10 Rap-Songs, die dir dein rechtes Gedankengut zerf*cken

In der aktuellen Flüchlingsdebatte zeigt sich mal wieder, wozu das Internet fähig ist. Klar, Facebook-Kommentare und Likes ersetzen nicht die offene Meinungsäußerung auf den Straßen. Potenzial ist jedoch vorhanden. Leute, die sonst schweigen würden, wenn ihnen etwas missfällt, können Stellung beziehen – positiv wie negativ.

Es gibt zahlreiche Seiten, die sich über Rechtschreibfehler oder rhetorische Perlen von "besorgten Bürgern" lustig machen. Leider gibt es diese Seiten nur, weil es massig hydrowacke Müllaugen gibt, die sich nicht scheuen, ihre rassistischen Kommentare im Netz zu verbreiten. Zuletzt zeigte ein Video von Journalistin Anja Reschke, in dem sie sich deutlich gegen Fremdenhass positioniert (Video hier unten), dass Politik in Sachen Viralität nicht gegen süße Clips von auf Schildkröten reitenden Katzenbabies abstinken muss.

Til Schweiger macht den Mund auf, lässt Taten folgen und Farin Urlaub hat einen spannenden Ansatz, wie es dazu kommt, dass Nazis zu Nazis werden. Wer nichts könne und erreicht habe, wolle auch auf irgendetwas stolz sein und liebt dann halt sein Vaterland. Die Blogrebellen erklären, warum es dann doch nicht so einfach ist, aber Farins Ansatz ist einleuchtend.

Und dann gibt es noch jede Menge Rapper, die sich gegen Rechts positionieren – Sprachrohr der Straße und so. Migranten gehören schon immer zur Hiphop-Kultur, haben sie praktisch erfunden. Genauso gehören die Grundprinzipien Toleranz, Respekt und Offenheit dazu. "Es ist nicht wer du bist oder woher du bist, es ist was du machst / und du kannst immer alles psychologisieren / doch ein Spast ist nun mal ein Spast", rappt Fatoni in Badaboombap. Word!

Weil es einfach an der Zeit ist, haben wir einige wichtige und passende Songs zusammengetragen. Hiphop will die Welt nämlich bunt und nicht braun. Da bite ich mal ganz frech den Retrogott und sage dem besorgten Bürger: "Rap ******t auf dich!"

Starten wir doch mal mit der Nummer, die gerade einfach auf der Hand liegt...

"Denkt ihr die Flüchtlinge sind in Partyboote gestiegen / mit dem großen Traum im Park mit Drogen zu dealen?"

K.I.Z. positionieren sich bei Boom Boom Boom vollkommen zu Recht etwas expliziter als gewohnt, ohne dabei ihren Klosterschüler-Charme zu verlieren.

Aus Hitler die absolute Lachnummer zu machen, war 2013 der ****. 2015 mussten diesen "Party-Patrioten" aber mal unverblümt die Leviten gelesen werden. Denen und auch dem Rest des Volkes, das sein Leben auf Einbahnstraßen führt, die ihnen das Nachmittags-Programm auf den Privatsendern vorgibt.

"Du hast viele Träume / wir haben viele Zäune"

grim104 und Testo haben die leider alltägliche Flüchtlingsfeindlichkeit, die einem überall begegnen kann, mal ordentlich zerpflückt. Dabei dient der Oranienplatz in Berlin als zentrales Symbol für den semi-souveränen Umgang mit Asylbewerbern und Flüchtlingen – sowohl der Politiker als auch der Anwohner. Dort gab es von 2012 bis 2014 ein Protestcamp von Flüchtlingen, das dann im April 2014 geräumt wurde.

Die sarkastische Position, dass wir viel zu viel haben und nichts abgeben können, wird am Ende auf die Spitze getrieben, wenn Testo sagt, dass eine Person aus Mitleid mit den Deutschen aus dem Baum steigt. Damit spielt er auf die sudanesische Aktivistin Napuli Langa an, die fünf Tage ohne Nahrung auf einem Baum am Oranienplatz gegen die Räumung des Camps protestierte.

"Ich frag mich, warum so viel' Leute wegschauen / ist Angst, Akzeptanz oder Ignoranz?"

Manche gehen den Widerstand etwas gediegener an. Irie Révoltés (etwa „fröhliche/positive Aufständische“) gehören nicht dazu. Die Band, die Rap, Dancehall, Reggae und andere Genres nach Belieben in einen bunten Topf schmeißt, will nicht weniger als „den Globus nazifrei“.

Der Song Antifaschist ist von 2010, aber topaktuell. Nazi-Propaganda im Netz, die Mitte der Gesellschaft als Ziel, brennende Häuser, der Trend weg von klassischen stilistischen Erkennungsmerkmalen – fünf Jahre später hat sich nicht allzu viel geändert. Aber „je mehr Leute sich trauen, sich querzustellen, desto stärker ist der Widerstand“ gilt nach wie vor. Irie Révoltés stehen mit ihrer Musik, diversen Benefiz-Gigs und auf Demonstration für ihre Sache ein.

"Denn es ist leicht zu sagen 'Nazis raus!' / doch jeder Mensch kann sich veränder'n, ich glaub Nazis auch"

Blumio, der alte Pazifist, verfolgt da einen anderen Ansatz und setzt auf Dialog. Dazu lädt er Mr. Nazi auf seine Party ein und stellt ihm seine Freunde vor.

Legitimer Move! Denn genauso wenig, wie die Flüchtlinge und Asylbewerber dafür können in einem Land geboren worden zu sein, in dem Menschen sich wegen unterschiedlicher Ideologien noch 2015 gegenseitig die Köpfe abhacken, müssen Nazis Nazis bleiben.

Genial in diesem Zusammenhang: Die Aktion Rechts gegen Rechts, die für jeden gelaufenen Meter auf rechten Demos Spenden kassiert und diese nutzt, um Nazis den Ausstieg aus der Szene zu erleichtern. Köstliche Ironie!

Schauen wir doch mal etwas in den Untergrund...

"Egal, wer du bist und woher du kommst / du bist ein Mensch und somit genau so wie ich"

Der Orb ist ziemlich unbekannt, aber als wir den Pestdoktor aus unserer Upcoming Section auf Facebook gebracht haben, gab es enormes Feedback. Vielleicht weil er einfach den Nerv von vielen Hiphop-Freunden trifft. Motto: bunt statt braun! Und nicht schweigen!

Der Dude hat inzwischen zwei EPs am Start: Check Kein Kokolores und Rap Ohne Grund auf Bandcamp ab!

Jetzt ein Throwback 14 Jahre in die Vergangenheit, Nostalgie-Flash...

"Als Kind schon erkannt - ich bin hier Fremd im eigenen Land / Operation Artikel 3 - da habt ihr gelacht"

Mit den Anspielungen auf die beiden älteren Veröffentlichungen von Advanced Chemistry aus den Jahren 1992 und 1994 zeigte Torch 2001 (als es noch Viva Plus gab!), dass Fremdenhass schon seit Jahren ein Thema war. Auch 14 Jahre nach Adriano (letzte Warnung) und 23 Jahre nach Fremd im eigenen Land ist es die alte Angst vor Fremdem, die Menschen in Deutschland zur Gewalt treibt.

Die Brothers Keepers sind ein bunt gemischter Haufen von Reggae- und Soul-Musikern sowie Rappern, der sich formierte, nachdem Ende der 90er die rechte Gewalt zunahm. Der Song thematisiert den Fall von Alberto Adriano, der 2000 von Rechten zusammengeschlagen wurde und an den Folgen des Angriffs starb. Mit dabei sind hier u.a. Xavier Naidoo, Torch, Samy Deluxe, Denyo, D-Flame und Afrob.

Wenn Audio88 & Yassin gerade nicht am Dingetun sind, lieben sie es, mit Stammtischparolen um sich zu schmeißen und Erziehungsratschläge zu verteilen. Manchmal helfen Schellen, aber manchmal ist auch jede Hilfe zu spät.

Natürlich ist Gewalt keine Lösung, aber wenn man sich die aktuelle politische Situation in Deutschland ansieht... So ein paar Schellen mehr hätten hier ruhig verteilt werden können.

"Du laberst von Blut und Ehre, halt dein Mund, du Clown / sie ist unsere Stadt und sie bleibt bunt, nicht braun"

Noch ein Blick in den Untergrund. Johnny Mauser & Captain Gips haben sich von Nate57s Track Waffenfreiezone inspirieren lassen und erklären den Kiez zur Nazifreien Zone.

Diesen Track nahm das LKA zum Anlass, gegen Johnny Mauser zu ermitteln. (EDIT: Vielleicht auch deshalb ist das Video mittlerweile privat)"Leider passt es in die bundesdeutsche Gesamtsituation, dass linken Initiativen, Musiker und Gruppen von Seiten des Staates Steine in den Weg gelegt werden", sagt er gegenüber der TAZ.

Ähnlich radikaler Ansatz wie bei Irie Révoltés – jeder muss da seinen eigenen Weg finden. Ob gegenseitige Gewalt der richtige ist, darf man aber anzweifeln.

"In jedem Provinznest gibt es ein paar Kneipen / die irgendwas mit 'Deutsch', 'Heimat' oder 'Adler' heißen"

Die U2 hörende Beate Zschäpe steht symbolisch für den Alltagsrassismus, der versucht, sich im Mainstream breit zu machen. Mit Phrasendrescherei und dem Wunsch nach deutscher Zucht und Ordnung geht es besonders in den Provinzen zur Sache. Dabei kann man die Rechten nicht mehr so leicht identifizieren. Sagen die Jungs von der Antilopen Gang und ich möchte ihnen glauben.

In Großstädten – so meine Vermutung – sehen die Menschen, wie gut es sich MITEINANDER leben lässt. Aufm Dorf kann man sich das ähnlich vorstellen, wie mit Rap in der breiten Öffentlichkeit. Wenn du immer nur hörst, wie asozial diese bösen Rapper sein sollen, dann hast du gar keine Lust, dich mit Rap auseinanderzusetzen.

Wenn du noch nie mit Menschen gesprochen hast, die anders aussehen als du, dann hast du vielleicht Angst vor ihnen und radikalisierst dich schneller. Vielleicht merkst du dann auch gar nicht, was mit dir passiert. Keine Ahnung – kann irgendwer das Innenleben von den Beate Zschäpes nachvollziehen?

"Und selbst wenn alles ******e ist, du pleite bist und sonst nix kannst / dann sei doch einfach Stolz auf dein Land / oder gib die Schuld ein paar ander'n armen Schweinen / hey, wie wär's denn mit den Leuten im Asylbewerberheim"

Abgesehen davon, dass dieses Zitat sich fast 1-zu-1 auf das Statement von Farin Urlaub angewandt werden kann, lassen Kraftklub auch in anderen Zeilen den revolutionären Spirit der Punk-Szene durchscheinen. Du hast die Wahl: "Die Revolution oder Berlin Tag & Nacht".

Also entweder du findest dich damit ab, dass in Deutschland Flüchtlingsunterkünfte angezündet werden und Nazis – ach ne, besorgte Bürger – sich im Internet und auf der Straße Hitler zurückwünschen, oder du tust es nicht und kriegst deinen Hintern von der Couch gelöst.

Ich hoffe, diese Galerie konnte zeigen, wie Hiphop zur Flüchtlingsdebatte steht. Hiphop will eine bunte Welt, in der die Menschen friedlich miteinander leben, und Hiphop hat insbesondere durch Rap und Graffiti eine Plattform, um diese Prinzipien zu verbreiten. One Love, One Blood! Peace Out!

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Kommentare

Ptk fehlt definitiv in dem artikel. Gibt kaum einen der klarer stellung dazu bezieht (PTK - Deutscher als du glaubst)

Alles klar. Überlegen, nen zweiten Teil zu machen ;-)

Chef vom Dienst, ok!

ja man auf jeden fall

ich lasse besser die musik Sprechen..
was das Thema angeht habe ich eine meinung und ich werde meinen Teil dazu beitragen !
„Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht!“

Bertolt Brecht
#KündigunsModusFreeEp

DNA [DerNordAfrikana] Feat Garfieldt ► WIR MÜSSEN REBELLIEREN ◄ [ official hymne ] AUDIO
https://www.youtube.com/watch?v=CPdjugQWAUo

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Chefket kritisiert Fridays for Future nach Konzertabsage

Chefket kritisiert Fridays for Future nach Konzertabsage

Von Clark Senger am 21.05.2019 - 14:09

Update: Mittlerweile haben Fridays for Future zu dem Konflikt mit Chefket Stellung bezogen. Was genau sie geschrieben haben, könnt ihr hier nachlesen.

Chefket kritisiert die Klimaschutz-Bewegung Fridays for Future nach einem abgesagten Gig, mit dem er sich nach eigenen Angaben unentgeltlich an einer Demonstration beteiligen wollte. Der Grund für das Veto gegen den Auftritt: seine Zusammenarbeit mit Xatar im Rahmen des Remix' zu "Rap & Soul".

Absage wegen Xatar-Feature: Chefket kritisiert Fridays for Future

Auf Instagram teilt Chefket seine Gedanken zur Absage sowie ein Foto einer Nachricht mit der Begründung. Darin heißt es:

"Die Begründung des Vetos liegt darin, da Chefket in Vergangenheit mit Xatar zusammengearbeitet hat, was gegen mehrere ethische Wert von fridays for future verstößt." [sic]

Da wir bislang auf unsere Anfrage keine Antwort vom FFF-Team bekommen haben, können wir über die exakten Gründe nur mutmaßen. Natürlich denkt man als geneigter Rapfan schnell an Xatars kriminelle Vergangenheit: Körperverletzung in der Playboy Mansion samt anschließender Flucht nach Mexiko, der berüchtigte Goldraub und die anschließende Haftstrafe, die Ende 2014 frühzeitig beendet wurde.

Aber: Selbst wenn man den vermeintlichen Lebenswandel von Xatar, der sich unter anderem durch ein Benefizkonzert am Bau eines Waisenhauses im Nordirak beteiligte, ausblenden möchte, ist die Begründung der FFF-Bewegung schwer nachvollziehbar.

Chefket steht für sehr viel mehr als eine Zusammenarbeit mit Xatar und spricht in seinen Texten über viele wichtige Themen unserer Gesellschaft. Seine Blickwinkel sollten mit denen einer vorwiegend links-grünen und zukunftsorientierten Bewegung eigentlich in großen Teilen übereinstimmen. Einen Künstler über eine einzige Kollabo zu definieren, wird ihm ebenso selten wirklich gerecht, wie jemanden auf seine Verfehlungen aus der Vergangenheit zu reduzieren. Chefket dazu auf Instagram:

"Es ist eine dunkle Future für die Kids, wenn gute Musik wegen einem Features verboten wird."

Rassistische Gründe für die Entscheidung?

Chefket scheint außerdem zu denken, dass rassistische Gedanken zur Absage geführt haben könnten. Er betitelt sein IGTV-Video mit "White Days for Future" und gegenüber rap.de stellt er Fragen, die rassistische Motive suggerieren sollen. Er meint, die Bewegung würde mit zweierlei Maß messen, und setzt die Zusammenarbeit von Henning May und K.I.Z. mit seinem gemeinsamen Song mit Xatar ins Verhältnis, um seinen Punkt zu verdeutlichen.

"Wieso gibt es dieses Problem nicht beim weißen Mehrheitsboy Henning May? Weil K.I.Z. als Kunst gesehen wird und Xatar nicht? Da wird mit zweierlei Maß gemessen.Oder liegt es daran, dass der Türke so schlau ist und eventuell ein Vorbild für deutsche Jugendliche sein könnte?" [sic]

Dass K.I.Z. und Xatar sowohl musikalisch als auch persönlich ganz unterschiedliche Wege gegangen sind, die in der Öffentlichkeit dementsprechend anders rezipiert werden, lässt er dabei außen vor. Auch dass er die Jugendbewegung, die das (ökologische) Schicksal der Welt nicht den lethargischen und profitorientierten Politikern überlassen will, trotz seiner anfänglichen Zusage jetzt als "richtig, richtig bescheuert" bezeichnet, ließ uns fragend eine Augenbraue hochziehen.

Auf Nachfrage erklärt Chefket uns, insbesondere das Schweigen der Verantwortlichen lasse sie nun schlecht aussehen. Niemand von Fridays for Future habe sich bei ihm gemeldet.

"Eine Entschuldigung hätte gereicht. Aber dafür ist man sich zu fein. Sie sollen mal ihre Begründung rechtfertigen und mir erklären gegen welche ethischen Werte ich verstoße" [sic]

Auf die Frage, ob er wirklich rassistische Beweggründe hinter der Absage vermutet:

"Einen Song bei dem es um Rap&Soul geht in den Dreck zu ziehen. Was soll das? Wenn sie Max Herre wegen einem XATAR Feature ausgeladen hätten wäre das für niemanden nachvollziehbar. Bei mir scheinbar schon. Warum? Vor allem gibt es bald einen Auftritt von Swiss der auch mit BLOKKMONSTA Features hat. Da ist es dann scheinbar egal" [sic]

Er weiß aber auch, dass es unfair wäre, alle Anhänger von Fridays for Future über einen Kamm zu scheren. Die richtige Kommunikation der Gegenseite wäre hier womöglich der major Key gewesen, um Missverständnisse – sofern es sich denn um solche handelt – zu vermeiden oder aus dem Weg zu räumen. Wie denkt ihr über die Sache?


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