Kanye West wütet im Weißen Haus: Ein Auftritt für die Geschichtsbücher

Ein Besuch im Büro des mächtigsten Mannes der Welt könnte einem die Sprache verschlagen – nicht Kanye West. Der Rapper war mit US-Präsident Donald Trump zum Mittag verabredet. Er lieferte vor versammelter Presse einen circa zehnminütigen Monolog, von dem sicher noch lange im Weißen Haus die Rede sein wird.

Kanyes Superkräfte

Die bekannte "Make America Great Again"-Mütze schmückte auch dieses Mal Kanyes Kopf. Freunde hätten ihm davon abgeraten, sie zu tragen. Kanye habe sich gegen diese Ratschläge entschieden, weil dieses Accessoire ihm Macht verleihen würde. Mit der Cap fühle er sich wie Superman. Er brauche die männliche Energie um sich herum.

TicToc by Bloomberg on Twitter

I love Hillary," Kanye West says, but the campaign 'I'm With Her' didn't make me feel like a guy that could play catch with his son," adding his 'Make America Great Again' hat made him "feel like Superman" #tictocnews https://t.co/PKQFHLqAWp

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Kanye West kam auch auf seine vermeintliche Krankheit zu sprechen. Die bipolare Störung wird oftmals herangezogen, wenn es darum geht, seine teilweise bizarren Auftritte einzuordnen. Kanye erklärte in seinem Monolog, dass die Diagnose der Krankheit ein Fehler gewesen sei. Der Rapper habe nur unter Schlafmangel gelitten. Um darzustellen, für wie fit er sich mental hält, führte Kanye einen IQ-Test an, den er mit fast perfektem Ergebnis abgeschlossen habe. (Hierzu sei angemerkt, dass die Aussagekraft eines solchen Testes bezüglich seiner gesundheitlichen Verfassung gen null tendiert.)

Josh Marshall on Twitter

Kanye decries "trap door of the 13th amendment" and how his sleep disorder was diagnosed as bipolar disorder. https://t.co/PNwtSkVdSb

Kanye, der sich während seines Aufenthalts in den geschichtsträchtigen Räumen auch als "crazy Motherf*cker" bezeichnete, hielt sich mit Beiträgen zu Rassismus oder Gangkriminalität eher zurück. Er ermahnte anwesende Journalisten sogar, seine getätigten Aussagen nicht für billige Zitate zu missbrauchen. Seine Statements seien schließlich wie feiner Wein mit diversen Aromen.

Kanyes Liebe für das Präsidentenamt

Mr. West plant selbst, irgendwann einmal als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika zu kandidieren (wohl erst nach 2024). Für dieses Amt hat er demnach sehr konkrete Vorstellungen. Schließlich ginge es darum, Amerika bestmöglich zu repräsentieren. Seine Tipps für den Präsidenten:

"Er muss am coolsten aussehen, fresh sein, die neuesten Flugzeuge fliegen und die besten Fabriken haben!"

Kanye nannte den aktuellen Präsidenten außerdem seinen "Bro" und verteidigte dessen Politik. Zum Ende des Termins stand er auf und umarmte Donald Trump. Warum? Weil er diesen Typen einfach liebe.

CSPAN on Twitter

Kanye West with President Trump in Oval Office: "I love this guy right here." https://t.co/40Q24j5fRJ

Hillary Clinton würde er auch lieben, aber ihr Wahlkampfslogan ("I'm With Her") habe ihn nicht überzeugt.

In einem anderen Moment des Gesprächs erhob sich Kanye und zeigte Donald Trump sein Smartphone. Darauf zu sehen war wohl der Entwurf des "iPlane One". Dabei handelt es sich um ein wasserstoffbetriebenes Flugzeug. Kanye schlug vor, dass der Präsident sich mit dieser Maschine zu seinen Terminen begeben soll. Einen Haken hat das Ganze: Das gezeigte Flugzeug stammt nach einem Bericht von CNBC von einem holländischen Designstudenten. Kanye hat das Logo wohl einfach von den Tragflächen retouchiert. Der angebliche Kooperationspartner Apple wollte sich nicht dazu äußern.

Kanye ist alles egal

Besonders im patriotischen Amerika ist eine ziemlich große Sache, wenn man es überhaupt in die Nähe des Präsidenten schafft. Kanye zeigte sich von den vielen Kameras und der Aura des Oval Office jedoch unbeeindruckt.

Derartig gestenreich und fluchend dürfte sich in der Historie Amerikas kaum jemand bei einem öffentlichen Termin im Haus des Präsidenten aufgeführt haben. Kanye scheint in seiner ungetrübten Verehrung von Donald Trump einfach alles egal zu sein. Kollegen und ehemalige Weggefährten schütteln nur noch den Kopf.

Selbst enge Freunde wie John Legend äußern ihre Zweifel an Kanyes Haltung. Der Sänger bezeichnete die Gedanken Wests in Bezug auf Trump kürzlich in einem Interview bei CNBC als "halbgar". T.I. geht noch einen Schritt weiter. Er holt auf Instagram zu einem Rundumschlag aus und kritisiert alle, die Kanye unterstützen:

"Dieser Sche*ß ist nicht cool!!! Das ist ein Move, den Ye für Ye macht!!! Dies ist ein Spiel, damit er [Kanye] sich in die Position bringen kann, in welcher er sich selbst gerne sehen würde. Wir sind nicht in seinen Gedanken, wenn er diese Kommentare und Entscheidungen von sich gibt."

Now I've been extremely patient and made it a point to not jump to any premature conclusions about Ye'& his antics... Partially due to the lessons learned from the outcome of other similar situations dealing wit my brother Wayne (which I admittedly mishandled a bit in hindsight) But now this shit is next level,futuristic Sambo,Hopping Bob, Stephen off Django ass shit Ye!!!! From what I can gather... This is the most repulsive,disgraceful, Embarrassing act of desperation & auctioning off of one's soul to gain power I've ever seen. Now I recall you asking me to come with you to have this meeting and I declined (naturally)... but bro... if ain'time I would've been in there wit you and you behaved that spinelessly in my presence,I feel that I'd be compelled to slap de'Fuq outta you bro For the People!!! You ass kissing and boot licking on a whole new level &I refuse to associate myself with something so vile,weak,& inconsiderate to the effect this has on the greater good of ALL OUR PEOPLE!!!! I'm a true believer in "It ain't what you do,it's how you do it." And this shit is regurgitating! At one time it was a pleasure to work alongside you... now, I'm ashamed to have ever been associated with you. To all the people who follow Ye musically,socially, or even personally....who are confused, heartbroken, infuriated.... Let me make this clear... THIS SHIT AINT COOL!!! THIS IS A MOVE YE MADE FOR YE!!! THIS IS A PLAY TO PUT HIM IN A POSITION HE'D LIKE TO SEE HIMSELF IN...WE ARE NOT ON HIS MIND AS HE MAKES THESE COMMENTS AND DECISIONS. Don't follow this puppet. Because as long as I've lived I've learned that it benefits a man nothing at all to gain the world,if to do so he must lose his soul. We just saw Mr.West's Soul on auction. If you listen closely you can hear the tears of our ancestors hit the floor. All I can say is... I've reached my limits. This is my stop,I'm officially DONE!!!! Trump & His Lil Cookie Boy. #USorELSE

30.9k Likes, 5,250 Comments - TIP (@troubleman31) on Instagram: "Now I've been extremely patient and made it a point to not jump to any premature conclusions about..."

Dazu passt auch, dass sich Jay-Z und Beyoncé nun vollständig und endgültig von Kanye und seiner Frau Kim Kardashian distanziert haben sollen. Die soziale Ausgrenzung hat offenbar keinen Effekt auf Kanyes Gedankenwelt. Er rückt nicht vom Support für Donald Trump ab. Stattdessen vertieft er die Verbindung zu dem wohl streitbarsten Präsidenten, den Amerika seit langer Zeit gesehen hat.

Auch dieser ist keineswegs als zurückhaltende Persönlichkeit bekannt. Trump ließ Kanye aber einfach reden. Er zeigt sich aber immer wieder irritiert und nennt die Performance von Kanye zwischendurch "speziell". Trotz dieser offensichtlich peinlichen Berührtheit griff Trump nicht ein. Wohl auch in dem Wissen, dass Kanye West ihm allein durch seine Anwesenheit dabei geholfen hat, sein Standing bei der schwarzen Community zu verbessern. Wichtige Themen wie Rassismus oder die zunehmende Polizeigewalt kamen so gut wie nicht zur Sprache. Kanye ließ sich hier instrumentalisieren und steht damit - ob gewollt oder ungewollt - für ein Amerika ein, das sich politisch nach rechts ausrichtet.

Ein guter Eindruck von Kanyes Auftritt lässt sich bei Spiegel-Online gewinnen. Auch ein Video-Beitrag von der New York Times vermittelt, wie Kanye agiert hat.

The New York Times

Kanye West outlined his support for President Trump and his beliefs on the nature of time, racism and problems in his hometown, Chicago. Read more: https://nyti.ms/2C9qF8d

Ursprünglich sollte vor ein paar Wochen Kanyes neues Album "Yandhi" erscheinen. Mr. West flog aber wohl nach Afrika, um nachzubessern.

Kanye Wests "Yandhi" kommt wohl doch erst Ende November

Fans müssen jetzt stark sein: Wer auf Kanye Wests neues Release "Yandhi" wartet, wird dies noch ein bisschen länger tun müssen. Eigentlich sollte Yes Musik schon vergangenes Wochenende erscheinen. Aber wie wir dank seiner Ehefrau Kim Kardashian West jetzt wissen, dauert es wohl noch bis Ende November.

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Kanye West vs. Taylor Swift: Geleaktes Video stellt die Beef-Historie auf den Kopf

Kanye West vs. Taylor Swift: Geleaktes Video stellt die Beef-Historie auf den Kopf

Von Michael Rubach am 21.03.2020 - 18:31

Wenn wir über einen Beef auf Weltstar-Level reden, ist die Auseinandersetzung von Kanye West und Taylor Swift ein äußert schillerndes Beispiel. Von Kanyes legendärem Eingriff in die Dankesrede der Sängerin bei den VMAs 2009 ("Beyoncé had one of the best videos of all time") ganz abgesehen, nahm die Fehde mit dem 2016 releasten Track "Famous" ungeahnte Dimensionen an. Auf dem Song rappt Kanye bekanntlich:

"For all my Southside n***as that know me best / I feel like me and Taylor might still have s*x / Why? I made that b*tch famous (Goddamn) / I made that b*tch famous"

Es entbrannte ein Streit über die Deutungshoheit und darüber, wer wann was wusste. Nachdem sich das Internet eigentlich damit abgefunden hatte, dass Taylor Swift in dieser Sache im Unrecht war, lässt ein geleaktes Telefonat die Geschichte in einem völlig neuen Licht erscheinen.

Kanye West & Taylor Swift: Telefonat geleakt

In der obigen Line wird die Musikerin von Mr. West gleich zweimal als "that b*tch" bezeichnet. Auch spielt Kanye auf seinen kuriosen Auftritt bei den VMAs an, den er für Swifts Ruhm als ausschlaggebend erachtet. Bisher war in diesem Szenario Taylor Swift die Dumme, weil sich die Welt im Glauben befand, dass Kanye sich vorm Release des Tracks telefonisch ein Okay von der Sängerin eingeholt hatte.

Doch die Dinge sind offenbar anders gelaufen – das legt nun eine wie auch immer ins Netz gelangte Videoaufnahme nahe. Zwar haben Kanye und Taylor telefoniert, aber offensichtlich hielt es Kanye nicht für nötig, exakt darüber zu informieren, was ihm textlich so vorschwebte.

on Twitter

KIM K AND KANYE AND THE MOST DESPICABLE, GROSS AND MANIPULATIVE PEOPLE IN THE INDUSTRY THEY LIED ABOUT TAYLOR SWIFT IN 2016 AND THIS THREAD OF THE LEAKED PHONE CONVERSATION WILL SHOW YOU THAT. https://t.co/jCw07z8Vpf

on Twitter

The way taylor knew that she was on the verge of overexposure and that the media was already taking hits at her for no reason and kim and kanye manipulated the situation in THEIR favour by illegally recording the phone conversation and posting the EDITED clips is so gross... https://t.co/ihMmWZJMkx

Auch bittet die Sängerin um Bedenkzeit und ist hörbar nicht cool damit, als "B*tch" bezeichnet zu werden. Ebenso empfand sie es als nicht sonderlich dankbar, dass Kanye suggeriert, sie würde ihm S*x schulden. Die letztendlich auf "Famous" benutzten Lines weichen zudem von Kanyes Textprobe ab.

Kim Kardashian vs. Taylor Swift

Bisher besagte die Legende, dass Taylor Swift eingewilligt hatte, den Song mit den diskutablen Lyrics zu droppen. Zum Beweis ließ Kim Kardashian auch ein Video auf Snapchat aus der obigen Telefon-Session kursieren – allerdings wohl eine passend zurechtgestutzte Version. Dass es sich dabei generell um eine illegale Aufnahme handelt, lassen wir mal außen vor.

Schon damals bestritt Taylor Swift, den später gerappten Songtext abgesegnet zu haben. Nur war sie in einer denkbar schlechten Situation: Das Video der Wests erzählte schließlich überzeugend eine andere Geschichte. Kim Kardashian verlieh ihrer Haltung zu Taylor Swift mit reichlich Schlangen-Emojis Nachdruck. Nach dem Leak des kompletten Gesprächs kursieren nun Hashtags wie #KanyeWestIsOverParty oder #TaylorToldTheTruth. Der Wind hat sich ganze vier Jahre später gedreht.

Ana on Twitter

TAYLOR TOLD THE TRUTH #KanyeWestIsOverParty #TaylorToldTheTruth

Jatin| #GetawayCarStan on Twitter

Me @ That Person, Which Leaked The Whole Phone Recording On Internet #KanyeWestIsOverParty https://t.co/TTxvzntkrZ

Taylor Swift zeigte sich mehrfach von Kanye enttäuscht

Bei den Grammys 2016 holte Taylor Swift bei ihrer Dankesrede mutmaßlich zu einem Angriff auf Kanye West aus. Aufgrund der zeitlichen Abfolge ist zumindest anzunehmen, dass sie sich auf Kanye West bezieht, der hier bereits sein Album "The Life of Pablo" mit "Famous" releast hatte.

In einem Interview mit dem Rolling Stone schob Taylor Swift 2019 noch eine Ansage gegen Kanye hinterher:

"Ich habe begriffen, dass er zwei verschiedene Gesichter hat. Hinter den Kulissen ist er super nett zu mir, doch dann will er cool rüberkommen, stellt sich vor die Massen und redet Scheiße über mich."

Diese Beschreibung scheint nach jetzigem Stand zumindest nicht ganz unzutreffend zu sein. Schon Taylor Swifts 2017 releastes Album "Reputation" konnte übrigens als Abrechnung mit Kanyes Verhalten interpretiert werden.

Warum das neue Taylor Swift-Album offenbar eine Abrechnung mit Kanye West ist

Am Freitag hat Taylor Swift ihr neues Album Reputation veröffentlicht - und zieht damit das Interesse von Hiphop-Hörern auf sich. Weniger wegen der Musik, sondern eher aufgrund der Tatsache, dass die Pop-Sängerin die alten Streitigkeiten mit Kayne West scheinbar wieder zum Thema macht. Fans sind sich sicher, dass das komplette Album mit Kanye-Seitenhieben gespickt ist.


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