Wie das Erbe von Mac Miller, Michael Jackson, Nipsey Hussle & mehr geregelt wird

Mac Miller hat zu Lebzeiten offenbar ziemlich exakt darüber nachgedacht, was nach seinem Tod geschieht. Das ging aus einem Artikel von TMZ hervor. Der im September 2018 verstorbene Rapper ließ Vermögenswerte von insgesamt 11 Millionen Dollar an seine Freunden sowie seine Familie verteilen. So soll ein Homie fast alle elektronischen Geräte aus Mac Millers Besitz geerbt haben. Einem anderen Buddy sei eine 20-teilige Schmuckkollektion zugewiesen worden.

Auch Musikinstrumente und Equipment sah Mac vor seinem Tod offenbar bei einer ganz bestimmten Person gut aufgehoben. Die Familie von Mac ging ebenfalls nicht leer aus: Allein fünf Millionen Dollar sollen auf einem Konto bereitgelegen haben.

Nach Drogentod von Mac Miller: Mutmaßlicher Dealer verhaftet

Von Michael Rubach

Solche exakten Anweisungen hat bei Weitem nicht jeder (zu früh) verstorbene Artist niederschreiben lassen. An ein paar Beispielen zeigen wir, was Rapper*innen und andere Künstler*innen ihren Angehörigen hinterlassen haben.

So haben XXXTentacion, Nipsey Hussle & Amy Winehouse ihr Erbe geregelt

Dem Portal The Blast lag das Testament von XXXTentacion vor. Der 2018 erschossene Rapper setzte schon 2017 seinen letzten Willen auf. Er hat darin verfügt, dass sein kompletter Nachlass an seine Mutter Cleopatra Bernard geht. Eine Erbsumme oder Vermögenswerte wurden nicht gesondert aufgeführt.

Nipsey Hussle hat zwar vermeintlich nirgends konkrete Gedanken zu seinem Erbe festgehalten, dennoch schien eine Menge Geld gezielt für eine bestimmte vorgesehen zu sein. Amerikanische Medien beriefen sich dabei auf Gerichtsunterlagen, laut denen Nipsey Hussles 2-jähriger Sohn Kross Ashgedom eine Million Dollar bekäme. Nipseys Lebensgefährtin Lauren London wird das Erbe für den Jungen wohl betreuen. Insgesamt soll Nipsey circa 2 Millionen Dollar hinterlassen haben. Für die Verwaltung des gesamten Nachlasses hat sich sein Bruder Blacc Sam in Stellung gebracht und entsprechende rechtliche Schritte eingeleitet.

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Nach dem Tod von Soul-Sängerin Amy Winehouse lag Medienberichten zufolge kein Testament vor. Ihr Vermögen von umgerechnet 4,6 Millionen Dollar ging daher an ihre Eltern. Ihr Vater Mitch Winehouse beschäftigt sich seitdem mit der Verwaltung. Ihr Ex-Mann Blake Fielder Civil wurde nicht bedacht und war damit nicht einverstanden. Er fühlte sich um seinen Anteil gebracht und erhob Ansprüche. Wie der britische Boulevard berichtete, versucht er sich sein Stück des Erbkuchens zu erstreiten.

Michael Jacksons Testament verspricht seinen Kindern späten Reichtum

Michael Jackson hat seine Mutter Katherine in seinem Testament mit einer besonderen Rolle bedacht. Ihr wurde nach dem Tod des Musikers 2009 das Sorgerecht für die drei Kinder übertragen. Außerdem bekam sie die volle Kontrolle über Michael Jacksons Besitztümer zugeschrieben. Das Testament enthält mehrere solcher präzisen Anweisungen. Sollte Michael Jacksons Mutter beispielsweise sterben, fällt demnach der amerikanischen Sängerin Diana Ross die Vormundschaft zu. Michael Jackson erwähnte ausdrücklich, dass nicht die leibliche Mutter seiner beiden Kinder Paris Jackson und Michael Joseph 'Prince' Jackson die Fürsorge übernehmen soll.

and of course, the queen. #mothersday

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Die vielen Millionen des verstorbenen Popstars wanderten vorläufig in eine Stiftung namens Michael Jackson Family Trust. Sein Vater und seine Geschwister gingen leer aus. Daran entzündeten sich Streitigkeiten. Vor allem Michaels Vater Joe Jackson fühlte sich betrogen. Von seiner Seite können inzwischen keine Ansprüche mehr eingeklagt werden – er verstarb 2018. Wenn Michael Jacksons Kinder ihren 40. Geburtstag feiern, sollen sie laut der New York Post erstmals auf das komplette Geld aus dem Nachlass Zugriff erhalten. Dabei geht es demnach schätzungsweise um eine Summe von mehreren Milliarden Dollar.

2Pac, The Notorious B.I.G., Juice WRLD & Lil Peep: Mütter als Nachlassverwalterinnen

2Pac und The Notorious B.I.G. sind wohl zwei der prominentesten Todesfälle in der Raphistorie. Beide Musiker hatten jeweils kein Testament aufgesetzt. Ihr Nachlass fiel in die Hände der jeweiligen Familie.

2Pacs Mutter Afeni Shakur kümmerte sich zeitlebens zusammen mit Anwalt Richard Fischbein um die Hinterlassenschaften ihres Sohnes. Aus dem Engagement ging unter anderem das Plattenlabel "Amaru Entertainment" hervor, das sich mit der Betreuung von bis dato unveröffentlichtem Material befasste. Im Mai 2019 wurde bekannt, das Filmemacher Allen Hughes erstmalig für die Arbeiten an einer Dokumentation Zugang zum gesamten Nachlass 2Pacs gewährt worden ist.

5-teilige 2Pac-Doku vom "The Defiant Ones"-Regisseur angekündigt

Die außergewöhnliche Karriere von 2Pac wird wohl bald gründlicher als jemals zuvor durchleuchtet. Der mehrfach ausgezeichnete Filmemacher Allen Hughes (" The Defiant Ones") nimmt eine fünfteilige Dokumentation über den 1996 verstorbenen Rapsuperstar in Angriff, wie das Branchenblatt Variety berichtet. Ihm steht dabei offenbar ein wahrer Schatz an 2Pac-Material zur Verfügung.

Die Mutter von The Notorious B.I.G. erzählte 2016 bei Billboard, dass sie beim Umgang mit dem Erbe ihres Sohnes einem einfachen Grundsatz folgt:

"Wenn ich etwas sehe, dass seine Integrität oder seine Legende erschüttert", werde ich es nicht tun."

Auch sie nahm den Auftrag an, die Geschichte ihres Sohnes über seinen Tod hinweg am Leben zu halten. Dafür gründete sie The Christopher Wallace Memorial Foundation, die sich in der Bildungsarbeit hervortut. Das Motto lautet trotz nicht sonderlich aktueller Homepage bis heute: "Books Instead of Guns". An ihrer Seite stehen Biggies Witwe Faith Evans, sein früherer Manager Wayne Barrow und mit Rick Barlow sogar jemand, der mitgeholfen hat, das Erbe von 2Pac zu verwalten.

"Notoriouss": Biggies Tochter erweist ihrem Vater eine große Ehre

Trotz seines viel zu frühen Todes lebt The Notorious B.I.G. definitiv für immer. Der Mann ist eine Legende und sein Werk wird nie in Vergessenheit geraten. Seine Tochter T'yanna Wallace erweist ihrem Vater nun eine ganz besondere Ehre.

Lil Peeps Mutter Liza Womack, die ihren Sohn Gustav 2017 an die Drogen verlor, verwaltet ebenso eine Legacy. Das Portal Pitchfork beschreibt sie als Person, die sich fast schon wie eine Historikerin mit den künstlerischen Hinterlassenschaften auseinandersetzt. So hat sie beim posthum releasten Video zu "Runaway" Regie geführt. Besonders schnell war die Familie von Lil Peep darin, Merchandise anzubieten, um den verstorbenen Musiker zu ehren. Diese Geschäftstüchtigkeit stieß auch hier und da auf Kritik.



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Der Nachlass von Juice WRLD belief sich auf mehrere Millionen Dollar. In Dokumenten, auf die TMZ zurückgreifen konnte, war offenbar von mehr als drei Millionen Dollar die Rede. Allein eine Eigentumswohnung in Miami soll mit 1,5 Millionen Dollar ins Gewicht fallen. Dazu kamen dem Vernehmen nach mehrere zum Teil gut gefüllte Bankkonten. Die Uhren- und Schmucksammlung des Ende 2019 verstorbenen Rapstars wurde laut den Unterlagen auf fast eine halbe Million Dollar beziffert. Juice WRLDs Mutter engagierte sich damals dafür, zur Vertreterin für den Nachlass ihres Sohnes ernannt zu werden. Im April 2020 hat Carmela Wallace eine Stiftung ins Leben gerufen. Die gemeinnützige Organisation Live Free 999 will jungen Menschen mit psychischen Problemen helfen.

Der rein künstlerische Nachlass von Juice WRLD steht noch auf einem anderen Blatt Papier. So soll seine Produktivität zu Lebzeiten nahezu grenzenlos gewesen sein. Es ist die Rede von Material, das für 100 Alben reichen könnte. Die bisher posthum veröffentlichte Musik kommt bestens an. Es läuft so gut, dass Juice WRLD 2020 mit Einnahmen von 15 Millionen Dollar auf Rang #7 einer Forbes-Liste mit den bestverdienenden Toten gelandet ist. In diesem Ranking belegt Michael Jackson den ersten Platz. Bei ihm wurden Einkünfte von 48 Millionen Dollar errechnet.

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Posthume Alben: Der schmale Grat zwischen letzter Ehre und Geldmacherei

Posthume Alben: Der schmale Grat zwischen letzter Ehre und Geldmacherei

Von Leon Schäfers am 23.07.2021 - 17:01

Am vergangenen Wochenende haben gleich zwei neue posthume Releases das Licht der Welt erblickt. Auf der einen Seite wurde mit "Faith" das zweite posthume Album von Drill-Rapper Pop Smoke veröffentlicht. Am Tag darauf erschien "Archiv", das erste Projekt des deutschen Hiphop-Duos SAM nach dem Tod von Samson Wieland, der der Rapper des Duos war. Die bis dato unveröffentlichte Musik des jeweils verstorbenen Künstlers wurde bei den beiden Alben jedoch grundverschieden behandelt und aufgearbeitet. Das lässt eine in der Musikwelt – in den vergangenen Jahren vor allem im Hiphop – anhaltende Debatte über das moralische Grunddilemma posthumer Musik wieder aufflammen: Wie sollte man mit unreleaster, oftmals auch unfertiger Musik verstorbener Artists umgehen? Und wo verläuft die schmale Grenze zwischen ehrenvoller Würdigung und dreistem Cash Grab?

"Archiv" von SAM: Das Musterbeispiel eines posthumen Releases

Das Duo SAM setzte sich aus den beiden Brüdern Samson und Chelo Wieland zusammen. Am 9. November 2018 ist Samson Wieland jedoch überraschend im jungen Alter von 28 Jahren verstorben. Im letzten Jahr wäre er 30 Jahre alt geworden. Pünktlich zu seinem Geburtstag am 17. Juli wurde damals ein Remix des Tracks "Da wo du herkommst" mit Künstlerinnen und Künstlern aus seinem engeren Kreis veröffentlicht.

Auch in diesem Jahr hat Chelo seinem verstorbenen Bruder zum Geburtstag ein ganz besonderes Geschenk gemacht: "Archiv", ein posthumes Album mit bis dato unveröffentlichter Musik der beiden.

Chelo, der in dem Duo für die Beats und die Produktion zuständig war, kündigte das Projekt relativ kurzfristig via Instagram an. Dort widmete er Samson ein paar Zeilen und schrieb auch etwas über den Entstehungsprozess des Albums:

"Ich habe deine alten Kopfhörer aufgesetzt und dann ging über mir die Sonne auf. Leider kannst du nicht mehr miterleben, wie dieses Album veröffentlicht wird. Wir haben alles roh und unverstellt gelassen: Den Sound, deine Aufnahmen, damit die HörerInnen nochmal nachempfinden können, wie es für mich war, mit dir arbeiten zu dürfen, dein Feuer, deinen Spaß mitzuerleben. Danke für alles."

Chelo war vor Kurzem außerdem zum Interview mit Aria bei HYPED Radio zu Gast, wo er einen noch tieferen Einblick in die Arbeiten an dem Projekt gegeben hat. Bei einem Blick auf die Tracklist fällt schnell auf, dass viele Songs noch mitsamt ihrer Versionsnummer releast wurden. Das deutet an, dass die Tracks zwar noch nicht in ihrer finalen Fassung waren, deswegen aber auch noch genauso klingen, wie die beiden es sich damals zusammen ausgemalt hatten. Lediglich Mix und Master wurden im Nachhinein von Chelo erledigt.

Damit zeigt "Archiv", wie posthume Alben in ihrer ehrwürdigsten Form möglich sind: Angefertigt mit dem Wissen, dass der verstorbene Künstler es genauso gewollt hätte. Zwischen Samsons Tod und Albumrelease liegen nun mehr als zweieinhalb Jahre; eine vorschnelle Veröffentlichung im Sinne des Kommerzes kann hier niemandem vorgeworfen werden. Hinter dem Projekt stecken eine Menge Gedanken und Emotionen. Das Album erhält entsprechend viel Liebe – nicht nur von Fans, auch von nahestehenden Leuten aus der Szene.


Foto:

Screenshot - Instagram (https://www.instagram.com/samswelt/)

Neues Pop Smoke-Album sorgt für gemischte Gefühle

Im direkten Vergleich dazu fällt das Feedback zu "Faith" von Pop Smoke eher negativer aus. Der Nachfolger von "Shoot for the Stars, Aim for the Moon", das im letzten Sommer releast wurde und einen riesigen kommerziellen Erfolg erzielte, ist am vergangenen Freitag erschienen. In dieser Woche wurde sogar die Deluxe-Version mit vier weiteren Tracks nachgeliefert. Das komplette Album ist nun also insgesamt 24 Songs stark.

Ende Juni wurde der Ankündigungstrailer zum neuen Pop Smoke-Album ins Internet gestellt. Steven Victor und Rico Beats, die für das Management von Pop Smoke zuständig waren (und sind), bestätigten in dem Zeitraum ebenfalls die aufkommenden Gerüchte um das neue Projekt und produzierten unter Fans einen gewissen Hype. Schaut man sich auf Twitter um, macht es aber den Anschein, als würde das Album dem Hype nicht gerecht werden.

50 Cent, der als Co-Executive Producer maßgeblich am Erfolg des ersten posthumen Albums beteiligt war, hatte vor Albumrelease bereits angekündigt, nicht an "Faith" mitzuarbeiten. Wieder mal zeigt der Blick auf die Tracklist, warum er sich gegen die Arbeit an dem zweiten posthumen Album entschieden haben könnte. 

Wie Fans schon kritisierten, ist die Featureliste sehr lang ausgefallen. Das war bei "Shoot for the Stars, Aim for the Moon" zwar auch der Fall, jedoch wirkten die Songs dort weitaus fertiger und ausgefeilter. Auf dem neuen Album beinhaltet jeder Track maximal eine Hook und einen Verse von Pop Smoke, in den meisten Fällen wird die restliche Laufzeit des Tracks mit anderen Artists aufgefüllt, nicht wie beim Vorgänger erweitert. Die Featureliste liest sich dadurch zwar ziemlich stark, hinterlässt aber trotzdem einen faden Beigeschmack. Denn selbst wenn das Album mit besten Intentionen produziert worden ist – es ist fraglich, ob Pop Smoke dieses Feature-Fest so gedroppt und für gut befunden hätte. Und genau ab dem Zeitpunkt, wo man dies nicht hundertprozentig beantworten kann, sollten die Verantwortlichen und Nahestehenden darüber nachdenken, ob die Musik unter diesen Umständen überhaupt veröffentlicht werden sollte.

Viele Fans beziehen sich nun außerdem auf ein älteres Interview von Pop Smoke, in dem er begründet, warum er auf seinen Projekten nicht viele Featuregäste haben wollen würde. Ein Projekt wie "Faith" würde damit im Kontrast zu seinen Werten als Musiker stehen. Der Ausschnitt ist hier etwa ab 9:20 zu sehen:

Das erste posthume Album von Pop Smoke, an dem auch 50 Cent mitwirkte, wurde von Fans noch deutlich besser aufgenommen.

Unterschiedliche Herangehensweisen für posthume Rap-Alben

Der Vorwurf der "Resteverwertung" gegenüber dem Team von Pop Smoke ist leider kein Einzelfall im Hiphop. Gerade in den letzten Jahren sind viele Rapper in oftmals sehr jungem Alter von uns gegangen. Lil Peep, XXXTentacion, Mac Miller, Juice WRLD, Nipsey Hussle, DMX – die Liste hört hier bedauerlicherweise nicht auf. Die Frage nach der Legacy des Künstlers müssen sich die Hinterbliebenen aber in jedem Fall stellen. Oftmals werden die Herangehensweisen jedoch kritisch beäugt.

In der teils hörbaren Unfertigkeit der Tracks erinnert das neue Pop Smoke-Album an die beiden posthumen Alben von XXXTentacion: "Skins", das noch in seinem Todesjahr 2018 erschienen ist und "Bad Vibes Forever", das 2019 als sein letztes Album erschienen ist. Zu letzterem wird in den sozialen Medien gerade auch der Vergleich mit "Faith" gezogen.

Generell verlief das Wahren der Legacy des umstrittenen Künstlers ziemlich problematisch: Neben den eher skizzenartigen posthumen Releases wurde beispielsweise das Auto, in dem er erschossen wurde, in einem Museum ausgestellt. Eine ziemlich makabere Aktion. Des weiteren steht Cleopatra Bernard, die Mutter von X, in starker Kritik. Nicht nur verhielt sie sich fragwürdig, als sie auf dem Instagram-Account ihres toten Sohnes live ging, um einen neuen Song zu promoten – sie musste auch gegen ihre eigene Familie vor Gericht gehen, da ihr vorgeworfen wurde, das Erbe ihres Sohnes unrechtmäßig zu verteilen.

Die reine Quantität von Releases kann ebenso den Anschein erwecken, Geldmacherei auf Kosten eines verstorbenen Künstlers zu betreiben. Ein prominentes Beispiel hierfür ist Westcoast-Legende 2Pac, von dem es mittlerweile weitaus mehr Output gibt, der nach seinem Tod herausgekommen ist.

Wenn sich aber ein posthumes Release als Positivbeispiel herauskristallisiert hat, dann ist das wohl "Circles" von Mac Miller. Das Album diente als Komplementärwerk zu "Swimming", das im August 2018 und damit noch kurz vor Mac Millers Tod erschienen ist. An beiden Alben hatte der Rapper zu seinen Lebzeiten zusammen mit Producer Jon Brion gearbeitet. Leider konnte er nur den Release des ersten Albums mitbekommen. In einem Interview mit Vulture erzählt Jon Brion unter anderem davon, wie ihn die Familie von Mac Miller bat, die übrigen Songs durchzuhören und "Circles" fertigzustellen.

"Ganz ehrlich, während ich daran gearbeitet habe, habe ich sie [die Familie] genauso stark im Hinterkopf behalten wie Mac. Ich habe auf das Studio gewartet, in dem ich arbeiten wollte, um alle extra Songs durchzuhören und alle Dateien zu bekommen. Das dauerte ein paar Monate. [...] Ich habe schrecklich langsam gearbeitet. Es klingt vielleicht komisch, aber die einzelnen Arbeiten an jedem Song dauerten länger als sonst, da ich versucht habe, einen Weg zu finden, so wenig wie möglich an den Songs verändern zu müssen."

("It's quite honestly them as much as Mac that I kept in my mind while I was working. I waited for the studio I wanted to work in to become available to listen through the extra songs and to get all their files. That took a few months. [...] I worked painfully slowly. It may sound odd that this took longer on some individual jobs for each song than it normally would, because I was trying to figure out the way to change it as little as possible.")

Ähnlich wie bei "Archiv" von SAM wurde hier also die oberste Priorität darauf gelegt, dass das Album so klingt, wie es sich der Künstler vorgestellt hätte. Die Familie von Mac Miller geht ohnehin sehr behutsam mit dem Vermächtnis ihres verstorbenen Sohnes um: So haben sie sich zuletzt gegen eine Biographie über ihren Sohn ausgesprochen und den Titel eines Films mit Machine Gun Kelly kritisiert, der nach dem Mac Miller-Song "Good News" benannt werden sollte.

Posthume Alben: Ein Fazit

Ja, es klingt absurd: Viele Musikerinnen und Musiker, nicht nur im Hiphop, erlangen ihren großen Hype erst nach ihrem Tod. Doch auch wenn so vielleicht ein paar Parts, Verses und Melodien nie die Welt erblickt hätten: Wenn die Situation es erfordert, bedeutet weniger manchmal eben mehr. Nicht unbedingt mehr Geld, dafür aber mehr Respekt und Würde. Posthume Releases mussten in der Vergangenheit, müssen in der Gegenwart und auch in der Zukunft immer eine gute Balance zwischen Fanservice und Ehre finden. Dass diese Gratwanderung auch gut und würdevoll geschehen kann, zeigen nun etwa die hier positiv erwähnten Releases von Mac Miller und SAM.

Je nach Situation sollte man den Hinterbliebenen manche Fehltritte dennoch nicht zu stark verübeln. Sie haben nicht nur mit Trauer zu kämpfen, es lastet auch eine Menge Druck auf ihnen. Während sich die Öffentlichkeit fragt, wie die unveröffentlichte Musik verwertet wird, gibt es für die Familien auch in Bezug auf das Erbe rechtlich eine ganze Menge zu klären. Wie dies in einzelnen Familien geschieht, hatten wir bereits in einem früheren Artikel thematisiert:

Wie das Erbe von Mac Miller, Michael Jackson, Nipsey Hussle & mehr geregelt wird

Mac Miller hat zu Lebzeiten offenbar ziemlich exakt darüber nachgedacht, was nach seinem Tod geschieht. Das ging aus einem Artikel von TMZ hervor. Der im September 2018 verstorbene Rapper ließ Vermögenswerte von insgesamt 11 Millionen Dollar an seine Freunden sowie seine Familie verteilen. So soll ein Homie fast alle elektronischen Geräte aus Mac Millers Besitz geerbt haben.


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