Die außergewöhnlichsten Promophasen der letzten Jahre

Haftbefehl - Unzensiert

Bleiben wir doch gleich beim Babo. Ende September wurde bekannt, dass Sido und Haftbefehl am 17. Dezember beim Soundclash in Essen gegeneinander antreten sollten. Siggis neue Platte VI war zu diesem Zeitpunkt etwas mehr als drei Wochen alt.

Hafts letzter offizieller Output war das Album Russisch Roulette, das Kritiker und Fans gleichermaßen überzeugen konnte – beim Hiphop.de Award 2014 ließ die Platte sogar die Releases von Kool Savas und Kollegah hinter sich (Gewinner im Überblick). Bei so einem großen Soundclash wollte man aber nicht ohne neue Ware aufkreuzen und dann kam die wohl glücklichste Fügung des Schicksals seit es Deutschrap-Promophasen gibt...

Jan Böhmermann veröffentlichte am 26. November den viel diskutierten Song Ich hab Polizei. Wer sich alles dazu äußerte und wie sehr die Nummer in der Szene polarisierte, kannst du dir hier noch mal vor Augen führen. Nur fünf Tage später, am 1. Dezember, kommt Haftbefehl plötzlich mit CopKKKilla um die Ecke. "Du hast Polizei? - Ich kille Polizei!", scheint die Message zu sein. Innerhalb von nur fünf Tagen soll Haftbefehl mit seinem Team diesen Song aufgenommen und ein Video produziert haben? Wohl kaum.

Alles könnte abgesprochen gewesen sein, vermuten nicht wenige. Die Deutschrap-Illuminaten haben sicher ihre Hände im Spiel. Nicht ganz. Das Release musste verschoben werden, wie Haftis Manager Erfan Bolourchi uns im Interview verriet. Der zuständige Produzent Bazzazian sagte gegenüber Toxik (hier komplettes Interview abchecken):

CopKKKilla wollten wir sowieso als erstes Video veröffentlichen, aber Ich hab Polizei kam perfekt. Und nein, das war nicht abgesprochen. [...] Als Ice-T damals Cop Killer veröffentlicht hat, gab's ein riesiges Palaver. Deshalb hatte ich auch bei uns viel Kritik erwartet. Dann wurde aber nur noch darüber diskutiert, ob CopKKKilla eine Antwort an Böhmermann sein soll.

Die Aufmerksamkeit war riesig. Als dann einen Tag vor dem Soundclash Depressionen im Ghetto erschien, konnten wir den Braten praktisch riechen. Unzensiert erschien in der Nacht, in der der Soundclash stattfand. Vielleicht war es schon ein geheimes Vorzeichen, dass der Offenbacher dort mit seinem Bonner Kollegen Xatar CopKKKilla performte.

Wohl auch aufgrund der unkonventionellen Promophase sprang am Ende nur Platz 56 in den Charts für Unzensiert heraus. Musikalisch und promotechnisch hat das Release trotzdem einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

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Kommentare

stabil

Studio Amani ist genauso peinlich wie die beiden Kasper die jetzt meinen, Promo machen zu müssen ..

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Von Angst geprägt: Laas resümiert EGJ-Zeit

Von Angst geprägt: Laas resümiert EGJ-Zeit

Von Till Hesterbrink am 19.10.2021 - 12:41

In einer äußerst ausführlichen Instagram-Story fasst Laas seine Zeit bei EGJ zusammen. Eine Zeit, die laut eigener Aussagen vor allem von Angst geprägt gewesen sei. Die Angst, das neue Camp zu enttäuschen. Auch an seine beiden ehemaligen Beef-Kontrahenten Kollegah und Farid Bang richtet er Grüße aus.

Laas bei EGJ: "Thema Angst"

Bewegt durch Ali Bumayes Aussagen im neusten TV Straßensound-Interview über die EGJ-Zeit fühlt sich auch Laas bewegt ein paar Worte zu seinem Signing bei dem Berliner Label loszuwerden. So habe sein Umfeld ihm geraten, sich nach den schlechten Verkaufszahlen seines Albums "Daemon" wieder einen "normalen Job" zu suchen. Zu diesem Zeitpunkt habe Laas (jetzt auf Apple Music streamen) bei Freunden auf dem Sofa geschlafen und wäre broke gewesen.

Dann habe er von Freunden aus der Szene die Anfrage bekommen, ob er nicht am Ali Bumaye-Album mitarbeiten wolle. Daraufhin sei er schnell ein fester Teil des Labels geworden und Arafat habe ihn gefragt, ob er nicht bei EGJ unterschreiben wolle. Er habe sich in der Hiphop-Welt nie willkommen geheißen gefühlt, aber dort wurde er ohne Vorurteile so aufgenommen, wie er war. Zum ersten Mal habe er sich dazugehörig gefühlt.

"Nun war ich nach 15 Jahren Struggle endlich mal irgnedwo angekommen, wo es plötzlich wieder Sinn machte, an meine Musik zu glauben."

Zwar habe er dadurch seine Geldprobleme hinter sich lassen könne, allerdings hätten sich neue, zuvor nicht erahnbare Probleme aufgetan. Besonders mit Selbstzweifeln habe er zu Kämpfen gehabt. Zum ersten Mal hätten seine Moves auch direkte Auswirkungen auf das hinter ihm stehende Team gehabt. Und dieses habe er nicht direkt wieder verlieren wollen. Diese Angst, keine Fehler machen zu wollen, habe ihn "versteinert".

Bushido startet Beef mit Koolegah & Farid Bang wegen Laas

Als Farid ihn dann auf einem Song disste, habe Arafat bei diesem angerufen und das Ganze aus der Welt geschafft. Allerdings habe Bushido dann mit seiner Aussage im Promovideo zu Black Friday, dass Laas jetzt bei ihm seie und ihn niemand mehr dissen könne, ein größeres Thema daraus gemacht. Ähnliches hatte auch Ali im Interview erklärt, dass dieser eine Satz für den Beef mit Kollegah und Farid gesorgt habe.

Laas habe sich erst über die Rückendeckung gefreut, verstehe heute aber, dass es vor allem auch um eine Machtdemonstration ging. Aus der Angst, sein Camp zu enttäuschen, habe Laas auch wieder angefangen, gegen Kollegah zu feuern. Aus heutiger Sicht sei er allerdings sehr unzufrieden mit diesen Lines.

"Ich stand genau in der Mitte zwischen zwei Parteien, deren Egos sehr wahrscheinlich die Größten dieser Szene sind. Farid und Kollegah sind, wenn es um dieses Thema Beef geht, die absoluten Endgegner, Bushido und Arafat zum damaligen Zeitpunkt genauso."

Am Ende des Tages habe er nur versucht, so unbeschadet wie möglich aus dieser Situation wieder herauszukommen.

Doch habe ihn das ganze auch gelehrt, dass Angst ihm eigentlich nichts anhaben kann. Er sei schon am Boden gewesen und habe jedes "worst case Szenario" miterlebt und sei trotzdem mit erhobenem Haupte rausgekommen. Zum Schluss bedankt er sich sowohl bei Kollegah und Farid Bang als auch bei Bushdio und Arafat für diese Zeit, die in stärker gemacht habe. Ali Bumaye antwortete Laas nach seinem Statement, dass er "nur Liebe" für ihn habe.

Aber auch aktuell gibt es immer wieder Dinge, mit denen Laas zu kämpfen hat:

Nach Shirin David-Album: Laas wollte seine Karriere beenden

Nach der gemeinsamen Fertigstellung des zweiten Albums von Shirin David, meldet sich Laas in seiner Instagram-Story zu Wort und zeigt sich enorm selbstkritisch: Bis heute sei er auf nichts, was er erreicht habe, stolz. Nach der Zusammenarbeit mit Shirin David an den Texten von "B*tches brauchen Rap" sei er zum wiederholten Mal kurz davor gewesen, seine Karriere zu beenden.


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