MeToo ist im Deutschrap angekommen: JVA zeigt Schwesta Ewa an

Die MeToo-Debatte ist spätestens seit den Anschuldigungen gegen Filmregisseur Dieter Wedel auch in Deutschland präsent. Eine, die schon vor Monaten öffentlich von Übergriffen gesprochen hat, ist Schwesta Ewa. Sie äußerte sich im Herbst 2017 in einem längeren Instagram-Video unter anderem zu Belästigungen und Schikanen in der Untersuchungshaft:

"Wisst Ihr, dass vier, fünf Frauen sich in zwei, drei Jahren in der JVA Preungesheim das Leben genommen haben aufgrund von Beamtenschikane[...]? Wisst ihr, dass Wärter zu mir gekommen sind? Um 11 Uhr, 10 Uhr, 10 Uhr, 11 Uhr, 12 Uhr nachts bei mir an der Glocke geklingelt haben und mich b*msen wollten?"

Schwere Anschuldigungen, die Ermittlungen nach sich ziehen müssten. Laut Stern will die JVA Frankfurt III den Vorwürfen aber nicht weiter nachgehen: Die Anstaltsleitung zeigte Ewa stattdessen wegen übler Nachrede an. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Schwesta Ewa.

Wie das sein kann, begründete die Staatsanwalt gegenüber dem Stern damit, dass Ewa nicht bereit gewesen sei, die Anschuldigungen in einer Anhörung zu wiederholen. Dadurch können "noch nicht von einem Anfangsverdacht ausgegangen werden".

Dass sie hier die Aussage verweigerte, begründet Schwesta Ewas Anwalt Alexander Stevens damit, dass sie als Beschuldigte vorgeladen worden sei. Stattdessen hätte man sie als Zeugin vernehmen können.

In einem Beitrag des Sat1-Frühstückfernsehens ergänzt er, er glaube seiner Mandantin "uneingeschränkt". Er hält er sogar den Versuch der Vertuschung eines Justizskandals für möglich.

Damit geht es Ewa ähnlich wie anderen, die im Zuge der #MeToo-Debatte über Belästigungen berichteten. Da meist kein Dritter dabei war, steht das Wort der einen gegen das des anderen. Der Beschuldigte wehrt sich und schießt zurück, die Betroffene muss zusätzlich mit Anfeindungen leben. In diesem Fall sogar mit möglichen juristischen Konsequenzen.

Dass Schwesta Ewas Anschuldigungen zuerst vergleichsweise kleine Kreise zogen und sie als mögliches Opfer sogar selbst angezeigt wurde, wird mit ihrem Vorstrafenregister zu tun haben. Bekanntlich wurde sie des Menschenhandels, der Zuhälterei, der Steuerhinterziehung und der Körperverletzung verdächtigt. Wegen Steuerhinterziehung und Körperverletzung wurde sie zu zwei Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Die Vorwürfe der Zuhälterei und des Menschenhandels wurden als nicht bewiesen angesehen. Das Gericht setzte den Haftbefehl gegen sie aus, sie konnte das Gefängnis nach knapp acht Monaten Untersuchungshaft verlassen. Beide Seiten gingen in Revision, der Fall wird vor dem Bundesgerichtshof (BGH) weiterverhandelt.

Nicht die besten Voraussetzungen, wenn einem geglaubt werden soll. Aber all das sollte mit der Frage, was an Ewas Vorwürfen dran ist, nichts zu tun haben. Ebenso wie die Tatsache, dass Ewa ihre Vorwürfe sehr – sagen wir – undiplomatisch vorträgt. Justitia hat bekanntlich blind zu urteilen, ohne Ansehen der Person. In der Realität sieht das leider häufig anders aus.

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Schwesta Ewa: TVNow bringt mehrteilige Doku-Reihe

Schwesta Ewa: TVNow bringt mehrteilige Doku-Reihe

Von Michael Rubach am 02.07.2021 - 09:39

Noch diesen Monat wird auf dem RTL-Streamingdienst TVNow eine Doku-Reihe über Schwesta Ewa (jetzt auf Apple Music streamen) verfügbar sein. Ab dem 29. Juli stehen alle sechs Folgen von "Schwesta Ewa - Rapperin. Häftling. Mutter." zum Abruf bereit.

Schwesta Ewa: Doku verspricht "sehr persönliche Einblicke"

Das Produktionsteam begleitete die Rapperin offenbar direkt nach ihrer Haftentlassung im Februar 2021. Schwesta Ewa wurde ursprünglich wegen mehrfacher Körperverletzung, Steuerhinterziehung und Förderung sexueller Handlungen Minderjähriger zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Vor ihrem Haftantritt brachte sie ihre Tochter Aaliyah zur Welt.

Die Doku soll laut Pressemitteilung "intime, teilweise schockierende, aber vor allem sehr persönliche Einblicke in das Leben von Schwesta Ewa" geben. Dazu begibt sich die AoN-Künstlerin an prägende Orte ihres Lebens. Auch das Frankfurter Rotlicht-Milieu gerät dabei in den Fokus. Die Doku-Reihe will unter anderem den Fragen nachspüren, wie sich die Rapperin ihre Zukunft ausmalt und ob sie einen Abschluss mit ihrer Vergangenheit finden kann.

Neben der AoN-Künstlerin kündigen sich für das Format auch zahlreiche Weggefährt*innen aus der Deutschrapszene an. Xatar, SSIO, Katja Krasavice, Juju und Visa Vie kommen zu Wort. Außerdem haben die Macher*innen der Doku mit Kindheitsfreunden, Ex-Kolleginnen und Prozessbeteiligten gesprochen.

In einem bereitgestellten Interview spricht Schwesta Ewa über ihre Beweggründe für das Doku-Format:

"Ich wollte den Leuten zeigen, was mir alles im Leben widerfahren ist und warum ich die geworden bin, über die die Leute heute reden. Ich habe nach Veröffentlichung meines Buches gemerkt, dass die unterschiedlichsten Menschen mir gesagt haben, dass sie mich jetzt besser verstehen. Und genau das will ich auch mit der Doku-Reihe erreichen".

Auch Musik ist auf dem Weg. Die neue Single von Schwesta Ewa mit dem Titel "Nie wieder rein" soll am 23. Juli droppen.


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