Gestern Gallus, heute Goethe – der Aufstieg von Haftbefehl

Baba Haft schnappt sein Hak. Das gilt nicht erst, seitdem er Action-Musicals mit dem Baba aller Babas Xatar dreht. Prinzipiell achtete Aykut Anhan schon immer darauf, wie er an Para kommt. Ein guter Businessmann handelt daher auch mal mit frittierten Hühnchenteilen. Die Zeit des Drogentickens und der Wettbüros ist vorbei. Kilos müssen andere über die Grenzen bringen. Spielen tut er auch auf einem ganz anderen Feld.

Mittlerweile läuft das Business in der Öffentlichkeit ab und die Euros trudeln über vielfältige Geschäftszweige auf den Konten ein. Der anfangs so belächelte Street-Rapper Haftbefehl mit dem grimmigen Blick und dem unverständlichen Sprachsalat hat sich zu Feuilletonliebling Hafti gewandelt. Er hat es auf zwei Ebenen raus aus den Schwierigkeiten geschafft. Die Hochhaussiedlungen liegen hinter ihm. Einerseits konnte er mit dem kriminellen Milieu weitestgehend abschließen. Andererseits ist ihm auch ein Sieg über die verbreitete gesellschaftliche Wahrnehmung von Migranten gelungen. Die etablierten Medien sehen in ihm keineswegs einen verrohten Ausländer. Sie befördern Haft in völlig andere Sphären. Aber erstmal der Reihe nach:

Im Frankfurter Untergrund kursierte um 2007/2008 die Stimme eines Rappers, der ganz anders klang als das, was so angesagt war. Azad hatte zu der Zeit gerade seinen Nummer-eins-Song Prison Break Anthem draußen. Haftbefehl schrieb noch für sich an Texten. Es dauerte von dort an ein paar Jahre, bis seine Stimme zum ersten Mal auf einer offiziellen CD in Erscheinung trat. Das damalige Label von Jonesmann, Echte Musik, bot ihm auf einem Sampler die Gelegenheit, sein Talent zu präsentieren. Dort erkannte man früh die Einzigartigkeit von Haftbefehls Rapstil.

Ab diesem Zeitpunkt war für niemanden absehbar, welche Kreise der Offenbacher noch ziehen würde. Roh, aggressiv und mit maximalem Hunger ausgestattet kam Haftbefehl mit Azzlack Stereotyp so richtig ins Game. Er nahm dir alles weg. Zwischen der "B*tch, die du liebst“ und dem "Mercedes, den du fährst“, macht er keinen Unterschied.

Haftbefehl - Ich Nehm Dir Alles Weg (16BARS.TV EXCLUSIVE / RE-UPLOAD)

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"Bei vielen verkackt": Als Cro ein Double zum Echo schickte
Cro

"Bei vielen verkackt": Als Cro ein Double zum Echo schickte

Von Michael Rubach am 12.05.2021 - 11:03

Der Musikpreis Echo ist Geschichte. Cro ist weiterhin am Start. Der Musiker erinnert sich in einem Interview bei MDR Jump nun an die Verleihung im Jahr 2012. An der Seite von Chimperator-Chef Sebastian Schweizer erschien ein Typ mit Pandamaske auf der Gala – dabei handelte es sich jedoch nur scheinbar um Cro. Der echte Carlo konnte es zeitlich nicht einrichten und schickte einen Doppelgänger zum Promiauflauf.

Cro ließ sich öfter durch ein Double vertreten

Es ist fast zehn Jahre her: Cro (diesen Artist auf Apple Music streamen) feierte mit "Easy" seinen Durchbruch. Für den Echo 2012 war der Terminkalender zu voll. Trotzdem wollte man im Chimperator-Camp Präsenz zeigen und fasste einen Plan:

"Ich konnte irgendwie aus zeitlichen Gründen nicht hin und dann haben wir einen anderen Typen geschickt, der tatsächlich auch Carlo hieß."

Um den Fake-Cro nicht auffliegen zu lassen, herrschte für die Person unter der Pandamaske weitestgehend Redeverbot. Das führte wohl zu Situationen, die Cro im Nachhinein ein wenig unangenehm zu sein scheinen. Bei Sido dürfte er an diesem Tag kaum gepunktet haben.

"Sido zum Beispiel sagt 'Hallo' und der Dude konnte nicht antworten. Und ich glaube, ich hab’s mir da bei vielen verkackt."

Es war mutmaßlich nicht das einzige Mal, dass der echte Cro Veranstaltungen fern blieb. Er habe "hier und da mal jemand anderen geschickt", erzählt Cro im Interview. Diese Aktionen seien jedoch im Unterschied zum Echo "schön durchdacht" gewesen. Die gesamte Story vom Cro-Doppelgänger bei der Echo-Verleihung ist nicht neu.

Einen Artikel aus der Sicht des Doubles gab es seinerzeit in der Juice zu lesen. Dort beschrieb ein Praktikant, was er unter der Maske bei dem Musikpreis erlebt hat. "Gespräche sind möglichst zu vermeiden", hieß demnach die Anweisung. Auch schickte das Panda-Double in seinem Text direkt eine Entschuldigung mit: "Falls Carlo seitdem der Ruf nachhängt, ein arroganter Panda zu sein: Das war nur ich, Carlos."

Mit seinem neuen Album "trip" hat Cro aus den bekannten Gründen keine Chance, für einen Echo nominiert zu werden. Was es jedoch mit dem Cover auf sich hat und wie locker die Zusammenarbeit mit Shindy abgelaufen ist, kannst du hier nachlesen:

Cro erzählt, wie das Shindy-Feature auf "trip" zustandegekommen ist

D


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