Deutschrap 2017: Welche Rapper dieses  Jahr durchstarten können


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Collage aus Screenshots: CE$ - Aspetta - youtu.be/rpOMFAyPS8c | DARDAN - 10 EURO SAMSUNG - youtu.be/fsEuLuUtcA4 | Eunique - Rückblick - facebook.com/euniqueoffiziell/videos/587815784710182

2016 war ein Scheißjahr. Darauf hat sich die Welt geeinigt. Für Deutschrap gilt das aber nicht: Starke Releases, noch stärkere Songs und viele viele Newcomer.

Kleine Internet-Hypes kommen und gehen aber wie die Jahreszeiten. 2017 wird zeigen, welche neuen Gesichter aus den letzten Monaten sich langfristig etablieren können. Daher geht es in hier um Leute, die in letzter Zeit auf sich aufmerksam machten konnten und bereit für ein amtliches Release sind.

Dass wir ein Auge auf Casper, Bushido, 187 und bestimmt auch Marteria oder Haftbefehl werfen müssen, ist klar. Auch Chima Ede, Zuna, Kianush, Nimo oder auch Yung Hurn und Haiyti werden wohl weiter nach oben gehen, aber hatten schon in den letzten Jahren teils mehrere Releases und/oder große Aufmerksamkeit. Wir widmen uns eher Akteuren, deren erste richtige Veröffentlichungen wohl 2017 anstehen.

Dardan

Die meisten werden Dardan durch seinen Hit Wer macht Para? (fast 6 Mio Klicks) mit dem neuen Xatar-Signing Eno kennen. Während dessen erstes Kopfticker-Release Xalaz schon diese Woche erscheint, gibt es zu Dardans Mixtape noch keine konkrete Info.

Auf Facebook lässt der Stuttgarter uns aber immerhin schon wissen: Das Ding ist fertig, ein neues Video und ein Remix zu 10 Euro Samsung mit einem noch geheimen Feature sind auch auf dem Weg.

Der Nachwuchs-Rapper hat mit seinen Videos 2016 schon unter Beweis gestellt, dass er mehr als nur irgendein neuer Straßenrapper sein kann. Er hat das richtige Gespür für Atmosphäre und Vibe, das auch hierzulande immer wichtiger wird.

Weiterer Pluspunkt: Dardan ist vielfältig. Klar, textlich sind Otttickerei, Stress mit der Polizei oder Kripos, schnelles Geld und die Homies nicht die Neuerfindung des Rades. Soundtechnisch bezieht er allerdings nicht nur moderne Einflüsse aus den Staaten, sondern hat auch schon oft seine Vorliebe für Grime bekundet.

Über den Jungen wird es wohl schon relativ bald wieder etwas zu berichten geben...

CE$

Was ist eigentlich in Dortmund los? Jahre lang kommt gefühlt nichts aus der Großstadt im Ruhrpott und auf einmal rappen sich mit 18 Karat, Play69, Miami Yacine und eben auch CE$ gleich mehrere Rapper auf die Bildfläche.

Für viele trat der Bratello erstmals in Erscheinung, als RAF Camora Anfang Mai erklärte, geflasht vom Song Teufelskreis zu sein. Seitdem erschienen mit Einer von uns, All in und Aspetta drei weitere Solo-Songs.

Die Hiphop-Polizei gräbt sich angesichts der extravaganten Optik und des Adlib-Games (it's lit!) bestimmt irgendwelche verstorbenen Legenden aus, damit diese sich gerade im Grab umdrehen können. Dem "stylischen Guapo" dürfte das herzlich egal sein.

Alles wirkt so, als hätte CE$ eine ziemlich genaue Vorstellung von der Musik, die er machen will. Das spannende Gesamtpaket des Dortmunders mit italienischen Wurzeln ist auch schon bis Italien vorgedrungen, wo Noisey ihm einen Beitrag widmete.

Ein Debüt-Mixtape/Album/Whatever ist noch nicht offiziell angekündigt, aber 2017 ist definitiv mit Il Guapo zu rechnen!

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Kommentare

Moin hiphop.de

Gute Compilation aller Newcomer für besagtes 2017, aber warum habt ihr “Disarstar“ nicht genannt?

Grüße aus Hamburg

MS

Ohhh jaaaa um den werden sie nicht rum kommen. Das Disarstar keiner auf dem Schirm hat. Wird bald in aller Munde sein.

Yo, Disarstar hat für mich nicht ganz in diese Liste gepasst, weil er schon 2015 sein Debütalbum rausgebracht hat.

Gruß zurück!

Chef vom Dienst, ok!

Vergesst nicht : yung cornetto

KMN und Eno

vergesst nicht das Bausa schon auf Haftis Russisch Roulette krass war

Miami Yacine, Estikay und KEZ sind klar die favoriten um plötzlich zur Rap Elite zu gehören. Mir fehlen leider dennoch viele Rapper die noch gut durchstarten könnten, wie z.B. Ced Awsm, Musiye oder Kianush.

was mit joey bargeld und den 102 boyz?

Es heisst : Jeder liest auf WhatsApp, NIEMAND schreibt

wo ist sami

was ist mit moneymaxx,102 Boyz oder 44 Hustler syndicate ?????

Deine Meinung dazu?

Weiter ...

Kanye West pinkelt auf Grammy-Award: Seine Offensive gegen die Musikindustrie

Kanye West pinkelt auf Grammy-Award: Seine Offensive gegen die Musikindustrie

Von Clark Senger am 17.09.2020 - 13:06

Kanye West ist grade auf einem heiligen Kreuzzug gegen die Musikindustrie, die er vorgestern als "modernes Sklavenschiff" beschrieben hat. Er selbst sei der "neue Moses" und heute Nacht hat er seinen Darstellungen ordentlich Nachdruck verliehen. Er hat zunächst mehr als 100 Seiten seiner Verträge mit Universal und Sony auf Twitter geteilt und später ein provokantes Bild mit Symbolkraft geliefert, das in Erinnerung bleiben dürfte: Er pinkelt in einem Video auf einen seiner 21 Grammy Awards, den er in einer Toilette versenkt hat. Reaktionen kommen auch aus dem Deutschrap-Kosmos.

Kanyes Kampf gegen die Musikindustrie

Das mag im zunächst für manche massivst over-the-top wirken, aber es stellen sich langsam immer mehr Menschen an Kanyes Seite. Der Inhalt, also seine Forderung nach gerechteren Verträgen und den Master-Rechten für entsprechenden Künstler*innen, scheint für einige nicht nur legitim, sondern auch notwendig zu sein.

Ganz konkret spricht er in diesem Zusammenhang die fehlenden Einnahmen durch Konzerte an, die durch die Covid-19-Pandemie wegbrechen und Löcher in die Taschen vieler Kulturschaffender reißt. Oftmals heißt es, Corona sei ein Brennglas, das uns zwingt, lange ignorierte Missstände endlich anzugehen. Diese Metapher passt auch hier:

Unter anderem Producer Kenny Beats supportet Yes Vorstöße. Er sagt, insbesondere Schwarze Künstler*innen bräuchten mehr Schutz in der Musikindustrie. Die meisten Labels hätten außerdem kein Problem damit, junge Menschen mit Verträgen in eine hartnäckige Falle zu locken.

Auch Hit-Boy, auf persönlicher Ebene kein Fan von Kanye, fühlt die Message. Seit dem Alter von 19 Jahren fühlt er sich in seinem Vertrag mit Universal Music Publishing gefangen. Seine Anwält*innen hätten diesen als den "schlimmsten Publishing Deal, den sie je gesehen haben" beschrieben.

Der Rapper Logic berichtet von ausbleibenden Zahlungen – etwa an Lil Wayne – auf die er nach wie vor von Def Jam wartet:

Kanyes Mittel haben häufig, so auch jetzt, eine unweigerliche Mit-dem-Kopf-durch-die-Wand-Attitüde, die polarisiert. In der Form kann man aber erstens kaum Zurückhaltung von jemandem erwarten, der nicht nur einen Song namens "I Am A God" im Katalog hat, sondern sich auch schon als Yeezus oder eben New Moses bezeichnet hat. Zweitens ist es leider einfach so, dass man mit netten Hinweisen und Vorschlägen selten so schnell Fortschritte erzielt wie mit dem Brecheisen – Kanyes Werkzeuge sind seine Reichweite und sein damit einhergehender Einfluss. Zudem sollte man nie vergessen, dass seine bipolare Störung alles andere als ein Witz ist, über den man sich allzu sorglos amüsieren könnte (mehr dazu in unserem Artikel aus dem Juli).

Kanye Wests Twitter-Meltdown: Eine bipolare Störung ist kein Witz

Seit Kanye West seine Kandidatur für die US-Präsidentschaftswahl bekanntgegeben hat, sprudelt es nur so aus ihm heraus. Statements, Auftritte, Postings...

Own your Masters, das ist die Message!

Kanye will sein Volk aus der ägyptischen/musikindustriellen Unterdrückung führen, in das Land, wo Geld durch Master-Rechte fließt – nämlich auf die Konten der Urheber*innen. Was er erschaffen hat, soll in der Zukunft seinen Kindern zugutekommen und nicht den Sprösslingen derer, die Musiker*innen in verlockende Verträge lotsen, deren Rattenschwanz sie nicht einschätzen können.

Einen Trend weg von der Bündelung diverser Rechte, Kompetenzen und Entscheidungsgewalten unter dem Dach der größten Labels meint man seit einiger Zeit beobachten zu können. Es ist sicher auch eine Typfrage, ob man die Vorzüge eines Majors über die komplette Unabhängigkeit stellt. Sido beispielsweise fühlt das 360-Grad-Paket schon seit langer Zeit:

Wenn Kanyes Plan aufgeht, bringt er die Industrie dazu, sich auf die Künstler zuzubewegen. Man darf aber in almanesker Korrektheit nicht vergessen: Unter jedem Vertrag, über den Kanye sich heute beschwert, steht seine Unterschrift. Ein solches Dokument sollte man nur mit Weitsicht unterschreiben und gerade in Kanyes Größenordnung auch durch Fachkundige prüfen lassen. Das David-gegen-Goliath-Narrativ von einem Milliardär zu hören, der nicht mehr mit Entscheidungen zufrieden ist, die er vor Jahren selbst getroffen hat, hat durchaus eine ironische Note.

Transparente DIY-Vertriebe wie beispielweise TuneCore, bei denen man 100 % seiner Einnahmen und Rechte behält, gewinnen auch für prominente Acts immer mehr an Attraktivität. Grade Einsteiger können bei solchen Modellen ein frühes Abhängigkeitsverhältnis umgehen und später überlegen, ob sie nicht doch einige Rechte gegen die Dienste eines Majors eintauschen möchten. Außerdem haben Künstler*innen und Managements 2020 ganz andere Optionen, mit Vertrieben, Labels oder Verlagen zusammenzuarbeiten als noch vor einigen Jahren.

Reaktionen auf der Deutschrap-Szene

Der deutschsprachige Rapkosmos zeigt sich bislang weitgehend erheitert von der jüngsten Twitter-Offensive. Die Jungs von K.I.Z antworteten (vermeintlich als Spaß), sie würden Kanye ihren Vertrag zuschicken. Celo & Abdi reagieren gewohnt humorvoll und wollen Ye zu 385i holen, sie würden ihre Rechnungen immer pünktlich begleichen.

Olson ist mehr der Pragmatiker:

Juju und RIN zeigen sich amüsiert:

Das letzte Wort in dieser Sache – und das verdeutlicht Kanye vehement – ist erst gesprochen, wenn er seinen Willen bekommen hat. Dass er sich in seinem Freiheitskampf als "Baby Putin" bezeichnet, wäre wohl unter normalen Umständen das Gesprächsthema. Nur ist seine Twitter-Aktivität von normalen Umständen weiter entfernt als Hit-Boy von einem zufriedenstellenden Publishing Deal und so bleibt dieser zynische Vergleich vorerst nur eine Erinnerung daran, dass Ye-Tweets mit Vorsicht zu genießen sind.


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