Deutschrap reagiert auf die Wahlen in Sachsen & Brandenburg

Die AfD konnte am gestrigen Wahlabend gleich in zwei Bundesländern starke Zugewinne verzeichnen. Eine Regierung unter Führung der rechtspopulistischen Partei wird jedoch zum Glück erst einmal ausbleiben. Wie reagiert Deutschrap darauf, dass sich in Brandenburg und Sachsen ungefähr jeder Vierte bewusst für eine Partei entschieden hat, die in Teilen rechtsextreme Positionen vertritt?

Kool Savas kritisiert mangelnde Haltung

Der King of Rap hat auch die Wahlergebnisse verfolgt und zeigt sich bestürzt. Dabei zielt er eher indirekt auf die besorgniserregenden Ergebnisse der AfD ab. Er vermisst den kollektiven Aufschrei von Vertretern der größten Jugendkultur.

Kool Savas on Twitter

Deutschrap findet die Nazirückkehr anscheinend nicht sehr bedenklich

Es sind auf den ersten Blick wenige Artists, die sich öffentlich zum Wahlhergang geäußert haben. Fruchtmax fragt sich auf Twitter, was in den Bundesländern eigentlich abgeht.

Fruchtmann on Twitter

Was geht ab in Brandenburg und Sachsen alter ??

Juicy Gay besinnt sich auf die Basics eines Rappers und bringt eine Punchline gegen den Parteivorsitzenden der AfD Alexander Gauland:

Juicy Gay on Twitter

Ich schieß auf Alexander Gauland/Körperteile überall verteilt... was ein Saustall

Kex Kuhl sieht im Verhalten der MDR-Moderatorin Wiebke Binder ein Abbild des Rechtsrucks. Diese hatte in einer Live-Sendung der ARD ein mögliches Bündnis aus AfD und CDU als "bürgerlich" und "stabile Zweierkoalition" bezeichnet.

YUNG GOUDA on Twitter

Wiebke Binder ist wohl der traurigste Spiegel, in den man gestern hineinsehen konnte.

KUMMER, der im Vorfeld mit dem Gedanken spielte, Sachsen bei einem Erfolg der AfD zu verlassen, ist ebenfalls fassungslos. Er packt seine Stimmung in ein Bild.



Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an


Sachsen

Ein Beitrag geteilt von Felix Brummer (@kummer_official) am

Im Track "9010" schildert er, welche persönlichen Erfahrungen er mit Nazis in Chemnitz gemacht hat.

KUMMER - 9010 [Video]

Felix Brummer hat als Sänger von Kraftklub und unter dem Namen Carsten Chemnitz schon öfter bewiesen, dass er zweifellos rappen kann. Nun hat er sich einen neuen Künstlernamen zugelegt und nennt sich KUMMER. Sein erster Track "9010" ist nichts für Freunde von seichter Unterhaltung.

Sollte die AfD einmal auf Bundesebene alle anderen Parteien hinter sich lassen, hat Disarstar schon einen Plan.

Disarstar über die AfD
Foto:

via instagram.com/disarstarhh
Disarstar über die AfD

Vor der Wahl haben sich unter anderem Sookee und Trettmann klar positioniert und verdeutlicht, dass man den Rechten nicht das Feld überlassen darf.

Friedhelm Wellblech on Twitter

Mich würde mal interessieren, wieviele der heutigen AFD Sympathisanten/ Wähler damals die schnelle Wiedervereinigung und DMark wollten, dann die Bürgerbewegung überrannt („Helmuth, Helmuth!") und 30 Jahre CDU gewählt haben, um uns heute enttäuscht in die nächste Misere zu reiten.

Die großen Namen aus der Branche lassen das Wahlergebnis bisher weitestgehend unkommentiert. Das fällt neben Savas auch anderen Twitter-Usern auf:

Jaycop74 on Twitter

@ruhrpottralle69 @realtrettmann Hömma, wo sind eigentlich die ganzen anderen Rapper und Künstler, die was dazu sagen müssten.... Alle high & besoffen oda wat??

Groove Attack powered by Hiphop.de

Groove Attack powered by Hiphop.de

Deine Deutschrap-Playlist powered by Hiphop.de, immer mit den aktuellsten Tracks der deutschen Hip-Hop Szene! Cover: ERRDEKA

Groove Attack ist Streaming Partner von Hiphop.de

Deine Meinung dazu?

Weiter ...

Kool Savas über Streaming: "Man muss sich diesem Release-Wahnsinn nicht beugen"

Kool Savas über Streaming: "Man muss sich diesem Release-Wahnsinn nicht beugen"

Von Jesse Schumacher am 12.02.2020 - 16:13

Die Streaming-Dienste wie Spotify oder Apple Music sind in der heutigen Zeit gar nicht mehr wegzudenken. Sie beeinflussen nicht nur das Hörerverhalten, sondern prägen auch die Art und Weise wie Musik produziert und vermarktet wird. Nach GfK Entertainment und dem Bundesverband Musikindustrie (BVMI) ist die Anzahl der User auf Spotify im letzten Jahr um 30% gestiegen. Im Jahr 2019 nutzten 271 Millionen Hörer weltweit den Streaming-Dienst.

Kool Savas und Toxik über das Streaming-Zeitalter

Für den #Businessclass-Podcast des jungen Handelsblatt-Portals Orange sprachen die Moderatoren mit Kool Savas und Toxik über die Entwicklungen im Streaming-Zeitalter. Kool Savas sagt, dass ein Unterschied zu früher darin liegt, dass es sich damals schnell gezeigt hat, ob ein Album kommerziell erfolgreich wird oder nicht. Heute sei das Potential eines Songs, auch nach einiger Zeit noch erfolgreich zu werden, viel höher. Einen Grund sieht er beispielsweise darin, dass ein Song zur richtigen Zeit in der richtigen Playlist landen kann. Außerdem sei es für ein jüngeres Publikum durch die Abonnements bei Streaming-Plattformen heutzutage viel günstiger, neue Musik zu hören.

Doch nicht nur der Erfolg der Musik hängt vom Streaming ab. Auch die Musik habe sich verändert. Die Intros seien kürzer und meist beginnen die Songs mit dem Chorus. Kool Savas sagt:

"Das ist einfach nur, weil die Leute sofort erkennen sollen, um welchen Song es geht, damit sie nicht weiter skippen. Das Konsumverhalten hat sich verändert. Es ist so wie wenn du als Kind nachts alleine in einem Süßigkeitenladen eingesperrt bist und überall mal kosten kannst. Da muss irgendwas so krass bei dir hängen bleiben, dass du sagst, ich esse das jetzt noch mal. Im besten Fall läuft es so, man läuft da durch und nimmt sich von allem etwas."

Auch Toxik erkennt diesen Trend. Insbesondere deutscher Rap habe sich extremst verändert. Er sei viel melodischer und die Strophen kürzer geworden. Außerdem sagt er:

"Wenn man 25 Minuten ins Mikrofon schreit und super anspruchsvoll rappt, war das vielleicht früher cool, um Leute zu beeindrucken, aber der Algorithmus dankt es einem heute vielleicht nicht."

Im Vergleich zu früher sei außerdem erkennbar, dass die Frequenz der veröffentlichten Songs heute viel höher sei. Toxik erklärt sich das dadurch, dass bei Spotify auch die Anzahl der monatlichen Hörer*innen extrem wichtig sei. Diese werde hoch gehalten, wenn konsequent viele Tracks veröffentlicht werden. 

Kool Savas sieht diese Tendenz auch, betont aber, dass sich nicht jeder Künstler danach richten sollte. Er sagt dazu:

"Man muss sich diesem Release-Wahnsinn nicht beugen, das wäre totaler Blödsinn. Es gibt Künstler, zu denen passt das nicht. Das ist einfach eine andere Art und Weise, wie man damit umgeht. Aber für neue Künstler, die wirklich von Medien wie Instagram abhängig sind und damit auch intensiv arbeiten, ist das schon wichtig, dass die auch bei diesem Tempo mithalten. Sonst sind die nicht mehr auffällig genug."

Am Ende des Interviews wird deutlich, dass er die Entwicklung der Streaming-Dienste weder komplett positiv noch negativ einschätzt. Es gebe beide Seiten.


Sag uns deine Meinung zu diesem Artikel! (0 Kommentare)

Register Now!