Azad hat sich heute nach einiger Zeit bei Kool Savas für den Stress entschuldigt, den er 2011 begonnen hatte. Coole Sache, aber man muss jetzt auch nicht gleich davon ausgehen, dass übermorgen One 2 (beziehungsweise Two?) in den Plattenläden steht – so schön es auch wäre. Es gibt allerdings Beispiele, die Hoffnung machen.

In seinem Statement fand Azad die schönen Worte: "Aber nun sind Jahre vergangen und es ist Gras über die Sache gewachsen und die ein oder andere Blume der Scham ist auf diesem Gras gesprossen." Wie in einer Beziehung: Beef lässt die Gemüter hochkochen und macht dich impulsiv, aber die Versöhnung bleibt doch das schönste.

Jetzt sind die beiden natürlich nicht die einzigen, die nach Jahren ihre Streitigkeiten beilegen. Wir blicken mal zurück und fangen mit einer anderen Azad-Geschichte an:

Sido vs. Azad

Es war einmal im Juli 2004: Sido trägt noch seine Maske. Sein Debütalbum Maske ist zarte drei Monate jung und lockt zahlreiche neue Fans in die deutsch Rapszene. In dieser Szene gehört halt auch Beef dazu.

Bei den Hiphop Open in Stuttgart kommt es zur Schlägerei, nachdem Sido Azad auf der Bühne gedisst hat. Die Diskussionen auf Hiphop.de explodieren in den Folgetagen. Aber wie die Jahre gehen bekanntlich ins Land (wie ein Immigrant) und lassen einen über solchen Beef nachdenken.

Sido und Azad sind für sich zu dem Entschluss gekommen, dass Pack sich zwar schlägt, aber auch verträgt. Tracks raushauen statt Zähnen:

Kool Savas vs. Eko Fresh

Ein Beef, der jedem deutschen Rapfan ein Begriff ist. Ob man Eko nun feiert oder nicht – Das Urteil ist (vielleicht sogar weltweit) einer der krassesten Disstracks aller Zeiten. Punkt.

Nachdem Eko in seinem Rundumschlag Die Abrechnung auch gegen seinen Mentor geschossen hatte, ging es zwischen den beiden drunter und drüber. Eine höchstoffizielle Versöhnung gab es nie, aber die beiden Seiten haben sich nach und nach wieder aneinander angenähert.

In Statements wünschten Ek und Savas sich letztes Jahr gegenseitig alles Gute. Ein Kollabo-Track würde endgültig das Kriegsbeil begraben. Eko hatte bereits zu erkennen gegeben, dass er Bock hätte. Savas hingegen ist sich nicht sicher, ob das so einfach klappen könnte.

Für alle Ewigkeit ausgeschlossen scheint die Option nicht zu sein...

Sido vs. Bushido

Wir bleiben bei den ganz großen Namen der Szene. Bushido verhalf 2003 mit seinem Album Vom Bordstein bis zu Skyline dem Label Aggro Berlin zu größerer Bekanntheit, bevor er 2004 zu Universal wechselte.

Danach gab es zahlreiche Seitenhiebe und Disstracks von Bushido gegen Aggro und andersherum. 2011 war es dann ein Bandscheibenvorfall von Bushido, der zum Kontakt auf Twitter und letztendlich zur Versöhnung führte.

Unter dem Namen 23 veröffentlichten die beiden Ex-Aggro-Künstler, die inzwischen zu den unbestrittenen Stars des deutschen Raps gehörten, noch im selben Jahr ein komplettes Kollabo-Album.

Fler vs. Bushido

Mit der Trennung von Aggro hatte Bushido sich auch mit Fler zerstritten, mit dem er 2002 das Album Carlo Cokxxx Nutten veröffentlicht hatte. Aus diesem Beef sind besonders die Tracks Flerräter mit Eko und Du Opfer hängen geblieben.

Mit der Auflösung von Aggro kam mehr oder weniger zur Versöhnung zwischen den beiden und gleichzeitig zum Bruch zwischen Sido und Fler. Ganz schön verzwickt und vernetzt, dieses ganze Beef-Konstrukt. "Der Freund meines Feindes ist mein Feind" oder so ähnlich.

Danach kam es hier und da mal wieder zu öffentlichen Auseinandersetzungen, aber aller spätestens seit März ist da wohl auch wieder alles cool. Da kommen gleich wieder Hoffnungen auf eine musikalische Reunion in Albumlänge bei den Fans auf.

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Aus Partnern werden Feinde: Tierstar & B-Lash konfrontieren Ben Salomo

Aus Partnern werden Feinde: Tierstar & B-Lash konfrontieren Ben Salomo

Von Paul Kruppa am 03.10.2021 - 16:13

In den letzten Tagen hat sich ein Konflikt in den Fokus der Szene bewegt, der lange unter der Oberfläche gebrodelt hat. Die zentralen Protagonisten: Ben Salomo, Tierstar und B-Lash. Es geht um angeblich falsche und widerlegbare Antisemitismus-Vorwürfe gegen B-Lash und weitere Unwahrheiten, die unter anderem durch Ben Salomos Buch "Ben Salomo bedeutet Sohn des Friedens" von 2019 verbreitet worden sein sollen.

Tierstar, der lange Zeit nur vorsichtig gegen seinen alten "Rap Am Mittwoch"-Homie Stellung bezogen hat, spielt mit einem aktuell Videotitel auf seinem persönlichen YouTube-Kanal direkt auf das Buch an. In einem Hashtag verpackt, schreibt er dort: "Ben Doppelmoral bedeutet Sohn der Intrigen". Hier sind nachvollziehbarerweise viele Emotionen im Spiel, die teilweise einige Zeit darauf gewartet haben, raus zu können. Wir wollen euch einen Blick durch die nüchterne Brille werfen und euch erklären, worum es bei dem Streit geht, mit dem sich aktuell auch Rooz, Ssynic und viele mehr beschäftigen.

Tierstar, B-Lash & Ben Salomo - was ist da los?

Wir fangen vorne an. Vor mehr als 11 Jahren, um genau zu sein, nämlich am 1. September 2010. Das lässt sich so genau sagen, weil Tierstar seine Sicht auf die gesamte Geschichte in aller Ausführlichkeit in besagtem Video aufrollt. Mit O-Tönen beteiligter Menschen, Videomaterial aus all den Jahren, und und und. Zu diesem Tag existieren zwei Erzählungen.

Ben Salomos Version: Bis vor wenigen Tagen war die Version von Ben weiter verbreitet. Zum Release seines Buches 2019, in dem es unter anderem um Antisemitismus im deutschen Rap Game (und der Gesellschaft ganz generell) geht, war Ben in vielen Formaten außerhalb der Szene zu Gast – unter anderem bei der WELT, im WDR oder der Talk-Show von Markus Lanz, aber auch bei "Einigkeit & Rap & Freiheit" von Hubertus Koch und in vielen weiteren Videos. Die oft verbreitete Version des Abends lautet grob so:

"Schon bei der dritten Veranstaltung gab es eine Auseinandersetzung. Bei mir an der Tür arbeitete damals ein Mädchen mit einem Davidsstern-Kettchen. Da kamen einige Rapszene-Größen, die heute zum Beispiel die Podcasts leiten [...] – es war B-Lash. Mir wurde später von den Türstehern gesagt – und auch von der Kassiererin: Als er dieses Davidsstern-Kettchen gesehen hat, wurde die Sache sehr emotional seinerseits. Er wurde sehr unhöflich und dann kam es zu einer Auseinandersetzung und er wurde des Platzes verwiesen." – Ben Salomo in einer Zoom-Konferenz, im Video ab 21:47 Minuten

Das jüdische Symbol sei für B-Lash der Auslöser für aggressives Verhalten gewesen. Anschließend hätten Leute aus B-Lashs Umfeld auf Facebook über "Rap Am Mittwoch" geschrieben, man solle dort nicht mehr hingehen, es sei eine "Judenveranstaltung".

B-Lashs Gegendarstellung: B-Lash erklärte in einem Livestream, der ebenfalls in Tierstars Upload zu sehen ist, dass es aus seiner Sicht ganz anders abgelaufen ist. Er habe damals direkt an der "Rap Am Mittwoch"-Location ein Musikvideo gedreht und sei für die Veranstaltung von Ben eingeladen worden. Im Video ab etwa 9:55 Minuten:

"Dann sind wir dort, drehen dieses Video und wollen danach dann, weil Ben Salomo uns eingeladen hat, in den Club rein. Jetzt sitzt dort vorne ihre Kassiererin mit zwei, drei Russentürstehern. So, die Russentürsteher stehen drumherum, aber haben eigentlich keinen negativen Vibe, aber sie selber ist irgendwie komisch. [...] Und dann frage ich sie wirklich ganz nett und höflich, ob sie mir den Stempel bitte auf meinen Handrücken machen kann und nicht auf die Innenseite [...]. Und das will sie nicht. Sie sagt: 'Nein, dreh jetzt deine Hand um', und so. [...] Sie wird aggressiv, sie wird laut und fuchtelt in meinem Gesicht rum."

Er habe ihr gesagt, sie sei die Letzte, die ihn davon abhalten würde, in diesen Laden zu gehen, und dass ein Mädchen sich nicht so zu verhalten hätte. Bei einem Jungen hätte er das als Herausforderung aufgenommen. Wenige Minuten später sei er dann im Laden gewesen, habe Ben die Situation erläutert. Vor der Tür sollen die beiden dann weiter über den Streit gesprochen haben und Ben soll sehr entgegenkommend und verständnisvoll gewesen sein. Als B-Lash beim nächsten Mal "Rap Am Mittwoch" besuchen wollte, hätten die Securities ihn schon auf größere Distanz erkannt und ihm gesagt, dass er nicht reinkommen würde.

Im "100% Realtalk Podcast", als Tierstar und Morlockk Dilemma zu Gast waren, erklärt B-Lash außerdem:

"Bis ich das in diesem scheiß Buch gelesen habe, hatte ich nicht mal mehr im Kopf, dass sie einen Judenstern getragen hat. Aber weißt du, wie ich dahin gekommen bin? Ich bin zu 'Rap Am Mittwoch' gekommen mit meinem Palästinenserschal auf dem Kopf. Und es hat vielleicht der Jüdin nicht gepasst. Wer hat mal darüber nachgedacht? Weil für mich war das nie ein religiöser Konflikt."

Das sagt die Kassiererin: In seinem Interview mit B-Lash, das Mitte September online ging, hatte Tierstar auch eine Videobotschaft der Kassiererin veröffentlicht, die 2010 im Konflikt an der Kasse steckte.

"Es gab damals ein Situation zu 'Rap Am Mittwoch'-Zeiten, die vielleicht ein bisschen aus dem Ruder gelaufen ist. Allerdings hatte das weder mit der Kette damals zu tun, die ich getragen habe, oder einem Schal oder was ich jetzt alles schon gehört habe. Ich würde einfach sagen, ich war damals ein bisschen temperamentvoller als heute und um einiges jünger. Ich habe damals einfach mega drauf bestanden, dass ich ihm diesen einen Stempel auf die Hand drücken möchte. Denn ohne Stempel kommt man bei uns einfach nicht rein. [...] Ich möchte ganz klar sagen: Der Ursprung unseres Schlagabtauschs war nicht eine Kette, die ich getragen habe, oder ein besonderer Schal. Es war wirklich einfach nur diese blöde Situation."

Der Hintergrund des aktuellen Konflikts

In einer Videoansage im Stil der Provokationen vor BMCL-Duellen früher bei "Rap Am Mittwoch" hatte Tierstar Ben letzte Woche adressiert. Er forderte seinen ehemaligen Partner dazu auf, mit ihm in einem Livestream alles zu klären und über Antisemitismus in der Szene zu sprechen. Andernfalls würde er ihn solange battlen, bis er sich aus der Öffentlichkeit zurückzieht.

Auf unsere Nachfrage macht Tierstar nochmal deutlich, dass er den Kampf gegen Antisemitismus im Deutschrap für wichtig und unterstützenswert hält. Es gehe ihm in diesem Fall nicht um das grundlegende Thema, sondern um einen persönlichen Konflikt und die Story, bei der es Aufklärungsbedarf gebe.

Anfang August hatte Ben Salomo mit Aussagen auf Twitter für Aufsehen gesorgt. Wer bei Bogy und B-Lash im Podcast zu Gast sei und sich nicht öffentlich von den Moderatoren und deren Inhalten distanziere, könne zu Recht "als Antisemit oder Mitläufer gelabelt werden".

Anlass war Bogys Behauptung, er hätte wegen Ben seinen Job bei MTV verloren, der "von einer reichen Lobby" bezahlt werden würde. Für Ben zeigt sich hier, dass Bogy dem Mythos des "Juden als Drahtzieher" glauben würde. 

Mittlerweile ist Bens Instagram-Profil auf privat gestellt. Man kann sich vorstellen, wie die Deutschrap-Community in DMs und Kommentaren auf solche Enthüllungen reagiert. Kommentare unter diversen YouTube-Videos, in denen Ben über Antisemitismus in der Szene spricht, sorgen für eine grobe Vorstellung davon, was ihm im Verborgenen so entgegenschlagen dürfte.

Ebenso sollte man nicht außer Acht lassen, dass die grundlegende Absicht, gegen Antisemitismus in der Szene vorzugehen, eine legitime ist. Viele Rapper erwägen Erzählungen, die der offiziellen Geschichtsschreibung widersprechen – ob es sich um Kriege, Terroranschläge oder gesellschaftlichen Wandel handelt. Oft wird ein größerer Kontext vermutet, bei dem eine Person oder eine Gruppe den Lauf der Geschichte lenkt und dabei eine bestimmt Agenda verfolgt. Nicht immer (aber sehr oft) landet man von diesem Punkt bei einem "Juden als Drahtzieher", wie Ben es formuliert hat.


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