In den 2010er Jahren war Selfmade Records eines der erfolgreichsten Labels in der jüngeren Deutschrap-Geschichte. Zahlreiche Stars wie unter anderem Kollegah, Casper, Favorite, Genetikk und die 257ers waren bei Selfmade Records unter Vertrag und haben sich bei dem Düsseldorfer Label einen Namen gemacht. Im Interview bei ROBINS HOOD haben die 257ers erklärt, was eigentlich den Erfolg von Selfmade ausgemacht hat.
257ers: Selfmade Records war "eine gute Mischung"
Für Shneezin und Mike liegt der Schlüssel des Erfolgs von Selfmade Records in der diversen Ausrichtung des Labels. Im Gegensatz zu Labels wie Aggro Berlin oder Schock Musik habe man Selfmade nicht "den einen Stempel" aufdrücken können. Zwischen Acts wie Kollegah und ihnen selbst habe man zwischen Straßenrap und ihrem selbsternannten "Clown-Rap" alle möglichen Bereiche des Genres abgedeckt – mit Favorite als Bindeglied zwischen beiden Welten. Gleichzeitig hätten aber alle Signings von Selfmade auf einem raptechnisch ähnlich hohen Niveau agiert – laut Shneezin zu der Zeit ein Alleinstellungsmerkmal des Labels.
"Da würde ich sagen, zwischen Kollegah, Fave und uns war das eine gute Mischung. Alle können unfassbar krass rappen, also technisch steht da keiner dem anderen nach. Und das gab es so nirgendwo in Deutschland. Und da haben die Leute das ja noch wertgeschätzt."
Ein anderer Aspekt des Erfolgs sei auch die Zusammenarbeit zwischen den Artists gewesen. Für Shneezin war die Arbeitskultur bei Selfmade ähnlich wie die des alten Aggro Berlins – mit dem Unterschied, dass Selfmade nicht so "nischig" wie das Berliner Label gewesen sei. "Alles hat ineinandergegriffen. Alle haben miteinander funktioniert", resümiert der "Holz"-Rapper im Interview. Als Beispiel nennen die 257ers die "Chronik"-Samplerreihe, bei denen sie es erfolgreich die unterschiedlichsten Welten miteinander vereint hätten.
Shneezin über das Ende von Selfmade: "Diese Ära der Camps ist vorbei"
Über die Jahre hinweg sind jedoch viele der Artists von Selfmade Records ihren eigenen Weg gegangen. Kollegah gründet 2016 sein eigenes Label Alpha Music Industries. Genetikk und Favorite verlassen Selfmade ebenfalls in den zwei folgenden Jahren, um ihr eigenes DIng durchzuziehen. Zum Zeitpunkt der Schließung des Labels im Jahr 2022 - Selfmade Records war inzwischen ein Sublabel von Sony - sind nur noch die 257ers und Karate Andi bei dem Düsseldorfer Label gesignt. Zu dem Zeitpunkt sei das Camp "schon lange Geschichte" gewesen, so Mike gegenüber Host Robin Schmidt. Aufgrund von vertraglichen Verpflichtungen seien sie aber noch bis zum Ende an Selfmade gebunden gewesen.
Warum Selfmade Records trotz des großen Erfolgs am Ende "gescheitert" sei? Schneezin wills wissen: Durch die modernen Entwicklungen der Musikindustrie bräuchte man schlicht keine lokalen "Camps" mehr, um eine Karriere zu haben. Connections würden mittlerweile bundesweit entstehen.
"Jeder hat [jetzt] die Chance. Ist ja nicht verkehrt, ist ja was Gutes [...] Diese Ära der Camps ist jetzt einfach so ein bisschen vorbei. Du kannst ja jetzt einfach ein Camp machen, wenn der eine aus Essen und der andere aus Berlin kommt. Das [Lokale] spielt jetzt keine Rolle mehr."
Das komplette Interview könnt ihr auf dem Kanal von ROBINS HOOD anschauen. Ab 31:34 geht es um Selfmade Records:
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