"Ich bin tight, ihr seid whack!" - Porno vs. Pi

 

Aus den Tiefen des Berliner Untergrund-Raps erreichte uns Ende 2014 die frohe Botschaft: Prinz Porno solle zurückkehren und den Beginn des neuen Jahres mit einem frischen Release einläuten. 

Während sich die einen vor einigen Jahren nur schwer an Prinz Pi gewöhnen konnten, fällt es jetzt scheinbar ebenso vielen schwer, die Porno-Rückkehr zu verstehen. Alles Kalkulation, um dem Markt das zu liefern, wonach er verlangt? Fans fragen sich: Von Porno zu Pi und wieder zurück? Wieso und wieso gerade jetzt?

Ein paar Antworten sollte das erste und einzige Interview mit der Juice liefern. Eine gewöhnliche Promophase wäre schließlich nicht im Stil des Untergrund-Künstlers gewesen. Den alten Hasen des Rap-Games dürfte durchaus bekannt sein, dass Prinz Porno bereits auf eine beachtliche Zahl an Releases zurückblicken kann. Allen voran das Debüt Porno Privat, dem der Track Keine Liebe entstammt - Ein Must für jeden Porno/Pi-Fan. Dennoch resümiert der Prinz seine vergangene Karriere im Interview eher kritisch: 

"Ach, den hört doch kaum jemand. Im Nachhinein hat man zwar erzählt, Prinz Porno wäre ein krasses Phänomen gewesen, aber Platten verkauft hat der doch nie. Und bei seinen Konzerten war auch immer nur eine Handvoll Leute."

Prinz Pornos Ikonen-Status wollen wir ihm jedoch nicht abstreiten. Auch ihm selbst müsste bewusst sein, dass er nicht nur als Teil der Beatfabrik für legendäre Rap-Classics mitverantwortlich war. 

Wieso also beendete er seine Rap-Karriere und räumte das Spielfeld für seinen Kontrahenten Prinz Pi

Im Interview erfahren wir, dass Porno sich zu seinen Hochzeiten von Aggro Berlinern umgeben sah und nicht dem entsprach, was die Masse zu fordern schien: "Die Leute wollten eher straight up harten Rap. Deswegen war es nur konsequent, dass er sich irgendwann sagte: Gut, dann bin ich eben so Untergrund, dass ich meine Musik ab jetzt für mich behalte." Man munkelt ebenfalls, dass der Künstlername Prinz Porno mit zu vielen Vorurteilen behaftet gewesen sei und es deswegen zu einer Namensänderung kam.

Mit dem neuen Namen folgte allerdings bald auch eine neue musikalische Orientierung, die ihren Höhepunkt wohl in dem Charterfolg Rebell Ohne Grund erreichen konnte. Böse Zungen behaupten, die beiden Künstler würden sich völlig widersprechen: Während Porno den sozialkritischen Untergrund-King gibt, der sämtliche Medien als Schmutz bezeichnet und den Mainstream verteufelt, zeigt sich Pi schnell weitaus emotionaler. Es geht um Liebe, Hass und nicht zuletzt auf Kompass ohne Norden um Nostalgie. Gerade beim jüngeren Publikum kommt die etwas weichere Seite des Friedrich Kautz gut an. Ein Grund, wieso ihm alte Fans vorwerfen, sich völlig dem Mainstream verschrieben zu haben. 

Die beiden Top 10-Alben dürften genug Motivation geleistet haben, um den Kurs Prinz Pi weiterzuverfolgen. Doch ein Rebell ohne Grund, bleibt ein Rebell. Vielleicht ist auch genau das der Grund, dass jetzt PP=mc² erschien. Und vielleicht ist es eben einfach ein typischer Move des Prinzen, das abzuliefern, was man nicht erwartet.

Deutscher Rap jedenfalls hat dabei ganz offensichtlich immer noch ein Herz für guten Underground-Rap, schließlich chartete Porno gestern auf Platz Eins der Charts. Einfach mal so. Ohne Interviews, ohne teure Videos, aber dafür mit derselben Attitüde wie vor 15 Jahren.

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