Gegen EGJ und RIN: Auf "Flizzy" wird ordentlich ausgeteilt

Fler hat ein eindeutiges Problem mit der deutschen Rapszene. Das verkündet er nicht nur einprägsam in Interviews und Social Media-Posts. Regelmäßig mischt der Berliner die Szene mit seinen Statements und echtem #realtalk auf. Natürlich hat er auch für das gestern (23. März) erschienene Album "Flizzy" keine Mühen gescheut, um deutlich zu machen, für wen er kein gutes Wort mehr übrig hat. Besonders das EGJ-Camp bekommt ordentlich sein Fett weg. Aber auch Niko von Backspin und RIN bleiben nicht unkommentiert. "No Bullshit, just Real Talk" ist eines der vielen Mottos vom Flizzmaster. Der Spruch ziert die Rückseite des T-Shirts, das der limitierten "Flizzy"-Fanbox beigelegt ist. 

Wer das "epische Interview" von Fler mit Niko von Backspin gesehen hat, und das sollte ausnahmslos jeder Hiphop-Fan, dürfte keine Probleme haben, die erste Line zu verstehen, bei der sich Fler auf jemanden aus dem Business bezieht. Bereits auf dem Albumintro beginnt der Maskulin-Chef mit einem Statement zu Niko. Was als Versöhnung verstanden werden kann, wird von anderen als erneute Stichelei gesehen, indem Fler alte Wunden aufreißt: 

"Niko von der Backspin, ich hab' ihm verzieh'n / 2018 rappt Kollegah wie Rakim"

Eine weitaus offensichtlicherer Front kommt ohne klare Namensnennung aus. Aufgrund der zeitlichen Angabe von "zwanzig Jahren" kann es sich eigentlich nur um Bushido handeln. Genau dann haben er und Fler mit dem Rappen angefangen und arbeiteten eine Weile zusammen. Allerdings sind sie schon länger nicht mehr gut aufeinander zu sprechen. Mit der folgenden Line könnte Fler unter anderem auf Bushidos berufliche Trennung von Arafat anspielen:

"Dein Rücken, er tut weh, kein Rücken mehr / Und die Geister, die du riefst, sie rücken näher / Diese Hunde sagen, ich wär' nicht loyal / Doch nach zwanzig Jahren ist er mir egal"

Flizzys "Timing" ist für Laas Unltd. weniger gut. Auf dem zweiten Track seines neuesten Langspielers widerlegt er die Gerüchte, dass der Hamburger als Ghostwriter für ihn tätig gewesen sein soll.

"Geh' mit der Schlampe nicht ins Kino wegen Blinddate (ey, ey) / Laas hat nicht bei mir gekifft, weil mir nichts einfällt"

Einen sehr offensichtlichen, wenn auch oberflächlichen, Seitenhieb gegen ersguterjunge-Signing Shindy konnte sich Fler nicht nehmen lassen. Auf "Doughboy" rappt er:

"Machst mir ein'n auf Kanye West (haha) / Doch Kanye West hat kein Vollbart (boy)"

"Flizzy"-Featuregast Sinan-G setzt sogar noch einen drauf. In seinem Part auf "Wayyy" greift er gleich zwei Rivalen verbal an: Bushido und Shindy.

"Sonny Red, ich bin back, wer ist Sonny Black? (wer?) / Seit Jahren rappst du über mein Leben, Copypaste (erh) / Echte Gangster klär'n den Stress auf der Street (wouh) / Doch Sonny Black klärt sein'n Stress auf dem Brief (yeah) / Staatsfeind, weil ich Gold um mein Gelenk trage (aha) / Kugeln fliegen, wenn ich Shindy mit dem Benz jage (jage)"

"Erzähl mir nichts vom Leben, Mann (kelb) / Du willst doch weg von diesem Ehrenmann (yallah)"

Sinan-G ist nicht das einzige Feature, das reinen Tisch machen möchte. Während Prinz Pi zum ersten Mal auf einem Track von Fler vertreten ist, nutzt er direkt die Gelegenheit, um auf "Subkultur" gegen einen Rapper-Kollegen zu schießen. Man könnte zwar behaupten, dass er dabei kein Blatt vor den Mund nimmt. Einen Namen nennt er wiederum nicht. Wegen der Kondom-Line (wir erinnern uns an RINs kontroverse "Arrêté"-Lyrics) und der angesprochenen Flechtfrisur lässt sich aus dem Front auf den Trap-Newcomer aus Bietigheim-Bissingen schließen:

"[Mein Mercedes] ein Klassiker wie J. S. Bach / Zeig mir dein Album und ich kotze fast / Du machst dir Dreads wie sie Gauner trug / Oh Entschuldigung, Braids wie sie Gauner trug / Aids ist dein Traumberuf / Du willst Weiber ohne Gummi vergewaltigen? / Wart' ab und ein schlauer Dude haut dich aus dem Raumanzug"

Auf dem gleichen Track wird Fler hingegen sehr eindeutig und verteilt Nackenklatscher an seinen ehemaligen Kollegen Nico Chiara, den ebenfalls als Beat-Produzent tätigen OZ und ... nochmal Bushido!

"Simes auf dem Beat, fick dein'n Nico-Shit / Erstmal bei mir blasen, dann nimmt dich Bushido mit / Foreign Teck oder Möchtegern-OZ-Verschnitt / Cha-pfuh auf dein'n Möchtegern-Migos-Hit"

Während die einen Zeilen sehr deutlich gegen bestimmte Rapper gerichtet sind, lassen andere Fronts mehr Interpretationsspielraum übrig. Welcher Künstler sich besonders angegriffen fühlt und auf die Zeilen reagiert, wird sich in den nächsten Tagen herausstellen. 

Hier kannst du dir das gesamte Album anhören:

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Kommentare

Ich weiss nich... wer seine Stimme Auto-tuned braucht sein Maul nicht aufreißen.

Gossip, Gossip, Gossip...

pi meinte gauner den rapper du lauch

flers stummer schrei nach liebe.......

battleraplines fuer arme...er ist eine beatbrettmaschiene aber dieses konsequentr mieserable flowlose "gerappe" ...

Deine Meinung dazu?

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Bushido entschuldigt sich bei MoTrip für früheren Diss

Bushido entschuldigt sich bei MoTrip für früheren Diss

Von HHRedaktion am 28.05.2020 - 14:44

MoTrip und Bushido haben ihre Differenzen offenkundig aus der Welt geschafft. Bushido richtet MoTrip via Instagram-Story eine Entschuldigung für die Beleidigung in seinem Track "Sodom und Gomorrha" aus. Die brisante Version des Songs wurde nie offiziell veröffentlicht – jedoch im Februar 2019 von Sinan-G geleakt. MoTrip wird dabei hart angegangen. Der Aachener Rapper sei für Bushido "einer von Millionen H*rensöhnen".

"Sodom und Gomorrha": MoTrip akzeptiert Bushidos Entschuldigung

Bushido erweckt in seinem Post den Anschein, dass es ihm seine Line inzwischen unangenehm ist. Er bezeichnet seine vorgebrachte Beleidigung als "absolut unangebracht". Bei MoTrip stößt dieser Vorstoß auf positive Resonanz. Er geht auf Bushidos Worte ein und erklärt ebenfalls via Insta-Story, dass die Entschuldigung "angekommen und angenommen" sei.


Foto:

via instagram.com/motrip

Nach dem Leak des Tracks äußerte MoTrip noch massives Unverständnis über den Diss. So führte er ein ganzes Arsenal von Gründen auf, um zu verdeutlichen, dass er die Motivation hinter der Zeile nicht nachvollziehen könne. So habe er Bushidos Texte geschrieben und ihm sei eine Zusammenarbeit für einen Teil von "CCN" angeboten worden. Auch sei er bei der Beerdigung von Bushidos Mutter sowie der Hochzeit des EGJ-Chefs anwesend gewesen. Ausgehend von dieser persönlichen und künstlerischen Nähe blieb für MoTrip folgende Frage unbeantwortet: "Wie kommst du darauf mich, meine Mutter und somit meine ganze Familie zu beleidigen"?

Knapp ein Jahr später findet sich auf diese Frage weiterhin keine Antwort. Dennoch scheint es für beide Parteien keinen Anlass mehr zu geben, sich verfeindet gegenüberzustehen. Bushidos aktuelle Friedensmission ist durch die Entschuldigung bei MoTrip um ein Kapitel reicher. Nachdem er seinen Beef mit Mois kurzerhand vor dem Beginn eines Livestreams für beendet erklärte, nutzt er die angelaufene Promophase für "Sonny Black II", um die Wogen auch an anderen Fronten zu glätten.

Bushido & Mois schließen Frieden: Beef ja, aber nicht mit dem Keller

Der lange eher subtil brodelnde Konflikt zwischen Mois und Bushido, der vor etwas weniger als zwei Wochen auf einmal sehr explizit wurde (hier nachlesen), ist offenbar erstmal ad acta gelegt worden. Beide Seiten haben nach einem wohl klärenden Telefonat versöhnliche Töne in ihren Insta Stories geteilt.


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