Kennst du schon Hiphops Transgender-Ikone Mykki Blanco?

 

"Ey, kennst du Mykki Blanco?"

"Ne, wer ist das?"

"Das ist ein schwarzer Transgender-Typ, der richtig geilen Rap auf verrückten Elektro-Instrumentals macht. Wirst du lieben!"

So oder so ähnlich muss die Unterhaltung zwischen einem Freund und mir gestern abgelaufen sein.

Ich war gespannt, was jetzt auf mich zukommen würde. Er macht das Video zu Haze.Boogie.Life an, bevor mir irgendwelche Vorurteile oder Erwartungen in den Sinn kommen können:

Ab der ersten Sekunde feier ich den Beat. Dann steht da dieser Kerl, der sich je nach Tageslaune mal als Frau, mal als Mann fühlt, und fängt an, mit seinem ganz eigenen Style zu rappen. Erster Eindruck: Mykki Blanco obernice!

Ein Vorteil, wenn man für ein Hiphop-Magazin schreibt, ist ja, dass man sich mehr oder weniger gleichgesinnten Leuten mitteilen kann. Aus meiner eigenen Unkenntnis über die Existenz von Michael David Quattlebaum Jr. (wie Mykki Blanco mit bürgerlichem Namen heißt), schlussfolgere ich, dass auch andere Leute ihn/sie bislang verpasst haben. Du liest gerade die Reaktion auf diese detektivische Schlussfolgerung.

Michael wird – laut Wikipedia – 1986 in Kalifornien geboren und ist 29 Jahre alt. In einem Interview mit Zeit Online erklärt er, dass sein weibliches Alter Ego entstanden ist, als er mit der Musik angefangen hat. Seitdem ist Michael auch Mykki. Vorher hat er als Dichter unterwegs. Voll seriös und so.

2012 erscheinen die EP Mykki Blanco & the Mutant Angels und das Mixtape Cosmic Angel: The Illuminati Prince/ss und Mykki hat wohl einen kleinen Hype. 2015 gibt sie bekannt, dass sie seit 2011 HIV-positiv ist. Keine Ahnung, wie das den musikalischen Output auswirken wird. Insgesamt relativ wenig Ahnung von Mykki, aber die Mucke ist einzigartig, verrückt und irgendwie einfach dope:

Dass Mykki als Transgender-Artist solche Musik macht, ist eigentlich das beste Statement, das man gegen immer mal wieder im Hiphop aufblitzende Homophobie bringen kann. Die Dame hat durchaus Ikonen-Status verdient und wird auch aus feministischen Gesichtspunkten gefeiert. Zum großen Wurf hat es wohl auch wegen dieses herrlich dreckigen, untergrundigen Sounds nicht gereicht.

Vielleicht wird es auch wirklich mal Zeit für einen schwulen Rap-Star in einer Kultur, die sich ohnehin über Werte wie Toleranz, Offenheit und Respekt definiert. Wieso nicht?

"Es ist nicht wer du bist oder woher du bist, es ist was du machst / und du kannst immer alles psychologisieren / doch ein Spast ist nun mal ein Spast", meinte mal ein Rapper. Recht hat er. Und ob man ein Spast ist oder nicht, hängt ganz sicher nicht von der geschlechtlichen Flexibilität ab.

Für weitere Musik checkst du am besten Mykkis Soundcloud Page ab – werde ich jetzt auch tun! Auf der Facebook Page wurde heute bekannt gegeben, dass nächste Woche ein neues Video erscheint.

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