Biting und Hommage: Wo ist eigentlich die Grenze?

Rap aus den Staaten galt schon immer als großes Vorbild für deutschen Hiphop – selbstverständlich. Auch klar, dass dann immer wieder Elemente aus den USA hierzulande verwendet werden, meistens spricht man von Inspiration. Doch wo ist die Grenze zwischen Biting und Hommage?

Hommage?

Einer der größten Rapper aller Zeiten, dem Biting vorgeworfen wird, ist Jay Z. Immer wieder werden Stimmen laut, er würde alte Biggie-Lines recyclen. Jigga, der gemeinsam mit The Notorious B.I.G. aufgewachsen und zur Schule gegangen ist, dementiert die Vorwürfe. Seinen verstorbenen Homie in den Köpfen der Leute halten wäre tatsächlich eine legitimer Grund, seine Lines am Leben zu halten.

Ähnlich auch Snoop Dogg, der 1993 den Klassiker La Di Da Di unter dem Namen Lodi Dodi coverte. Seine Erklärung:

"Als ich an den Start kam, hatte jeder Rapper seinen eigenen Style. Wenn du dich angehört hast wie jemand anderes, nannte man das "Biting". Ich habe La Di Da Di von Slick Rick und Doug E. Fresh irgendwann genommen, umgeändert und veröffentlicht. Das ist eine Hommage. Ich bezahle meine Idole, damit ich ihren alten Song benutzen darf. Dadurch lernen die Kids auch die Helden meiner Jugend kennen. Das ist was anderes, als wenn ich einfach deinen Style nehme und so ähnlich rappe."

Zuletzt entfachte in der Deutschrap-Szene eine Diskussion über ebendieses Thema. Falk und DJ Desue argumentierten über die Nutzung des gleichen Samples in Sidos Hamdullah wie in A Friend von KRS-One:

Hiphop-Experten unter sich: Sidos neuer Track löst Streit zwischen Falk und DJ Desue aus

Sido hat heute mit seinem neuen Song Hamdullah für massig Aufregung gesorgt. Unter anderem löste der Track eine wilde Twitter-Diskussion zwischen Falk Schacht und DJ Desue aus. Der Grund: Ein Sample. Nachdem Sido Falk in Hamdullah eine ziemlich harte Line widmete, twitterte Falk zunächst "Solange Sido gute Musik macht, darf er mich gerne dissen."

Das ist übrigens auch nicht das erste Mal, dass Sido sich musikalisch an Amerikanern orientiert. Während Hamdullah und A Friend wohl eher in die Kategorie Inspiration fallen, passierte auf seinem Debüt Maske eine ziemlich offensichtliche Hommage. Die Hook des Songes Ghettoloch geht folgendermaßen:

"Ein Ghettoloch ist der Ort, an dem wir leben /

Tag für Tag frag ich mich: Wann wird es uns besser gehen? /

Ich wünschte, es wäre nicht so viel Stress /

Ich will, dass die Welt schreit: Sido, Sido!"

Nachempfunden ist es dem Refrain von Renee der Lost Boyz aus dem Jahre 1996:

"A ghetto love is the law that we live by /

Day by day I wonder why my shorty had to die /

I reminisce over my ghetto princess everyday /

Give it up for my shorty"

Die Ähnlichkeit des Inhaltes, des Flows, der musikalischen Art und Weise ist so dermaßen einleuchtend, dass Sido hier offensichtlich Tribut zollt. 

Biting?

Ein ziemlich deutlicher Fall des Bitings liegt uns beispielsweise bei Drake vor. Für seinen Gastpart auf Who Do You Love? von YG rappt Drizzy eiskalt Zeilen, die es Rappin' 4-Tay bereits Jahre zuvor genauso gebracht hatte. Ohne Umschweife übernahm er dessen Part und setzte lediglich eigene Schlagworte wie "OVO Crew" ein. Ohne Gerichtsverhandlung zahlte der Kanadier später 4-Tay eine Summe über 100.000 Dollar zum Ausgleich. Sowas nennt man wohl Eingeständnis.

Drake durfte auch schon auf der anderen Seite stehen. Der kürzlich von Tyga veröffentlichte Track 1 of 1 klingt überraschend ähnlich – um nicht "komplett gleich" zu sagen – wie Drakes diesjähriger(!) Hit Controlla. Mit dem nicht gerade freundlichen Verhältnis der beiden im Hinterkopf scheint das ein kurioser Schritt zu sein, den Tyga nimmt. Drake reagierte prompt.

Welche anderen Fälle von Biting und/oder Hommage fallen dir ein? Wo kannst du schwer abschätzen, welches der beiden vorliegt?

Lost Boyz' Renee und eine Menge anderer Old School-Tracks, denen gerne Mal Hommage gezollt wird (Still D.R.E. oder Juicy), findest du in der Spotify-Playlist Old School Hip Hop.

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Kommentare

In den Texten von Marsimoto findet man auch viele Hommagen an andere Künstler, siehe unter anderem "Anarchie" vom aktuellen Album.

Jede Produktion von shindy.

Ich finde, man sollte das Gesamte Werk eines Künstlers sehen. Sido z. B. hat schon so viel gutes Zeug und echte Rap-Hits rausgehauen, bei denen man ihm nicht nachweisen kann, dass das irgendwo geklaut ist, dass es ihm erlaubt sein müsste auch mal einen Track so zu "übernehmen". Er macht Dinge, die 1 Künstler seiner Größenordnung gar nicht mehr machen müsste (feats. mit kleineren Acts, Interviews mit Hiphop-Magazinen mit kleinerer Reichweite etc.). Vielleicht will er die jüngere Generation auch mit "Hamdullah" ja lediglich auch auf den Original-Track aufmerksam machen. Wäre auch 1 Möglichkeit.

Marsimoto ist eine einige Hommage an Quasimoto. Oder eben ein Bite. Zugegebenermaßen hat er mittlerweile einen ganz anderen Sound entwickelt, der damit nicht mehr viel zu tun hat.

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Meek Mill teast sein Karriereende

Meek Mill teast sein Karriereende

Von Till Hesterbrink am 20.10.2021 - 13:45

Meek Mill verkündet in einem Interview mit Complex, dass er bereits an seinem Karriereende plant. Und das soll sogar in nicht allzu ferner Zukunft stattfinden. Nach seiner Musikkarriere wolle er andere Dinge verfolgen. Was genau lässt er dabei noch offen.

Meek Mill plant sein Karriereende

Seit über zehn Jahren ist Meek Mill (jetzt auf Apple Music streamen) bereits im Game, doch mit einer weiteren Dekade plant er nicht mehr. Gegenüber Complex verriet der Dreamchaser, dass er nur noch drei bis vier Jahre rappen wolle. So lange würde er noch volle Power geben, was Musik. Danach wolle er sich neuen Aufgaben widmen.

"Ich habe noch drei oder vier Jahre übrig. Danach war es das. Ich rappe, seitdem ich 23 bin. Ich kann nicht für immer auftreten. Ich denke, in den letzten Jahren werde ich musikalisch nochmal alles geben und danach verfolge ich andere Dinge."

("I got like three or four more years left. That's it! I’ve been rapping since I was 23. I can't be performing forever. I think these the last years I'm going hard with music and then I’m gonna pursue other stuff.")

Ein kleines Hintertürchen lässt sich der 34-Jährige dann aber doch noch offen. Ganz mit der Musik abschließen wolle er nämlich wohl nicht. Er würde vielleicht ab und zu noch weiter Tracks schreiben und aufnehmen. Aber große Albenreleases und monatelange Touren sollten Fans dann nicht mehr erwarten. Spaßeshalber erklärt er, dass er weiter rappen würde, wenn jemand seine Songs als NFTs erwerben wolle.

Bis zu seinem Karriereende wolle er aber auf jeden Fall noch vier bis fünf Alben veröffentlichen.

Das ganze Interview mit Meek Mill könnt ihr euch hier anschauen:

Meek Mills neues Album ein Flop?

Meeks am 01. Oktober erschienenes neues Album "Expensive Pain" sorgte derweil für Aufsehen unterschiedlichster Art. Nicht nur das anrüchige Cover sorgte für gespaltene Reaktionen. Auch die Verkaufszahlen wurden zu einem Thema. So wird das Album von vielen trotz großer Medienkampagne mit "nur" 95.000 Verkauften Einheiten als Flop gewertet. Auch Meek Mills ständiger Beef-Partner DJ Akademiks nutze die Verkaufszahlen um gegen den Rapper zu feuern.

Und auch Meek Mill selbst scheint eher unzufrieden zu sein. Nachdem sein Album auf Platz 3 chartete, hinter Drake und Taylor Swift, verkündete er, nichts mehr mit den Charts zutun haben zu wollen. Der einzige Erfolgsindikator sei für ihn von nun an, wie sehr die Fans seine Projekte fühlen würden.

Im gleichen Interview verkündete Meek, dass er für das Album keine "Deluxe Version", sondern eine "Extendo" plane. Der Unterschied läge darin, dass er nicht nur zwei oder drei neue Songs draufpacken wolle, sondern die aktuell 18 Songs starke Tracklist um auf insgesamt 32 Tracks erweitern will.

Hier könnt ihr in das Album reinhören:

Angestellter verwüstet Subway, um bei Meek Mill zu punkten

Der Wunsch nach einem Signing bei Meek Mill hat einen Mann seinen Job gekostet. Ein 28-jähriger (nun ehemaliger) Subway-Mitarbeiter hielt es für eine gute Idee, den Platz hinter der Sandwich-Theke zu verwüsten und die Aktion mit der Kamera festzuhalten.


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