Gibt es noch Platz für Frauen im Rap-Geschäft?

 

Warum gibt es eigentlich so wenige Frauen im Rap-Geschäft? Gemeint sind erfolgreiche Rapperinnen und nicht die, die in unzähligen Videos halbnackt an Stangen in dreckigen Stripclubs tanzen, während es Dollarscheine regnet. Nein. Diese Fraktion ist mehr als genug in der Szene vertreten.

Liegt es daran, dass Frauen in der Szene nicht akzeptiert werden und man sie nur als Objekte und eine Art Schmuck duldet, mit der sich der Rapper brüstet? Haben die meisten Frauen vielleicht auch einfach keine Lust, selbst zu rappen? Oder liegt es daran, dass es im Rap so sehr auf die Realness ankommt und ein Mann sich nicht von einer Frau erzählen lassen will, wie hart das Leben ist?

Es gibt also Fragen über Fragen und, woran es auch liegen mag, es scheint dennoch einen Weg für Frauen in diesem Geschäft zu geben. Das haben uns beispielsweise Missy Elliott, Nicki Minaj oder auch Angel Haze, Iggy Azalea oder Azealia Banks in Amerika bewiesen und auch in Deutschland ist gerade Schwesta Ewa dabei, die Szene etwas aufzumischen. Schwesta Ewa kommt natürlich der Realness-Faktor zu Gute. Es gibt sogar Leute, die behaupten, dass niemand im deutschen Rap-Geschäft so real wie Ewa sei. Darüber lässt sich natürlich streiten, wie über alles andere auch.

Auf der anderen Seite gibt es jedoch auch Rapper, die es schon lange geschafft, einen Haufen Geld gemacht, die harte Gegend, aus der sie kamen, hinter sich gelassen haben und trotzdem noch sehr erfolgreich vom harten Leben rappen. Ist die Realness also wirklich so wichtig, wie es immer behauptet wird? Sie ist zweifelsohne ein wichtiger Faktor, aber eben nicht alles.

Was ist mit Talent? Wie wichtig ist die Rolle, die das Talent der Künstler oder Künstlerinnen spielt? Kann Talent fehlende Realness kompensieren oder gar ersetzen? Würden wir einem echten Gangster zuhören, der es nicht auf die Reihe bekommt, auch nur einen Satz fehlerfrei auszusprechen? Der überhaupt kein Gespür von Flow, Taktgefühl oder Reimen hat, nur weil er ein Gangster ist? Ich glaube nicht. Wir würden ihm vielleicht ein paar Toleranzpunkte mehr zusprechen, mit der Begründung, dass er zu viele Schläge gegen den Kopf bekommen oder in seiner harten Zeit zu viel Koks gezogen hat, aber irgendwann hätte auch das ein Ende. Aber Spaß beiseite. Am Ende des Tages ist es eine Kunstform der Musik und Musik soll sich in der Regel auch gut anhören. Außerdem geben auch viele Rapper ganz öffentlich zu, dass sie in ihren Texten deutlich übertreiben. Da wird schon mal aus einem Kilo Koks gleich zehn und aus einer Schlägerei eine Messerstecherei – und wir wissen und akzeptieren es. Das könnte sehr gut mit dem nächsten Faktor zusammenhängen, der hier eine Rolle spielt, nämlich dem Entertainmentfaktor. 

Wir wollen von der Musik unterhalten werden. Egal ob in einem witzigen, ernsten oder auch nachdenklichen Kontext. Wenn dem nicht so wäre, würde sich niemand Storytelling anhören. Diese Texte sind grötßenteils völlig frei erfunden, vermitteln aber meistens eine Nachricht. Es ist derselbe Grund, aus dem man Filme oder Serien schaut. Um den Bogen zu Frauenrap zu spannen: Gelingt es allen Vertreten weiblichen Raps, die Mehrheit der Hörer zu unterhalten? Ihnen etwas zu bieten?

Vielleicht haben es Frauen aber auch einfach nur deutlich schwerer als die Männer und geben auf, bevor sich die Arbeit bezahlt macht. Fakt ist, dass das Geschäft von Männern dominiert wird und es Frauen deutlich schwerer haben, die Masse zu überzeugen, obwohl sie der Szene vielleicht frischen Wind verschaffen könnten. Vielleicht trifft sie aber auch eine Teilschuld, wenn sie sich in besagten Videos so unter Wert verkaufen. 

Der perfekte Rapper kommt wahrscheinlich aus dem Ghetto, war jahrelang in kriminelle Machenschaften verwickelt und kennt die dunkelsten Seiten, die dieses Lebens zu bieten hat. Dann schafft er es irgendwie, sich bis ganz nach oben zu kämpfen und beglückt uns mit den besten Skills und Reimen, die wir je gehört haben, und bleibt trotz seines Erfolgs immer in der Hood. Doch wie wahrscheinlich ist das schon?

Ich würde mir wünschen, dass es jeder in dieser Musik schaffen kann, wenn er hart genug arbeitet beziehungsweise gut genug ist und keine Geschichten erzählt, von denen er oder sie nicht mal den Hauch einer Ahnung hat. Realness ist und bleibt einer der wichtigsten Faktoren in diesem Genre. Es geht bei Rap mittlerweile ja nicht mehr nur darum, wer der Härteste ist und wer die schlimmsten Sachen erlebt hat. Gott sei Dank. Denn genau das macht diese Art der Musik doch so unglaublich vielfältig und scheint beinahe für jeden etwas zu bieten. Es muss einem ja nicht alles gefallen, aber so lange es Leute gibt, die es gerne hören und denen es etwas gibt, ist doch alles in bester Ordnung. Es sollte egal sein, wer man ist, woher man kommt oder wohin man geht. Wichtig sollte nur sein, dass man den Bezug zur Realität und dem was man erlebt hat, nicht völlig verliert. 

Musik ist eine universelle Sprache und wird überall auf der Welt gleich wahrgenommen. Jede Art von Musik sollte dazu dienen, Leute zu verbinden, anstatt sie zu spalten. 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es schade ist, dass so wenig Frauen rappen. Die, die es tun, machen es teilweise nicht auf hohem Niveau. Gerade in den USA sind die weiblichen MCs auf dem Vormarsch und man kann nur hoffen, dass es in Deutschland bald ähnlich aussieht. Frauenpower for the win!