Das geht grade in Frankreich: Rap-Français-Rundumschlag Woche 29

Diese Woche konzentrieren wir uns auf die Singles. Viele große Namen haben releast und konnten überzeugen. Lass uns wissen, was du von den Single-Auskopplungen hältst. Wer ist für dich aktuell das Maß aller Dinge in Frankreich? Schreib es uns in die Kommentare!

Siboy ft. Benash & Damso - Mobali 

Nachdem vor einem Monat bereits die Audioversion von Mobali auf YouTube für die breite Masse veröffentlicht wurde, liefert Siboy nun noch das Musikvideo zum Sommertrack. Mit Benash und Damso im Gepäck hat Siboy natürlich auf einen Hit abgezielt und der Plan scheint aufgegangen zu sein. Auf Spotify ist Mobali Siboys erfolgreichster Track und auf YouTube haben die beiden Versionen zusammen über vier Millionen Klicks gesammelt.

Lacrim & Maitre Gims - Ce soir ne sors pas

Was für eine Kombination! Der Ghettopoet Lacrim holt sich für seine neue Single Ce soir ne sors pas die Hitmaschine Maitre Gims ins Boot. Der Song wurde sehr massentauglich gehalten und wird die Diskotheken wohl für längere Zeit beschallen, kann aber durch einen stabilen Afrotrap-Beat und den überraschend starken Lacrim überzeugen. Seine rauhe Stimme samt Autotune-Behandlung auf diesem schnellen Beat sollte sich jeder geben.

Kalash Criminel - Ce genre de mec

Aus seinem aktuellen Mixtape Oyoki veröffentlicht der Albinorapper Kalash Criminel ein weiteres Musikvideo. Das Video kommt in Schwarz-weiss daher und wurde von Charly Clodion produziert. Das Instrumental steuert Hitschmied Double X bei.

Lomepal - Mailaise

Lomepale veröffentlicht mit Mailaise einen weiteren Song aus seinem aktuellen Album Flip. Mailaise bedeutet so viel wie "Unwohlsein" und der Titelname beschreibt vor allem das Video ziemlich exakt. Der leicht creepy klingende Track wird durch den farbigen und trotzdem düsteren Clip perfekt in Szene gesetzt und Lomepale liefert eine gute Mischung aus Rap und Gesang, welche er uns auf einem einzigartigen Beat präsentiert.

Volts Face - Freestyle Départ

Volts Face veröffentlicht mit dem Freestyle Départ eine brandneue Single, die sich gewaschen hat. Von Beginn an erzeugt der Ziehsohn des derzeit inhaftierten Hayce Lemsi eine starke Atmosphäre, welche sich durch den ganzen Song zieht und durch das passende Video unterstützt wird. 

Kalash - Yen a vla

Auch wenn Kalashs Musik sich in einem Hiphop-Grenzgebiet bewegt, darf er diese Woche mit Yen a vla auf keinen Fall im Recap fehlen. Das Booba-Signing aus Martinique überzeugt mit sehr viel Gefühl und perfekt getimtem Gesang. Ein Kränzchen winden muss man auch dem übel chilligen Beat von Souleyman Beat & Le Motif. Den Song sollte man unbedingt komplett durchhören, damit man wirklich alle verschiedenen Stimmlagen zu hören bekommt.

Alonzo - Suis moi

Alonzos neues Album mit dem Namen 100% wird der Öffentlichkeit am 25. August präsentiert. Mit Suis moi liefert dir der Marseille-Rapper einen weiteren Vorgeschmack. Nachdem Bagarre stark nach vorne ging, ist Suis moi ein relaxter Track. Alonzo zeigt mit diesem Song seine Musikalität ein weiteres Mal und lässt seine Fans erahnen, wie vielfältig sein neues Album sein wird.

DTF - Elle a

Die DTF-Jungs kommen mit tanzbaren Dancehallrhythmen um die Ecke und verbreiten gute Laune. Ganz neu ist der Track Elle a allerdings nicht. Seit dem 19. Mai ist das gute Stück auf dem Erfolgsalbum Sans rêves zu hören. Die beiden Jungs pflegen übrigens Kontakt zu den PNL-Rappern Ademo und N.O.S. Letzterer ist auch auf dem DTF-Langspieler als Feature vertreten.

Rémy - On traîne

Das neue Def Jam-Signing Rémy droppt mit On traîne seine zweite Single. Nachdem der Newcomer mit seinem ersten Song J’ai vu vor allem durch die Atmosphäre und den melancholischen Style punkten konnte, liefert er uns nun starke Flows und eine gehörige Portion Aggressivität. Wenn er diese Vielseitigkeit beibehalten oder sogar erweitern kann, werden wir in Zukunft noch viel von diesem jungen Pariser hören.

Hooss - Ma girl

Hooss haut einen brandneuen Track raus. Produziert wurde dieser von niemand Geringerem als Jul – und das hört man. Falls du Juls Musik magst, wirst du auch diesen Track feiern. Im "Video" wird heftig gevibt.

Mehr neue Musik

Coyote & Rmk - Au moins c'est clair: https://www.youtube.com/watch?v=dMGSTzRzFAM

A2H - De Juillet à Septembre: https://www.youtube.com/watch?v=5S2oD-ZcVSE

DJ IAN - Je L'explose feat. Canardo: https://www.youtube.com/watch?v=DfhGAqfo37k

13 Block - R.S.A.: https://www.youtube.com/watch?v=3awcjNXSNAI

Alrima - Ouais c’est bon: https://www.youtube.com/watch?v=7JcpKf7wzkc

Dehmo - Red Cup: https://www.youtube.com/watch?v=kDuVvVBqDB4

LaCraps x Limsa - A la craie: https://www.youtube.com/watch?v=9ltupBLGoHs

Still Fresh - Sabali feat. Blondinet: https://www.youtube.com/watch?v=yf6NJeFoj8I

XV - Full Ya: https://www.youtube.com/watch?v=vucp9eNL3zQ

Maska - Souris-moi: https://www.youtube.com/watch?v=Ls_XmHym960

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404Billy: Wer ist der Newcomer im Team von Superstar Damso?

404Billy: Wer ist der Newcomer im Team von Superstar Damso?

Von Nicola Cardu und Gian-Andrea Gottini am 12.12.2018 - 18:29

In Frankreich sprießen gefühlt jeden Tag vielversprechende Newcomer aus dem Boden. Den Durchblick zu behalten ist daher schwierig und die meisten Jungspunde sind dann ohnehin nach ein paar Monaten bereits wieder verschwunden. 404Billy wird wohl keiner davon sein. Mit einem einzigen Mixtape auf der Habenseite hat er sich bereits einen Deal bei Damso, dem derzeit vielleicht größten französischsprachigen Rapper, erarbeitet und sein Weg zeigt steil nach oben. Eine Vorstellung.

Wer ist 404Billy?

Der 23-Jährige stammt aus Villiers-le-Bel, einem Pariser Vorort in Frankreich 95. Département. Durch seinen musikalischen Vater kommt Billy bereits als Kind mit verschiedensten Genres in Berührung. Mit zarten elf Jahren schreibt er seine ersten Texte. Hauptsächlich Jay-Z und 50 Cent sind der Antrieb, der den damals 16-Jährigen überzeugen, sich aufs Rappen zu fokussieren. Seinen Künstlernamen schaut er sich von Billy The Kid ab, die Zahlenkombination 404 steht für sein Kollektiv im 95.

Seinen allerersten Song "Mourrir" nahm Billy im Studio von Siboy auf – jedoch noch vor dessen Unterschrift bei Boobas Label 92i, zu dem Billys heutiger Labelchef Damso bis August 2018 gehörte. Auch wenn keine Zusammenarbeit zwischen den beiden entstand, war es ein Wendepunkt in Billys Karriere.

2017 veröffentlichte der junge Pariser dann nach und nach seine ersten Songs. Neben einem noch weitgehend unbeachteten Song für Daymolition gab es eine vierteilige Freestyle-Serie namens "Error" zu begutachten, welche aber (bis auf den letzten Teil) nicht mehr auf seinem Kanal zu finden ist.

Bis zum Release seines Debüt-Tapes "Hostile" pünktlich zu 4/20 droppte Billy weiterhin fleißig Singles. Der Reihe nach erschienen "Le Kid est mort", "Pour le meilleur", "Oxford / X", "T.P.L.C" und "Azerty". Nur drei seiner Solo-Songs haben bisher die 100.000er-Marke bei Youtube geknackt. 

"Hostile" wurde über Culture Records auf allen möglichen Plattformen releast und konnte in Rapkreisen erstmals für Aufsehen sorgen. Damso, Vald und Siboy teilten das Tape über ihre Social-Media-Kanäle und gaben Billy somit einen kleinen Karriereschub. Mitte Juni wurde Billy dann zum ersten Mal mit Damso gesehen. Dass parallel dazu dessen Album "Lithopedion" auf Billys Insta-Kanal beworben wurde, war dann schon ein relativ deutlich Signal.

Damso als prominenter Mentor

Anfang November wurde bekannt, dass Billy auf der aktuellen Damso-Tour als Voract auftreten würde und nun Teil seines Teams sei. Plötzlich stand der junge MC vor bis zu 20.000 Zuschauern, wenn man das Konzert in der Accorhotels Arena Paris als Gradmesser nimmt.

Letzten Freitag folgte mit dann mit "RVRE" featuring Damso das bisherige Highlight seiner Karriere. Mit über 400.000 Views nach einem Tag konnte sich 404Billy endlich auch einer breiteren Masse präsentieren. In diesen Minuten dürfte "RVRE" die zusammengezählten Klickzahlen aller übrigen Clips auf Billys Kanal hinter sich lassen – kein Wunder bei einer dermaßen eingängigen Damso-Hook. Der Song deutet bereits an, in welche Richtung der Sound in Zukunft gehen kann.

Harter Rap statt "Zumba"-Sound

404Billys Stil ist schwer greifbar. Er hängt sich deutlich weniger an aktuelle Trends und zieht ohne Umschweife sein Rapding durch. Von ihm sind keine "Zumba" Sommerhits zu erwarten, wie die durch Dancehall und Afrobeat inspirierten Songs in Frankreich humorvoll genannt werden. Für die musikalische Untermalung auf "Hostile" waren zehn verschiedene Produzenten zuständig, wobei die Startproduzenten D$T (Booba) und Pyroman ("Réseaux", "Mwaka Moon"). Trotz des bunten Mixes an Produzenten haben alle Tracks einen (dunkel)roten Faden, was durch die schwarz-weißen Videos und Billys düstere Mimik zusätzlich unterstützt wird.

"J'ferai plus de clips en couleurs / quand j'aurai soigné mes douleurs"

("Ich werde mehr Clips in Farbe haben / wenn ich meine Schmerzen behandelt habe")

Sein Rapstil ist sehr trocken und roh, Punchlines werden nicht erzwungen, sondern finden sich oft zwischen den Zeilen. Im Interview mit #LaSauce erwähnte er, dass Technik beim Rappen ein zentraler Aspekt für ihn ist – aber nicht auf Kosten der Lyrics durch verkrampfte Reime.

"Gewalt & Melancholie" – Auf der Spur des Mentors

Seine Musik nennt Billy selbst eine Mischung aus Gewalt und Melancholie. Parallelen zu Damso und seiner "schönen dreckigen Welt" springen dem Beobachter der Szene angesichts dieser Beschreibung direkt ins Auge. In seinen Texten erzählt er von seiner Kindheit, seiner Karriere, seinen Schmerzen und seinen Strapazen. Der Junge ist offenherzig und lädt uns dabei in sein dunkles Universum ein. Beim Magazin Yard gewährte Billy einen Einblick in das, was hinter seinen Texten steht:

"Meine Musik ist nicht wirklich bewusst, ich würde sie eher als 'spirituell' bezeichnen. Das heißt, ich spreche viel über Gott, über den Tod, über das Leben nach dem Tod, über die Handlungen und Reaktionen des Menschen im Allgemeinen."

Billy scheint sich nicht um Kleinigkeiten zu scheren und nennt die Dinge direkt beim Namen. Er macht Musik, um zu beschreiben, was er fühlt, denkt und sieht. Rap ist für ihn ein Ventil, um seinen Standpunkt klar und deutlich zu vertreten – wie bei so vielen Rappern, bevor das Konto sich mit Nullen hinter dem Komma füllt und Kleiderschrank sowie Kopf irgendwann vor lauter Gucci, Fendi und Prada überquellen.

"Ich habe einen speziellen, schrägen Blick auf das Leben, die Musik hilft mir, mich auszudrücken, ohne wie ein Verrückter dazustehen. Es hilft mir, den in mir verborgenen Mann hervorzubringen ... der sich eigentlich nur ausdrücken will, aber auch Angst hat, missverstanden zu werden."

Bald ein ganz Großer?

Wenn alles so weiter läuft wie bisher, ist sind Billy und seine Gedanken vielleicht das einzige, das ihm im Weg stehen kann. Seine Musik verbreitet sich immer schneller und kommt durchweg positiv an. Mit Damso hat er einen wortwörtlich breiten Rücken und gleichzeitig einen Mentor, welcher ihn Stuck für Stuck aufbauen wird. Die inhaltliche Kongruenz der beiden ist ebenso eine Basis für eine gute Zusammenarbeit wie die Tatsache, dass Dems sich nach seiner Trennung von 92i nicht nur als Musiker, sondern auch als Unternehmer beweisen wollen wird.

Für die vom Partysound übersättigte Rapszene Frankreichs kommt einer wie Billy wie gerufen. Zwar im modernen Gewand, aber mit einem Herz für die alten Raptugenden. Und das schon im jungen Alter.

"Meine Musik ist gut. Auf den ersten Blick sieht sie brutal aus, voller Beleidigungen und Dreck. Aber wenn sie auf meine Worte hören, sind sie tiefgründig."


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