Eminems Mutter zu beleidigen sollte man lassen. Weil Mutterwitze generell infantil und mittlerweile out sind. Weil er selbst mal gesagt hat, dass nur er das Recht hat, seine Mutter zu beleidigen. Und schließlich, weil er sich mit dem Videorelease zu Headlights endgültig mit ihr versöhnt.

Aus dem Film 8 Mile wissen wir, dass Eminems Jugend aus Trailerpark, miesen Jobs und Freestyles bestand. Irgendwann wurde Dr. Dre dann die Slim Shady EP  vorgespielt und Em wurde zum Star. Die ersten Disses gegen seine Mutter feuerte er bereits 1999 auf dem Track My name is ab:

"Ninety-nine percent of my life I was lied to/
I just found out my mom does more dope than I do/
I told her I'd grow up to be a famous rapper/
Make a record about doin' drugs and name it after her/
"

Weiter heißt es: 

"How you gonna breast feed me, mom? You ain't got no tits/"

Doch er richtete nicht nur diverse Punchlines an seine Mutter, sondern sprach auch in Interviews über sie als eine labile Drogenabhängige, die ihn und seinen Bruder in ihrer Kindheit vernachlässigt hätte.

Wusstest du, dass Eminems Mutter ein Mixtape mit einem Song für ihn aufgenommen hat? Alles dazu findest du auf Seite 2!

Im September 1999 reichte Deborah Nelson-Mathers dann Klage wegen übler Nachrede gegen ihren Sohn ein. Sie verlangte 10 Mio. US-Dollar Schmerzensgeld. Man einigte sich jedoch auf eine Zahlung in Höhe von 10.000 US-Dollar und die Klage wurde fallen gelassen. Im Jahr 2001 veröffentlichte Deborah Mathers dann ein eigenes Mixtape mit unter anderem dem Song Dear Marshall, in dem sie Em darum bittet, mit den erniedrigenden Anschuldigungen aufzuhören:

"The demeaning me needs to stop and i speak for lots of mothers/
The words really hurt and they cut like a knife/"

Wahrscheinlich war dies der Versuch, sich auf einer, sagen wir mal, rapähnlichen Ebene mit ihrem Sohn auseinanderzusetzen. Oder auch der Versuch, ein bisschen Fame abzugreifen. Wobei rapähnlich schon ein großes Kompliment ist. Die Dame liest nämlich von ihr geschriebene Texte, die sich weder reimen, noch irgendwie tiefsinnig sind, vor. Darunter liegt eine Melodie. 

Natürlich ließ eine Antwort von Eminem nicht allzu lange auf sich warten...

Am 17. September 2002, dem Tag an dem seine Mutter drei Jahre zuvor Klage eingereicht hatte, veröffentlichte Eminem den Song Cleanin out my closet, eine Singleauskopplung aus dem Album The Eminem Show. Der Track diente auch als Soundtrack zum Trailer von dem Film 8 Mile, der im gleichen Jahr erschien. Hier rechnet Eminem nicht nur mit der Medienwelt und den Reaktionen auf seine Texte ab, sondern auch mit seinem Vater und, Überraschung, mit seiner Mutter. Er beschuldigt sie erneut des Drogenmissbrauchs: "Witnessing your momma popping prescription pills in the kitchen." Und mehr noch, er behauptet, Opfer ihres Münchhausen-Syndroms gewesen zu sein:

"Going through public housing systems, victim of Munchhausen's Syndrome/
My whole life I was made to believe I was sick when I wasn't/"

Das Münchhausen-Syndrom ist eine Persönlichkeitsstörung, bei der Mütter ihre eigenen Kinder verletzen, um Ärzten Krankheiten vorzutäuschen.

Im Jahr 2007 konnte Eminem dem Tod nach eigenen Angaben gerade so von der Schüppe springen, als er mit einer Überdosis Methadon noch rechtzeitig ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Er machte eine von ihm als erfolgreich bezeichnete Entziehungskur und brachte 2009 zum Muttertag sein Album Relapse raus, womit er erneut beweist, dass er ein gutes Gefühl für das richtige Timing hat. Auf diesem gibt er in dem Track My Mom seiner Mutter die Schuld für seinen Absturz:

"My mom loved Valium and lots of drugs/
That's why I am like I am 'cause I'm like her/
Because my mom loved Valium and lots of drugs/
That's why I'm on what I'm on 'cause I'm my mom/
"

Weiterhin beschreibt er erneut, dass seine Mutter ihn absichtlich krank gemacht habe, indem sie ihm regelmäßig Valium unter sein Essen mischte.

"Valium was in everything', food that I ate/
The water that I drank, fucking' peas in my plate/
She sprinkled just enough of it to season my steak/
So everyday I have at least three stomach aches/
"

Kurze Zeit später schrieb Eminems Mutter ein Buch...

Seine Mutter versuchte sich 2008 mit der Veröffentlichung eines Buches, Mein Sohn Marshall, Mein Sohn Eminem: Die Wahrheit über mein Leben als Eminems Mutter, zu verteidigen:

"Irgendwann verwandelte er sich in den vulgären Entertainer Eminem. Anfangs spielte ich ihm zuliebe mit. Wenn ich als Mutter einen Fehler gemacht habe, dann den, dass ich jede Marotte meines Sohnes durchgehen ließ."

Küchenpsychologen mögen an diesem Thema ein gefundenes Fressen haben. Michael Pilz von dem Axel Springer-Blatt Die Welt dichtete Eminem 2009 in einem Artikel sogar ödipale Züge an. Dabei bezog er sich auf die Tatsache, dass das Sexsymbol Kim Basinger die Rolle seiner Mutter in 8 Mile verkörpert. Gut, einen "Motherf***er" haben Eminem sicher schon einige genannt.

Kürzlich haben sich beide versöhnt. Weiter geht's auf der nächsten Seite...

Jetzt, im Alter von 42 Jahren, schließt Marshall Mathers mit dem Song Headlights endlich Frieden mit seiner Mutter. Er fragt sich: "Did I take it too far? ", und bezieht sich damit vor allem auf den Song Cleanin out my closet. Auch die Anschuldigungen nimmt er weitgehend zurück und gesteht, jedes Mal zusammenzuzucken, wenn der Song im Radio läuft, und ihn darüberhinaus auch nicht mehr auf Konzerten zu spielen:

"But I'm sorry, Mama, for 'Cleaning Out My Closet', at the time I was angry/
Rightfully maybe so, never meant that far to take it though/
'cause now I know it's not your fault, and I'm not making jokes/
That song I no longer play at shows and I cringe every time it's on the radio/"

Im Anfang der Woche erschienenen Video zu Headlights sieht man aus der First-Person-Perspektive, wie eine Frau, die offensichtlich seine Mutter darstellt, immer wieder versucht, Kontakt zu ihrem Sohn aufzunehmen. Sie fährt mehrere Male zu seinem Haus, wird aber jedesmal vom Pförtner abgewiesen, bis Eminem zufällig gerade den Hof mit seinem Auto verlässt, als sie erneut vor seinem Tor steht. Beide steigen aus ihren Autos und umarmen sich.

Eines der größten Battles (Ja, es ist kein richtiges Battle und erst recht keins auf Augenhöhe) der letzten 15 Jahre, Eminem gegen seine Mutter, findet also sein Ende. Em wusste 2009 schon, dass es uns vielleicht langsam ein bisschen auf den Nerv geht. Vier Jahre später kann er es sich auch wirklich verkneifen. Bis ihn seine eigenen Kinder dissen, herrscht Frieden im Hause Mathers.

"My mom, my mom, I know you're probably little tired of hearing/"

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Eminem, Drake & Co.: Diese Rapper verdienen am meisten

Eminem, Drake & Co.: Diese Rapper verdienen am meisten

Von Till Hesterbrink am 20.07.2021 - 13:35

So viel kann man als Rapper also tatsächlich verdienen: Mal wieder wurde von Billboard die Liste der bestbezahlten Musiker des Jahres veröffentlicht und darunter sind auch einige Hiphop-Artists zu finden. Auffällig für dieses Jahr sind natürlich vor allem die massiv eingebrochene Einnahmen durch Liveauftritte. Normalerweise lässt sich damit für Künstler das meiste Geld einnehmen. Die Auflistung beschränkt sich auf direkte Einnahmen mit der Musik. Side-Businesses werden nicht miteingerechnet.

Eminem, Drake & Post Malone: Die bestbezahlten Musiker 2020

Den ersten Platz der Liste belegt dieses Jahr niemand Geringeres als Taylor Swift. Die 31-jährige Country-Sängerin sichert sich mit einem Umsatz von fast 24 Millionen Dollar den Spitzenplatz der Liste. Dich hinter ihr findet sich allerdings bereits der erste Künstler, den man dem Hiphop-Gerne zuordnen kann: Post Malone (jetzt auf Apple Music streamen). Der konnte im letzten Jahr satte 23 Millionen Dollar umsetzen. Dies liegt vor allem daran, dass Posty kurz vor dem Hoch der Corona-Pandemie noch eine Tour gespielt hatte. Das letzte Konzert dieser fand am 12. März statt.

Der erste wirkliche Rap-Künstler auf der Liste ist Drake, der mit knapp 14 Millionen Dollar den sechsten Platz belegt. Seine Haupteinnahmequelle ist Streaming. Wie bereits im Jahr zuvor ist Drizzy mit ca. 8 Milliarden Plays der meistgestreamte Artist des Jahres.

Auf dem neunten Platz findet sich YoungBoy Never Broke Again. Der (Quasi-)Schwiegersohn von Floyd Mayweather konnte vor allem durch Streams seiner Videos ordentlich Einnahmen erzielen. 11,9 Millionen Dollar, um genau zu sein. Er ist der Künstler, dessen Videos am meisten im letzten Jahr abgespielt wurden. Ihm dicht auf den Fersen ist Lil Baby, mit 11,7 Millionen Dollar.

Ganz knapp an der Top 10 schliddert The Weeknd mit seinen 10,4 Millionen vorbei, der im letzten Jahr sein Album "After Hours" samt dem unglaublich erfolgreichen Hit "Blinding Lights" veröffentlichte.

Auf Platz 14 ist Eminem, der im letzten Jahr gleich zwei Alben rausgehauen hat. "Music To Be Murdered By" und die zugehörige Deluxe-Version, die als "B-Seite" bezeichnet wurde. Damit landete Em' auf Platz fünf aller digitalen Verkäufe. Insgesamt konnte Eminem im Corona-Jahr 9,7 Millionen Dollar einnehmen.

Und auf Platz 15 findet sich dann Lil Uzi Vert, der ebenfalls zwei Alben veröffentlichte. "Eternal Atake" und "Lil Uzi Vert vs. The World 2" bescherten dem 26-Jährigen eine riesige Nummer an Streams. So viele, dass er insgesamt 18 Tracks auf einen Schlag in den Top 100 vorweisen konnte. Damit ist er erst der dritte Künstler jemals, dem dies gelingt. Einnehmen konnte er 2020 9,4 Millionen Dollar.

Musikeinnahmen in 2020

Billboard vergleicht die Zahlen zudem mit den letzten Jahren. So wird deutlich, was für einen Einfluss die Corona-Pandemie auf die Musikindustrie hatte. Taylor Swift war zuletzt 2018 Teil der Liste. Damals hatte sie allerdings auch Einnahmen von insgesamt fast 100 Millionen Dollar. Insgesamt sind die Einnahmen der Musikindustrie im letzten Jahr um fast eine Milliarde Dollar zurückgegangen.

Besonders die fehlenden Einnahmen aus Konzerten werden deutlich, die sonst bis zu 80 % der Einnahmen der Top 40 Künstler dargestellt hatte. Diese gingen von den letztjährigen 779 Millionen Dollar auf lediglich 79 Millionen Dollar zurück.

Verkäufe von physischer und digitaler Musik erfuhren hingegen einen Zuwachs um 39 % und machen insgesamt 59 Millionen Dollar aus. Trotzdem ist die Zukunft natürlich Streaming. Die einzelnen Künstler konnten insgesamt 193 Millionen Dollar durch Streams einnehmen, das ist eine Steigerung um knapp 82 % im Vergleich zu letztem Jahr. Und der Trend geht weiter nach oben.

Hier könnt ihr euch die ganze Liste anschauen.

Drake ist der Künstler des Jahrzehnts


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