Abseits riesiger Hypes: 5 Tracks, die du nicht verpassen darfst

Es ist im Rap so wie in allen anderen Bereichen der Kunst: Leidenschaft für die Sache haben sehr viele Menschen, wirklichen Fame oder sogar das ganz große Geld verdienen die wenigsten. Insbesondere in Zeiten, in denen Rap so erfolgreich wie selten zuvor ist, prägen einzelne Stars, Labels oder Movements die Szene. Viele kleinere Acts versuchen sich wahlweise gewisse Dinge abzuschauen oder ziehen einfach ihren eigenen Sound durch - beides gelingt mal mehr und mal weniger. Wir haben dir fünf Tracks herausgesucht, die gute Beispiele dafür sind, wie vielfältig und dope Rap 2018 auch im Untergrund sein kann.

Krüger - Stadt Gottes

Direkt aus Frechen - einer Kleinstadt vor den Toren Kölns - liefert Krüger straighten Straßenrap. Auf dem Track "Stadt Gottes" gibt es ungeschönte Beschreibungen vom dem Leben, das Krüger lebt - irgendwo zwischen Aggression, Gewalt und dem Gefühl, von der Politik nicht ernstgenommen zu werden. Trister Alltag für viele junge Menschen in Deutschland, den der 22 Jahre alte Newcomer gekonnt auf Beats und gemeinsam mit seiner Crew in ein schwarz-weißes Video gepackt hat. 

Sekokaza - Jedes Gramm knallt

Wir wechseln von kurz vor Köln nach Berlin und von Krüger zu Sekokaza, der zwar nicht minder harte Bretter liefert, jedoch garantiert ohne Consciousrap-Elemente auskommt. "Jedes Gramm knallt" ist eine Ticker-Hymne vom Feinsten. Auf einen Beat von Brenk Sinatra bringt Sekokaza deutschen Trap um und schwenkt die kurdische Flagge. Keine Zeit zum Durchatmen!

Melik - Aspirin

Von der deutschen in die österreichische Hauptstadt: Aus Wien sorgt Melik für melodischen Autotune gespickt mit lupenreinen Raps. Melik braucht "Aspirin" - ob gegen zielloses Rumlaufen oder den Kontostand im Minus. Das gleichnamige Album kommt am Freitag!

Yaw Herra ft. Dirrty Harry & Makabeli - Represent

Yaw Herra hat sich die Brüder Dirrty Harry und Makabeli dazugeholt, um zusammen Koblenz zu representen. "Represent" ist eine Hymne an Koblenz, Zustandsbeschreibung, Turnup-Track und eine Absage an die AFD in einem. All das packen die drei auf einen Beat von Dawid DST.

102 Boyz x BHZ - Bier

Die 102 Boyz und BHZ bringen zwei Dinge zusammen, die sehr gut sind: Rap und Bier. Genaugenommen geht es nicht nur um Bier, sondern um viele weitere berauschende Mittel, die von der Berlinern konsumiert werden bis sie - und da schließt sich der Kreis - morgens nach Bier stinken. Das wird im Video dann auch eindrucksvoll bebildert. Besonders sympathisch: Die für Rapvideos obligatorischen Karren sind hier von DriveNow angemietet. Das ist realer Rap!

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Ungehypt & Dope: 5 Deutschrap-Tipps unter 25.000 Klicks

Ungehypt & Dope: 5 Deutschrap-Tipps unter 25.000 Klicks

Von Jesse Schumacher am 29.10.2019 - 18:08

Wer sich vom aktuellen Hiphop-Mainstream ermüdet fühlt, sollte das Genre nicht aufgeben, sondern da suchen, wo sich Rap am wohlsten fühlt: Im Untergrund.

In dieser Reihe präsentieren wir euch regelmäßig eine kleine Anzahl an Untergrund-Künstler*innen, die aufgrund unterschiedlicher Faktoren einen gewissen Reiz ausüben und mehr Aufmerksamkeit verdient haben. Deswegen konzentrieren wir uns auf Musiker*innen, die mit ihren Videos noch unter 25.000 Klicks liegen.

Ind1go & Tym – Bean (prod. Alecto)

Während sich einerseits Leute die Köpfe einschlagen, weil sie sich uneinig sind, ob Animus der richtige Partner für Bushidos CCN4 ist, scheint andererseits die Harmonie eines anderen Duos wesentlich offensichtlicher.

Ind1go (@ind1go089) und Tym (@tym.btm) passen gleich auf mehreren Ebenen perfekt zueinander. Die beiden Herzensbrecher teilen eine Ästhetik, die sich in ihrem Sound, ihren Videos und in ihren Cover-Artworks widerspiegelt. Dabei fangen sie den aktuellen Zeitgeist eines Stils ein, der vor vier Jahren wahrscheinlich noch Cloud-Rap genannt worden wäre.  

So auch auf "Bean", eine Videoauskopplung aus ihrer gemeinsamen EP "Azur", die bereits im März dieses Jahr erschien. Der Track beweist die Stilsicherheit der beiden Künstler und fängt eine sphärische und leicht melancholische Stimmung ein.

"Herzen, sie brechen wie iPhone Displays/ Leben so süß und sie will einen Taste/ Ich drück' Record und ihr drückt Copy-Paste/ No Love für euch, get the f*ck out my Face"

Alecto (@alectobeats) hat den Beat gebaut und produzierte auch schon Tracks für US-Superstars wie Lil Baby. Als Teil der Saucier Squad (@sauciersquad) gehört er zu einem der aktuell aufstrebendsten Producer-Kollektiven in Deutschland.

Auch solo haben Ind1go und Tym schon einige Hits releast. Während Ind1go sich in letzter Zeit auf mystische Weise zurückhält und seine Fans auf Instagram immer wieder mit Snippets zu neuer Musik heiß macht, kündigte Tym seine kommende "Me"-EP für den 1.11 dieses Jahr an.

Blokkboy$ ft. Blanco Panther – BBB (prod. déjà vu)

Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass die kölschen Jungs von Blokkboy$ (@blokkboys0221) ihre Stadt im Moment so hart representen wie niemand anderes. Zur Crew gehören die Künstler Cgoon (@cgoon0221), Bada Dinero (@bada_dinero) und Leon Lucci (@lucci0221).

Auf ihrer letzten Single "BBB" mit Blanco Panther (@blancopantherofficial) rappen sie auf einem modernen Trap-Beat über ihren Grind, ihre Verbundenheit zu ihren Brudis und natürlich über ihre Hometown. Produziert ist der Track von déjà vu.

"Ich bin Kölner, das ist 'min jung' und nicht 'mein dicker'"

Ihr letztes Full-Length-Project "Blokkworld" bildet einen Sound, der die Hustler-Mentalität der Straße mit der symphatischen kölschen Grundstimmung auf knallenden Trap-Beats verbindet. Diese Kombination macht die Jungs aktuell einzigartig und spannend.

Allgemein bietet die Kölner Rapszene zur Zeit einen sehr abwechslungsreichen Sound, der von einigen aufstrebenden Künstler*innen getragen wird. Darunter zum Beispiel die Rapper Lugatti & 9ine oder Dennis Dies Das, die auch im Video zu "BBB" zu sehen sind.

Hugo Nameless - Paradies (prod. btgrin)

Hugo Nameless (@hugonameless030) als Newcomer darzustellen, würde auf einer falschen Annahme beruhen. Der Rapper schlug spätestens 2016 Wellen und prägte damals gemeinsam mit Fruchtmax das Sprachbild vieler Kids auf "WKMSNSHG" (Wie kann man sich nur so hart gönnen).

Was viele anscheinend nicht mitbekommen haben: Hugo Nameless ist immer noch am Start und hat sich in den letzten Jahren fest im Berliner Untergrund etabliert. Dabei hat er sich als Rapper weiterentwickelt und auf unterschiedlichen Projekten eine Vielzahl an musikalischen Brettern geliefert. So zum Beispiel auf seinem Kollabo-Mixtape mit $oho Bani "Nase voll, Taschen leer" auf dem viele grimey Banger schlummern, die euch eure Boxen zerscheppern können.

Mit "Paradies" veröffentlichte Hugo Nameless eine Liebeserklärung an das grüne Gold auf einem Beat mit bouncigen Swing, produziert von btgrin. Der Track ist von seinem letzten Album "Frank", das im Juli dieses Jahr erschien. Hier greift er unterschiedliche Stimmungen auf und beweist, dass er seinen Sinn für Humor nicht verloren hat. Insbesondere auf seinem Instagram-Account postet er häufig Content, der regelmäßig ein breites Grinsen hervorruft – Zumindest wenn man auf die Gags steht.

"Meine Mama macht sich Sorgen wegen Weed/ Nur mein Shawty sieht mich gerne, wenn ich zieh'/ Rauche Gorilla Glue, die Augen hängen tief/ Zünd' den Joint an und ich bin direkt im Paradies"

Die P – Alle Reden (prod. Big Roo)

Die P (@mach.platz) hält die Golden-Era-Fahne hoch und zelebriert die Kunst, Boombap-Beats zu zerlegen, wie zurzeit keine andere Rapperin. Auf "Alle Reden" belebt sie den Spirit der 90er mit ihrer woken Einstellung wieder und zweifelt unter anderem die Realness von anderen Rappern an. Das klassische Hiphop-Instrumental ist produziert von Big Roo.

"So viel harte Kerle, doch es fehlen die Beweise/ Fake-Support ist schädlich also mach ich es alleine"

Mit "Alle reden" meldet sie sich nach ihrer 2017 erschienen EP "Bonnität" zurück und wir dürfen auf weiteren kommenden Output der Rapperin hoffen.

Iloveakim – Fenster stehen (prod. Iloveakim)

Iloveakim (@iloveakim) kehrt auf "Fenster stehen" seinen Hiphop-Roots fürs Erste den Rücken zu und bezeichnet den Track selbst als "Bedroom Pop". Auf dem funkigen und tanzbaren Beat, produziert von ihm selbst, rappt und singt der junge Österreicher über einen unerreichbaren Schwarm und spielt mit alten Clichés aus Liebesfilmen der 80er.

"Ich bleib' am Fenster stehen, ich trau mich nicht zu dir/Ich schau von draußen zu wie du dich amüsierst/Du bist so wunderschön, wie du dich bewegst/Dein Schatten tanzt mit mir, doch etwas trennt uns hier"

Während er auf dem Song scheinbar eine neue musikalische Ausrichtung findet, waren seine vorherigen Veröffentlichungen vom trappigen US-Sound inspiriert. So auch sein Album "Freak", auf dem er sich aber auch experimentell zeigt und in großen Teilen an die frühen Songs von Tyler, the Creator erinnert. Die Tracks lebten vor allem aus dem Spaß an der Sache, den er auch in Videos mit seiner Dumbkoif-Crew authentisch rüberbringen konnte.

In einem Interview mit der Juice bezeichnet er diese Songs mittlerweile allerdings als trashy. So wie sein größtes Vorbild Tyler, the Creator wolle er sich regelmäßig weiterentwickeln und neue Stile ausprobieren.

Das Video produzierte unter anderem der talentierte Videograf Chefboicani, der Teil der Dumbkoif-Crew ist und den wir vor Kurzem in einem exklusivem Interview vorgestellt haben.

Kunst statt Kommerz: Chefboicani über sein Video für Yung Hurn, US-Connections & die Faszination für Tyler, the Creator

Rap ist allerspätestens dieses Jahr endgültig im Mainstream angekommen. Anfang des Jahres überholte Capital Bra einen Rekord der Beatles, Hiphop gehört zu den meist gestreamten Genres in Deutschland und in den aktuellen Top 10 der deutschen Single-Charts sind neun Hiphop-Tracks platziert. Wer im musikalischen Mainstream unterwegs ist, will meistens vor allem eines: ordentlich Scheine kassieren.


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