"Das kann nicht echt sein": Wie die Island Boys das Internet verrückt machen
Island Boys flexen

 

Ein "Freestyle" zweier Jungs aus Florida überschwemmt seit Wochen das Internet. Wer bereits auf den Original-Clip oder Abwandlungen davon gestoßen ist, wird die Melodie samt Catchphrase "I'm An Island Boy" kaum noch aus dem Kopf bekommen. Besonders einprägsam ist auch der Look der beiden Artists. Aber wo kommt das schon wieder her und warum gibt es auf TikTok jetzt einen Filter mit Bananen, die in einer halben Kokosnuss stecken?

Wer sind die Island Boys?

Die Island Boys sind Zwillinge aus Florida. Ihre Künstlernamen lauten Kodiyakredd und Flyysoulja. Wobei der Erstgenannte vorher unter dem Pseudonym Redd4x oder auch Redd_4x Musik veröffentlichte. Dass sie nun als Island Boys überall im Internet aufploppen, ist auf einen viralen Clip zurückzuführen (mehr dazu später).

Die Jungs sind 2001 geboren und wuchsen nach eigenen Aussagen bei ihrer alleinerziehenden Mutter auf. Die Rapkarriere läuft schon eine Weile. Im März 2020 sind beide im Musikvideo zu "My Time" zu sehen. Es ist der erste Clip auf ihrem YouTube-Channel Big Bad Ent. Dort befindet sich auch jede Menge weiterer Content des Gespanns. Halloween 2020 erschien das Video zum Track "Rain". Ein Clip, der bis heute über zwei Millionen Mal aufgerufen wurde.

Länger als die Liste mit musikalischen Errungenschaften ist bisher wohl die Strafakte der Zwillinge. Das Internet geizt dabei nicht mit Mugshots. Einbruch, Raub, Autodiebstahl oder Drogendelikte: Sowohl Kodiyakredd & Flyysoulja haben sich in der Vergangenheit einiges zu Schulden kommen lassen. Eine mögliche Connection zu Straßengangs wird in manchen YouTube-Videos über die Zwillinge ebenfalls thematisiert. Offenbar haben sie schon mehrfach einsitzen müssen. So wollen sie auch die Inspiration für ihre Rapkarriere im Gefängnis gefunden haben. Im bekannten No Jumper Podcast beschreibt Kodiyakredd seine Motivation für das Rapgame so: "Ich wollte einfach nur cool sein."

Ist ihm das nun gelungen? Keine Ahnung. Aber seit einer Szene in einem Pool geht er an der Seite an Seite mit seinem Bruder durch die Decke.

Der "Island Boy Freestyle" geht viral

Der plötzliche Aufstieg von Kodiyakredd und Flyysoulja hängt mit einem TikTok-Video zusammen. Direkt aus dem Pool kicken die Jungs den "Island Boy Freestyle". Nein, das ist nicht sonderlich gut gerappt, aber unheimlich eingängig. Es ist nicht so einfach, den gesamten Text zu verstehen. Doch der Reggae-Dancehall-Vibe regelt.

Natürlich ist für einige bereits die Bezeichnung des Freestyles ein Aufreger. Florida sei schließlich keine Insel. Allerdings berufen sich die Brüder auf kubanische Wurzeln. Und Kuba ist ein Inselstaat. In einem Interview bei Knowyourmeme stellen sie Lil Wayne als ihren größten musikalischen Einfluss heraus – obwohl die Künstlernamen verdächtig nahe bei anderen US-Rappern liegen. So soll ein Treffen mit Kodak Black dafür gesorgt haben, dass Redd4x sich umbenannt hat. In Sachen Tattoos gibt es ebenso Überschneidungen zwischen Kodak und Kodiyak.

Die Zwillinge geben an, weiterhin independent unterwegs zu sein. Label-Angebote hätten sie jedoch genug. Bisher ist der "Island Boy Freestyle" nicht offiziell als Single releast worden. Die Gelegenheit wäre günstig. Es gibt millionenfach aufgerufene Remixe und Parodien. Selbst Cardi B hat ihren Fans eine Version vom "Island Boy Freestyle" zum Besten gegeben.

Nun zu einer Sache, die sich natürlich nicht ignorieren lässt. Kodiyakredd und Flyysoulja fallen durch ihr Äußeres extrem auf. Die Face Tats, die Frisuren auf Tingeltangel-Bob-Level, das ausufernde Geflexe mit Geld – das bleibt hängen. Dazu kommen das stets strahlende Gebiss und die auffällig dünne Statur. Die Jungs wollen herausstechen und suchen das Rampenlicht.

Als Vorbilder für eine solche Form der Selbstvermarktung fallen einem unwillkürlich Lil Pump, 6ix9ine oder eben Kodak Black ein. Wilder Style gepaart mit einem extrovertieren Auftreten und einem memefähigen Stück Musik. Das hat in den letzten Jahren mehrfach für einen Kickstart ins Business gesorgt. Was alle jedoch auch eint, sind kontroverse Auftritte und Struggle mit der Justiz, der nicht entsteht, wenn man mal einen Kaugummi geklaut hat.

Außerdem scheint die Halbwertzeit dieser Artists einigermaßen überschaubar. Lil Pump taucht immer seltener an der Oberfläche auf, beispielsweise wenn er einen Body-Slam von einem Elefanten kassiert. Hits hatte er schon länger nicht mehr.

Der Island Boy-Takeover läuft momentan auf Hochtouren. Dieses Jahr zu Halloween war das passende Kostüm bereits am Start. Inzwischen kann man sich auf TikTok auch mit geeigneten Filtern ausstatten. Mit einer halben Kokosnuss samt Bananen auf dem Kopf lässt sich der Vibe der Zwillinge aufgreifen.

@kodiyakredd #duet with @khalidclasher Stop playin Islandboy filter #JustDanceWithCamila #LevisMusicProject #redd_4x #PINKHolidayRemix #fyp #foryoupage #islandboys ♬ original sound - Flyysoulja

Damit der Hype nicht abebbt, füttern die 20-Jährigen ihre Social-Media-Profile. Nicht zwingend mit neuer Musik. Sie antworten dort auf Kommentare, feeden den Troll, bleiben im Gespräch. Kodiyakredd kommt allein auf TikTok auf 1,5 Millionen Follower*innen. Sein Bruder steht bei 3,1 Millionen (Stand: 16. November 2021). Tendenz steigend. Auch auf anderen Plattformen wächst die Followerschaft kontinuierlich. All das bleibt selbstverständlich nicht unkommentiert.

Wie die Island Boys mit Hate umgehen

Unter den Videos und Posts der Jungs stapelt sich der Hate. Das Video auf dem YouTube-Kanal hat bei über sieben Millionen Views mehr negative als positive Bewertungen angesammelt. Viele User*innen können gar nicht so recht glauben, dass die das ernst meinen könnten. Hier eine kleine Auswahl von Kommentaren, die sich noch im vertretbaren Rahmen bewegen.

YouTube-Kommentare Island Boys
Instagram-Kommentare Island Boys

Wie sie mit all der Negativität klarkommen, haben die Jungs auf TikTok beantwortet. Kodiyakredd sagt dazu:

"Es kümmert mich nicht, wenn ihr mich auslacht, wenn ihr uns auslacht.
Hinter dem Screen lachen wir über euch, weil ihr hatet und wir das Geld verdienen."

Wie lange das Cash reinkommt, hängt wohl davon ab, wie und ob die Jungs nachlegen können. Momentan tun sie augenscheinlich fast alles dafür, finanziell von ihrem viralen Augenblick zu profitieren. Ein Island Boys NFT, Island Boys Merch, die Island Boys mit einem persönlichen Gruß zum Geburtstag. Es gibt kaum etwas, für das sich die Zwillinge nicht hergeben. Auch das Booking für Events ist offenbar möglich. Wie gesagt: Es existiert kein fertiger Track, nur ein paar Zeilen und das dazugehörige Video. Vielleicht ist der Schritt in die Versenkung nur einen schlechten Beat-Pick entfernt, vielleicht bleiben Kodiyakredd und Flyysoulja der (Social-Media)-Welt jedoch noch weitaus länger erhalten.

Solche plötzlichen Aufmerksamkeits-Schübe sind nicht nur ein Ding in Amerika. Eine Nummer kleiner gab es das Ganze kürzlich bei Viko63 zu beobachten:

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