"Diamond Boy" aus der Schweiz: OZ im Porträt

Der Überhit "Sicko Mode" von Travis Scott und Drake ist gerade in Amerika Diamant gegangen (10 Millionen abgesetzte Einheiten). Jemand, der unmittelbar damit zu tun hat, kommt aus einem beschaulichen Ort in der Schweiz. OZ grenzt den Ausgangspunkt seiner ganz persönlichen Started-From-The-Bottom-Geschichte auf "200 Einwohner, 100 davon sind Kühe" ein. Ohne Führerschein kann man sich dort langweilen oder seine Leidenschaft perfektionieren. OZ hat sich für Letzteres entschieden.

Zwei der größten Rap-Songs der vergangenen Jahre gehen auf seine Producer-Fähigkeiten zurück. Neben "Sicko Mode" war er auch maßgeblich für "Highest In The Room" von Travis Scott verantwortlich. Mit nicht einmal 30 Jahren geht sein Erfolgsrun 2020 einfach ungebremst weiter. "Life Is Good", "Toosie Slide", "Popstar", "Greece" – überall hat OZ seine Finger im Spiel.

Über Nazar zu Meek Mill: OZ startet durch

Die ersten Schritte zur Weltkarriere unternimmt OZ 2008. Es werden erste Grundlagen für die internationale Laufbahn geschaffen. Ausgerüstet mit Basis-Equipment habe er sich als junger Typ regelrecht ins Produzieren "reingesteigert", wie er uns in einem Interview 2015 auf dem Openair Frauenfeld erzählt. Schließlich stößt der Wiener Rapper Nazar 2012 herum auf YouTube auf einen Beat des aufstrebenden Produzenten. Fortan geht es schnell. OZ ist für große Teile des Sounds auf den Alben "Narkose" und "Fakker Lifestyle" verantwortlich. Eine erste Duftmarke ist gesetzt.

Anfang 2014 bekommt OZ durch einen Kollegen die Chance, Beats nach Übersee zu schicken. Er ergreift die Gelegenheit und landet tatsächlich auf Meek Mills Album "Dreams Worth More Than Money". Daraufhin fliegt er selbst in die Staaten und versucht mehr Connections aufzubauen. Ein Homie nimmt ihn zu Studiosessions mit und es ergeben sich für ihn weitere Möglichkeiten, bekannten US-Rappern Beats zu präsentieren. Die Arbeit mit anderen Producern vor Ort scheint dabei weitestgehend harmonisch abzulaufen. Neid oder Missgunst kann er nicht entdecken. OZ erkennt "keine Hemmungen, keinen Konkurrenzkampf".

2015 hat OZ bereits einen Status erreicht, von dem so einige träumen. Er kann auf Tracks mit French Montana, Fabolous oder Travis Scott zurückblicken. Außerdem ist er für die The Game-Single "Really" verantwortlich und sammelt so auf einen Schlag 2 Chainz, T.I., Yo Gotti und Soulja Boy ein. Ähnlich imposant ist das Lineup bei dem DJ Khaled-Song "How Many Times". Hier sind Big Sean, Lil Wayne und Chris Brown am Start. Zu dieser Zeit spricht er noch ein wenig ehrfürchtig von "größeren Rappern wie Drake".

Drake, Travis Scott, Shindy: OZ steht für Qualität

Mit der Zeit bleibt für OZ kaum eine Tür mehr verschlossen. Seine Herangehensweise sorgt dafür, dass er erstaunlich schnell im US-Markt Fuß fasst. Vor irgendwelche Marketing-Moves setzt er die Qualität seiner Produktionen. Er will mit seiner Musik ab der ersten Sekunde überzeugen. Auf dem Frauenfeld sagt er:

"Bei mir war es so: Ich habe versucht, erst das Produkt zu haben, dass ich richtig krasse Beats habe. Wenn ich irgendwann die Chance habe, jemanden meine Beats zu zeigen - zum Beispiel einem Meek Mill - dann sollen die krass sein. [...] Spielst du einen scheiß Beat ab, hast du verloren."

Er hält sich selbst für besonders gut darin, "düstere Sachen" zu erschaffen. Jemand von der Marke Bushido passt in so eine dunkle musikalische Welt. OZ arbeitet am Album "Black Friday" mit. Enger ist der Draht jedoch offenkundig zu Shindy. Bei dessen Album "Dreams" ist OZ quasi an der kompletten Produktion beteiligt. Der Beat zur ersten Album-Single "Roli" ging im Vorfeld bereits an Drake, der die Shindy-Nummer mit einem Pick hätte kippen können. Dazu kam es nicht. Aber auch ohne den "Roli"-Beat ist OZ auf Drakes Album "Views" vertreten ("U With Me?").

Ersguterjunge ist in den letzten Jahren zerbröselt. OZ und Shindy sind weiterhin ein Team. Das komplette Album "Drama" ist die Arbeit eines Trios bestehend aus Shindy, OZ und Nico Chiara. Es wirkt fast surreal, dass der gleiche Typ, der hierzulande den "Bietigheim Sunshine" bringt, für Travis Scott, Drake und Co. Welthits bastelt. Doch es sind Facts. Kaum vorstellbar, wie es OZ in Zukunft noch gelingen soll, sich selbst zu übertrumpfen. Trotz der Weltstar-Sphären, in denen er unterwegs ist, hat er die Bodenhaftung nicht verloren. Ihm scheint durchaus klar zu sein, dass sein Grind alles andere als normal ist. Er hat aus einem kleinen Nest in der Schweiz in den Olymp der Popwelt geschafft.


Foto:

Screenshot via twitter.com/ozmusicproducer

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Nach Spotify-Leaks: Was wir über Travis Scotts neues Album "Utopia" wissen

Nach Spotify-Leaks: Was wir über Travis Scotts neues Album "Utopia" wissen

Von Michael Rubach am 14.01.2021 - 12:16

Im Herbst 2020 schickte Travis Scott in einer handgeschriebenen Notiz voraus, dass wir uns 2021 alle in "Utopia" sehen würden. Schon im Sommer sendete La Flame bereits eine ähnliche Botschaft zum zweijährigen Jubiläum seines Albums "Astroworld".

Seitdem ist der Name für das nächste Release von Travis so gut wie gesetzt. Als musikalische Vorboten für den Sound des neuen Großprojekts aus dem Hause Cactus Jack gelten bisher die lose veröffentlichten Singles "Franchise" und "Highest In The Room". Weitere Eindrücke aus "Utopia" könnten kürzlich auf Spotify zu hören gewesen sein. Auf der Streaming-Plattform wurden gleich zwei neue Songs von Travis Scott geleakt.

"Utopia"-Leaks? 2 Travis Scott-Songs auf Spotify aufgetaucht

Fans von Travis Scott dürften sich verwundert die Augen gerieben haben. Auf dem offiziellen Spotify-Profil des Superstars standen am 12. Januar ohne Vorwarnung auf einmal ein Solotrack mit dem Titel "Vision" und die 21 Savage-Kollabo "Niagara Falls" zum Streaming bereit. Letzterer Song wurde im Oktober 2020 von Chase B in Travis' Apple-Show ".WAV Radio" angeteast.

Auch "Vision" gab es schon 2020 zu hören. Der Track wurde auszugsweise in eine Werbekampagne von Kylie Jenners Kosmetik-Linie eingebunden. Wie die beiden Songs jedoch nun für alle Welt hörbar auf das Spotify-Profil von Travis Scott gelangt sind, bleibt vorerst ungeklärt. Es ist vermehrt von einem Hack zu lesen, der hinter der plötzlichen Veröffentlichung gestanden haben soll. Ob die Tracks unter diesen Umständen tatsächlich auf "Utopia" landen, ist zumindest mit einem Fragezeichen zu versehen.

Travis Scott teast "Utopia": Welche Infos noch im Umlauf sind

Wie auf Genius zu sehen ist, klebte auf den Promo-CDs zur Single "Franchise" ein Sticker, auf dem "Live from Utopia" steht. Dass der Track, der in einer Remix-Version mit einem Future-Part ausgestattet wurde, auf dem neuen Album von Travis Scott zu finden sein wird, scheint demnach sehr wahrscheinlich.

Aus der Twitter-Bubble lässt sich noch ableiten, dass Travis in Mexiko an seinem neuen Werk gearbeitet hat. Auch sind in den entsprechenden Postings reichlich andere Größen der US-Szene präsent. So seien Roddy Ricch, Don Toliver, Future, Tame Impala-Frontmann Kevin Parker sowie die Produzenten Hit-Boy, Wheezy und WondaGurl in die Arbeiten an dem Projekt involviert.

Mit Blick auf die Gerüchteküche ist der Übertritt nach "Utopia" wohl für den März 2021 vorgesehen. Zu dieser Mutmaßung trägt offenbar die offizielle Ankündigung des Drinks "Cacti" bei. Die passenden Dosen präsentierte Travis Scott im Video zu "Franchise". Er rappt dort auch über die Brand: "Cacti, not no iced tea". Der Launch des alkoholischen Getränks steht für März 2021 bevor.

Ein neues Produkt gleichzeitig mit einem neuen Album auf den Markt zu bringen, wirkt nicht wie die schlechteste Idee. Handfeste Infos zu "Utopia" bleiben jedoch eher Mangelware. Die Indizien, dass der Sprung aus der "Astroworld" nach "Utopia" in nicht allzu weiter Ferne liegt, häufen sich dennoch. Auf Instagram teilte Travis in seiner Story ein Artwork des länger eingestampften Science-Fiction-Magazins "Omni". Ergänzt wird der Post um ein kurzes "bald".


Foto:

Screenshot via instagram/travisscott

Ein Zitat aus der GQ Coverstory aus dem August 2020 untermauert den Fahrplan. Auf die Frage hin, welcher Anlaufpunkt nach "Astroworld" komme, antwortete Travis:

"You go to utopia. That’s where we go."

Das Outfit für den Trip steht auch bereits seit längerem fest:


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