Stadien. Champions League und Europa League müssen noch zu Ende gespielt werden. Sobald es die Zeit erlaubt, gehen manche Ballkünstler aus den Elite-Ligen auch ganz anderen Hobbys nach.

Wenn der Plan aufgeht, dürften die Musiker*innen im Gegenzug dabei helfen, die Marke Olympique Marseille nicht nur in Frankreich, sondern auch in Belgien, dem aussichtsreichen Wachstumsmarkt in Westafrika und über die Grenzen der französischsprachigen Welt hinaus zu stärken. Hinter den schönen Worten der Verantwortlichen über das "künstlerische Potenzial der Bevölkerung" oder die "einzigartige Energie" der Stadt steckt natürlich auch der Wunsch nach finanziellen Vorteilen für alle Beteiligten.

Ein Move mit Signalwirkung?

Die unweigerlichen Verbindungen und Sympathien aus den Welten der Musik und des Sports zusammenzubringen, ist natürlich nichts gänzlich Neues. Wenn MoTrip für den FC Bayern rappt, der FIFA-Soundtrack mal wieder vor Hiphop nur so strotzt oder Spieler wie Haaland, Alaba und Sergio Ramos sich als Rapper versuchen, erscheint eine Labelgründung unter dem Dach eines Fußballvereins nicht abwegig, sondern fast schon logisch.

Andere Vereine aus Frankreich, Deutschland, England, Spanien und womöglich auch den USA werden genau verfolgen, ob und wie OM Records sich etabliert und auszahlt. Man kann sich vorstellen, wie Vereine aus Hamburg, Berlin, London, Madrid, Barcelona oder auch kleineren Städten, die bereit für die Nische sind, profitieren könnten.

Dass Fußball und Rap nicht nur wirtschaftlich ein passendes Paar abgeben, sondern auch in der Mentalität der Protagonisten viele Überschneidungspunkte bieten, haben wir beispielweise in diesem Artikel gezeigt:

Was Rapper an Fußballern fasziniert - und umgekehrt

Rap und Fußball - da wächst etwas zusammen. Vor allem Straßenrapper supporten Spieler und Clubs. Sie tragen Trikots, nutzen die Namen berühmter Spieler als Tracktitel und widmen sich auch sonst gerne textlich dem Volkssport Nummer eins. Auf der Seite der Sportler läuft es fast spiegelverkehrt.


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