Warum es keinen Rassismus gegen Weiße geben kann

Nein, es gibt keinen Rassismus gegen Weiße. Selbst wenn die sich das teilweise regelrecht zu wünschen scheinen. Weil so viele Leute das anscheinend immer noch nicht kapiert haben oder BIPoCs nicht glauben wollen, erkläre ich als Whitey auch nochmal, wieso das so ist: Rassismus ist eine Erfindung von Weißen, die sich gegen alle anderen richtet.

Wieso jetzt? Wie das aktuelle Geschehen zum Beispiel in Deutschland und in den USA zeigt, werden wir wohl noch eine Weile mit Rassismus beschäftigt sein. Wenn auf eine Sache Verlass ist, dann darauf, dass sofort Täter-Opfer-Umkehr betrieben wird, sobald es um Rassismus geht. Dabei ist dieser Zeitpunkt so gut wie jeder andere, um in diesem Rahmen nochmal auf die Problematik hinzuweisen und da das Thema immer wieder auf den Socials trendet, scheint es da immer noch Bedarf zu geben.

Solange Menschen wie Hustensaft Jüngling solche Themen noch für schlechte Scherze nutzen, ist die Sache wohl einfach noch nicht klar genug. Das wollen wir ändern und euch gleichzeitig eine Argumentationshilfe für künftige Diskussionen liefern.

Begrifflichkeiten: Was ist Rassismus? Was sind überhaupt Weiße?

Um über Rassismus und über Weiße sprechen zu können, sollten wir zunächst die Definitionen und grundlegenden Begriffe klären, mit denen wir hantieren. Dadurch lassen sich oft schon die allergröbsten Missverständnisse aus der Welt räumen. Zum Beispiel Rassismus: Nein, Frauke, was du erlebst, ist keiner – so viel schon mal vorweg.

Back to basics: Es gibt weder weiße noch Schwarze Menschen. Jedenfalls nicht so, wie die beiden Begriffe von unserer weißen Mehrheitsgesellschaft benutzt werden. Diese Unterteilung ist natürlich Bullshit und eine Erfindung der Weißen, um eine Rechtfertigung zu haben, alle anderen zu unterdrücken (darum schreibe ich die Begriffe hier auch Schwarz und weiß: Es handelt sich um soziale Konstrukte und Selbstbezeichnungen).

Rassismus als System: Rassismus ist nicht durch Rassen entstanden, die es bei Menschen sowieso nicht gibt. Andersherum: Weiße haben Menschenrassen erfunden, um Kolonialismus und Sklavenhandel (oder besser: Maafa) zu rechtfertigen. Allein zu diesem Zweck wurde die gesamte Menschheit von Weiße in sie selbst und alle anderen unterteilt.

Das nennt man Othering: Es hat damit zu tun, sich selbst als den Normalfall und gleichzeitig als das anzustrebende Ideal darzustellen. Alles, was davon abweicht, ist etwas anderes und somit automatisch weniger wert. Diese Einteilung ist natürlich willkürlich und frei erfunden. Sie funktioniert auch nur aus der Perspektive derjenigen, die die nötige Macht haben, ihre Sicht der Dinge durchzusetzen.

Fremdenfeindlichkeit vs Rassismus: Rassismus ist ein System, das entwickelt wurde, um die Rechtfertigung von Ausbeutung der übelsten Art und Weise zu ermöglichen. Dieses System hat nicht nur über 400 Jahre lang die Menschheitsgeschichte geprägt, sondern sich auch ins kollektive Gedächtnis eingebrannt. Es wirkt nach, und zwar in uns allen, auf unterschiedliche Art und Weise – egal, ob wir wollen oder nicht.

Dieses willkürliche Ordnungsprinzip namens Rassismus wurde von uns beziehungsweise unseren Vorgänger*innen ins Leben gerufen, um Weißen das Leben zu erleichtern und um alle anderen zu benachteiligen. Diese Struktur und Denkweise ist ein gemeinsames Werte-System, das genutzt wird, um Menschen auszuschließen, zu erniedrigen, ihnen ihren Wert abzusprechen und um sie auszubeuten.

Aminata Touré über Rap, Black Lives Matter und Polizeigewalt - Interview mit Pegah Tajalli

Die Black Lives Matter-Bewegung ist nach jahrelanger Arbeit in aller Munde und hat nach der Ermordung von George Floyd auf der gesamten Welt zu einschlägigen Protesten gegen Rassismus, Diskriminierung und Hass aufgerufen und dabei große Statements gesetzt...

Darum kann es keinen Rassismus gegen Weiße geben:

Wir Weiße haben dieses System eingerichtet und tragen jeden Tag dazu bei, es am Leben zu erhalten, wenn wir uns das nicht klar machen. Wir sind diejenigen, die jeden Tag davon profitieren, ob unbewusst oder nicht, ob wir wollen oder nicht: Wir gewinnen eigentlich immer automatisch, weil wir in der Regel aus einer besseren Position heraus starten als der ganze Rest (obwohl wir eigentlich in der Unterzahl sind). Dafür sorgt der Rassismus.

Nein, das ist kein Rassismus, was du vielleicht erlebt hast

Was Björn und Beatrix eventuell im Urlaub erlebt haben und als Rassismus fehlinterpretieren, kann allerhöchstens Fremdenfeindlichkeit sein, Diskriminierung oder Xenophobie. Aber Rassismus ist das nicht. Auch wenn sie das Gefühl hatten, aufgrund ihrer Hautfarbe benachteiligt zu werden: Das ist kein weltweites, seit Jahrhunderten aktives System, das konstant gegen sie arbeitet. Das hat nichts mit Sklaverei, Ausbeutung, Kolonialismus und Unterdrückung zu tun. Rassismus schon.

Umgekehrt gilt übrigens dasselbe: Wenn in Berlin-Neukölln ein Restaurant von Nazis angezündet wird, hat das nichts mit Fremdenfeindlichkeit zu tun. Diese Menschen sind keine Fremden, sie leben hier, sie sind nicht fremd. Das Problem heißt 'Rassismus' und wer nicht bereit dazu ist, es so zu benennen, sich damit auseinander zu setzen und entsprechend zu handeln, ist immer auch Teil des Problems.


Foto:

James Eades on Unsplash (unsplash.com/@eadesstudio)

Lest die Bücher von Tupoka Ogette, Alice Hasters, Noah Sow & Co.!

Bücher wie "Exit Racism" von Tupoka Ogette oder "Deutschland Schwarz Weiß" von Noah Sow oder "Eure Heimat ist unser Albtraum" von unter anderen Hengameh Yaghoobifarah oder "Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen" von Alice Hasters sollten ausnahmslos alle lesen. Dann müssten wir nicht immer wieder von vorn und bei den Basics anfangen.

Das ist der Stoff, der in der Schule gelehrt werden müsste. Um nicht immer wieder die Grundlagen klären zu müssen, um irgendwann auch mal weiter zu kommen, um zielgerichtete Debatten zu führen, die uns als Gesellschaft weiterbringen, wäre es wirklich angebracht, wenn die Basics klar wären.

Wir haben euch das und noch viel mehr schon vor geraumer Zeit empfohlen und selbst auch schon jede Menge zum Thema geschrieben. Das ist alles immer noch aktuell:

Groove Attack powered by Hiphop.de

Groove Attack powered by Hiphop.de

Deine Deutschrap-Playlist powered by Hiphop.de, immer mit den aktuellsten Tracks der deutschen Hip-Hop Szene! Cover: ERRDEKA

Groove Attack ist Streaming Partner von Hiphop.de

Kommentare

.

Sehr viele Wiedersprüche und leider auch purer Schwachsinn im Text. Wieso es keinen Rassismus gegenüber weissen geben kann, wird gar nicht richtig erklärt. Hauptsächlich wird über Rassismus von weissen geredet. Was soll den jetzt die Begründung sein? Weil man Menschen nicht zwischen weiss und schwarz einteilen kann? Dann gibt es aber auch keinen Rassismus gegenüber schwarzen. Weil weisse den Begriff Rassismus geprägt haben? Rassismus gibt es schon seit es den Menschen gibt. Schon die alten Römer waren Rassisten indem sie allen anderen Völker (hauptsächlich weisse) als minderwertig angesehen haben. War das wa*****ler den Juden angetan hat auch kein Rassismus? Was ihr sagen wollt ist wohl das es keinen Rassismus von schwarzen gegenüber weissen gibt. Was auch nicht stimmt. Auch wenn schwarze die von weissen erfundene Rassentheorie nicht benutzen, heisst das nicht das manche die gleichen Denkansätze haben. Rassismus gibt es von beiden Seiten und von beiden Seiten muss er verurteilt werden.

Deine Meinung dazu?

Weiter ...

"Ich habe keine Zeit dafür": Zuna bezieht Stellung zu Loredana & der KMN-Gang

"Ich habe keine Zeit dafür": Zuna bezieht Stellung zu Loredana & der KMN-Gang

Von Alina Amin am 20.12.2020 - 18:00

Zuna hat nach längerer Stille ein ausführliches Interview gegeben und sich zu aktuellen Themen positioniert. Er sprach mit Watson über seine Beziehung zu Loredana, der KMN-Gang und Nash. Anlässlich des Releases seiner Biografie "Richtung Paradies" berichtete er außerdem ausführlich über seine Erfahrung als Migrant in Deutschland. 

Zuna spricht über Loredana & Nash

Zuna spricht erstmals über die angebliche Trennung der KMN-Gang. Er stellt klar, dass er und die Jungs weiterhin eine Gang seien. Sie verbinde neben des gemeinsamen Geschäfts eine langjährige Freundschaft. Dass er und einige Mitglieder keinen Kontakt hätten, bedeute nicht automatisch, dass es Streit gebe.

Nash erklärt, warum er die KMN-Platte verbrannt hat

Nash hat im Video zu " Volles Magazin 2" eine Goldene Platte der KMN Gang abgefackelt. Da auf der Platte ausschließlich ein Bild von Zuna zu sehen war, dachten viele Beobachter*innen, dass Nash eine Auszeichnung seines Crew-Kollegen einäscherte. Die Trennungsgerüchte lodern ohnehin seit geraumer Zeit und erhielten bereits mit dem Trailer zu "Volles Magazin 2" reichlich Futter.

Vielmehr sei er einfach mit sich selbst, seiner Karriere und seiner Familie beschäftigt. Er habe schließlich nicht mit der Musik begonnen, um sich "dann vollzudröhnen und Groupies hinterherzujagen", sondern damit es seiner Familie besser ginge. Das hätte für ihn oberste Priorität.

"Wir sind alle erwachsene Männer und keine kleinen Kinder mehr, die jetzt jeden Tag miteinander chillen müssen, um die Freundschaft zu beweisen."

Er hat sich auch zu Loredana geäußert. Zunächst erzählt er, noch nie eine richtige Freundin gehabt zu haben. Die Gerüchte um eine romantische Beziehung zwischen ihm und Lori seien falsch. Seiner Aussage nach handele es sich hierbei um eine rein geschäftliche sowie freundschaftliche Basis. Er konzentriere sich auf seinen Job und ginge seinen Weg. Ausschließen tut er eine zukünftige Romanze jedoch nicht explizit.

"Sag niemals nie. Ich kann nicht sagen, es wird niemals passieren, ich kann aber auch nicht sagen, es wird jemals passieren."

Wenn sich doch etwas zwischen den beiden entwickeln sollte, würde die Öffentlichkeit früher oder später davon erfahren. 

Darüber hinaus berichtet er von negativen Erfahrungen mit anderen Rappern, die er während der Anfänge von KMN machen musste. Über die Identität dieser Künstler wolle er nicht reden, um keine "alten Türen einzutreten". Sie seien aber unhöflich und respektlos zu ihm und seinen Kollegen gewesen, als sie als Vorgruppe auftraten. Diese Dinge könne er nicht vergessen.

Zuna im Interview mit "Watson" über Rassismus, Polizeigewalt und Nash

Der Rapper spricht des Weiteren ausführlich über Rassismus und Polizeigewalt. Er berichtet von seiner Fluchterfahrung und der Abschiebung, die er als 10-Jähriger erleben musste. Er erläutert, dass er sich bewusst in der Öffentlichkeit weitestgehend aus dem Thema Rassismus raushalte, weil er es schade fände, dass diese Themen nur dann an Relevanz gewinnen würden, wenn ein Hype entstehe.  

"Die Leute beschäftigen sich dann damit, wenn es zu einem sogenannten Hype kommt und jeder möchte dann quasi ein Teil davon sein und sich dazu äußern. Ich finde sowas falsch. Wenn man sich mit solchen Themen auseinandersetzen will und was dagegen machen möchte, dann sollte man auch außerhalb von solchen Schlagzeilen dagegen kämpfen."


Sag uns deine Meinung zu diesem Artikel! (0 Kommentare)

Register Now!