Auf dem Weg zu Millionen Klicks? 5 Tracks, die mehr Aufmerksamkeit verdienen

Wenn die Artists des Rapgames 2018 über ihren Reichtum, der sich in dicken Chains, teuren Autos und Pieces verschiedener Luxusmarken manifestiert, rappen, schwingt auch immer die Message mit: Seht her, ich habe es geschafft. Von ganz unten nach ganz oben. Die immer gleiche Story. Doch ein wenig Wahrheit steckt drin. Schließlich kamen die Millionen Klicks, die all die Dinge finanzieren, nicht über Nacht.

So schlummern auch heute Werke neuer Artists in den Untiefen des Internets, die darauf warten, entdeckt zu werden, damit sich die Urheberinnen und Urheber auch endlich das obligatorische Ice an die Handgelenke schnallen können. Wir haben uns deshalb ein wenig umgeschaut und präsentieren dir fünf Tracks, die du hören solltest. Auf dass die Artists das Hak bekommen, das ihnen zusteht. 

Jugo Ürdens - Ich verstehs nicht 

Jugo Ürdens - Ich verstehs nicht (prod.by joce)

Mein Album vorbestellen: https://futuresfuture.lnk.to/JugoUerdens_YUGO Instagram: https://www.instagram.com/jugouerdens/ VIDEO: produced by Miguel Romero Forsthuber STYLING: HVALA ILIJA http://hvalailija.com MIX: Erik B. MASTER: Lex Barkey TAUSEND DANK AN Simon Jäger Erik Anders Traktor Ryno Borsuk Edwin

Jugo Ürdens bringt auf einem von Joce gebauten Beat den Track "Ich verstehs nicht". Die ruhig vorgetragenen Parts könnten durchaus als eine Kritik an der aktuellen Rapszene aufgefasst werden. Was auch immer Jugo Ürdens nicht versteht: Sein Unverständnis geht gut ins Ohr!

Halfcastromeo - Scars

Halfcastromeo - SCARS (prod. by ZMRMN) [Official Video]

▸JETZT ERHÄLTLICH! ▸https://halfcastromeo.lnk.to/777-prologueID Das Musikvideo zu dem Song "Scars" aus dem Mixtape "777 - Prologue" von Halfcastromeo. © 2018 Futurity Audio. Alle Rechte vorbehalten.

Halfcastromeos "Scars" ist eine Abrechnung mit der Ex. Doch bevor du jetzt gleich weiterscrollst, solltest du dir den Track anhören. Denn er liefert - ganz anders als es das Thema der Lyrics befürchten lässt - einen durchaus einprägsamen und individuellen Sound. So hätte Curses "Und was ist jetzt" 2018 geklungen.

Negroman - Lavish.jpg

Negroman - lavish.jpg

Die erste Single aus dem kommenden Nichts Rap: Negroman | Beat: Slave L Video: Phil Hoffart, Lavelle Müller, Nejromunn Mix/Master: JÓSHA , Nejromunn https://www.facebook.com/nejromunn/ https://www.instagram.com/nejromunn/ https://www.instagram.com/_phil_________/ www.sichtexot.com Song Text: mach nich auf bescheiden Buddha man ist Narzisst um Rap zu machen 16 mal "Ich" in 16 Takten zähle deine Tage wie das Bare in der Kasse Hälfte auf den Scheiterhaufen Hälfte in die Tasche feine Seismographen zeichnen Phrasen in den Wald Hände an die Halfter und die Kleine in Pyramide gekleidet ich bin groß wie ein Jugendlicher und zu dem Preis dann auch zeitlos oder nur zukunftssicher?

Negromans "Lavish.jpg" beginnt mit einem Eingeständnis. Um als Artist in diesem Genre zu existieren - so Negroman - müsse man Narzisst sein. Fler würde da sicher nicht widersprechen. Und tatsächlich hangeln sich die Lyrics am von Slave L produzierten Beat sehr selbstreflexiv entlang. Die ruhige Stimme gepaart mit einer ebenso unaufgeregten Vortragsweise offenbaren nicht nur Abfeierei des eigenen Lifestyles und "Lavish.jpg" ist sicherlich kein 0815-Track aus 2018.

Rayn - Hoes callen mich 

RAYN - "HOES CALLEN MICH" (prod. by Dosh)

Viel Spaß mit der 2. Single "Hoes callen mich" streamen/kaufen: http://fanlink.to/raynhoescallenmich Folgt Rayn auf den Sozialen Netzwerken: https://www.facebook.com/raynmusik https://www.instagram.com/rayn_lsg https://www.twitter.com/rayn_mbt Produziert von Dosh: https://www.instagram.com/prodbydosh Videoproduktion Kim Vizola: https://www.facebook.com/kimvizola https://instagram.com/kimvizola Creative Director : Kim Vizola & Rayn Director of Photography: Kim Vizola Edit & Colorgrading: Kim Vizola Assistant: Dol_Photography Https://instagram.com/dol_photography Special thanks to Planet Earth Studios!

Rayns "Hoes callen mich" ließe sich schon eher als typischer Deutschraptrack 2018 abstempeln: Autotune trifft auf Lines darüber, wie wenig sich Rayn vor Angeboten junger Damen retten kann. Doch nur weil Artists etwas machen, das viele vor ihnen schon erfolgreich praktiziert haben, ist es ja nicht per se schlecht. Denn Flow, Stimme des Berliners erzeugen einen Vibe, der hängen bleibt. Statt dicken Karren gibt es außerdem Kleinwagen. Sollte das eine Prise Selbstironie sein, wäre es witzig. Ansonsten ist es einfach die ungeschminkte Wahrheit - auch das wäre eine nette Abwechslung.

 Destroy Degenhardt ft. Koljah - Fuchur (Teil 2)

Destroy Degenhardt feat. Koljah - Fuchur (Teil 2) // JUICE Premiere

Koljah und Destroy Degenhardt über die beinharte Wahrhaftigkeit von Drogenkonsum. Stay clean!

Die ungeschminkte Wahrheit erzählt auch Destroy Degenhardt auf "Fuchur (Teil 2)". Denn während Rap in weiten Teilen den Konsum diverser Drogen unreflektiert abfeiert, erzählt er die Story aus einer anderen Perspektive und holt sich mit Koljah von der Antilopen Gang einen prominenten Gast dazu. An eine Tischtennisplattte gelehnt, berichtet Koljah über eine dunkle Episode seines (Drogen-)Lebens. Wer nun aber einen pädagogenhaften Track gegen jeglichen Drogenkonsum erwartet, der wird enttäuscht. Der Track ist nicht mehr als eine Beschreibung der Erfahrungen, die beide mit Drogen gemacht haben - aber eben auch nicht weniger. Dazu gibt es übrigens Kippe und Bier. 

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Rhein, Main, Berlin: 5 Tipps aus dem Untergrund unter 25.000 Klicks

Rhein, Main, Berlin: 5 Tipps aus dem Untergrund unter 25.000 Klicks

Von Clark Senger am 15.04.2021 - 13:26

 

Es ist eine Weile her, dass wir in einem 5er-Pack einige unserer persönlichen Favorites vorgestellt haben, die nicht in Deutschraps Großraumdisko das Tanzbein schwingen. Während der Mainstream von Erfolg zu Erfolg sprintet und viele langweilt, tummelt sich im Untergrund nach wie vor eine ganze Reihe talentierter Menschen, deren Musik mehr Aufmerksamkeit verdient. Fünf Beispiele bringen wir euch hier näher. Die einzige Regel: Unter 25.000 Klicks bleiben!

 

Binho x Lukees x Jakepot – Beyblade (prod. Jakepot)

Wir starten unsere kleine Reise in Mannheim am Rhein, wo ein gewisser Zonkeymobb behandelt wird, als wär'n sie allesamt Apostel. Dort liefern Binho und Lukees schon seit geraumer Zeit Rap, der gute Technik, Humor und Echtheit unter einen Hut bringt. Frische Punchlines, wilde Reimstrukturen – teils kreuz und quer über komplette Parts verteilt – und ein Ohr für interessante Produzenten.

Ende März erschien die EP "Southside" mit Producer Jakepot, der zuletzt immer wieder mit seiner guten Arbeit im Rhein-Main-Gebiet auf sich aufmerksam machen konnte (Gianni Suave, Para Yok Mob, Rafiki PZK und mehr). Der Gute knallt einem in "Beyblade" direkt ein paar üble Bässe vor den Latz, die gleich zum Einstieg ein vielversprechender Vorbote auf die Boshaftigkeit des Beats sind.

Auf "Southside" geht es soundtechnisch generell eher düster zu, während Luke und Binho sich die Bälle zuspielen und sich gegenseitig mit ihren ganz eigenen Styles ergänzen. In die knackige 8-Minuten-EP sollte man definitiv mal reinhören.

 

Kulturerbe Achim x CGN Untergrund – Oh nää (prod. Priesemut & Jorry)

Wenn wir dem Rhein über Mainz und Koblenz von der "Southside" in Nordwest-Richtung folgen, sehen wir irgendwann zur linken die zwei imposanten Türme des Kölner Doms. Die Stadt am Rhing hat es nicht nur den Lokalpatrioten aus der Südkurve angetan, sondern offenbar auch dem Berliner Kulturerbe Achim. Der fühlt sich nämlich sichtlich wohl zwischen den CGN-Untergrund-Allstars Fresse, Benni Bandito, Lugatti sowie Benyo und Fly von Schälsick.

Auf einem Beat von Priesemut und Jorry mit leckeren UK-Vibes gibt's in Form von "Oh nää" einen abwechslungsreichen, kleinen Possetrack, bei dem die Pumpe ordentlich auf Action kommt. Während Fresse und Benni mit rasanten Flow-Passagen das Tempo anziehen, sorgen beispielsweise Gatti und Fly für andere Akzente. Das Ding ist rough, wuchtig und macht einfach Bock. 

 

Gianni Suave x Jakepot – Newcomer Forever (prod. Jakepot)

Dass Jakepot auch in FFM seine Beats parkt, hatte ich schon bei Lukees und Binho erwähnt. Das kann gleichzeitig modern und ein Kopfnicker sein, wie ihr etwa bei "Newcomer Forever" von Gianni Suave hört – das Verschmelzen unterschiedlicher Ären gehört auch zu den Stärken des Rappers. Der macht dem zweiten Teil seines Künstlernamens ("suave" span. = sanft, geschmeidig) übrigens alle Ehre, wenn er scheinbar maximal zurückgelehnt die Schwächen der schillernden Rapwelt aufzeigt:

"2 Millionen Follows, bist auf Insta bisschen witzig / was machst du mit Power, flexen mit Chayas und Jibbits / meine Vision anders, uns're Vision different / währenddessen zwanzig-zwanzig, halbe Welt ist noch rassistisch"

Nur scheinbar zurückgelehnt? Sí. Was beim Frankfurter allzu leichtfüßig klingt, offenbart dem geübten Ohr eine reimtechnische und lyrische Komplexität, die im sehr runden Vibe fast untergehen könnte. Nach dem Beatswitch bei 1:20 Minuten zeigen sowohl Gianni als auch Jake dann noch eine andere Facette, es wird spürbar aggressiver. Auch das sitzt wie angegossen.

 

Argonautiks – 25 [Meine Welt] (prod. Donnie Bombay)

Part 1

Part 2

 

Die Argonautiks waren schon 2018/2019 Stammgäste in unserer Artikelreihe unter 25.000 Aufrufen. Erfreulich für die Jungs und für deutschsprachigen Rap: Die meisten Videos auf YouTube knacken mittlerweile die 100K oder gehen grade auf diese Marke zu. Erfreulich für diesen Artikel: Zwei der aktuellen Auskopplungen aus dem kommenden Album "Paroli Pop" liegen derzeit bei knapp 3.000 (Part 2) beziehungsweise 11.000 Klicks (Part 1).

Paul Uschta und Timmy Tales blicken in ihren Solotracks "25 (Meine Welt)" – der Titel bezieht sich auf die Linie 25, die die Berliner Innenstadt mit Zehlendorf und Teltow verbindet – unabhängig voneinander auf die Jugendzeit zwischen 2006 und 2010 zurück. Gegelte Frisur und kitschiger Duft. Liebeskummer. Mama schiebt Hass. Breitgeboxte Nasen. Mit Fünfern und Cans in den Taschen irgendwo zwischen S-Bahnhof und Block. Inhaltlich schon mal einer sehr spannende Geschichte.

Auch was den Sound angeht: Argonautiks-Stammproduzent Donnie Bombay liefert den beiden für ihre verschiedenen Perspektiven auf eine ähnliche Zeit die wie immer passenden Beats. Man kann die Liebe zu Detail an allen Ecken raushören. Und was hier raptechnisch passiert, lässt sich schwer in Worte fassen. Ich habe es in unserem Podcast schon einige Male versucht, aber für hier und jetzt müsst ihr nur wissen: Das ist unbeschreiblich dope!

 

Die P – Ein Schritt (prod. TVL)

Und am Ende landen wir doch wieder am Rhein bei Die P. In ihrer Hood 53 werden Realness und ein gewisses Faible für den zeitlosen Vibe der 90er seit jeher groß geschrieben – SSIO und Xatar lassen grüßen. Wo die AON-Jungs eher Richtung Westcoast und G-Funk tendieren, meint man bei der Rapperin eher den Flair des Big Apple herauszuhören. Darauf reduzieren lässt sie sich aber ohnehin nicht.

"Dieses Leben schenkt dir nix, komm erzähl mir nix von Glück / ein Schritt nach vorn', aber zwei Schritte zurück" 

Ihr Debütalbum "3,14" erschien im März und unterstreicht die starke Entwicklung der vielleicht roughsten Rapperin in DE. Anders als der Hustle, den Die P in "Ein Schritt" beschreibt, gab es da zuletzt nur Schritte nach vorne. Es ist gleichzeitig das erste Album, das über das all-female Label 365XX erschienen ist.


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